Die wilde Schönheit der Auslegware

pfarr-wilde-schönheit-auslegwareMit den Arbeiten des 2004 verstorbenen deutschen Zeichners Bernd Pfarr kann ich inhaltlich wenig anfangen. Seinen Humor finde ich ziemlich platt. Was soll daran witzig sein, wenn unter einem Bild, auf dem ein Pfeife rauchender Mann neben einem kleinen Erdhaufen sitzt, steht: Niemand war zuverlässiger als Hermann Wolfertz, wenn es galt, geheimnisvolle kleine Erdhäufchen zu bewachen. Oder wenn ein Bankräuber vor der Bank auf einem Vogel Strauß sitzt, der seinen Kopf in den Gully steckt. Untertitel: Bei der Wahl seiner Fluchtfahrzeuge hatte Paul Schölle wahrlich kein glückliches Händchen. Ist das noch Satire, oder kann das weg?

Wenn ich diesen Band trotzdem als ausgesprochen schöne Zusammenstellung bezeichne, meine ich damit Zweierlei: Auf der einen Seite Pfarrs wirklich originelle und abwechslungsreiche Zeichnungen. Von krakelig bis plastisch ist alles dabei. Manches erinnert an Gerorge Harrimans Krazy Cat, anderes an Cliff Sterrets Poly, und doch hat Pfarr aus all diesen Einflüssen seinen ganz eigenen Stil kreiert.

Zum anderen gefällt mir die liebevolle Aufmachung. Der Sammelband beinhaltet eine gelungene Mischung aus Pfarrs Schaffensperioden von Sondermann bis Dulle, dazu Cartoons, die Pfarr für das ZEITmagazin gezeichnet hat und enthält zudem viele kleine, oft skurrile Einleitungen von anderen Künstlern, wie beispielsweise von Ralf König, der der Meinung ist: Bernd Pfarrs Name kann unter den Vertretern deutschen Zeichenhumors gar nicht fett genug geschrieben werden.

Wie auch immer man dazu stehen mag: Wer auf die Comics von Bernd Pfarr steht, bekommt hier eine Zusammenfassung, die man sich nicht entgehen lassen sollte. Wobei man sich allerdings die Frage stellt, weshalb dieser sehr wertig layoutete Band nicht in Hardcover erschienen ist.

Bernd Pfarr: Die wilde Schönheit der Auslegeware – Das komische Universum des Bernd Pfarr
160 Seiten, 25,00 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-72879-1
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Lanfeust von Troy

tarquin-lanfeust-von-troy1Splitter schreibt: Klassische Heroic-Fantasy höchster Güte: »Lanfeust von Troy« ist das Magnum Opus des französischen Comic-Starautors Christophe Arleston (»Ekhö — Spiegelwelt«, »Die Schiffbrüchigen von Ythaq«). Nach Jahrzehnten der Unvollständigkeit bringt Splitter alle drei Lanfeust-Hauptserien zurück. Auf »Lanfeust von Troy« folgen ohne Unterbrechung »Lanfeust der Sterne« sowie »Lanfeust Odyssee«, und auch die Nebenserie »Cixi von Troy« erhält im typischen Splitter-Format ein neues Gewand.

Die achtteilige Serie Lanfeust von Troy erschien um die Jahrhundertwende bei Carlsen, genau wie (fast) alle anderen Reihen (Troll von Troy) und Nebenreihen aus dem Troy-Universum. Das Schöne daran ist, dass hier Fantasy wieder mit Fantasie zu tun hat, und sich nicht in endlosen Gemetzeln muskelstrotzender Helden erschöpft, die irgendwelche doofen Königreiche samt Prinzessin zurückerobern müssen. Zwar gibt es auch in Troy Gemetzel zur Genüge – dafür sorgt schon alleine der ewig hungrige Troll, der zwar durch Zaubersprüche gezähmt wurde, aber ab und zu aus seiner Verzauberung erwacht. Vor allem aber gibt es hier jede Menge Magie, denn jeder Bewohner der Troy-Welt ist mit einer besonderen Fähigkeit ausgestattet.

