Lanfeust von Troy

tarquin-lanfeust-von-troy1Splitter schreibt: Klassische Heroic-Fantasy höchster Güte: »Lanfeust von Troy« ist das Magnum Opus des französischen Comic-Starautors Christophe Arleston (»Ekhö — Spiegelwelt«, »Die Schiffbrüchigen von Ythaq«). Nach Jahrzehnten der Unvollständigkeit bringt Splitter alle drei Lanfeust-Hauptserien zurück. Auf »Lanfeust von Troy« folgen ohne Unterbrechung »Lanfeust der Sterne« sowie »Lanfeust Odyssee«, und auch die Nebenserie »Cixi von Troy« erhält im typischen Splitter-Format ein neues Gewand.

Die achtteilige Serie Lanfeust von Troy erschien um die Jahrhundertwende bei Carlsen, genau wie (fast) alle anderen Reihen (Troll von Troy) und Nebenreihen aus dem Troy-Universum. Das Schöne daran ist, dass hier Fantasy wieder mit Fantasie zu tun hat, und sich nicht in endlosen Gemetzeln muskelstrotzender Helden erschöpft, die irgendwelche doofen Königreiche samt Prinzessin zurückerobern müssen. Zwar gibt es auch in Troy Gemetzel zur Genüge – dafür sorgt schon alleine der ewig hungrige Troll, der zwar durch Zaubersprüche gezähmt wurde, aber ab und zu aus seiner Verzauberung erwacht. Vor allem aber gibt es hier jede Menge Magie, denn jeder Bewohner der Troy-Welt ist mit einer besonderen Fähigkeit ausgestattet.

In unserem Fall ist das zunächst Lanfeust, der alleine durch seinen Blick Eisen zum Schmelzen bringen kann. Dann gibt es Can, seine Verlobte, die Wunden heilen, und deren leicht bekleidete Schwester Cixi, die Wasser gefrieren und verdampfen lassen kann und Lanfeust mit ihrer unkonventionellen Art und Anmache gern durcheinander bringt. Im Grunde die klassische Femme fatal, wie sie Bourgeon beispielsweise mit Mariotte in seinen Gefährten der Dämmerung oder Loisel mit Pelissa im Vogel der Zeit eingesetzt hat. Die drei sind in der magischen Welt von Troy unterwegs, um ein Schwert zu finden, das seinem Träger viel Macht verleiht und deshalb nicht in die falschen Hände fallen darf.

Die Splitter-Ausgabe wurde komplett neu koloriert. Nicht einfach ein bisschen aufgehübscht, sondern von Matteo Livi komplett neu gestrichen. Das sieht prima aus und ist für alle, die die Carlsen-Ausgabe bereits im Regal stehen haben und sich fragen, ob sie sich die Neuauflage zulegen sollen, ein echtes Kaufargument. Dazu kommt, dass Splitter die Reihe, in der auch der Humor nicht zu kurz kommt, in gewohntem Hardcover auflegt. Auch schön: Die acht Bände erscheinen in monatlichem Rhythmus. Weniger schön: Bei Carlsen gab es zwei sehr liebevoll gestaltete Bände der Enzyklopädie von Troy, in denen Hintergrundinfos über Städte, Figuren und Fähigkeiten der Bewohner enthalten waren. Splitter hängt jetzt immer Teile aus der ersten Enzyklopädie als Bonusmaterial an die Lanfeust-Alben an. So transportiert man zwar die Zusatzinformationen, aber es wirkt doch sehr zerstückelt. Als separate Bände kamen die Enzyklopädien besser.

PS: Abseits der großen Reihen ist bereits 2011 der Einzelband Das Schattenreich von Troy bei Splitter erschienen. Nicht typisch für Troy, aber mit das witzigste und am elegantesten gezeichnete Album aus dieser Welt.

