Der Traum

march-DerTraum1Verlagstext: Jude ist der Traum aller Frauen und vieler Männer. In einem exklusiven und sehr extravaganten Club am Broadway facht er, zusammen mit seiner Partnerin Ona, Nacht für Nacht mit einer Sex-Liveshow die Lust der dekadenten Gäste an. Er hat viele Fans, und ihm werden permanent unmoralische Avancen gemacht, denen er nicht unbedingt abgeneigt ist. An einem Abend macht ihm die schöne, mysteriöse Megan jedoch ein ganz spezielles Angebot: Er soll in einem Film mitspielen, der ihn aus seinem jetzigen Leben reißen und zu einem Star machen soll. Für diesen Traum riskiert Jude alles und wird zum Spielball höherer Mächte. Die erste Zusammenarbeit von Jean Dufaux und Guillem March ist eine faszinierende, erotische, rauschhafte Reise in die Träume und Albträume der Menschen, bei der vieles nicht ist, wie es anfangs erscheint …

In diesem Album ist tatsächlich vieles nicht, was es zu sein scheint. Dufaux hält die Spannung extrem hoch, und wie in den meisten seiner Szenarien (beispielsweise in Giacomo C.) spielt Erotik eine große Rolle. In dem vorliegenden Album machen sich gleich mehrere Frauen die Hauptrolle streitig: Da ist Ona, Judes Partnerin im Nachtclub, mit der er durch die gemeinsamen Shows seinen Lebensunterhalt verdient. Das allerdings mag Sina nicht, die sich gerne mit Jude vergnügen würde. An sich kein Problem, aber Sina ist es nicht gewohnt, zu teilen. Und es ist besser, auf sie zu hören, denn ihr Vater hat viel Geld, viel Einfluss und nur diese eine Tochter.

Das wiederum ist ein Problem für Megan. Sie möchte Jude für das Filmprojekt begeistern. Aber da er dauernd mit Sina abhängt, muss diese lästige Affäre aus der Welt geschafft werden. Aus einer Welt, die in der Wahl ihrer Mittel nicht zimperlich ist. Und dann ist da noch The Strange – eine über und über tätowierte junge Frau, die den Männern alle Wünsche erfüllt, aber am Ende auch tödlich sein kann. Und was genau es mit diesem Filmprojekt auf sich hat, ist auch nicht ganz klar. Jede Menge Fragezeichen also, die für genug Spannung sorgen, um sich auf die Fortsetzung zu freuen.

Guillem March, Jean Dufaux: Der Traum (Band 1: Jude)
56 Seiten, gebunden, 17,- Euro, Panini, ISBN 9783741608032

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Das unabwendbare Altern der Gefühle

de-jongh-DasUnabwendbareAlterrnDerGefuehleVerlagstext: Sein Name ist Ulysses. Mit 59 muss er seinen Job als Möbelpacker an den Nagel hängen. Seine Frau ist verstorben, seine Tochter auch, und sein Sohn ist zu beschäftigt für seinen alten Vater. Die Leere des Alltags tut sich vor ihm auf wie ein unendlich tiefer Schlund.
Ihr Name ist Madame Solenza, sie ist 62 Jahre alt und früher war sie Model. Der Tod ihrer Mutter zwingt sie zu einem langen Blick in den Spiegel. Die Frau, die zurückblickt, sieht mehr nach Stiefmutter aus als nach Schneewittchen.

Mal wieder eine dieser Geschichten von Zidrou, die wie immer bei ihm (Die Adoption, Merci, Lydie) sehr gefühlvoll, fast schon poetisch, erzählt und von wechselnden Zeichnern – in diesem Fall von Aimée de Jongh – nicht minder gefühlvoll umgesetzt werden. Die Frage ist: Gibt es ein Leben nach der Rente? Ja, klar, sagt die Werbung: Dann geht es erst richtig los! Wäre schön, wenn, denkt man beim Blick in den Spiegel, der einem so ehrlich, wie man es gar nicht wissen will, schlaffe, hängende, abgearbeitete Körperteile präsentiert.

Wie oft habe ich beteuert, endlich das Leben in vollen Zügen genießen zu können, sinniert Ulysses. Bloß nicht zugeben, dass einen eigentlich die Zeit nach und nach aufzehrt, heftig und grausam, wie die Flut, die an einem Felsen nagt. Ruhestand? Leicht gesagt! Es fühlt sich an wie nach einem vernichtenden Rückzugsgefecht! Doch das Hadern mit dem körperlichen Zerfall, der geistigen Leere und Einsamkeit ist nicht alles, was hier passiert. Zidrou hat immer ein paar Ideen in petto, die für überraschende (manchmal sehr überraschende) Wendungen sorgen. Ein Album, das zeigt, dass das Leben mit 60 tatsächlich noch nicht zu Ende sein muss, und das, wie immer bei ihm, auch eine gewisse Situationskomik zu bieten hat.

Aimée de Jongh, Zidrou: Das unabwendbare Altern der Gefühle
144 Seiten, gebunden, 19,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-269-3
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Gefährliche Liebschaften

djief-gefaehrliche-liebschaften1Der Roman Gefährliche Liebschaften von Choderlos de Laclos erschien 1782 in Frankreich und war ein ebenso großer Skandal wie Erfolg. Er ist in reiner Briefform geschrieben – 175 Briefe insgesamt – und gehört zu den intrigenreichsten Romanen überhaupt. Und zu den schönsten: Unter den erotischen und gesellschaftskritischen Romanen des französischen 18. Jahrhunderts vielleicht der klügste, kühlste, unsentimentalste. Literarisch und psychologisch glänzend. (Hermann Hesse)

In der Folge wurde er mehrfach verfilmt, ein Musical und ein Theaterstück gibt es auch, und jetzt also auch einen Comic. Der Roman hat gut 400 Seiten, die Comicadaption erscheint in zwei Bänden, der erste hat 56 Seiten – keine Frage, dass da viel von der Raffinesse dieses Intrigenspiels auf der Strecke bleibt. Wer das komplett genießen möchte: der Roman lohnt sich.

Der Comic ist aber, trotz seiner reduzierten Form, auch schön, wenn man ihn nicht an der literarischen Vorlage misst, sondern als eigenständiges Werk sieht. Der Verlag schreibt: Schmal, kränklich und von Epilepsie geplagt bereitet Sébastien Valmont seiner Mutter nichts als Sorgen, während sein Vater das Interesse an dem schwächlichen Jungen schon lange verloren hat. Als die erhabene Comtesse de Senange anbietet, ihn unter ihre Fittiche zu nehmen und ihn in die Spielregeln der Aristokratie einzuweihen, fällt der Familie Valmont ein Stein vom Herzen. Doch die verführerische Comtesse lehrt Sébastien nicht nur Hofetikette, Gesellschaftstanz und Intrigenspiel. Sie weiht ihn in die intimen Künste der Liebe ein, und bald ist der Junge für sie mehr als nur ein Protegé.

Im Original geht es darum, durch Vortäuschung nicht existierender Gefühle Herzen zu brechen. Auch hier werden Herzen gebrochen – allerdings nicht durch falsche Gefühle, sondern durch hinterhältige, eifersüchtige Ränkespiele. Wer tragische Liebesgeschichten mag, die noch dazu in der französischen Aristokratie des 18. Jahrhunderts spielen und die Verlogenheit der herrschenden Sitten hinterfragen, wird gut bedient. Die Zeichnungen transportieren die Atmosphäre der damaligen Zeit sehr schön.

Djief, Stéphane Betbeder: Gefährliche Liebschaften 1
56 Seiten, gebunden, 15,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-232-7
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