Die Kathedrale des Abgrunds + Haunter of Dreams

grenier-kathedrale-des-abgrunds1Zwei mal Fantasy aus dem Hause Splitter. Den Anfang macht der erste Band des Sechsteilers Die Kathedrale des Abgrunds. Verlagstext: Des ewigen Streits der Nordvölker mit denen des Südens überdrüssig, schlugen die Götter einst einen gigantischen Spalt in die Erde, um die Reiche voneinander zu trennen. Doch eines Tages wird ein Messias kommen und über dem Abgrund eine Kathedrale errichten. Die Reiche werden wieder vereint sein, und ein Zeitalter des Wohlstands wird beginnen. So lautet die Prophezeiung des Evangeliums von Ariathie, nach dem die Templerin Sinead seit Jahren sucht. Währenddessen reist der Meisterarchitekt Pier de la Vita nach Anselm, um seinen zahlungsunwilligen Auftraggeber, den Magier Ronfield, vor Gericht zu bringen, und das gefällt diesem gar nicht. Die Wege der Prophezeiung sind verschlungen, und so sind es auch die Schicksale ihrer Spielfiguren…

Was im Grunde nicht weiter erwähnenswert wäre, denn nach solchen Mustern sind die meisten Heroic-Fantasy-Serien gestrickt. Nur die entführte Prinzessin fehlt hier. Dafür ist mit Sinead ein äußerst wehrhaftes – und natürlich gut aussehendes – Exemplar des weiblichen Geschlechts mit von der Partie. Was hier aber wirklich gut kommt, sind die Zeichnungen. Eine wahrhaft edle Kolorierung sorgt für eine Optik, die anzusehen sich lohnt, und das Album liest sich spannend runter. Wer also auf Heroic-Fantasy steht: In diesem Band ist alles drin, was man braucht. Sechs Bände sollen es insgesamt werden.

Sébastien Grenier , Jean-Luc Istin: Die Kathedrale des Abgrunds Bd. 1
56 Seiten, gebunden, 15,- Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-393-5
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Update 23.3.2020: Band 2 ist da und steht Band 1 in nichts nach. Für mein Gefühl zu viel Text und Heroic-Geschwurbel, aber die Zeichnungen sind nach wie vor klasse.

schmidt-haunter-of-dreamsWesentlich unblutiger, wenn auch nicht gewaltloser, kommt das neue Album aus der Reihe Legenden von Yria daher. Verlagstext: Die Welt von Yria lebt, und ihre Legenden werden ständig fortgeschrieben. Sie leben durch die Erzählungen ihrer Bewohner und in den Träumen ihrer Kinder… »Haunter of Dreams« ist eine Geschichte über die Wunder und die Gefahren der Träume, die uns durch unser Leben begleiten. Und es ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der den Schatten seiner eigenen Angst überwinden muss, um das Licht auf der anderen Seite zu erreichen… »Die Legenden von Yria« erweitern die Fantasy-Welt von »Myre« um neue Abenteuer und Charaktere. Taucht tiefer ein in das visionäre Worldbuilding von Claudya Schmidt und Matt Davis und folgt einem tapferen Jungen auf seiner Reise durch ein Traumland in atemberaubenden Bildern.

Die Bilderwelt von Claudya Schmidt ist wahrhaft einzigartig. Es gibt nichts mit der Welt von Myre vergleichbares. Sanfte, in- und umeinander fließende Farben, die übergangslos Atmosphären von kuschelweich bis dämonisch entwickeln können. In diesem, in sich abgeschlossenen Album muss sich ein kleiner, zuckerwattesüßer Held mit allerlei Ungeheuern rumschlagen, bis er schließlich im sicheren Schoß seiner Mutter landet. Eine bunte Mischung aus Kitsch, Traum und Fantasy in unglaublich starken Farbkompositionen. Und alles ganz ohne Text. Mit einem Nachwort der Künstlerin.

Claudya Schmidt: Haunter of Dreams – Die Legenden von Yria
96 Seiten, gebunden, 19,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-425-3
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Rembrandt

