Streamliner

fane-streamliner1Irgendwo mitten in der Wüste, an der Route 666 (natürlich), liegt die heruntergekommene Tankstelle des alten O‘Neil. Zu sagen, dass hier nichts los ist, wäre noch stark untertrieben. Das ändert sich schlagartig, als Billy Joe mit seiner Bande motorisierter Desperados aufkreuzt. Einmal im Jahr wird in einem wilden, ungezügelten Freistilrennen »The Leader of the Pack« ermittelt, der Boss der automobilen Outlaws, und das abgelegene Areal rund um O‘Neils »Lisa Dora Station« ist wie geschaffen dafür. Die Tankstelle wird nun im Nu zum Treffpunkt der Tempo- und Tuningfanatiker und zum Magneten für zwielichtige Gestalten, sodass es nicht lange dauert, bis sich auch FBI und Fernsehen hinzugesellen… Soweit der Verlagstext.

Was Fane (Sonnenfinsternis) hier abliefert, ist in der Tat eine äußerst rasante Story in rundum dynamischen Bildern. Es geht darum, die Winchester zu erobern, die sich derzeit noch im Besitz von Billy Joe befindet. Er hat das letzte Rennen gewonnen, und die Winchester ist Krone und Zepter gleichzeitig, denn der Besitzer wird automatisch Anführer der Gang. Alle Mitglieder – und die Regeln sind streng – sind ihm zu Gehorsam verpflichtet. Bis jemand anderes das Rennen gewinnt.

In diesem Fall gesellen sich auch noch die Black Panties dazu – eine reine Frauen-Motorradtruppe, die den Typen in ihren alten Boliden den Geschwindigkeitsrekord streitig machen wollen. Es ist also angerichtet für eins der schrägsten Rennen überhaupt, und wenn die Folgebände genau so rasant erzählt und gezeichnet sind, wie dieser (der abschließende Band 4 soll im April erscheinen), ist das eine Reihe, die nicht nur Motorrad- und Boliden-Fans interessieren wird, denn die staubige Wüstenatmosphäre an der Route 666 und die eigenwilligen Charaktere fügen der Story viele spannende Aspekte hinzu. Echt cool.

Fane: Streamliner Bd. 1: Billy Joe
88 Seiten, gebunden, 16,80 Euro, Splitter, ISBN: 978-3-96219-007-1
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Devolution

wayshak-devolutionIm Anhang des Albums kann man die Anweisungen von Szenarist Rick Remender an Zeichner Jonathan Wayshak lesen: NAH. Raja schießt einem der heranstürmenden Neandertaler DIREKT IN DEN KOPF. Hirn, Blut und Knochenstücke fliegen durch die Gegend. Ein Auge schwebt mitten dazwischen. Und eine Seite weiter: Sie landet zwischen den beiden. Mit einer Bewegung spaltet sie dem einen Neandertaler mit dem Schwert den Schädel und schießt dem anderen in die Brust. Der Verlag charakterisiert den Band als Full Metal Jurassic Max. Ihr wisst also, was euch erwartet.

Ich will mich gar nicht darüber auslassen, dass die Brutalität dieses Albums angesichts der eigentlich interessanten Story im Grunde völlig unnötig wäre. Sie ist gewollt, denn Remender hat mit diesem Szenario die Grundlage dafür geschaffen, dass die miesesten Charaktereigenschaften der menschlichen Spezies geweckt und hemmungslos ausgelebt werden können. Und das tun sie dann auch, denn: Nicht nur die Menschheit, sondern auch jegliche Flora und Fauna ist durch ein biologisches Experiment, das aus dem Ruder gelaufen ist, in seinen evolutionären Urzustand zurückgeworfen worden.

Wir begegnen Säbelzahntigern, menschenfressenden Insekten, irren Mutationen und Menschen, die sich teilweise in ihre primitivste Existenzform zurück entwickelt haben. In dieser lebensfeindlichen Umgebung kämpft die junge Raja darum, ein Serum zu retten, mit dem man den allgemeinen Wahnsinn rückgängig machen kann. Was sie sehr dynamisch erledigt.

