Hier und dort

baru-hier-und-dortEin Album mit 15 Kurzgeschichten. Baru schreibt dazu im Vorwort: Die in diesem Band versammelten Kurzgeschichten sind über etwa 20 Jahre hinweg hier und da erschienen. Ihnen gemeinsam ist, dass es sich um Auftragsarbeiten handelt. Ich gehe auf derartige Anfragen eher selten ein, und wenn ich es tue, dann weil ein Freund mich darum gebeten hat. Aber ich tue es auch, wenn man mich so nett darum bittet, dass ich nicht den Mut habe, mich zu weigern. Oder manchmal auch, wenn ich mit genug Schleimereien zugeschüttet werde, die meiner Eitelkeit so schmeicheln, dass jede Anwandlung von Widerstand unmöglich wird. Oder schließlich auch, wenn es gut bezahlt wird. Aber das kommt praktisch niemals vor.

Thematisch geht es in den Geschichten um alles Mögliche: um eine gewitzte Seniorin, um clevere Postboten, um schräge Comiczeichner, um Michel Platini, Johnny Hallyday, Dessous-Fetischisten, Marcel Gotlib, Preisverleihungen und vieles mehr. Wie immer bei Baru kommen die Protagonisten meist aus ärmeren Schichten (oder sind Comiczeichner, was in etwa dasselbe ist).

Die Zeichnungen haben die übliche Qualität. Charakterköpfe allesamt, typische Vorstadtgesichter, denen man ihre Emotionen klar ansieht. Manche Geschichten haben ein überraschendes Ende, und humorvoll sind sie auch (das sind seine Alben ja in der Regel nicht). Für Baru-Fans ein must have (von wegen der Vollständigkeit), für alle anderen kurzweilig zu lesen, aber natürlich ohne die Intensität seiner albenlangen Erzählungen.

Baru: Hier und dort
104 Seiten, 18,-, Edition 52, ISBN 9783-935229-20-3

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Comic!-Jahrbuch 2018

icom-comicjahrbuch-2018Das Comic!-Jahrbuch erscheint seit dem Jahr 2000, und wenn man sich die frisch ausgelieferte 2018-Ausgabe ansieht, muss man sagen, dass es nach wie vor zu den wichtigsten Publikationen rund um den Comicmarkt gehört. Hier liest man immer wieder Hintergrundberichte, Interviews, Reviews und Analysen, die man in dieser Kompaktheit (und Kompetenz) sonst nirgendwo findet.

Die aktuelle Ausgabe startet mit einem Gespräch mit Alexander Braun, der viele Comic-Ausstellungen (u.a. in der ehrwürdigen Bundeskunsthalle zu Bonn) organisiert hat. Er berichtet über Frust und Lust eines Kurators und über die Erfahrungen, die er mit den Ausstellungen gemacht hat. Vom Zauber der Comic-Originale berichten in einem weiteren Interview von Burkhard Ihme vier Sammler und ein Händler, Holger Vallinga blickt auf das Münchner Comicfestival zurück, Lilian Pithan schriebt über Comicreportagen, die sich mit dem Thema Migration beschäftigen, Andreas Alt durchforstet die wundersame Welt der Behördencomics, während Ralf Palandt über Comics aus der Neonazi-Szene informiert (und darüber, wie wenig sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien für deren Inhalte interessiert).

Artikel über die aktuelle Lage auf dem holländischen, französischen, japanischen, italienischen und US-Comicmarkt fehlen ebenso wenig wie die Liste der diesjährigen ICOM-Preisträger, von denen viele in umfangreichen Interviews zu Wort kommen. Interessant ist auch das Gespräch, das Christian Muschweck mit Denis Kitchen über Underground-Comix, Zensur und das Recht am eigenen Werk geführt hat. Eine Übersicht von Heiner Lünstedt über aktuelle Trickfilme rundet den diesjährigen Band ab. Und natürlich gibt es viele, viele Artikel mehr, von denen einige, wie immer, auf der ICOM-Website angelesen werden können.

