Fräulein Rühr-mich-nicht-an

Kerascoët – das sind Marie Pommepuy und Sébastien Cosset. Die beiden scheinen, wie schon in Jenseits, ein Faible für markabre Geschichten mit kleinen Gemeinheiten zu haben – auch wenn das Szenario in diesem Fall nicht von ihnen, sondern von Hubert stammt, der die Serie auch koloriert hat.

Erzählt wird die Geschichte eines Frauenmörders, der in den 1920er Jahren in Paris sein Unwesen treibt. Immer wieder werden zerstückelte Frauenleichen in der Nähe von Tanzlokalen gefunden. Die Polizei tappt im Dunkel.

Da wundert es nicht, dass die etwas spröde Blanche sich Sorgen um ihre lebenslustige Schwester Agathe macht, die sich gerne in den Tanzlokalen vergnügt. Und tatsächlich fällt Agathe einem Mord zum Opfer. Das lässt die zurückhaltende Blanche zur Detektivin werden, denn sie möchte den Mörder ihrer Schwester finden. Wozu sie sich, weil dort das letzte Opfer gearbeitet hat, in ein nobles Freudenhaus begibt, wo sie als jungfräuliche Gouvernante die einkehrenden Herren Minister auspeitscht – und nebenher Recherchen anstellt.

Reprodukt hat die ersten zwei Bände zeitgleich publiziert, weil sie eine komplette Geschichte bilden. Man kann die Reihe, von der in Frankreich bereits Band 5 in Arbeit ist, vielleicht entfernt mit Tardis Adele vergleichen, obwohl die Zeichnungen natürlich völlig anders sind, und die Story nicht so skurril ist wie bei Tardi. Aber auch die Alben des Teams Kerascoët unterscheiden sich deutlich vom Mainstream. Nirgendwo sonst ist Ungerechtigkeit so selbstverständlich, nirgendwo können Unschuldige so grausam sein, und nirgendwo enden Geschichten so hundsgemein wie bei Kerascoët. Immer wieder überraschend, und klasse gezeichnet sind sie auch.

Update 16.7.2011: Band drei und vier sind da. Sie bilden wieder eine zusammenhängende Geschichte. Blanche arbeitet nach wie im Freudenhaus, wird aber von einem jungen Industriellen umworben, der sie sogar heiraten möchte. Seine Mutter ist dagegen, und auch andere spinnen Intrigen gegen Blanche. Nicht mehr so spannend wie die ersten zwei Alben, aber nach wie vor schön zu lesen.

Kerascoët, Hubert: Fräulein Rühr-mich-nicht-an
je Band 48 Seiten, 12,- Euro, Reprodukt, ISBN 978-3-941099-43-2 (Band 1)
> Leseprobe

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