Der Report der Magd

nault-report-der-magdVerlagstext: Desfred ist Magd in Gilead, wo Frauen weder Beruf noch Freundschaften haben, ja nicht einmal lesen dürfen. Sie dient im Haus des Kommandanten. Dort hat sie nur eine Daseinsberechtigung: Einmal im Monat muss sie sich auf den Rücken legen und beten, dass der Kommandant sie schwängert. Denn in Zeiten zurückgehender Geburten besteht der Wert Desfreds und der anderen Mägde allein darin, dass sie fruchtbar sind. Aber Desfred hat die Zeiten vor Gilead erlebt, als sie eine unabhängige Frau war … Margaret Atwood selbst hat ihren Klassiker für diese Graphic Novel bearbeitet – und „Der Report der Magd“ gewinnt durch die Verdichtung des Textes und die kongenialen Zeichnungen Renée Naults noch einmal eine ganz eigene Dringlichkeit und Intensität.

Das ist ein ziemliches finsteres Album. Ein düsterer Science Fiction, eine hoffnungslose Dystopie, die nur den einen kleinen Nachteil hat, dass die Autorin sich am Ende um einen nachvollziehbaren Schluss herummogelt. Statt dessen lässt sie alles offen. Davon abgesehen beschreibt sie das isolierte Leben der Mägde erschreckend genau. Und wie immer in totalitären Gesellschaften regt sich zwar Widerstand, am Ende kann man aber niemandem trauen. Jedes falsche Wort kann Deportation oder Schlimmeres bedeuten. Ein Band, der auch dann wunderbar als Graphic Novel funktioniert, wenn man die Romanvorlage nicht kennt. Die Spannung wird durch die gekonnte Erzählstruktur extrem hoch gehalten.

Auch die Zeichnungen sind klasse. Rennée Nault weiß, wie man optische Akzente setzt. Abwechslungsreiche Layouts, farbige Trennung der Zeitebenen und in sich stimmige Kolorierungen – es wird nie langweilig. Ein starkes Album, das einem mühelos die gute Laune verdirbt.

Top 10 2019Rennée Nault, Margaret Atwood: Der Report der Magd
240 Seiten, gebunden, 25,- Euro, Berlin Verlag, ISBN 978-3-8270-1405-4

Bug

bilal-bug2Auf der Erde sind plötzlich auf unerklärliche Weise alle digitale Daten verschwunden, von den größten Servern bis zum kleinsten USB-Stick ist alles wie leergefegt. Die Folgen sind unermesslich. Nur ein Mann, ein Überlebender einer gescheiterten Mars-Mission, scheint alle verloren gegangenen Informationen zu haben – in seinem Gedächtnis! Nun sieht er sich mit seiner Familie einer gewaltigen Hetzjagd ausgesetzt, denn alle wollen an diese Daten … Das neue Album von Enki Bilal ist eine grandios gezeichnete und erschreckend aktuelle Zukunftsvision. Soweit der Verlagstext.

Grandios gezeichnet ist es, keine Frage. Ein typischer Bilal. Und die Grundidee der Geschichte – eine digitalisierte Welt ohne Zugriff auf die Daten – ist auch nicht schlecht. Aber was macht er daraus? Bislang wenig. Die Auswirkungen des digitalen Blackouts thematisiert Bilal eher am Rande. Hauptsächlich tischt er dem Leser eine Abenteuerstory im SF-Kostüm auf, die sich inhaltlich auf die üblichen Verwicklungen und Verfolgungsjagden beschränkt. Diverse (teilweise völlig abstruse) politische Zweckbündnisse und Mafiosi jagen den Überlebenden, weil in seinem Gedächtnis alle digitalen Verbindungen der Welt gespeichert sind.

Wie viele Bände es insgesamt werden, ist unklar. Von irgendwo her habe ich die Zahl drei im Kopf, aber bei Bilal weiß man nie. Die Zeichnungen der neuen Serie sind wieder klasse, und spannend ist die Geschichte auch. Inhaltlich hat sie bisher wenig zu bieten, ist aber im Gegensatz zu seiner in jeder Hinsicht langweiligen Animal’z-Trilogie endlich wieder lesenswert – nicht nur für Bilal-Fans.

Enki Bilal: Bug
bislang 2 Bände, 86 / 76 Seiten, gebunden, je 24,- Euro, Carlsen
ISBN 978-3-551-72127-3 (Bd.1)
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Engels-Gesichter

poloczek-engels-gesichterVerlagstext: Der Band “Engels-Gesichter” vereint komisch-satirische Bilder und Texte, die sich auf Friedrich Engels und seine Arbeiten beziehen. Ein Buch als humorvolle Würdigung Friedrich Engels‘ zu dessen 200. Geburtstag. Wuppertal ist Engels-Stadt, und Wuppertal ist Karikatur- und Satire-Stadt. Einige bekannte Künstler dieses Genres leben und arbeiten hier; Friedrich Engels selbst hat Karikaturen gezeichnet! Da versteht es sich, dass zu seinem 200.Geburtstag eine satirische Buch-Publikation mit Cartoons und kritisch-komischen Texten aus unserer Stadt kommen muss. Herausgegeben wird der Band von dem Wuppertaler Cartoonisten André POLOczek.

Wer immer die Idee zu diesem Band hatte: Sie war nicht schlecht. 120 Seiten Cartoons und kurze Texte von unterschiedlichen Künstlern rund um die Themen Engels, Kapital und Arbeitswelt ergeben eine Mischung, in der sich unterhaltsam schmökern lässt. Kein Buch, das man linear von vorne bis hinten liest – es ist völlig egal, auf welcher Seite man anfängt, und auf welcher man aufhört. Neben einigen schwächeren Arbeiten, die in solchen Sammelbänden immer vertreten sind (vor allem die Texte reißen selten vom Hocker), bringt er auch allerlei Situationskomik und Wortakrobatik auf die Seiten, und selbst der schwarze Humor kommt nicht zu kurz.

Der Rat der Stadt Wuppertal bedankt sich bei der chinesischen Regierung für das Friedrich-Engels-Denkmal mit einem Denkmal zu Ehren des Studentenführers Wang Dan, anlässlich des 30. Jahrestages des Massakers auf dem Platz des Himmlischen Friedens lästert beispielsweise Til Mette. Reiner Schwalme dichtet Die Internationale in Völker leert die Regale um, Markus Grolik rät den Geldwäschern Nimm Deutsche Bank zum Vorspülen, dann wird es nicht nur sauber, sondern rein, und Katharina Greve gibt Entwarnung an der Arbeitsfront: Ja, schon – wir setzen weiter auf Kinderarbeit. Aber von Kindern aus der Region. Insgesamt sind rund 50 Künstler (u.a. Seyfried, TOM, Tucholsky, Bernstein, Bengen…..) in dem Band vertreten.

André POLOczek (Hrsg): Engels-Gesichter
120 Seiten, gebunden, 22,- Euro, Edition 52, ISBN 978-3-935229-45-6
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