München 1945

schmatz-muenchen1945Über München werden Flugblätter abgeworfen, die die Ankunft der Amerikaner ankündigen und den Bürgern mitteilen, wie sie sich verhalten sollen. Eins ist klar: der Krieg ist verloren und hat endlich ein Ende gefunden. In diesen unruhigen Zeiten lernen sich Daniel, ein amerikanischer Soldat mit medizinischer Ausbildung, und die Deutsche Konstanze kennen … Soweit der Verlagstext zur Ausgangssituation dieser Serie.

Was Sabrina Schmatz hier abliefert, ist eine Lovestory zwischen einem Gi und einer Deutschen. Der Krieg ist verloren, München liegt in Trümmern, die US-Armee rückt ein. Die amerikanischen Soldaten werden von den Deutschen teils als Befreier, teils als Besatzer erlebt – und so unterschiedlich verhalten sie sich ihnen gegenüber auch.

Aber auch auf US-Seite gibt es widersprüchliche Positionen. Die einen empfinden die Deutschen nach wie vor als Feinde und können deren Gesülze, dass sie von nichts gewusst hätten und ohnehin immer gegen Hitler gewesen wären, nicht mehr hören. Andere sind eher freundlich und versuchen die Stimmung mit Schokolade und Lebensmitteln zu heben. Diese Hilfsbereitschaft wird in beiden Lagern kritisch beäugt, wodurch Konstanze, eine junge deutsche Krankenschwester, und Daniel, ein junger GI, der bei der Army als Arzt tätig ist, immer mehr zwischen die Fronten geraten – und sich dabei näher kommen.

Was auf den ersten Blick an Schwarzwaldklinik + Co erinnert, bekommt durch die politische Situation in Nachkriegsdeutschland doch eine gewisse Brisanz. Und auch die Zeichnungen in den bislang vier erschienenen Bänden gefallen. Man lasse sich von den kitschigen Coverbildern nicht täuschen. Schmatz bleibt im Innenteil konsequent bei Schwarzweiß mit Bleistift, weil dabei viel von der Lebendigkeit der Zeichnungen erhalten bleibt. Und damit hat sie völlig recht. Ihr Strich wird von Band zu Band klarer und konturierter, und inzwischen hat die Serie auch den ICOM-Independent-Preis 2017 für Herausragendes Artwork abgeräumt. Allerdings: Englischkenntnisse sollten beim Leser vorhanden sein. Die wenigsten GIs sprechen deutsch.

Sabrina Schmatz: München 1945 (bislang 4 Bände)
je 64 SW-Seiten, 8,- Euro, Schwarzer Turm, ISBN 978-3-934167-76-6 (Bd. 1)
> Leseprobe (Band 1)

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50 Mindshots

ingravalle-50-mindshotsMindshots ist kein Comic – eher ein Cartoonband. Verlagstext: Dieses kleine Geschenkbuch enthält 50 minimalistische Illustrationen zu alltäglichen, brisanten, brandaktuellen und vor allem menschlichen Themen, die durch ihre universelle Bildsprache jeden Betrachter erreichen: Von Cybermobbing, Pressefreiheit und Burnout bis hin zum morgendlichen Kampf gegen das warme Bett und die schönen Tücken des Verliebtseins. Jede handgefertigte Illustration behandelt mit einem Augenzwinkern ein Thema, das uns alle auf individuelle Weise berührt.

So ist es. Sergio Ingravalle bringt seine Ideen mit einer einzigen Zeichnung auf den Punkt. Wofür andere mehrere Seiten brauchen, schafft er mit wenigen Strichen. Message und Bilder sind auf ein Minimum reduziert. Die Ergebnisse sind originell, witzig, anregend und selbstironisch und liegen weit über dem Knalltütenhumor ähnlicher Publikationen: Fünfzig Mindshots, und so ziemlich jeder ein Volltreffer.

Ingravalle studierte in Düsseldorf und arbeitet als freier Illustrator für Agenturen und Magazine. Vor zwei Jahren begann er mit seinem Projekt Mindshots, bei dem er Themen auf farblich und stilistisch reduzierte Weise darstellt. In diesem Band arbeitet er nur mit den Farben rot, schwarz und weiß. 50 Mindshots eignet sich zum Selberlesen ebenso wie als Geschenk für Menschen, die das Selberdenken noch nicht aufgegeben haben. Amüsant und very sophisticated.

Sergio Ingravalle: 50 Mindshots
128 Seiten, 14,- Euro, gebunden, Knesebeck, ISBN 978-3-95728-203-3
> Leseprobe

James Bond Classics: Casino Royale

calero-james-bond-casino-royaleVerlagstext: Im französischen Royale-les-Eaux hat Bond den Auftrag, den rücksichtslosen SMERSch-Agenten Le Chiffre auszuschalten, indem er ihn am Baccarat-Tisch ruiniert. Unterstützt wird er dabei von der so schönen wie undurchsichtigen Vesper Lynd und Felix Leiter, seinem Kollegen von der CIA. Aber der Plan geht nicht auf und so entwickelt sich eine halsbrecherische Jagd, bei der 007 alles aufs Spiel setzen muss. Nach 6 exklusiv für den Comic geschriebenen Stories über den Agenten mit der Lizenz zum Töten ist »Casino Royale« die erste Comic-Bearbeitung des Romans von Ian Fleming seit über 20 Jahren. Autor Van Jensen (»Green Lantern«) und Zeichner Dennis Calero (»X-Factor«) orientieren sich eng an der literarischen Vorlage und so kommen Leser in den Genuss des authentischen Bond wie sein Schöpfer ihn ersann.

Etwas abseits der bislang bei Splitter publizierten Bond-Reihe bringt der Verlag dieses Album als „Classic Story“ auf den Markt. Ins Kino schaffte es Casino Royale  als 21. Bond-Film erst 2006, der Roman wurde von Ian Fleming allerdings bereits 1951 geschrieben – es war der erste Bond-Roman überhaupt. Vielleicht ist das der Grund, dass er noch nicht mit dieser Reihe absurder und unglaubwürdiger Technik überladen war, die spätere Bond-Romane – und vor allem ihre Verfilmungen – auszeichnete.

Im Grunde spielt unser staatlich lizenzierter Killer hier nur eine gepflegte Runde Baccara im Casino, und dann gibt es noch ein bisschen Action hintendran. Das klingt nach wenig, wird aber sehr überzeugend in Szene gesetzt, und die Spannung hält bis zur letzten Seite. Das Schöne daran ist, dass – bei aller Action – das detektivische Element im Vordergrund steht. Die Grafik wirkt bei flüchtigem Blättern etwas blutleer, gewinnt aber beim Lesen beträchtlich. Sie entwickelt einen sehr eigenen, etwas zurückhaltenden Stil und ergibt mit der Story zusammen ein in sich geschlossenes, rundum stimmiges Bild. Ein schönes Album für alle Bond-Fans.

Dennis Calero, Ian Fleming, Van Jensen: James Bond Classics: Casino Royale
176 Seiten, gebunden, 24,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-164-1
> Leseprobe