Wie nennen wir uns? + Weltenbummler

koeninger-wie-nennen-wir-unsZwei neue Comichefte bei Jaja. Markus Köninger erzählt in seinem kleinen Debütalbum von einer Rockband, die sich auf dem Weg zu ihrem ersten Auftritt befindet. Die Probleme fangen schon beim Start an: Wie soll man das ganze Equipment in das Auto bekommen? Da sind kreative Lösungen gefragt. Die einem aber nicht einfallen, wenn man sich die Nacht vorher die Kante gegeben und zu viel getrunken hat. Und dass einer von ihnen noch kurz vor dem Auftritt ein neues Stück einüben will, sorgt auch nicht gerade für Heiterkeit.

Vom Thema her ähnlich wie die Comics von Andreas Eikenroth, der sich auch mit Rockbands beschäftigt, die gerade erst (oder immer noch) am Anfang stehen. Köninger (Ghosts of Black Forest) fängt die Widrigkeiten des Musikerlebens realitätsnah ein. Eine schöne, kleine, runde Geschichte mit einem erfrischenden Schluss, und auch die Zeichnungen können sich sehen lassen.

Markus Köninger: Wie nennen wir uns?
28 Seiten, schwarzweiß, 8,- Euro, Jaja, ISBN 978-3-946642-05-3
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krayl-weltenbummlerValentin Krayl, der, wie man der Verlagswebsite entnehmen kann, in seiner Freizeit als Postbote arbeitet und maßgeblich an der Anthologie Wunderwitz mitgewirkt hat, die 2016 mit dem Max und Moritz-Preis ausgezeichnet wurde, hat in seinem Comicband gleich mehrere Geschichten vereint. Der Titel täuscht allerdings, denn wenn es hier um Reisen geht, dann bestenfalls um die nach innen.

Die wiederum beschreibt er wunderschön in der Story, in der er an einem Schamanismus-Workshop teilnimmt. Ziel: Eine Reise in die Anderswelt – wo immer die sich auch befinden mag. Und die man natürlich nur durch ganz bestimmte spirituelle Rituale erreichen kann. Da kann es allerdings passieren, dass da, wo vorher Schnellstraßen und Strommasten waren, plötzlich – aber das könnt ihr selber lesen. Klasse ist auch We need help – der Versuch, in Belgien jemanden zu finden, der englisch spricht, um ein dringendes Problem zu lösen.

Die vier Geschichten des Bandes sind zwar nicht direkt unterschiedlich gezeichnet, aber in völlig verschiedenen Stilen koloriert, was für zusätzliche Abwechslung sorgt. Prima gemacht.

Valentin Krayl: Weltenbummler
48 Seiten, 12,- Euro, Jaja, ISBN 978-3-946642-03-9
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Das Problem mit den Frauen

fleming-das-problem-mit-den-frauenMan soll ja nicht alles glauben, was in der Zeitung steht. Rezensionen schon gar nicht. Aber die Worte, mit denen der Independent dieses Buch würdigt, muss man dick unterstreichen: Das perfekte Geschenk für jedermann und -frau, für alle Altersklassen und politischen Lager. Es wird wohl in der Humorecke zu finden sein – dabei gehört es mindestens auf den Schullehrplan! Und bevor sich jetzt einige angesichts des Wortes Schullehrplan angewidert abwenden, weil das nach schnöder Belehrung klingt: Es ist das unterhaltsamste, lustigste und gemeinste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Die pure Majestätsbeleidigung von Anfang bis Ende. Denn obwohl darin weibliche Schwächen vorgeführt werden, geht es in Wirklichkeit um Männer.

