The Department of Truth

Ein rasanter Thriller, in dem nichts ist, was es zu sein scheint: Cole Turner hat sein Leben damit verbracht, Verschwörungstheorien zu studieren und als FBI-Ausbilder eine Karriere daraus gemacht, Wahrheit von Unwahrheit zu trennen. Doch auf einer Flat-Earth-Convention lernt Cole die Wahrheit hinter der Wahrheit kennen: Kubrick hat die Mondlandung inszeniert, die Erde ist eine Scheibe, an deren Rand eine riesige Eismauer wartet, und die Regierung wird seit langem von Echsenmenschen unterwandert. Das sind Fakten. Oder könnten es werden, denn eine streng geheime Organisation stemmt sich gegen das Einsickern der alternativen Realität: das Department of Truth. Und Cole soll ihr neuester Agent werden. Shootingstar James Tynion IV. (Something is killing the Children) entwirft eine Vision unserer Welt, in der die Grenze zwischen Fakt und Fiktion nicht mehr trennscharf ist – und enthüllt dabei ein verstörendes Spiegelbild unserer Gesellschaft. Beinhaltet Heft 1-5 der Serie. (Verlagstext)

Die Gegenwart ist tatsächlich verstörend. Immer mehr Verschwörungstheoretiker verkünden Theorien, die man auch nach Einnahme stärkster Drogen nicht mehr nachvollziehen kann. In diesem Album ist das etwas leichter: Da bekommen Zweifler einen Flug zum Rand der Erde gratis. Cole Turner jedenfalls darf einen Blick auf die Eismauer werfen. Und ist nicht sicher, was er davon zu halten hat.

Wobei die Typen aus dem angeblichen Department of Truth, die ihn anwerben wollen, auch nicht vertrauenerweckender wirken. Wem soll man glauben? Ist das vielleicht eine abgekartete Strategie, um ihn komplett zu verwirren? Szenarist James Tynion IV. tut alles, um die Karten nicht gleich auf Tisch zu legen und den Leser lange im Unklaren darüber zu lassen, wer hier wem vertrauen kann. Zeichner Martin Simmonds, der schon in Something is killing the Children gut bei der Sache war, legt hier noch eine Schippe drauf und bestückt sein abwechslungsreiches Layout mit teilweise abgefahrenen Bildern, in denen es eine Menge zu entdecken gibt. Das ist echt stark gemacht. Einziger Nachteil ist, dass man nicht weiß, wie viele Bände die Reihe am Ende umfassen wird, und ob sie das Niveau des Anfangsbandes halten.

Martin Simmonds, James Tynion IV.: The Department of Truth 1: Das Ende der Welt
Übersetzung: Katrin Aust
144 Seiten, gebunden, 22,- Euro, Splitter, ISBN 978-3-96792-254-7
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Völlig meschugge?!

Vom Film zum Comic. Hier wird die Geschichte aus der gleichnamigen ZDF-Serie, die auf KIKA lief, aus der Sicht von Charlie erzählt: Teenager zu sein ist nie einfach. Nicht für Umweltschützerin Charlie, nicht für den syrischen Flüchtlingsjungen Hamid und auch nicht für Benny, dessen Opa im Sterben liegt. Zum Abschied gibt der seinem Enkel einen Davidstern, und erst als Benny den öffentlich trägt, wird allen bewusst, dass er Jude ist. Und Hamid ist Moslem! Schlagartig sprudeln aus den Jugendlichen die tradierten Ressentiments der Erwachsenenwelt – aber die drei kämpfen um ihre Freundschaft. Andreas Steinhöfels Protagonist*innen sind nicht nur unglaublich liebenswert, sondern auch durchaus kompliziert – und haben ihre ganz eigene Art, damit umzugehen. (Verlagstext)

Melanie Garanin zeichnet vor allem Kinder- und Jugendbücher. Vor zwei Jahren gab es eine Ausnahme – da hat sie in dem genialen, aber herzzerreißenden Album Nils vom Tod ihres jüngsten Sohnes berichtet. Kein Band für schwache Nerven. In Völlig meschugge?! wendet sie sich wieder Kinder- und Jugendthemen zu, wobei die darin behandelten Konfliktbereiche Antisemitismus und Rassismus auch Erwachsene angehen. Nicht zuletzt deshalb, weil sich die Frage stellt, wie man damit umgehen soll, wenn die eigenen Kinder plötzlich gegen Andersartige hetzen. Eltern fühlen sich damit oft ebenso überfordert wie das Lehrpersonal an Schulen.

