Hurray Hurray Le Quiche!

lott-hurray-le-quicheAus dem Pressetext: Der 18jährige Bonzo mag seinen neuen Spitznamen nicht. Aber er mag es, im Proberaum der Band Hurray Hurray, le Quiche abzuhängen, die ebenfalls nicht wirklich so heißt. Zumindest, wenn es nach Bandleader Hugo geht. Der charismatische und selbstbewusste Nachwuchs-Punk hat alles, was Bonzo nicht hat, zum Beispiel seine hübsche Freundin, auf die Bonzo dummerweise ein Auge geworfen hat. Beim ersten großen Konzert der Band kommt es schließlich zur Eskalation zwischen den beiden gegensätzlichen Freunden. In Nebenhandlungen werden die Beziehungen der Bandmitglieder untereinander, sowie die problematischen Familiensituationen der beiden Kontrahenten Bonzo und Hugo behandelt.

Johannes Lott legt damit sein erstes Album vor. Der 1989 im Allgäu geborene Zeichner hat Mediendesign in Ravensburg studiert, und in diversen Werbeagenturen und der Games-Branche als Grafiker gearbeitet. Seit 2012 lebt er als selbstständiger Illustrator und Comiczeichner in Hamburg. Sein fast mehr an ein Scribble als an fertige Zeichnungen erinnernder Strich passt wunderbar zur Story, die Dialoge sind so knapp und pointiert, wie sie sein müssen, und dass er die Zeichnungen in Schwarzweiß, und nicht in Farbe ausgeführt hat, rundet das Bild perfekt ab.

Nach Wie nennen wir uns wieder ein Comic aus dem jaja-Verlag, der sich mit Musik beschäftigt. Wenig spektakulär, aber sehr dynamisch und voll aus dem Leben gegriffen. Macht Spaß zu lesen.

Johannes Lott: Hurray Hurray Le Quiche!
84 SW-Seiten, 14,- Euro, jaja, ISBN 978-3-946642-23-7
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Glückwunsch Gaston

franquin-gastonJa, das kann man machen: zum 60. Geburtstag 60 Gags aus 60 Jahren Gaston zwischen zwei Buchdeckel drucken. Die Geschichten rund um den chaotischen Büroboten, der sich lieber mit absurden Erfindungen als mit der Erledigung der Leserpost beschäftigt, sind Kult. Noch dazu, wie Carlsen schreibt, neu koloriert. Für alle, die Gaston bislang nicht kennen, kann dieser Band aber bestenfalls ein kleiner Appetitanreger sein.

Die ganze Vielfalt und Tiefe dieser 1957 von André Franquin ins Leben gerufenen Figur erschließt sich dem Leser eigentlich erst in der Gesamtausgabe – und zwar deshalb, weil die Strips dieses Geburtstags-Sonderbands relativ zusammenhanglos nebeneinander stehen, und die Gags dadurch eher wie eine Art Slapstick wirken. Dabei sind sie viel mehr. Franquin hat seine Charaktere sehr liebevoll entwickelt, und ihr komplettes Beziehungsgeflecht vermittelt sich erst, wenn man die Verbindung der Figuren zueinander kennt. Zum Beispiel die Art, wie Sekretärin Trudel ihren Gaston stetig anhimmelt, oder die ewig vergeblichen Versuche der Verlagsleitung, mit Bruchmüller Verträge abzuschließen, oder der flexibel einsetzbare Gummi-Gaston, oder, oder, oder…

Wer also einfach ein Album mit ein paar netten Gags sucht, kann hier zugreifen. Wer in den echten Genuss der Gaston-Reihe kommen möchte, kommt um die Gesamtausgabe nicht herum (und die chronologisch zu lesen lohnt sich). Man kann sie sich entweder nach und nach in 19 einzelnen Softcover-Ausgaben zu je 9,95 Euro, oder komplett in 5 Hardcover-Bänden im Schuber für 149.- Euro zulegen (alle bei Carlsen).

André Franquin, Jidehem: Gaston: Glückwunsch Gaston!
56 Seiten, gebunden, 14,99 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-76750-9
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Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein

lust-wie-ich-versuchteVerlagstext: Als vor acht Jahren Ulli Lusts autobiographischer Comic Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens erschien, wurde er als Meisterwerk gefeiert und mit zahlreichen internationalen Preisen ausgezeichnet. In ihrem sensationellen neuen Comic, der unmittelbar an den Vorgänger anschließt, erzählt sie die heftige Geschichte einer ménage à trois, einer utopischen Liebe, die in Besitzanspruch und Gewalt umschlägt, eine Geschichte der sexuellen Obsession, der Geschlechterkonflikte und der Selbstbefreiung – ihre Geschichte.

Ganz genau. Und die Art, wie sie ihre Geschichte (weiter)erzählt, ist einfach nur herzerfrischend lebendig. Ich mag ihren Zeichenstil nicht besonders, aber erzählen kann sie prima, und dieses fette 367-Seiten-Werk ist ein echter Pageturner. Nach ihrem Album Flughunde, das den Tod der Goebbels-Kinder im Führerbunker zum Thema hatte, hier also wieder etwas Autobiografisches.

Sie erzählt von ihrer Zeit in Wien. Mit dem Zeichnen klappts nicht so gut, an der Kunstakademie wollen sie sie nicht, und die Kohle kommt auch nicht rein, wie sie sollte. Als sie Georg kennenlernt führt die Beziehung mit ihm bei ihr zu mehr emotionaler Stabilität. Als sie Kim kennenlernt – einen afrikanischen Flüchtling – beginnt sie eine Dreiecksbeziehung. Anfangs ist es nur der Sex, aber dann verliebt sie sich in ihn. Georg hat damit kein Problem – umgekehrt ist es komplizierter. Als Kim sie schließlich bittet, ihn zu heiraten, um eine Aufenthaltsgenehmigung zu bekommen, wird es eng.

Eine junge Frau im Zwiespalt zwischen Lust und Frust, Freiheit und Bindung, Zweier- und Dreiecksbeziehung, europäischer und afrikanischer Kultur. Unterhaltsam, spannend, lebensfroh, süffig zu lesen und irgendwie schade, dass es nach 367 Seiten schon zu Ende ist.

Ulli Lust: Wie ich versuchte, ein guter Mensch zu sein
367 Seiten, monochrom 25,- Euro, suhrkamp, ISBN: 978-3-518-46813-5
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