In unserem Fall ist das zunächst Lanfeust, der alleine durch seinen Blick Eisen zum Schmelzen bringen kann. Dann gibt es Can, seine Verlobte, die Wunden heilen, und deren leicht bekleidete Schwester Cixi, die Wasser gefrieren und verdampfen lassen kann und Lanfeust mit ihrer unkonventionellen Art und Anmache gern durcheinander bringt. Im Grunde die klassische Femme fatal, wie sie Bourgeon beispielsweise mit Mariotte in seinen Gefährten der Dämmerung oder Loisel mit Pelissa im Vogel der Zeit eingesetzt hat. Die drei sind in der magischen Welt von Troy unterwegs, um ein Schwert zu finden, das seinem Träger viel Macht verleiht und deshalb nicht in die falschen Hände fallen darf.

Die Splitter-Ausgabe wurde komplett neu koloriert. Nicht einfach ein bisschen aufgehübscht, sondern von Matteo Livi komplett neu gestrichen. Das sieht prima aus und ist für alle, die die Carlsen-Ausgabe bereits im Regal stehen haben und sich fragen, ob sie sich die Neuauflage zulegen sollen, ein echtes Kaufargument. Dazu kommt, dass Splitter die Reihe, in der auch der Humor nicht zu kurz kommt, in gewohntem Hardcover auflegt. Auch schön: Die acht Bände erscheinen in monatlichem Rhythmus. Weniger schön: Bei Carlsen gab es zwei sehr liebevoll gestaltete Bände der Enzyklopädie von Troy, in denen Hintergrundinfos über Städte, Figuren und Fähigkeiten der Bewohner enthalten waren. Splitter hängt jetzt immer Teile aus der ersten Enzyklopädie als Bonusmaterial an die Lanfeust-Alben an. So transportiert man zwar die Zusatzinformationen, aber es wirkt doch sehr zerstückelt. Als separate Bände kamen die Enzyklopädien besser.

PS: Abseits der großen Reihen ist bereits 2011 der Einzelband Das Schattenreich von Troy bei Splitter erschienen. Nicht typisch für Troy, aber mit das witzigste und am elegantesten gezeichnete Album aus dieser Welt.

Didier Tarquin, Christophe Arleston, Matteo Livi: Lanfeust von Troy
56 Seiten, HC, 15,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-094-1
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Machen ist wie Wollen, nur krasser

krayl-machen-ist-wie-wollenVerlagstext: Endlich hat Karl es geschafft: Er trifft sich auf ein Date mit Anna, seinem großen Schwarm. Jetzt muss er bloß noch was draus machen. Er könnte ja einfach mal . . . wobei . . . was, wenn . . . vielleicht sollte er besser . . . aber dann . . .
Karl ist ein Meister des Kopfkinos, in Echt wartet er lieber ab. Als er jedoch erfährt, dass seine Anna auf HipHop-Michi aus der Zehnten steht, entschließt sich Karl auch in der realen Welt aktiv zu werden. Und zwar krass.
Drumherum ist natürlich noch der Alltag eines Teenagers zu bewältigen mit Schule und Praktikum, Kumpel, Freunde, Alkohol.
In seiner zweiten Veröffentlichung bei Jaja entführt uns Valentin Krayl zurück in die Nuller Jahre und zeigt, dass er auch eine umfangreiche Story mit Charme und Witz spannungsreich erzählen kann. Und seinen Stil gefunden hat, sympathisch skizzenhaft und angenehm leicht koloriert.

Wohl wahr. Das Artwork kommt genauso luftig-leicht und fluffig daher, wie Krayl (Weltenbummler) die Geschichte erzählt. Er beschriebt eine Situation, die jeder kennt: Man ist verknallt – aber wie kommt man an das Objekt seiner Sehnsucht heran? Wie kann man seine Liebe zeigen? Soll man sie überhaupt zeigen? Und vor allem: Wie kann man Konkurrenten aus dem Feld schlagen?

Karls Strategie dürfte auch jeder kennen: Man hat zunächst rasend verwegene Ideen – geht dann aber doch lieber auf Nummer sicher. So entwickelt Karl ständig neue Pläne, muss aber feststellen, dass sich deren Umsetzung als komplizierter erweist, als gedacht. Amüsante Situationen, liebevoll karikiert, aber doch wie aus dem richtigen Leben. Macht Spaß zu lesen.

Valentin Krayl: Machen ist wie Wollen, nur krasser
128 Seiten, 16,- Euro, Jaja, ISBN 978-3-946642-36-7
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