Das Album liefert keine Gebrauchsanweisung. Andreas Steinhöfel erzählt eine Geschichte, in der die Kids merken, dass es etwas gibt, das wichtiger ist, als die Vorurteile, von denen sie auseinander getrieben werden. Das ist allerdings ein steiniger Weg, der nicht immer geradlinig verläuft. Melanie Garanin skizziert die Kinder in ihren farbenfrohen Bildern so lebendig, dass man die Quirligkeit und die Lebenslust richtig fühlt. Allen gibt sie einen eigenen Charakter. Ein nicht nur inhaltlich interessantes, sondern auch wunderhübsches Album, das zwar für Kids geschrieben, aber aufgrund der Zeichnungen auch für Erwachsene schön zu lesen ist.

Melanie Garanin, Andreas Steinhöfel: Völlig meschugge?!
288 Seiten, gebunden, 20,- Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-79609-7
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Arsène Lupin

Kein Comic, sondern ein bebilderter Roman. Arsène Lupin, der Gentleman-Gauner, ist der charmanteste Verbrecher Frankreichs! Mit Witz und Wagemut gelingt ihm jeder Coup, keine Mühen scheut der Pariser Gauner, um der Bourgeoisie ein Schnippchen zu schlagen und die plumpe Polizei an der Nase herumzuführen! In Frankreich hat die Figur Arsène Lupins von Autor Maurice Leblanc einen festen Platz in der Nationalliteratur und erfreut sich seit über hundert Jahren ungebrochener Beliebtheit. Dass ein Zeichner vom Kaliber eines Vincent Mallié (»Der große Tote«, »Tenebrae«) sich dem Meisterdieb widmet, wurde höchste Zeit! Neun herrlich illustrierte Kurzgeschichten lassen uns die zeitlosen Abenteuer des Meisterdiebs neu entdecken und tief in die Atmosphäre Frankreichs zur Jahrhundertwende eintauchen. (Verlagstext)

Es gibt Bücher, die sind so liebevoll produziert und machen bereits ungelesen einen so tollen Eindruck, dass man sie sich auch unabhängig vom Inhalt sofort ins Regal stellen möchte. Dieses Album gehört dazu – ein typischer Band für Buchliebhaber. Dazu kommt, dass man von Geschichten über Arsèn Lupin nicht genug bekommen kann. Welcher Dieb steigt schon in eine Villa ein, verlässt sie, ohne etwas zu stehlen und hinterlegt eine Karte mit der Notiz: Arsèn Lupin kommt wieder, wenn die Möbel echt sind. Ah, ja!

Nun ist die Noblesse, mit der Lupin durchs Leben geht, nicht zuletzt dem typisch französischen Savoir-vivre geschuldet, was sich auch in der Eleganz der Sprache widerspiegelt. Der vorliegende Band nimmt allerdings nicht das französische Original, sondern eine englischsprachige Ausgabe als Vorlage. Die wird ins Deutsche übersetzt. Dass über diesen Umweg via England wenig bis nichts mehr von der Geschmeidigkeit des ursprünglichen Textes übrig bleibt, liegt in der Natur der Sache. Es wirkt in etwa wie der Unterschied zwischen einem Chateaubriand mit Sauce béarnaise und einer Tüte Fish ’n‘ Chips mit Majo. Das wird den Lesegenuss vor allem derjenigen trüben, die die Diogenes-Romane in der Übersetzung von Erika Gebühr kennen.

Auf der anderen Seite ist die feinfühlige Bebilderung durch Vincent Mallié ein Genuss für sich. Er streut ab und zu kleine Illustrationen ein, verwöhnt den Betrachter allerdings auch mit vielen ganz- und doppelseitigen Motiven. So bleibt dieses Album ein seltsamer Zwitter: Man stellt es sich aufgrund seiner schönen Aufmachung ins Regal und sieht es gerne ab und zu an – greift zum Lesen aber vielleicht doch lieber auf filigranere Übersetzungen zurück.

Vincent Mallié, Maurice Leblanc: Arsène Lupin – Der Gentleman-Gauner
Aus dem Englischen von Martin Barkawitz
160 Seiten, gebunden, 35,- Euro, Splitter, ISBN 978-3-96792-350-6
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