Burkhard Ihme (Hrsg.): COMIC!-Jahrbuch 2018
264 Seiten, 15,25 Euro, ICOM, ISBN 978–3–88834-948-5
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Sterben ist echt das Letzte + Bangebüxe

mueller-sterben-ist-das-letzteIn diesem Album dreht sich alles um den Tod. Acht persönliche Geschichten von Eva Müller, in denen sie auch ihre eigenen Todesängste reflektiert. Und davon hat sie eine Menge. Sie hat Angst vor Feuer, Lepra und Kinderlähmung (obwohl sie dagegen geimpft ist). Sie hat Angst vor Gottes Zorn (Katholikin), vor Gift, vor saurem Regen, Erdbeben und Ertrinken. Sie hat Angst vor Hunger, schwarzen Löchern, dem Weltuntergang, vor Bomben, Spinnen und dem Atomkrieg, Und das ist längst nicht alles.

Trotzdem sucht sie immer wieder die Nähe des Todes. Sie setzt sich in das Zimmer, in dem bei ihren Großeltern die Verstorbenen aufgebahrt werden. Sie geht auf Friedhöfe. Sie absolviert gefährliche Mutproben auf dem Dachboden. Sie flirtet mit dem Tod, sie provoziert den Tod, und sie hat gleichzeitig Angst vor ihm.

Sterben ist echt das Letzte ist Müllers Abschlussarbeit und ihr erstes langes Album. Die Zeichnungen sind teilweise noch etwas ungelenk  – die Proportionen stimmen nicht immer – aber man liest sich schnell rein.

Eva Müller: Sterben ist echt das Letzte
160 Schwarzweiß-Seiten, 12,- Euro, Schwarzer Turm,  ISBN: 978-3934167865
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berheide-bangebuexeBangebüxe ist ein Sammelband der School of Design in Münster. Auf dem letzten Erlanger Comic-Salon, schreibt der Verlag, ging der Max und Moritz-Preis für die Beste studentische Comic-Publikation an das extra für den Salon neu gegründete Magazin „Wunderfitz“, herausgegeben von Studierenden der Münster School of Design. Acht talentierte Zeichnerinnen und Zeichner stellen sich und ihre Geschichten nun in diesem fetten Prachtband vor. Die mitwirkenden Zeichner sind Silvia Berheide, Paul Butterer, Vivien Helders, Udo Jung (von dem auch das umwerfende Cover stammt), Vincent Schlothauer, Maxi Spieß, Willze und Jana Winters! Viel Comic für sehr wenig Geld! Viel Comic für wenig Geld, das kann man wirklich sagen, denn wo bekommt man heutzutage noch ein Vierfarbalbum mit 256 Seiten für 9,99 Euro? Auch bei der Aufmachung des Bandes haben sich die Herausgeber sich sichtlich Mühe gegeben.

Und auch hier spielt der Tod eine Rolle. Der fährt nämlich in der Geschichte von Silvia Berheide per Anhalter. Daneben bietet das Album die üblich wilde Mischung unterschiedlicher Stories. Einige tragen so wunderhübsche Titel wie Die Komplizen, die sich siezen (mit einem überraschend witzigen Plot), andere machen es kurz und nennen ihre Werke Vergiftet, Plump oder Vessel, wieder andere bevorzugen philosophische Überschriften (Überall ist nirgendwo, Der prekäre Status der Interaktion).

Allen gemeinsam ist die Frische und Unbekümmertheit, mit der die meisten von ihnen zu Werke gehen. Viele Ideen, acht unterschiedliche, interessante Zeichenstile, ein paar schräge Geschichten, und das alles für´n Zehner. Was will man mehr. Reinschauen lohnt sich.

Silvia Berheide (Hrsg): Bangebüxe
256 Seiten, 9,99 Euro, Kult Comics & Schwarzer Turm, ISBN 978-3-934167-82-7