Didier Tarquin, Christophe Arleston, Matteo Livi: Lanfeust von Troy
56 Seiten, HC, 15,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-094-1
> Leseprobe

Advertisements

Marshall Bass

kordey-marshal-bass1Verlagstext: Geboren als Sklave in Arkansas, wird River Bass ein Deputy US Marshal und sorgt 1875 als Sheriff für Recht und Ordnung in Arizona. Nun steht er vor seiner bislang schwierigsten Aufgabe: Eine Gruppe ehemaliger Sklaven hat sich unter der Führung des mysteriösen Milord zusammengetan und überzieht den Staat mit Terror und Gewalt, und Bass soll sich einschleusen und ihnen das Handwerk legen. Aber als der Anführer der Outlaws ihn entlarvt und seine Tarnung auffliegt, ändert sich alles. Der historische Bass Reeves (1838-1910) war ein befreiter Sklave, ein Soldat, ein Vagabund und der erste schwarze Sheriff in der Geschichte der Vereinigten Staaten. In der harten Realität des Wilden Westens kämpfte er voller Idealismus für Gleichheit und Respekt, aber letztlich bleibt seine Geschichte die eines einsamen Helden.

Ein Western. Mehr muss man eigentlich nicht sagen, denn Western liefern im Grunde das immergleiche Schwarzweiß-Schema für jede Art von Gewalt- und Actionstory: harte Männer, heiße Knarren, viel Geballer, die Guten gegen die Bösen, und am Ende reitet John Wayne dem Sonnenuntergang entgegen. Abspann.

Es gibt Ausnahmen von der Regel, aber diese Reihe ist keine – auch, wenn sie sich eine historische Figur als Vorlage nimmt. Wie Geschichten dieser Art ausgehen, ist also klar, bevor man sie überhaupt aufschlägt – von ernsthafter Spannung keine Spur. Trotzdem kann es entspannend sein, in unser komplexer werdenden Welt gelegentlich solch simpel gestrickte Geschichten in der beruhigenden Gewissheit zu lesen, dass das Gute am Ende siegen wird. Die plakativen Zeichnungen werden Western-Fans jedenfalls gefallen, und die einzelnen Bände der Reihe sind in sich abgeschlossen.

Igor Kordey, Darko Macan: Marshal Bass – Band 1: Black & White
56 Seiten, HC, 14,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-091-0
> Leseprobe

Die Chroniken von Yria

schmidt-chroniken-von-yria1Der Verlag schreibt: »Myre« ist der Crowdfunding-Erfolg der Berliner Autorin und Zeichnerin Claudya Schmidt, vielleicht besser bekannt als Alector Fencer, eine auf sechs Teile angelegte Fantasy-Saga voller liebevoll gestalteter Charaktere und in atemberaubenden Bildern. Nachdem ihr Comicprojekt auf Indiegogo hervorragende Resonanz erfahren hat und der erste Band im Eigenverlag auf Englisch erschien, bringt Splitter »Myre« jetzt ins Deutsche. Ein Comic made in Germany, wie es ihn bisher noch nicht gegeben hat!

Die Zeichnungen sind in der Tat sehenswert. Dynamisch, stilvoll, und trotz aller Energie irgendwie weich und soft – und das in einer rundum gefühlvollen Kolorierung. Natürlich kommen die anthropomorphen Furrys dieser Reihe auch ein bisschen disneymäßig daher, streckenweise ist alles sehr sauber und glatt, trotzdem sind es rundum einzigartige Bilder, die der Leser hier vorgesetzt bekommt.

Worum geht es? Nun, wenn es die Beschreibung auf der Rückseite des Albums nicht gäbe würde man nicht darauf kommen, denn der erste Band beschränkt sich – von ein paar Schlägereien am Rande abgesehen – darauf, dass Myre, unsere weibliche Heldin, Benzin für ihr Feuerzeug sucht. Ein Feuerzeug in einem Fantasy? Tja… Aber dann soll sie ein Päckchen mit unbekanntem Inhalt transportieren, und damit beginnt eine gefährliche Reise durch eine mysteriöse Welt, die in Band 2 eigentlich erst richtig losgeht und insgesamt 6 Bände umfassen soll. Über die Story lässt sich also bislang wenig sagen, die Zeichnungen machen allerdings Lust auf mehr.

Claudya Schmidt, Matt W. Davis: Myre – Die Chroniken von Yria
96 Seiten, HC, 19,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-105-4
> Leseprobe