typex-rembrandtVerlagstext: Vor 350 Jahren starb Rembrandt van Rijn (1606-1669). Als einer der Alten Meister, ist er der bekannteste niederländische Künstler seiner Zeit und einer der bedeutendsten Künstler der Welt. Der geniale Maler der „Nachtwache“ verlieh dem Goldenen Zeitalter besonderen Glanz. Das Rijksmuseum in Amsterdam beauftragte den niederländischen Comiczeichner Typex, Rembrandts Biografie in Bildern umzusetzen. Das Ergebnis beurteilt Marijn Schapelhouman, Chefkurator der Zeichnungsabteilung des Rijkmuseums, so: „Typex… stellt einen ganz eigenen Rembrandt dar: skurril, launisch, eitel, arrogant, stumpf, mimosenhaft, aber gleichzeitig auch berührend und liebenswürdig, sogar barmherzig. Ein Rembrandt, überwältigt von seinem eigenen Genie… Rembrandt ist keine Hagiografie oder ein Album, das sich an den Fakten und nichts als den Fakten festhält. Es präsentiert sich stattdessen als Graphic Novel von seltenem Reichtum, die dem Kennerblick gefallen wird. Im Laufe der Geschichte agiert der Zeichner meisterhaft zwischen der üppigen Darstellung von Menschenmengen und von Details an der Grenze zur Abstraktion, zwischen Seiten, die von einem schlichten Braun dominiert sind und Seiten, die ein wahres Farbenfest bieten…“

Kann man so sagen. Die Zeichnungen sind auf jeden Fall erlesen. Ein weicher, fast flüssiger Strich, geschmeidige Bewegungen, fließende Formen, viele Seiten in fein abgestimmten monochromen Kolorierungen – das ist schon klasse. Allerdings sollte man ein Faible für die Farbe Braun haben, denn das ist der vorherrschende Farbton, mit allen Abstufungen von Ocker- bis hin zu Röteltönen. Das passt, denn Rembrandt  liebte diese Farbe, führt aber zu einer dunklen Atmosphäre, die sich über das komplette Album legt.

Rembrandts Leben wird in Zeitsprüngen und Rückblenden erzählt. Nichts für Freunde stringent erzählter Geschichten, und eine komplette Biografie ist es auch nicht. Soll es auch nicht sein. Schapelhouman charakterisiert das Album als ungemein reiches Bilderbuch für fortgeschrittene Betrachter, und das trifft es ziemlich genau. Carlsen hat den sehr wertig verarbeiteten Band in Hardcover mit dreiseitigem Goldschnitt aufgelegt.

Typex: Rembrandt – Das wilde Leben eines alten Meisters
264 Seiten, gebunden, 48,- Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-02295-0

Arno

juillard-arnoVerlagstext: Venedig, Juli 1797. Siegreich zieht General Napoleon Bonaparte in die Stadt an der Lagune ein. Doch während ihm die Vertreter der alten Republik ihre Unterwürfigkeit demonstrieren, plant eine Gruppe von Verschwörern seinen Tod. Ihr Kennzeichen ist ein rotes Pik. Der Musiker Arno Firenze kann einen Anschlag der Gruppe verhindern. Dadurch erringt er die Aufmerksamkeit des Generals. Ein Jahr später gehört er zum Tross der Künstler und Wissenschaftler, die Napoleon auf seinen Ägyptenfeldzug begleiten. Diese Reise wird das Leben aller Beteilgten verändern. Ein Klassiker der Historiencomics, nach 30 Jahren wiederaufgelegt in einer Gesamtausgabe, die in einem breiten Anhang die Hintergründe der Serie beleuchtet.

Das Szenario für Arno hat Jaques Martin geschrieben. Der hatte, als er den ersten Entwurf vorlegte, bereits Erfahrung mit diesem Genre (Alix, L. Frank, Jhen). Es waren im Grunde reine Abenteuergeschichten, bei denen einer den anderen mit allerlei gewagten Aktionen aus brenzligen, oft lebensgefährlichen Situationen rettet. Durch  Anreicherung mit historischen Figuren, und vor allem mit viel historischem Dekor, entstand ein ganz eigenes Ambiente. Allzu viel Finesse in der Ausarbeitung der Charaktere durfte man nicht erwarten, die historische Kulisse wurde dagegen oft sehr detailgetreu dargestellt.

Das ist auch bei Arno so. Die Geschichte selbst wird recht hölzern erzählt, die Zeichnungen von Juillard (Die 7 Leben des Falken, Doppel 7, Lena und die drei Frauen) sind allerdings eine Klasse für sich und auch deshalb interessant, weil man hier ein Stück weit Juillards zeichnerische Entwicklung verfolgen kann. So finden sich in den Bänden zwei und drei viele der großräumigen Szenen, die man auch aus den Falken kennt, während Juillard in Band eins hauptsächlich mit kleinformatigen Panels arbeitet.

Insgesamt gab es sechs Bände. Die letzten drei wurden jedoch nicht mehr von Juillard gezeichnet und fielen gegenüber den anderen deutlich ab, weshalb sie in dieser Gesamtausgabe nicht enthalten sind. Wie alle HC-Auflagen ihrer bisherigen Reihen hat comicplus+ auch diese auf einmalig 1000 Exemplare limitiert.

André Juillard, Jacques Martin: Arno (Gesamtausgabe)
176 Seiten, lim. HC, 39,- Euro, comicplus+, ISBN 978-3-89474-308-6
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