Bug

bilal-bug2Auf der Erde sind plötzlich auf unerklärliche Weise alle digitale Daten verschwunden, von den größten Servern bis zum kleinsten USB-Stick ist alles wie leergefegt. Die Folgen sind unermesslich. Nur ein Mann, ein Überlebender einer gescheiterten Mars-Mission, scheint alle verloren gegangenen Informationen zu haben – in seinem Gedächtnis! Nun sieht er sich mit seiner Familie einer gewaltigen Hetzjagd ausgesetzt, denn alle wollen an diese Daten … Das neue Album von Enki Bilal ist eine grandios gezeichnete und erschreckend aktuelle Zukunftsvision. Soweit der Verlagstext.

Grandios gezeichnet ist es, keine Frage. Ein typischer Bilal. Und die Grundidee der Geschichte – eine digitalisierte Welt ohne Zugriff auf die Daten – ist auch nicht schlecht. Aber was macht er daraus? Bislang wenig. Die Auswirkungen des digitalen Blackouts thematisiert Bilal eher am Rande. Hauptsächlich tischt er dem Leser eine Abenteuerstory im SF-Kostüm auf, die sich inhaltlich auf die üblichen Verwicklungen und Verfolgungsjagden beschränkt. Diverse (teilweise völlig abstruse) politische Zweckbündnisse und Mafiosi jagen den Überlebenden, weil in seinem Gedächtnis alle digitalen Verbindungen der Welt gespeichert sind.

Wie viele Bände es insgesamt werden, ist unklar. Von irgendwo her habe ich die Zahl drei im Kopf, aber bei Bilal weiß man nie. Die Zeichnungen der neuen Serie sind wieder klasse, und spannend ist die Geschichte auch. Inhaltlich hat sie bisher wenig zu bieten, ist aber im Gegensatz zu seiner in jeder Hinsicht langweiligen Animal’z-Trilogie endlich wieder lesenswert – nicht nur für Bilal-Fans.

Enki Bilal: Bug
bislang 2 Bände, 86 / 76 Seiten, gebunden, je 24,- Euro, Carlsen
ISBN 978-3-551-72127-3 (Bd.1)
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Die Arche Neo

frichet-arche-neo1Verlagstext: Nach einer eher kurzen Karriere als Sozial-Media-Star findet sich Neo – ein Minischwein in der Wachstumsphase – auf einem von Tierfreunden besetzten, anarchistisch geführten Bauernhof wieder. Doch der gemütliche Ruhestand ist nicht von langer Dauer, denn das Refugium wird von der Polizei geräumt. Neo gelingt die Flucht zusammen mit Renate, der nachdenklichen Milchkuh, Ferdinand, einem Huhn, das sich für einen Hahn hält, und Soasig, einem Schaf mit besonders dickem Fell – wörtlich und im übertragenen Sinne. Und dann ist da auch noch Bruce, ein pubertierender Hochlandstier. Um ihn und weitere gefangene Freunde zu retten, begibt sich die Truppe auf die Suche nach einem allseits gefürchteten Ort namens »Schlachthof«. Eine abenteuerliche Reise beginnt… »Die Arche Neo« ist ein Manifest in Form einer Fabel, ein Comic, so humorvoll wie bewegend, über die Menschlichkeit von Tieren und die Bestialität des Menschen.

Die Anzahl der Bände ist auf der Splitter-Website mit X angegeben – die genaue Zahl steht also nicht fest. Was immer schade ist, wenn man in eine neue Serie einsteigen will, denn die Alben sind nicht in sich abgeschlossen. Der erste Band bringt eine Mischung aus Action und Information, Situationskomik und Gemetzel, und versucht auf eine etwas naive, rührende Art, Empathie für Tiere zu wecken.

Das gelingt insgesamt nicht schlecht. Man erfährt einiges über das Leben der Tiere unter der Herrschaft der Menschen. Vor allem darüber, wie die Menschen sie zurechtbiegen, damit sie fett und nahrhaft werden, und wie sehr dieses künstliche, rein auf Verwertung durch den Menschen ausgerichtete Leben, die Tiere krank und elend macht.

Genremäßig lässt sich die Reihe schwer einordnen. Mal kommt sie sehr betulich daher, mal geht es hart zur Sache. Also nicht unbedingt eine Reihe für friedliebende Vegetarier. Auf der anderen Seite ist es auch keine rein humoristische Serie. Dazu ist das Thema zu ernst – und der pädagogische Zeigefinger lugt gelegentlich doch um die Ecke.

Paul Frichet, Stéphane Betbeder: Die Arche Neo
64 Seiten, gebunden, 16,- Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-422-2
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Ascender

nguyen-ascender1Verlagstext: Ein Universum voller Magie… eine mysteriöse Prophezeiung… fast vergessene Freunde und alte Feinde, die im Dunkeln lauern… und ein junges Mädchen auf der Suche nach der Vergangenheit: 10 Jahre sind vergangen, seit die Harvester, gigantische Roboter aus einer fremden Dimension, alles Leben im Universum dezimiert haben. 10 Jahre, in denen die Magie ihren angestammten Platz als mächtigste Kraft zurückerobert hat. Die junge Mila lebt mit ihren Eltern in den einsamen Weiten von Sampson. Aber als dort eines Tages ein alter Freund ihres Vaters auftaucht, gerät sie unversehens in ein fantastisches Abenteuer von epischem Ausmaß! Nach dem überragenden Erfolg ihrer Sci-Fi-Reihe »Descender« melden Jeff Lemire und Dustin Nguyen sich zurück. »Ascender« ist ein Fantasy-Comic wie kein anderer, mit Charakteren, die ans Herz wachsen, unvorhersehbaren Twists und in atemberaubenden Aquarellzeichnungen.

Von SF zu Fantasy, von Robotern zu Magiern, das ist der Weg, den Jeff Lemire und Dustin Nguyen mit ihrer neuen Reihe gehen. Allerdings: So klar ist die Trennung zu Descender nicht. Es gibt ein Wiedersehen mit Bandit, dem kleinen Roboter-Hund aus der Descender-Serie, und auch das ein oder andere menschliche Wesen taucht wieder auf. Sie alle leben in einem orwellschen Kosmos, in der eine omnipräsente Mutter, ihres Zeichens Hüterin aller Magie im Universum, darüber wacht, dass alle tun, was sie sagt: Mutter ist groß. Mutter liebt dich. Mutter sieht alles.

Das gefällt nicht jedem. Es entstehen Konflikte mit Rebellen, und eine bislang unbekannte Form von Magie taucht auf. Spannung gibt es also reichlich, und die Zeichnungen sorgen wieder dafür, dass man vollkommen in diese fremde Welt abdriftet. Sie sind, wie schon in Descender, ebenso originell wie ungewöhnlich und tragen durch die Fremdheit der Gestalten und Landschaften einen großen Teil dazu bei, dass man tatsächlich komplett in der Story abtauchen kann. Und nach der Fortsetzung giert, weil der erste Band viel zu schnell zu Ende geht. Natürlich liegt mir das SF-Thema von Descender mehr als magische Rituale – aber diese Bilder! Wie schon Descender ist auch die neue Reihe eine mit eingebautem Suchtfaktor, von der man – und das ist das einzig Negative – allerdings wieder nicht weiß, wie viele Bände es insgesamt werden sollen.

Dustin Nguyen, Jeff Lemire: Ascender
136 Seiten, gebunden, 19,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-374-4
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