Shangri-La

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In der Zukunft leben die Menschen auf einer Raumstation, wo ein perfekter Kreislauf ihr Dasein bestimmt: Der gütige Konzern Tianzhu kümmert sich um jedes ihrer Bedürfnisse, von Nahrung und Unterkunft bis hin zur Unterhaltung. Danke, lieber Konzern Tianzhu! Von einigen Querdenkern abgesehen ist diese Gesellschaft so perfekt, dass die Menschen sich bald zu Göttern erheben werden, indem sie selbst Leben aus dem Nichts erschaffen… Konsumkapitalismus, Genmanipulation, Xenophobie, Zeitparadoxien – Mathieu Bablet vereint in »Shangri-La« alle Themen, die das Herz von Science-Fiction-Fans höher schlagen lassen. Bei allem Futurismus verliert er jedoch nie den Bezug zu unserer Lebensrealität und reichert seinen farbenfrohen Cocktail sogar durch augenzwinkernde Querverweise auf die Popkultur an… So weit der Verlagstext.

Es ist ein orwellscher Kosmos, in den Mathieu Bablet uns entführt. Alles ist geregelt, alles wird überwacht, alles ist gut und alles funktioniert prima. Zumindest an der Oberfläche. Wer sich mit den Dienstleistungen von Tianzhu zufrieden gibt, hat nichts zu befürchten. Wer sein Leben selbst in die Hand nehmen und auch mal Alternativen entwickeln will, hat Probleme. Selberdenker sind unerwünscht.

Die haben sich in einer Widerstandsgruppe organisiert. Wer genau dahinter steckt, weiß man allerdings nicht. Ab und an sieht man Videos von ihnen über Leinwände flimmern. Sind die echt, oder bloß ein Fake von Tianzhu, um Oppositionelle in die Irre zu führen? Und wie soll man, wenn man mitmachen möchte, Kontakt zu der konspirativen Gruppe bekommen? An Spannung mangelt hier es nicht.

Leider sind die Zeichnungen weniger prickelnd. Kleine Gestalten in meist engen Panels, dazu oft seitenweise monochrome Kolorierung in Gelb-grün oder Blautönen – das schafft wenig optische Akzente und wirkt oft eintönig. Es gibt auch einige starke Motive in diesem Album, aber die Qualität der Grafik hinkt der Spannung der Story doch ziemlich hinterher.

Mathieu Bablet: Shangri-La
224 Seiten, gebunden, 39,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96792-065-9
(E-Comic: ISBN 9783967928983, 19,99 Euro)
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Tomahawk

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Verlagstext: Der Siebenjährige Krieg, ein Kampf der Großmächte um die Herrschaft über Europa, hat den alten Kontinent in Flammen aufgehen lassen. Für die französischen Kolonien in der Neuen Welt begann der Konflikt jedoch schon zwei Jahre eher, denn seit 1754 rücken die Truppen Georgs II. beharrlich gegen die französischen Festungen in Nordamerika vor. Den jungen Milizionär Jean Malavoy beschäftigt jedoch ein ganz anderer Kampf: Ein riesiger Grizzly wurde in der Nähe von Fort Carillon gesichtet, eine allzu verlockende Jagdtrophäe. Doch wenig später wird es dort zu einer der grausamsten Schlachten des Krieges kommen… Kaum ein Comic-Künstler beherrscht die Verquickung von historischen Fakten und feiner Fiktion so kunstvoll wie Patrick Prugne. Getragen von seinem einzigartigen Aquarellstil ist »Tomahawk« zugleich Chronik einer schicksalhaften Schlacht der Weltgeschichte und intimes Porträt eines Jägers, der von Verlust und Rache gezeichnet wurde.

Kann man so nicht sagen. Weil dieses Gemetzel nämlich erst begann, nachdem die in diesem Band erzählte Geschichte zu Ende war. Deshalb liefert dieses Album auch keine Chronik einer schicksalhaften Schlacht der Weltgeschichte. Hier geht es lediglich um die Rechnung, die Jean Malavoy noch mit seinem Grizzly offen hat. Wobei er sich nicht nur vor dem Bären, sondern auch vor den Indianern hüten muss, denn der Bär ist ihr Totemtier.

