Schwarze Gedanken

franquin-schwarze-gedankenMehrfach angekündigt, und jetzt endlich da: Die Gesamtausgabe von André Franquins Schwarze Gedanken als Hardcover. Dieses Album ist bereits 1983 im Volksverlag und 2005 als SC-Ausgabe bei Carlsen erschienen, und wenn man nicht alle Vorgänger-Alben im Regal stehen hat, um sie vergleichen zu können, weiß man leider nicht, inwieweit sie identisch sind. Soweit ich das überblicke, enthält dieser Band eine bislang unveröffentlichte Geschichte, ansonsten sind alle drei Alben inhaltlich mehr oder weniger gleich. Besitzer der Vorgänger-Alben brauchen also nicht unbedingt zuzugreifen. Für diejenigen, die diesen Klassiker des Gaston-Zeichners noch nicht kennen, allerdings eine gute Gelegenheit, seine schwarzhumorigen Boshaftigkeiten in einem gediegenen Hardcover-Band zu genießen.

Franquin setzt sich darin mit allerlei politischen und gesellschaftlichen Themen auseinander. Da werden geldgeile Manager Opfer ihrer eigenen Mauscheleien, die Jägerschaft dezimiert sich durch neuartige Munition, die Waffenlobby steht ohnehin ganz oben auf Franquins Abschussliste, Befürworter der Todesstrafe guillotinieren sich unfreiwillig selber, und die Profiteure der Massentierhaltung geraten in ihre eigene Mordmaschinerie. Das ist böse, gemein und hinterhältig – also kurz gesagt: wunderschön – und jegliche steifbeinige political correctness fehlt völlig.

Trotz aller Gemeinheit, die Franquin hier genüsslich auslebt, sind seine Seiten von einer konsequent humanistischen und pazifistischen Haltung geprägt. Dazu kommt, dass nicht nur die Zeichnungen, sondern auch die Texte – und die Übersetzung – absolut pointiert daherkommen, was das Lesevergnügen zusätzlich steigert. Weshalb Carlsen diesen Klassiker aber anlässlich des 40-jährigen Jubiläums im Herbst schon wieder neu auflegen will  – als Sonderband mit unveröffentlichtem Material, Interviews und Hommagen anderer Zeichner – erschließt sich nicht wirklich. Das ist der einzige Strip, der in diesem Album fehlt – nämlich der über die endlos wiederkehrende Neuvermarktung kultiger Comicalben, mit der die Verlage die Sammler in den Wahnsinn treiben.

André Franquin: Schwarze Gedanken
72 SW-Seiten, gebunden, 14,99 Euro, Carlsen,  ISBN 978-3-551-76530-7

Wie nennen wir uns? + Weltenbummler

koeninger-wie-nennen-wir-unsZwei neue Comichefte bei Jaja. Markus Köninger erzählt in seinem kleinen Debütalbum von einer Rockband, die sich auf dem Weg zu ihrem ersten Auftritt befindet. Die Probleme fangen schon beim Start an: Wie soll man das ganze Equipment in das Auto bekommen? Da sind kreative Lösungen gefragt. Die einem aber nicht einfallen, wenn man sich die Nacht vorher die Kante gegeben und zu viel getrunken hat. Und dass einer von ihnen noch kurz vor dem Auftritt ein neues Stück einüben will, sorgt auch nicht gerade für Heiterkeit.

Vom Thema her ähnlich wie die Comics von Andreas Eikenroth, der sich auch mit Rockbands beschäftigt, die gerade erst (oder immer noch) am Anfang stehen. Köninger (Ghosts of Black Forest) fängt die Widrigkeiten des Musikerlebens realitätsnah ein. Eine schöne, kleine, runde Geschichte mit einem erfrischenden Schluss, und auch die Zeichnungen können sich sehen lassen.