Die 1955 in London geborene Zeichnerin Jacky Fleming begibt sich hier auf die Suche nach berühmten Frauen der Geschichte – und muss schnell feststellen: Früher gab es keine Frauen, deshalb lernt ihr im Geschichtsunterricht auch nichts über sie. Es gab nur Männer, und ziemlich viele waren Genies. Dann gab es doch ein paar Frauen, aber die hatten sehr kleine Köpfe, weswegen sie zu nichts nütze waren, außer zu Handarbeit und Krocket. Weshalb war das so? Nun: Schon der Anblick der weiblichen Gestalt lehrt, dass das Weib weder zu großen geistigen, noch körperlichen Arbeiten bestimmt ist, analysierte der Philosoph Schopenhauer, und auch andere Geistesgrößen wie Darwin oder Kant gaben sich alle Mühe, die Unzulänglichkeit von Frauen in pseudowissenschaftlichen Formulierungen festzuklopfen.

Fleming führt sie süffisant vor, diese Genies der Menschheit, und am Ende bleibt eigentlich nur die Frage, wie die Frauen deren geballten Stumpfsinn über all die Jahrhunderte ertragen konnten. Lakonisch, treffend, knochentrocken – Flemings hundsgemeine Mischung aus Comic und Cartoon liefert auf so ziemlich jeder Seite einen Volltreffer.

Jacky Fleming: Das Problem mit den Frauen
128 Seiten, schwarzweiß, 12,- Euro, KiWi, ISBN: 978-3-462-05024-0
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Studierst du noch oder lebst du schon?

riviere-studierst-du-nochWenn bislang reine Buchverlage sich an Graphic Novels wagen, um auf einem neuen Trend mitzuschwimmen, geht das oft in die Hose. Weil Marktübersicht und Kompetenz nicht selten fehlen, wählt man, weil man ja einen kulturellen Anspruch hat, irgendein hochintellektuelles Thema, und wenn sich das nicht findet wenigstens die Biografie irgend eines bekannten Künstlers in Comicform. Das Ergebnis sind oft strunzlangweilige Alben, denn Anspruch alleine macht noch keinen guten Comic.

Auch der Knaus-Verlag hat wenig Erfahrung mit Graphic Novels, aber anscheinend jemanden, der ein sicheres Händchen bei der Auswahl der wenigen Comic-Publikationen hat, die bei Knaus bislang erschienen sind. Das war mit Sattoufs Der Araber von morgen so, und das ist mit diesem Album nicht anders. OK – der Titel ist wenig geistreich und als Abwandlung der IKEA-Werbung recht abgelutscht, aber davon abgesehen kann man mit diesem Album viel Spaß haben. Vor allem, wenn man studiert.

Das tut Jeanne, die Heldin dieses Albums, nämlich auch. Voller Begeisterung plant sie ihre Doktorarbeit. Drei Jahre will sie sich dafür Zeit nehmen – und wundert sich über all die Loser, die schon sechs Jahre und länger daran knabbern. Doch dann wird Jeanne mit den Widrigkeiten des Unialltags konfrontiert, und die Dinge ziehen sich in die Länge. Ihr Doktorvater hat selten Zeit, die Bürokratie hat an jeder Ecke ein Wörtchen mitzureden, und die ständigen Fragen nach dem Fortschritt ihrer Arbeit bei den unvermeidlichen Familienfeiern an Geburtstagen und Weihnachten machen ihre Laune nicht besser. Na, und dann muss frau auch noch dafür sorgen, dass regelmäßig Kohle für die Miete reinkommt, und der Lover meldet ebenfalls Ansprüche an.

Eine Story wie aus dem Leben gegriffen – humorvoll, und mit viel Situationskomik erzählt. Die Zeichnungen kommen ähnlich geschmeidig daher wie in Corinne Maiers Mein Leben ist ein Bestseller. Auch atmosphärisch ähneln sich die Alben. Ein süffiges Lesevergnügen und das ideale Geschenk für alle Studenten im Termin- und Abgabestress.

Tiphaine Rivière: Studierst du noch oder lebst du schon?
184 Seiten, 19,99 Euro, Knaus, ISBN 978-3-8135-0740-9
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