Wie bereits seine Alben Vanikoro oder Irokesen ist auch Tomahawk wunderhübsch anzusehen – und leider ebenso wenig spannend. Die Story ist ziemlich dünn, Tiefgang darf man nicht erwarten. Wer Prugnes Alben noch nicht kennt und auf Spannung steht, sollte besser zuerst sein Canoe Bay lesen. Wer sich dabei in die Bilder verliebt – und sie sind es, wovon seine Alben leben – wird sich Tomahak wahrscheinlich ebenfalls zulegen. Auch da verteilt Prugne wieder Streicheleinheiten für die Augen. Und weil seine traumhaft kolorierten Landschafts- und Tierbilder nach wie vor zum Schönsten gehören, was die Comicwelt in dieser Hinsicht zu bieten hat, enthält auch dieser Band wieder zusätzlich einen 30seitigen Anhang mit Skizzen.

Patrick Prugne: Tomahawk
104 Seiten, gebunden, 22,- Euro, Splitter, ISBN 978-3-96792-047-5
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Lucky Luke: Zarter Schmelz

Jetzt hat er es also geschafft und sich einen großen Wunsch erfüllt: Ralf König, der Meister schwuler Knollennasen, hat ein Lucky Luke-Album gezeichnet. Der Verlag schreibt: Auch ein Cowboy braucht mal Pause, aber wenn der Cowboy Lucky Luke heißt, bedeutet das Urlaub von den Daltons und anderen Ganoven! Ein paar Tage Kühe hüten im grünen Dandelion Valley ist genau der entspannende Job für den berühmten Revolverhelden. Zumal es frisch importierte Schweizer Kühe sind, vollmilchig und lila, denn der Wilde Westen entdeckt die Kakaobohne. Schokolade ist bald in aller Munde! Leider sind Autogrammjäger zuweilen ebenso lästig wie Kopfgeldjäger, und Sitting Butch vom Stamme der Chicorée hat auch schlechte Laune. Vor allem aber sind da die poor lonesome Cowboys Bud und Terence, die sich vor lauter liebevoller Zuneigung am liebsten verprügeln. Und genau das führt zu zartbitteren Gerüchten in der rauen Westernstadt Straight Gulch.

Der berühmte Cowboy, der nie altert, wird 75 Jahre jung. Ein Anlass für Ehapa, ihm eine Hommage-Reihe zu widmen, in der Zeichner wie Guillaume Bouzard, Matthieu Bonhomme, Mavil oder eben jetzt Ralf König ihrem Lieblingscowboy die Ehre erweisen. Story und Zeichnungen fallen je nach Autor unterschiedlich aus. König hat seinem einsamen Helden Bud und Terence zur Seite gestellt, die allerdings weder so aussehen wie ihre Vorbilder, noch die gleichen erotischen Vorlieben haben.

Zunächst treffen wir Bud vor dem Eingang des Jobcenters von Straight Gulch, wo er auf Arbeit (und auf Terence) wartet. Kein freundlicher Ort übrigens, denn schon am Eingang wird man durch das Schild Fremder, mach dich vom Acker, sonst liegst du bald drunter unmissverständlich darauf hingewiesen, was hier zu erwarten ist. Wer das nicht versteht, bekommt mit Fremder, wenn du ihr rumhängen willst – das kannst du haben Klartext eingetrichtert. Und weil weder Job noch Terence in Sicht sind, trifft es sich, dass in einem abgelegenen Tal ein paar Kühe zu hüten sind. Wo Bud im Zelt Zeit hätte, Lucky näher zu kommen. Wenn da nicht die Groupies und die Kopfgeldjäger (und ein eifersüchtiger Terence) wären. Der Westen war wohl doch diverser als viele dachten. Wie immer bei König klasse gezeichnet.

Ralf König: Zarter Schmelz (Lucky Luke Hommage 5)
56 Seiten, SC 8,99 Euro, HC 16,- Euro, Egmont Comic Collection,
ISBN 978-3-7704-0500-8