Ascender

nguyen-ascender1Verlagstext: Ein Universum voller Magie… eine mysteriöse Prophezeiung… fast vergessene Freunde und alte Feinde, die im Dunkeln lauern… und ein junges Mädchen auf der Suche nach der Vergangenheit: 10 Jahre sind vergangen, seit die Harvester, gigantische Roboter aus einer fremden Dimension, alles Leben im Universum dezimiert haben. 10 Jahre, in denen die Magie ihren angestammten Platz als mächtigste Kraft zurückerobert hat. Die junge Mila lebt mit ihren Eltern in den einsamen Weiten von Sampson. Aber als dort eines Tages ein alter Freund ihres Vaters auftaucht, gerät sie unversehens in ein fantastisches Abenteuer von epischem Ausmaß! Nach dem überragenden Erfolg ihrer Sci-Fi-Reihe »Descender« melden Jeff Lemire und Dustin Nguyen sich zurück. »Ascender« ist ein Fantasy-Comic wie kein anderer, mit Charakteren, die ans Herz wachsen, unvorhersehbaren Twists und in atemberaubenden Aquarellzeichnungen.

Von SF zu Fantasy, von Robotern zu Magiern, das ist der Weg, den Jeff Lemire und Dustin Nguyen mit ihrer neuen Reihe gehen. Allerdings: So klar ist die Trennung zu Descender nicht. Es gibt ein Wiedersehen mit Bandit, dem kleinen Roboter-Hund aus der Descender-Serie, und auch das ein oder andere menschliche Wesen taucht wieder auf. Sie alle leben in einem orwellschen Kosmos, in der eine omnipräsente Mutter, ihres Zeichens Hüterin aller Magie im Universum, darüber wacht, dass alle tun, was sie sagt: Mutter ist groß. Mutter liebt dich. Mutter sieht alles.

Das gefällt nicht jedem. Es entstehen Konflikte mit Rebellen, und eine bislang unbekannte Form von Magie taucht auf. Spannung gibt es also reichlich, und die Zeichnungen sorgen wieder dafür, dass man vollkommen in diese fremde Welt abdriftet. Sie sind, wie schon in Descender, ebenso originell wie ungewöhnlich und tragen durch die Fremdheit der Gestalten und Landschaften einen großen Teil dazu bei, dass man tatsächlich komplett in der Story abtauchen kann. Und nach der Fortsetzung giert, weil der erste Band viel zu schnell zu Ende geht. Natürlich liegt mir das SF-Thema von Descender mehr als magische Rituale – aber diese Bilder! Wie schon Descender ist auch die neue Reihe eine mit eingebautem Suchtfaktor, von der man – und das ist das einzig Negative – allerdings wieder nicht weiß, wie viele Bände es insgesamt werden sollen.

Dustin Nguyen, Jeff Lemire: Ascender
136 Seiten, gebunden, 19,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-374-4
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Valentin

genehr-valentinVerlagstext: Basierend auf den Film- und Fotoaufnahmen von Johann Seubert, der für die Nationalsozialisten den Bau des U-Boot-Bunkers Valentin in Bremen Farge dokumentierte, und den Tagebuchaufzeichnungen von Raymond Portefaix, der als Jugendlicher aus dem französischen Dorf Murat nach Bremen Nord verschleppt wurde und als KZ-Häftling auf der Bunker-Baustelle landete, erzählt Jens Genehr in seinem Comic Valentin von diesem riesigen Rüstungsprojekt, bei dessen Umsetzung mehr als 1000 Zwangsarbeiter_innen aus ganz Europa starben. Mit einem Nachwort von Christel Trouvé (Leiterin des Denkort Bunker Valentin) und Karen Struve (Literaturwissenschaftlerin Uni Kiel).

Genehr, Jahrgang 1990, studiert an der Hochschule für Künste in Bremen und arbeitet ehrenamtlich am Denkort Bunker Valentin. Dieses Album ist seine erste Einzelveröffentlichung. Das sieht man ihr auch an. Die Schwarzweiß-Zeichnungen wirken noch etwas ungelenk, und die Strukturierung der Geschichte lässt wenig Spannung aufkommen. Aber man bekommt Einblick in die Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter, die nicht selten aus nahe gelegenen KZs rangekarrt wurden, um sich hier zu Tode zu schufteten, weil der Führer davon fantasierte, die absehbare Kriegsniederlage mit einer hochmodernen U-Boot-Flotte noch abwenden zu können. Und in das Seelenleben der Ingenieure und Bürokraten, die ja nur ein Bauprojekt geplant, organisiert und überwacht haben, sich aber wie immer für die Lebensbedingungen der Menschen, die daran zugrunde gingen, nicht verantwortlich fühlten.

