Der Unterwasser-Schweißer

lemire-unterwasserschweisserDer Hinstorff-Verlag publiziert mit Vorliebe Bücher über maritime Themen. Das gilt auch für die Graphic Novels, die dort erscheinen. Nachdem die Rostocker in dem Bereich bisher vor allem Newcomer wie Kristina Gehrmann (Eisland) oder Till Lenecke (Störtebecker) verlegt haben, haben sie sich mit Jeff Lemire (Essex County, Descender) jetzt ein Comic-Schwergewicht geangelt.

Auf die Idee zu dieser Geschichte kam Lemire, als ihm ein Freund von dem seltenen Beruf des Unterwasser-Schweißers erzählte: Dieser gefährliche Job hat mich fortan beschäftigt und Bilder in meinem Kopf entstehen lassen, erzählt er in einem Interview mit dem Verlag. Die Idee für eine Geschichte wuchs dann um diese Vorstellungen herum… Jacks Leben spiegelt meine Biografie wider. Meine Frau und ich dachten übers Kinderkriegen nach und das hat bei mir definitiv Ängste geschürt, die in den „Schweißer“ eingeflossen sind. Es war sozusagen meine Art, diese Gefühle zu verarbeiten. Während des Zeichnens am Buch kam dann unser Sohn zur Welt – und alle Ängste lösten sich in Luft auf. Die Geschichte des Buches änderte sich sogar…

In dem Album, das 2012 zu Kanadas Nr. 1 Graphic Novel und von der New York Times im gleichen Jahr unter die besten zehn Comics Nordamerikas gewählt wurde, schlägt sich Jack, jung und werdender Vater, aber nicht nur mit der Frage rum, wie viel Zeit er mit seiner schwangeren Frau verbringen soll oder muss. Viel stärker beschäftigt ihn die Beziehung zu seinem eigenen Vater. Das kommt glücklicherweise nicht als pädagogische Beziehungsberatung daher, sondern liest sich sehr spannend. Dabei verschachtelt Lemire die Zeitebenen so geschickt, dass man oft nicht weiß, was gestern und heute, oder, weil viel unter Wasser spielt, wo oben und unten ist. Spannung ist also garantiert, und seine eigenwilligen Schwarzweiß-Zeichnungen – ähnlich stark wie in Essex County – sind schon alleine das Geld für das Album wert.

Jeff Lemire: Der Unterwasser-Schweißer
224 Seiten, schwarzweiß, 18,99 Euro, Hinstorff, ISBN 9783356020854

Galkiddek

grella-galkiddek1Mystik und Action im Mittelalter: Graf Galohan trauert um seine Gemahlin, die Gräfin von Galkiddek. Die ist auf grausame Weise bei einem Gemetzel ums Leben gekommen, das sich an die Erstürmung ihrer Burg anschloss. Galohan ist nicht nur wütend, sondern auch verzweifelt, denn er liebte seine Frau. Dann entdeckt er in einer kleinen Dorfkirche eine Statue, die wohl eine Heilige darstellen soll, seiner verstorbenen Frau aber wie aus dem Gesicht geschnitten ist.

Um herauszufinden, wer sie in wessen Auftrag – und vor allem: nach welchem Modell? – erschaffen hat, würde man normalerweise einfach den Pfarrer oder sonst ein Kirchenmitglied fragen. Aber Galohan fällt erst mal mit einer Horde schwer bewaffneter Ritter in die Kirche ein und macht alles nieder, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Und dann hat er die Idee, die Statue mit Hilfe eines Magiers zum Leben zu erwecken.

Nicht die Art von Story, die mich interessiert. Aber wen solche Geschichten interessieren, der sollte zugreifen, denn die Zeichnungen sind von Paolo Grella (Das verbotene Manuskript) und heben sich von der Masse ähnlicher Alben deutlich ab. Er kombiniert Schwung und Dynamik in den Kampfszenen mit filigranem Strich, wenn es um Gesichter, Dekor und Rückblenden geht. Die Reihe ist als Fortsetzungsgeschichte konzipiert. Wie viele Bände es insgesamt werden ist bislang nicht absehbar.

Paolo Grella, Frank Giroud: Galkiddek Band 1 – Die Gefangene
48 Seiten, gebunden, 14,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-467-4
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Der Fährmann

hermann-der-faehrmannDie Comicproduktion von Hermann Huppen ist enorm. Neben Fortsetzungen seiner Serien wie Jeremiah publiziert er immer wieder Einzelbände (Old Pa Anderson). Auch Der Fährmann ist ein Einzelband – von Hermann gezeichnet, und von seinem Sohn Yves geschrieben.

In diesem Album dreht sich alles um den Wunsch nach einem sorgenfreien Leben: Keine Probleme, kein Stress wegen der Kohle, alles prima und im grünen Bereich. Kein Wunder, dass Sam, als er diesen Zettel mit der Karte und dem Geld bei dem Toten findet, sofort hellwach ist. Denn auf der Karte wird nichts Geringeres beschrieben als der Weg zum Paradies, und alles, was er und Samantha dafür tun müssen, ist in diese Stadt zu gehen, am vereinbarten Ort auf den angegebenen Kontakt zu warten, und schon kann man sich zurücklehnen und das Leben genießen.

Natürlich kommt es anders, als Sam denkt. Wovon Samantha, nebenbei, ohnehin überzeugt war. Was ihr dann aber nichts mehr nutzt. Dekor und Figuren erinnern sehr an die Welt von Jeremiah.

Hermann, Yves H.: Der Fährmann
56 Seiten, gebunden, 14,95 Euro, Erko, ISBN 9789089821072

PS: Bei Erko ist auch das Hermann-Album Abominable neu aufgelegt worden (14,95 Euro), das bereits 1989 von Carlsen in der Reihe Die großen Abenteuer-Comics unter dem Namen Schattenwelten publiziert worden ist. Eine Sammlung schauriger Geschichten, die von Erko auf besserem Papier, in HC und zudem mit fünf statt, wie bei Carlsen, mit vier Geschichten aufgelegt wurde.