Ar-Men

lepage-ar-menDie Alben von Lepage haben mir schon immer gefallen. Vor allem, nachdem sie nicht mehr in kleinem Book-, sondern in großem Splitter-Format erscheinen. Seine Reportagen über seine Reisen in die Antarktis (Reise zum Kerguelen-Archipel, Weiß wie der Mond) waren nicht nur spannend zu lesen, sondern auch pure Augenweiden. Und sein Ausflug nach Tschernobyl hat zwar nicht mehr viel Sinn gemacht, aber die Bilder waren auch hier erstklassig (Ein Frühling in Tschernobyl). Daneben waren es natürlich auch die ungewöhnlichen und unwirtlichen Orte, die die Faszination seiner Alben ausgemacht haben.

Ar-Men ist ein ödes Stück Fels, und ein ziemlich kleines dazu. Es liegt weit vor der bretonischen Küste in der Nähe der Île de Sein. Das bisschen Gestein wäre nicht der Rede wert, stünde darauf nicht ein 29 Meter hoher Leuchtturm, der zu den abgelegensten und unzugänglichsten Leuchttürmen der Welt zählt. Nachdem vor der Küste immer wieder Schiffe an den Riffen zerschellt waren und Sturmfluten das nahe gelegene Dorf überflutet hatten, wurde sein Bau 1867 beschlossen, um passierenden Schiffen Licht und Orientierung zu geben. Bis zu seiner Fertigstellung auf dem glitschigen und algenverschmierten Stück Stein vergingen fast 15 Jahre.

Lepage schildert in diesem Album die Entstehung des Leuchtturms und macht das wie immer sehr geschickt: Er lässt einen Leuchtturmwärter erzählen, setzt Rückblenden ein, integriert Mythen und Geschichten und lässt vor allem seine großartigen Bilder sprechen. Wie er das Licht in die Wellen und den Leuchtturm zaubert, das ist einfach vom Feinsten. Die unterschiedlichen Erzählebenen trennt er durch unterschiedliche Kolorierungen, oft auch durch unterschiedliche Zeichenstile. Und neben den tollen Bildern gibt es die Geschichte eines Mannes, der sich in diesen abgelegenen Turm zurückgezogen hat, um zu sich selbst zu finden. Schön wie immer.

Emmanuel Lepage: Ar-Men
96 Seiten, HC, 19,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-130-6
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Azrayen + Quintett

lax-azrayen1954 startete der militärische Arm der Front de Libération Nationale (FLN) den bewaffneten Aufstand gegen die französische Kolonialherrschaft. Der Algerienkrieg begann. Die FLN kämpfte für die Unabhängigkeit und verübte dazu auch Attentate. Die Franzosen massakrierten aus Rache ganze Dörfer. Und irgendwann verschwand eine komplette Einheit französischer Soldaten in den unwegsamen Bergen der Kabylei. Es gab keinen Kontakt mehr zu ihnen – und damit zwei mögliche Szenarien: Sie hatten sich in den Bergen verirrt, oder sie waren tot. Letzteres schien am wahrscheinlichsten, denn wenn sie sich verirrt hätten, hätten sie zumindest per Funk noch eine Verbindung herstellen können.

Um Klarheit zu bekommen, wird ein Suchtrupp losgeschickt. Keine leichte Aufgabe, denn die Unterscheidung von Freund und Feind ist in diesem unwegsamen Gelände nicht einfach, und die Dorfbewohner erweisen sich als wenig gesprächig. Dazu kommt, dass Hauptmann Valera dem zwielichtigen Tirard, der ihm als Guide zugewiesen wurde, nicht traut. Und dann ist da noch die Frau, die früher mit dem Anführer der verschwundenen Truppe zusammen war. Welche Interessen verfolgt sie?

Max-und-Moritz-Preisträger Frank Giroud (Galkiddek) erzählt die Geschichte gewohnt routiniert und verarbeitet auf sehr freie Weise Kriegserlebnisse seines Vaters. Lax (Hot Rock, Ein Mann namens Cervantes) bringt die Atmosphäre der Bergdörfer schön auf die Seiten. Dass er Landschaften kann, hat er schon in seinem wunderbaren Cervantes gezeigt. Irritierend sind gelegentlich seine sandfarbenen Kolorierungen, die Hitze und Sonne implizieren, obwohl es in den Bergen empfindsam kalt ist. Comicplus+ hat diese Hardcoverausgabe auf 1000 Exemplare limitiert.

Lax, Frank Giroud: Azrayen (Gesamtausgabe)
144 Seiten, limitiert, HC, 34,- Euro, comicplus+, ISBN 978-3-89474-304-8
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bonin-quintettDer Verlag schriebt: Mazedonien, im Kriegsjahr 1916. Auf einem Militärflugplatz führt das Schicksal vier Menschen zusammen. In ihrer Erinnerung werden sie später die Zeit ganz unterschiedlich beschreiben, doch keiner erfasst, was sich in jenen Tagen wirklich abgespielt hat. Eine eindrucksvolle Studie über das Wesen von Wahrnehmung und Wahrheit. Auf 700 Exemplare limitierte dreibändige Gesamtausgabe.

