Die Adaption

monin-die-adaptionWas ich an der Aufmachung von Splitter-Alben unter anderem mag, sind neben den gediegenen Hardcover-Ausführungen auch die Informationen für den Leser. Lange, bevor andere Verlage sich diese Selbstverständlichkeit ebenfalls angewöhnten, hat Splitter immer angegeben, welche anderen Alben von Texter und Zeichner wo erschienen sind – selbst wenn es Publikationen aus konkurrierenden Verlagen waren. In diesem Fall haben sie leider vergessen, Zidrous wunderhübsches Album Lydie anzuführen. Wem also Die Adaption gefällt, sollte auch in Lydie reinschauen.

Dass Die Adaption gefällt, daran kann es eigentlich keinen Zweifel geben, denn dieser erste Band des Zweiteilers um ein adoptiertes Kind ist einfach nur rührend erzählt und von Monin, der schon das ebenfalls von Zodrou geschriebene Merci bebildert hat, allerliebst gezeichnet. Es geht um ein kinderloses Ehepaar, beide Mitte vierzig, das gerne Kinder hätte. Als ein Erdbeben in Peru zahlreiche Häuser einstürzen lässt und viele Kinder zu Waisen macht, entschließen sich die beiden, eins von ihnen zu adoptieren.

Nun macht es einen Unterschied, ob man sich ein Kind wünscht, oder ob man ein Kind hat. Im zweiten Fall gibt es oft Terminprobleme – aber wozu sind eigentlich die Großeltern da? Oma ist begeistert, Opa weniger. Die quirlige Vierjährige bringt sein geruhsames Leben durcheinander, und überhaupt weiß er nicht, was er mit Kindern anfangen soll.

Ok – rührigen Putziges-Kind-schmilzt-Griesgramherz-Kitsch kann man jeden zweiten Abend bei ZDF + Co sehen. Allerdings nicht so. Die Bilder sind wirklich erlesen und treffen Mimik und Bewegung von Kind und Großvater hundertprozentig auf den Punkt, und auch Zidrous geschliffene Dialoge sind wieder ein Genuss. Das pure Leben. Bleibt zu hoffen, dass der abschließende zweite Band bald erscheint, denn der Cliffhanger, den Zidrou sich am Ende dieses ersten Bandes ausgedacht hat, ist wirklich finster.

Arno Monin, Zidrou: Die Adoption Bd. 1: Qinaya
72 Seiten, gebunden, 16,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-529-9
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Mohnblumen aus dem Irak

trondheim-mohnblkumen-aus-irakAus dem Verlagstext: In “Mohnblumen aus dem Irak” erzählt Brigitte Findakly von ihrer Kindheit im Irak. Zu Beginn der 1960er Jahre als Tochter einer Französin und eines Irakers geboren, wuchs sie in Mossul auf. Kurze Episoden zeigen ihren kindlichen Blick auf einen Alltag, der von kulturellen Missverständnissen ebenso geprägt war wie von den zusehends bedrohlicher werdenden Militärdiktaturen und Staatsstreichen. Lewis Trondheim findet für die mal amüsanten, mal politisch brisanten Anekdoten seiner Ehefrau eine ergreifende und universale Bildsprache.

Irgendwie scheint es gerade Mode zu sein, Erinnerungen aus seinem Leben im Nahen Osten zu Papier zu bringen. Angesichts der viele Flüchtlinge ist das auch naheliegend. In der Regel sind die Bände ebenso informativ wie unterhaltsam und tragen dazu bei, das Leben der Menschen in diesen Ländern – und ihre Fluchtgründe – besser zu verstehen.

Allerdings ist nicht jeder in der Lage, Alben wie Delisles Aufzeichnungen aus Jerusalem, Satouffs Araber von morgen oder Zerocalcares Kobane Calling abzuliefern. Brigitte Findakly und Lewis Trondheim sind es jedenfalls nicht. Was Findakly hier zusammenträgt, sind ein paar Anekdoten aus ihrem Leben, einige davon nicht uninteressant. Insgesamt aber wirkt dieser mit – noch dazu qualitativ schlechten und wenig aussagekräftigen – Familienfotos angereicherte Comic eher wie ein Sammelsurium von Erinnerungen, die ziemlich unstrukturiert daherkommen, immer wieder mal zwischen Paris und Mossul wechseln und dabei weder eine chronologische noch eine inhaltliche Struktur vorweisen. Das ist einfach zu wenig, das ist zu dünn. Als Koloristin (u.a. für Sattouf, Sfar, Larcenet) ist Findakly prima – als Szenaristin weniger. Viel Neues erfährt man in diesem Album nicht.

Lewis Trondheim, Brigitte Findakly: Mohnblumen aus dem Irak
112 Seiten, 18,- Reprodukt, ISBN 978-3-95640-120-6
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Magritte

campi-magritteDer Untertitel des Albums verrät es schon: Dies ist keine Biografie. Und es ist auch keine. Zumindest keine konventionelle. Trotzdem erfährt man in diesem Album einiges über Leben und Arbeit des belgischen Surrealisten (1898 – 1967). Und zwar deshalb, weil sich der kleine Angestellte Charles Singullier auf dem Flohmarkt einen Hut kauft. Eine Melone, genauer gesagt. Stolz trägt er sie auf dem Kopf spazieren. Ein bisschen extravagant kommt er sich dabei zwar vor. Aber warum nicht! Schließlich steht morgen seine Beförderung an. Da kann man sich schon ein bisschen was gönnen.

Dumm nur, dass er den Hut zuhause nicht mehr vom Kopf bekommt. Jedenfalls so lange nicht, bis er eine geheime Mission erfüllt hat. Als du Magrittes Hut aufgesetzt hast, belehrt ihn plötzlich ein Gesicht an der Wohnzimmerwand, hast du seine Welt betreten. Und jetzt, ergänzt eine nackte Schöne, die wie aus dem Nichts heraus in seiner Wohnung erscheint, musst du auch seine Geheimnisse ergründen.

Das ist leichter gesagt, als getan. Charles begegnet seltsamen Menschen, die sich zu allem Überfluss gelegentlich auch noch verwandeln. In dieser Welt scheint nichts zu sein, was es zu sein vorgibt. Und so beginnt eine spannende, originelle und fantasievolle Reise durch die Gedankenwelt von Magritte – von Thomas Campi ganz im Stil des Meisters umgesetzt.

Thomas Campi, Vincent Zabus: Magritte – Dies ist keine Biografie
64 Seiten, gebunden, 17,99 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-76168-2