Die Wege zum Ruhm

An dieser Serie hat Daniel Hulet in den 1980er Jahren parallel zu L’état Morbide mit Jan Bucquoy gearbeitet: Raymond Lécluse ist ein Boxer, der sich als Schriftsteller versuchen möchte. Zunächst liegt er in den 1930er Jahren als Soldat an der Maginotlinie und langweilt sich zu Tode. Am Ende seiner Dienstzeit fährt er nachhause, um seine Eltern zu besuchen. Sein Vater ist mit den Kollegen seiner Firma im Streik. Als Raymond sie unterstützen will, werden sie von Gendarmen angegriffen, wobei Raymond einen Polizisten aus Versehen so schwer verletzt, dass der Mann später stirbt. Ungünstig für Raymond, der sich daraufhin erst mal absetzt. Ein Freund vermittelt ihm einige Jobs als Boxer, aber irgendwann holt ihn seine Vergangenheit ein, und Raymond verzieht sich zur Fremdenlegion.

Die ersten drei Bände sind in den 1980er Jahren bei Carlsen erschienen, dann wurde die Reihe in Deutschland eingestellt. Das war schade, denn die Geschichte wird spannend erzählt, und die Zeichnungen haben eine ganz eigene Note. Finix hat die Serie jetzt in einer Gesamtausgabe publiziert. Neben den ersten drei Alben enthält sie einen Band 4, bei dem Bucquoy als Texter nicht zur Verfügung stand, weil er gerade mit anderen Dingen beschäftigt war. Für den abschließenden Band 5 lag zwar ein Abschlussszenario vor, aber Hulet war inzwischen verstorben, sodass dieser Band nie mehr gezeichnet wurde, sondern nur als Text enthalten ist.

Natürlich ist es unbefriedigend, aus diesen Fragmenten eine Gesamtausgabe zu basteln. Aber wer einen Abschluss für diese Serie sucht (und den bietet sie), sollte zugreifen. Die Geschichte ist eine der inhaltlich stärksten (und schönsten) Arbeiten von Hulet. Sie gibt einen guten Einblick in die Welt der 1930er Jahre – und zwar sowohl in die der einfachen Leute, als auch in die des Großbürgertums. Wer die drei Carlsen-Ausgaben bereits im Regel stehen hat und keine 40 Euro für die GA locker machen kann: Rein von der Story her reichen die Carlsen-Alben auch – der vierte Band bringt nicht viel Neues.

Daniel Hulet, Jan Bucquoy: Die Wege zum Ruhm (Gesamtausgabe)
Aus dem Französischen von Helmut Menniken und Marcel Le Comte
198 Seiten, gebunden, 39,80 Euro, Finix, ISBN 978-3-948057-50-3
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L’état Morbide

Eine ziemlich abgefahrene Horrorgeschichte in schrägem Design – die Trilogie des belgischen Comiczeichners Daniel Hulet: Charles Haegeman besichtigt eine zu vermietende Wohnung in einem gutbürgerlichen Viertel von Brüssel. Das düstere Äußere des Gebäudes ist nur ein Vorbote für die unheimliche Hausmeisterin Madame Spiegel, die ihn darin erwartet, sowie die verschrobenen Mieter, denen er begegnet. In Charles‘ Augen bietet das Haus das perfekte Klima, um sein Comicprojekt – eine makabre Story in einer postapokalyptischen Welt – endlich zu beenden. Doch der Fund eines Tagebuchs, das einem früheren Bewohner gehörte, wirft ihn nachhaltig aus der Bahn und führt ihn auf den Weg in einen krankhaften Wahn, der in den Mauern dieses unseligen Ortes zu hausen scheint. (Verlagstext)

Daniel Hulet war ein belgischer Comiczeichner (1945 – 2011), der unterschiedliche Alben gemacht hat. Neben eher konventionellen Abenteuerreihen hat er u.a. mit den Trilogien Extra Muros und Immondys immer fantastischere Werke abgeliefert. Dazu gehört auch sein Dreiteiler L’état morbide, in dem er dem Irrsinn freie Bahn lässt. Man fragt sich beim Lesen unwillkürlich, wie er aus dieser Story, die von Seite zu Seite mysteriöser wird, jemals wieder logisch rauskommen will. Aber er schafft es am Ende tatsächlich. Zumindest halbwegs.

Noch schräger als die Story sind die Bilder. Seine diagonal-dreieckig angeordneten Panels bringen durch die permanente Perspektivverschiebung Unruhe auf die Seiten. Und dann die Zeichnungen: Verschwommen skizzierte Körper, abgetrennte Köpfe, sich auflösende Wesen, schräge Gestalten und alles in einem modrigen Grün, gerne auch mal in düsterem Rot oder Grau. Eine Atmosphäre, streckenweise surreal und morbide bis zum Ekel.

Es ist eine im Grunde ziemlich kranke Geschichte, die Hulet hier vorlegt, und sicher nicht jedermanns Geschmack. Trotzdem erfreulich, dass die drei Alben, die 1988 bei Feest erschienen sind, jetzt als Gesamtausgabe vorliegen, denn sie sind in ihrer Art einzigartig. Ergänzt von einem 16-seitigen Nachwort von Verleger Paul Herman über Leben und Werk von Hulet, das im Gegensatz zu vielen anderen Vor- und Nachworten in Comics rundum informativen Charakter hat.

Daniel Hulet: L’état Morbide (Gesamtausgabe)
Übersetzung von Klaus Jöken und Tanja Krämling
160 Seiten, gebunden, 39,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96792-366-7
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Fox

Mal wieder einer der für comicplus+ typischen Comicromane mit Abenteueratmosphäre: Anfang der 1950er Jahre stößt der Amerikaner Allan Fox in Frankreich auf ein altes Buch – ein gefährliches, ein „verfluchtes“ Buch. Rasch wird er in eine Intrige unglaublichen Ausmaßes hineingezogen: Mithilfe des Buches und Fox‘ Unterstützung versucht der wegen seiner Verbrechen verbannte Gott Seth wieder auf die Erde zurückzukehren. Das Abenteuer führt Fox an die südliche Grenze Ägyptens, nach Philae, dem Sitz der Göttin Isis. Ein phantastischer Comicroman zwischen der Realität und der unergründlichen Welt der Götter. (Verlagstext)

Ja, es ist wieder eine dieser typischen Abenteuergeschichten, die mit allerlei Mystik, starken Männern, geheimnisvollen Frauen und jeder Menge Suspense ausgestattet sind. Dazu kommt mit Seth ein Gott, der in der Regel ziemlich schlechte Laune hat und in seiner rundum destruktiven Art – wir ahnen es schon – die widerspruchslose Herrschaft anstrebt. Das ist weder neu noch originell, aber wer auf spannende Abenteuerstorys steht, wird hier auf seine Kosten kommen.

Und das nicht nur deshalb, weil Jean Dufaux (Regenwolf, Giacomo C., Dixie Road) ein erfahrener Erzähler ist, sondern auch, weil Jean-François Charles (India Dreams, Africa Dreams) die Geschichte bebildert hat. Er war mehrmals in Ägypten unterwegs und weiß, wie man die Atmosphäre dieses heißen Landes treffend auf die Seiten bringt. Im Anhang des Bandes kann man allerlei darüber und über die Mythen der Ägypter erfahren. Die vier Alben, aus denen diese Ausgabe besteht, sind in Frankreich in den 1990er Jahren erschienen.

Jean-François Charles, Jean Dufaux: Fox
224 Seiten, gebunden, 49,- Euro, comicplus+, ISBN 978-3-89474-323-9
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