Es ist wichtig, alle Aspekte des Nationalsozialismus zu beleuchten. Gerade in Zeiten, in denen auch in Deutschland wieder Faschisten in den Parlamenten sitzen. Über das Valentin-Projekt gab es bislang wenig Literatur. Dieses Album schließt diese Lücke.

Jens Genehr: Valentin
240 SW-Seiten, gebunden, 32,- Euro, Golden Press, ISBN 978-3-9819880-5-5

Die Kathedrale des Abgrunds + Haunter of Dreams

grenier-kathedrale-des-abgrunds1Zwei mal Fantasy aus dem Hause Splitter. Den Anfang macht der erste Band des Sechsteilers Die Kathedrale des Abgrunds. Verlagstext: Des ewigen Streits der Nordvölker mit denen des Südens überdrüssig, schlugen die Götter einst einen gigantischen Spalt in die Erde, um die Reiche voneinander zu trennen. Doch eines Tages wird ein Messias kommen und über dem Abgrund eine Kathedrale errichten. Die Reiche werden wieder vereint sein, und ein Zeitalter des Wohlstands wird beginnen. So lautet die Prophezeiung des Evangeliums von Ariathie, nach dem die Templerin Sinead seit Jahren sucht. Währenddessen reist der Meisterarchitekt Pier de la Vita nach Anselm, um seinen zahlungsunwilligen Auftraggeber, den Magier Ronfield, vor Gericht zu bringen, und das gefällt diesem gar nicht. Die Wege der Prophezeiung sind verschlungen, und so sind es auch die Schicksale ihrer Spielfiguren…

Was im Grunde nicht weiter erwähnenswert wäre, denn nach solchen Mustern sind die meisten Heroic-Fantasy-Serien gestrickt. Nur die entführte Prinzessin fehlt hier. Dafür ist mit Sinead ein äußerst wehrhaftes – und natürlich gut aussehendes – Exemplar des weiblichen Geschlechts mit von der Partie. Was hier aber wirklich gut kommt, sind die Zeichnungen. Eine wahrhaft edle Kolorierung sorgt für eine Optik, die anzusehen sich lohnt, und das Album liest sich spannend runter. Wer also auf Heroic-Fantasy steht: In diesem Band ist alles drin, was man braucht. Sechs Bände sollen es insgesamt werden.

Sébastien Grenier , Jean-Luc Istin: Die Kathedrale des Abgrunds Bd. 1
56 Seiten, gebunden, 15,- Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-393-5
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schmidt-haunter-of-dreamsWesentlich unblutiger, wenn auch nicht gewaltloser, kommt das neue Album aus der Reihe Legenden von Yria daher. Verlagstext: Die Welt von Yria lebt, und ihre Legenden werden ständig fortgeschrieben. Sie leben durch die Erzählungen ihrer Bewohner und in den Träumen ihrer Kinder… »Haunter of Dreams« ist eine Geschichte über die Wunder und die Gefahren der Träume, die uns durch unser Leben begleiten. Und es ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der den Schatten seiner eigenen Angst überwinden muss, um das Licht auf der anderen Seite zu erreichen… »Die Legenden von Yria« erweitern die Fantasy-Welt von »Myre« um neue Abenteuer und Charaktere. Taucht tiefer ein in das visionäre Worldbuilding von Claudya Schmidt und Matt Davis und folgt einem tapferen Jungen auf seiner Reise durch ein Traumland in atemberaubenden Bildern.

Die Bilderwelt von Claudya Schmidt ist wahrhaft einzigartig. Es gibt nichts mit der Welt von Myre vergleichbares. Sanfte, in- und umeinander fließende Farben, die übergangslos Atmosphären von kuschelweich bis dämonisch entwickeln können. In diesem, in sich abgeschlossenen Album muss sich ein kleiner, zuckerwattesüßer Held mit allerlei Ungeheuern rumschlagen, bis er schließlich im sicheren Schoß seiner Mutter landet. Eine bunte Mischung aus Kitsch, Traum und Fantasy in unglaublich starken Farbkompositionen. Und alles ganz ohne Text. Mit einem Nachwort der Künstlerin.

Claudya Schmidt: Haunter of Dreams – Die Legenden von Yria
96 Seiten, gebunden, 19,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-425-3
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