Die Texte sind zwar manchmal peinlich, aber die Zeichnungen sind prima, und das Storytelling ist rasant. Da kommt keine Langeweile auf. Man muss es den Machern hoch anrechnen, dass sie dieses durchaus ausbaufähige Szenario nicht über endlos viele Bände gestreckt, sondern in fünf knappen Heften abgehandelt und dabei keine ihrer vielen Ideen überstrapaziert haben. Schön auch, dass Splitter die Story gleich als Gesamtausgabe publiziert hat. Wer es also hart und dynamisch mag: Dieses Album ist ein echter Fetzer.

Jonathan Wayshak, Jordan Boyd, Rick Remender: Devolution
160 Seiten, gebunden, 24,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-139-0
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Malefosse + Agent Alpha

dermaut-malefosseIn Die Geschichte von Malefosse dreht sich alles um zwei deutsche Söldner, die in den Wirren der französischen Religionskriege Ende des 16. Jahrhunderts im Dienst der Hugenotten kämpfen. Die Reihe erschien in den 1980er Jahren – eine gute Zeit für Historiencomics. Ähnlich wie die Kultserie Die 7 Leben des Falken von Cothias und Juillard (Malefosse ist zeitlich etwas früher angesiedelt) erreichte sie aufgrund ihres historischen Bezugs vor allem in Frankreich hohe Auflagen, und die Leser warteten immer wieder gespannt auf die Fortsetzungen.

Der All-Verlag legt die Reihe jetzt in acht stabilen Hardcover-Gesamtausgaben auf. Eingebettet in die historischen Ereignisse der damaligen Zeit geht sie etwas über das reine Abenteuer-Genre hinaus. Der Geist der damaligen Zeit, das interne Gerangel um die Macht und die Beschreibung eines kontrastreichen und authentischen Frankreichs werden realistisch und brillant wiedergegeben, schreibt der Verlag.

Die Bilder hängen zwar in der klassischen Panel-Struktur fest. Interessant ist aber die Entwicklung der Zeichnungen, die von Band zu Band besser werden und, nachdem sie anfangs etwas grobschlächtig daherkommen, mehr und mehr an eine Mischung aus Juillard und Bourgeon erinnern. Band 1 der GA enthält die ersten drei Alben der Serie. Wer Mittelalter-Comics mag, liegt hier richtig.

Bardet, Brice Goepfert, Francois Dermaut: Die Wege von Malefosse (GA Bd. 1)
144 Seiten, gebunden, 28,- Euro, All-Verlag, ISBN 978-3-926970-96-1
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schigunow-agent-alphaWie der All-Verlag pflegt auch comicplus+ seit Jahren die Tradition der Abenteuercomics, die ein bisschen mehr als reine Action zu bieten haben. So sind auch die Geschichten um Agent Alpha vor einem politischen Hintergrund angesiedelt. Sie spielen zur Zeit der sich in Auflösung begriffenen Sowjetunion. Im neuen russischen Staat sind Devisen knapp, was Probleme beim Ankauf dringend benötigter Investitionsgüter macht. Also versucht die Regierung, ihre auf den Finanzmärkten schwachen Rubel auf andere Weise gegen harte Dollar einzutauschen.

Die Kunstsammlerin Assia Donkowa soll dabei helfen. Als sie im Pariser Louvre von einem jungen Mann gesprochen wird, ahnt sie nicht, dass der eigentlich auf sie angesetzt ist, um sie – aber vor allem ihren Mann – ausspionieren zu können. Die harmlose Plauderei über Monet und zeitgenössische Kunst endet kurze Zeit später in einem Fiasko: Bei einer Geldübergabe in einem Luxushotel kommt es zu einer wilden Schießerei, bei der scheinbar keine der beteiligten Parteien das bekommt, was sie sucht.

Nach Giacomo C., Zehn Gebote, Hopfen und Malz, Unterwegs und vielen anderen Reihen legt comicplus+ damit eine weitere seiner Serien in Hardcover auf – und zwar als „erste und einzige“ Auflage in einer auf 1000 Exemplare limitierten Edition. Vier Bände soll die GA insgesamt umfassen – Band 1 beinhaltet auch hier die ersten drei Alben der Serie. Eine ebenfalls in klassischem Panel-Stil gezeichnete Reihe für Krimi-Fans.

Juri Schigunow,Pascal Renard,Mythic: Agent Alpha (GA Bd. 1)
160 Seiten, gebunden, € 34,- Euro, comicplus+, ISBN 978-3-89474-297-3
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