Ich habe Abel getötet

sorel-abelEs gibt Alben, auf die freut man sich lange im voraus. Vor allem, wenn ein so tolles Team wie Guillaume Sorel und Serge Le Tendre als Zeichner und Texter angekündigt sind. Dass Le Tendre klasse Geschichten erzählen kann, hat er im Vogel der Zeit bewiesen. Und wie stark Sorel düstere Stories bebildert, hat man unter anderem in Appartement 23 und Die letzten Tage von Stefan Zweig gesehen.

In diesem Fall hält sich die Begeisterung allerdings in Grenzen. Sorels Zeichnungen sind nach wie vor sehenswert, reißen aber die völlig konstruiert wirkende Geschichte auch nicht mehr raus. Es geht nicht um Kain und Abel im Urzustand, sondern darum, dass der Mörder als Strafe von Jahwe sozusagen eine Art ewiges Leben aufgebrummt bekommen hat – und damit sehr unzufrieden ist. Aber wie kommt man aus dieser Ewigkeitsnummer Nummer wieder raus? Die Einfälle sind wenig originell (und werden zudem sehr hölzern erzählt), und bereits in der Mitte des Albums ahnt man, wie es enden wird. Schade drum – das können die besser.

Guillaume Sorel, Serge Le Tendre: Ich habe Abel getötet
64 Seiten, gebunden, 15,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-448-3
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Bella Ciao

quarello-bella-ciaoBella Ciao – dieses Partisanenlied fehlte in den 1970er Jahren auf keiner LP von Hannes Wader + Co, und auch auf Demos oder am Lagerfeuer wurde es oft gespielt und gesungen. Seinen Ursprung hat es in den Kämpfen der italienischen Partisanen, die in den 1940er Jahren das faschistische Regime Mussolinis bekämpften. Der Text variierte je nach Interpret, aber im Grunde geht es darum, dass man in dieser Auseinandersetzung auch den Tod finden kann.

Maurizio A. C. Quarello hat den Titel dieses Liedes für sein Album gewählt, weil seine Geschichte – das ist in dem Fall die seines Großvaters – exakt zu dieser Zeit spielt. Nachdem eine Gruppe von Partisanen 1944 erfolgreich Widerstand gegen Mussolinis Soldaten und deren deutsche Unterstützer geleistet hat, durchstreift die Armee die Gegend auf der Suche nach den Widerstandskämpfern. Von denen hat sich einer – er wurde während der Aktion verletzt – auf einem Bauernhof versteckt. Ausgerechnet diesen Hof wollen die Soldaten jetzt unter die Lupe nehmen.

Der 1974 geborene Grafiker und Architekt Quarello, der seit 2007 Illustration an der Akademie der Künste in Macerata unterrichtet, braucht keine Worte, um seine Geschichte zu erzählen. Ganz ohne Text schildert er diese Episode in starken Bildern, die sehr lebensnah rüberkommen. Im Anhang kann man den Originaltext (italienisch) und die deutsche Übersetzung des Liedes nachlesen.

Maurizio A. C. Quarello: Bella Ciao
96 Seiten, gebunden, 20,- Euro, Jacoby & Stuart, ISBN 978-3-946593-26-3

Galkiddek

grella-galkiddek1Mystik und Action im Mittelalter: Graf Galohan trauert um seine Gemahlin, die Gräfin von Galkiddek. Die ist auf grausame Weise bei einem Gemetzel ums Leben gekommen, das sich an die Erstürmung ihrer Burg anschloss. Galohan ist nicht nur wütend, sondern auch verzweifelt, denn er liebte seine Frau. Dann entdeckt er in einer kleinen Dorfkirche eine Statue, die wohl eine Heilige darstellen soll, seiner verstorbenen Frau aber wie aus dem Gesicht geschnitten ist.

Um herauszufinden, wer sie in wessen Auftrag – und vor allem: nach welchem Modell? – erschaffen hat, würde man normalerweise einfach den Pfarrer oder sonst ein Kirchenmitglied fragen. Aber Galohan fällt erst mal mit einer Horde schwer bewaffneter Ritter in die Kirche ein und macht alles nieder, was nicht bei drei auf den Bäumen ist. Und dann hat er die Idee, die Statue mit Hilfe eines Magiers zum Leben zu erwecken.

Nicht die Art von Story, die mich interessiert. Aber wen solche Geschichten interessieren, der sollte zugreifen, denn die Zeichnungen sind von Paolo Grella (Das verbotene Manuskript) und heben sich von der Masse ähnlicher Alben deutlich ab. Er kombiniert Schwung und Dynamik in den Kampfszenen mit filigranem Strich, wenn es um Gesichter, Dekor und Rückblenden geht. Die Reihe ist als Fortsetzungsgeschichte konzipiert. Wie viele Bände es insgesamt werden ist bislang nicht absehbar.

Paolo Grella, Frank Giroud: Galkiddek Band 1 – Die Gefangene
48 Seiten, gebunden, 14,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-467-4
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