Und zwar der erste von insgesamt drei Bänden, um genau zu sein. Was an dieser Reihe besonders gefällt, ist, dass zwar alle sechs Bände (je zwei pro Gesamtausgabe) von Giroud geschrieben, aber jeder von einem anderen Zeichner zu Papier gebracht wurde. Im vorliegenden ersten Band teilen sich Cyril Bonin (Wer Wind sät) und Paul Gillon die Arbeit. Das sorgt für Abwechslung, und wird später noch durch Steve Cuzor, Jean-Charles Kraehn und Giancarlo Alessandrini ergänzt. Da manche Figuren in mehreren Bänden vorkommen, müssen sie dann auch von wechselnden Künstlern gezeichnet und interpretiert werden. Das gibt ihnen eine zusätzliche Note.

Cyril Bonin, Paul Gillon, Frank Giroud: Quintett (GA Band 1)
144 Seiten, limtiert, HC, 34,- Euro, comicplus+, ISBN 978-3-89474-303-1
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Lanfeust von Troy

tarquin-lanfeust-von-troy1Splitter schreibt: Klassische Heroic-Fantasy höchster Güte: »Lanfeust von Troy« ist das Magnum Opus des französischen Comic-Starautors Christophe Arleston (»Ekhö — Spiegelwelt«, »Die Schiffbrüchigen von Ythaq«). Nach Jahrzehnten der Unvollständigkeit bringt Splitter alle drei Lanfeust-Hauptserien zurück. Auf »Lanfeust von Troy« folgen ohne Unterbrechung »Lanfeust der Sterne« sowie »Lanfeust Odyssee«, und auch die Nebenserie »Cixi von Troy« erhält im typischen Splitter-Format ein neues Gewand.

Die achtteilige Serie Lanfeust von Troy erschien um die Jahrhundertwende bei Carlsen, genau wie (fast) alle anderen Reihen (Troll von Troy) und Nebenreihen aus dem Troy-Universum. Das Schöne daran ist, dass hier Fantasy wieder mit Fantasie zu tun hat, und sich nicht in endlosen Gemetzeln muskelstrotzender Helden erschöpft, die irgendwelche doofen Königreiche samt Prinzessin zurückerobern müssen. Zwar gibt es auch in Troy Gemetzel zur Genüge – dafür sorgt schon alleine der ewig hungrige Troll, der zwar durch Zaubersprüche gezähmt wurde, aber ab und zu aus seiner Verzauberung erwacht. Vor allem aber gibt es hier jede Menge Magie, denn jeder Bewohner der Troy-Welt ist mit einer besonderen Fähigkeit ausgestattet.

In unserem Fall ist das zunächst Lanfeust, der alleine durch seinen Blick Eisen zum Schmelzen bringen kann. Dann gibt es Can, seine Verlobte, die Wunden heilen, und deren leicht bekleidete Schwester Cixi, die Wasser gefrieren und verdampfen lassen kann und Lanfeust mit ihrer unkonventionellen Art und Anmache gern durcheinander bringt. Im Grunde die klassische Femme fatal, wie sie Bourgeon beispielsweise mit Mariotte in seinen Gefährten der Dämmerung oder Loisel mit Pelissa im Vogel der Zeit eingesetzt hat. Die drei sind in der magischen Welt von Troy unterwegs, um ein Schwert zu finden, das seinem Träger viel Macht verleiht und deshalb nicht in die falschen Hände fallen darf.

Die Splitter-Ausgabe wurde komplett neu koloriert. Nicht einfach ein bisschen aufgehübscht, sondern von Matteo Livi komplett neu gestrichen. Das sieht prima aus und ist für alle, die die Carlsen-Ausgabe bereits im Regal stehen haben und sich fragen, ob sie sich die Neuauflage zulegen sollen, ein echtes Kaufargument. Dazu kommt, dass Splitter die Reihe, in der auch der Humor nicht zu kurz kommt, in gewohntem Hardcover auflegt. Auch schön: Die acht Bände erscheinen in monatlichem Rhythmus. Weniger schön: Bei Carlsen gab es zwei sehr liebevoll gestaltete Bände der Enzyklopädie von Troy, in denen Hintergrundinfos über Städte, Figuren und Fähigkeiten der Bewohner enthalten waren. Splitter hängt jetzt immer Teile aus der ersten Enzyklopädie als Bonusmaterial an die Lanfeust-Alben an. So transportiert man zwar die Zusatzinformationen, aber es wirkt doch sehr zerstückelt. Als separate Bände kamen die Enzyklopädien besser.

PS: Abseits der großen Reihen ist bereits 2011 der Einzelband Das Schattenreich von Troy bei Splitter erschienen. Nicht typisch für Troy, aber mit das witzigste und am elegantesten gezeichnete Album aus dieser Welt.

Didier Tarquin, Christophe Arleston, Matteo Livi: Lanfeust von Troy
56 Seiten, HC, 15,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-094-1
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