Markus Köninger: Wie nennen wir uns?
28 Seiten, schwarzweiß, 8,- Euro, Jaja, ISBN 978-3-946642-05-3
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krayl-weltenbummlerValentin Krayl, der, wie man der Verlagswebsite entnehmen kann, in seiner Freizeit als Postbote arbeitet und maßgeblich an der Anthologie Wunderwitz mitgewirkt hat, die 2016 mit dem Max und Moritz-Preis ausgezeichnet wurde, hat in seinem Comicband gleich mehrere Geschichten vereint. Der Titel täuscht allerdings, denn wenn es hier um Reisen geht, dann bestenfalls um die nach innen.

Die wiederum beschreibt er wunderschön in der Story, in der er an einem Schamanismus-Workshop teilnimmt. Ziel: Eine Reise in die Anderswelt – wo immer die sich auch befinden mag. Und die man natürlich nur durch ganz bestimmte spirituelle Rituale erreichen kann. Da kann es allerdings passieren, dass da, wo vorher Schnellstraßen und Strommasten waren, plötzlich – aber das könnt ihr selber lesen. Klasse ist auch We need help – der Versuch, in Belgien jemanden zu finden, der englisch spricht, um ein dringendes Problem zu lösen.

Die vier Geschichten des Bandes sind zwar nicht direkt unterschiedlich gezeichnet, aber in völlig verschiedenen Stilen koloriert, was für zusätzliche Abwechslung sorgt. Prima gemacht.

Valentin Krayl: Weltenbummler
48 Seiten, 12,- Euro, Jaja, ISBN 978-3-946642-03-9
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Das Problem mit den Frauen

fleming-das-problem-mit-den-frauenMan soll ja nicht alles glauben, was in der Zeitung steht. Rezensionen schon gar nicht. Aber die Worte, mit denen der Independent dieses Buch würdigt, muss man dick unterstreichen: Das perfekte Geschenk für jedermann und -frau, für alle Altersklassen und politischen Lager. Es wird wohl in der Humorecke zu finden sein – dabei gehört es mindestens auf den Schullehrplan! Und bevor sich jetzt einige angesichts des Wortes Schullehrplan angewidert abwenden, weil das nach schnöder Belehrung klingt: Es ist das unterhaltsamste, lustigste und gemeinste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Die pure Majestätsbeleidigung von Anfang bis Ende. Denn obwohl darin weibliche Schwächen vorgeführt werden, geht es in Wirklichkeit um Männer.

Die 1955 in London geborene Zeichnerin Jacky Fleming begibt sich hier auf die Suche nach berühmten Frauen der Geschichte – und muss schnell feststellen: Früher gab es keine Frauen, deshalb lernt ihr im Geschichtsunterricht auch nichts über sie. Es gab nur Männer, und ziemlich viele waren Genies. Dann gab es doch ein paar Frauen, aber die hatten sehr kleine Köpfe, weswegen sie zu nichts nütze waren, außer zu Handarbeit und Krocket. Weshalb war das so? Nun: Schon der Anblick der weiblichen Gestalt lehrt, dass das Weib weder zu großen geistigen, noch körperlichen Arbeiten bestimmt ist, analysierte der Philosoph Schopenhauer, und auch andere Geistesgrößen wie Darwin oder Kant gaben sich alle Mühe, die Unzulänglichkeit von Frauen in pseudowissenschaftlichen Formulierungen festzuklopfen.

Fleming führt sie süffisant vor, diese Genies der Menschheit, und am Ende bleibt eigentlich nur die Frage, wie die Frauen deren geballten Stumpfsinn über all die Jahrhunderte ertragen konnten. Lakonisch, treffend, knochentrocken – Flemings hundsgemeine Mischung aus Comic und Cartoon liefert auf so ziemlich jeder Seite einen Volltreffer.

Jacky Fleming: Das Problem mit den Frauen
128 Seiten, schwarzweiß, 12,- Euro, KiWi, ISBN: 978-3-462-05024-0
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