Valentin

genehr-valentinVerlagstext: Basierend auf den Film- und Fotoaufnahmen von Johann Seubert, der für die Nationalsozialisten den Bau des U-Boot-Bunkers Valentin in Bremen Farge dokumentierte, und den Tagebuchaufzeichnungen von Raymond Portefaix, der als Jugendlicher aus dem französischen Dorf Murat nach Bremen Nord verschleppt wurde und als KZ-Häftling auf der Bunker-Baustelle landete, erzählt Jens Genehr in seinem Comic Valentin von diesem riesigen Rüstungsprojekt, bei dessen Umsetzung mehr als 1000 Zwangsarbeiter_innen aus ganz Europa starben. Mit einem Nachwort von Christel Trouvé (Leiterin des Denkort Bunker Valentin) und Karen Struve (Literaturwissenschaftlerin Uni Kiel).

Genehr, Jahrgang 1990, studiert an der Hochschule für Künste in Bremen und arbeitet ehrenamtlich am Denkort Bunker Valentin. Dieses Album ist seine erste Einzelveröffentlichung. Das sieht man ihr auch an. Die Schwarzweiß-Zeichnungen wirken noch etwas ungelenk, und die Strukturierung der Geschichte lässt wenig Spannung aufkommen. Aber man bekommt Einblick in die Lebensbedingungen der Zwangsarbeiter, die nicht selten aus nahe gelegenen KZs rangekarrt wurden, um sich hier zu Tode zu schufteten, weil der Führer davon fantasierte, die absehbare Kriegsniederlage mit einer hochmodernen U-Boot-Flotte noch abwenden zu können. Und in das Seelenleben der Ingenieure und Bürokraten, die ja nur ein Bauprojekt geplant, organisiert und überwacht haben, sich aber wie immer für die Lebensbedingungen der Menschen, die daran zugrunde gingen, nicht verantwortlich fühlten.

Es ist wichtig, alle Aspekte des Nationalsozialismus zu beleuchten. Gerade in Zeiten, in denen auch in Deutschland wieder Faschisten in den Parlamenten sitzen. Über das Valentin-Projekt gab es bislang wenig Literatur. Dieses Album schließt diese Lücke.

Jens Genehr: Valentin
240 SW-Seiten, gebunden, 32,- Euro, Golden Press, ISBN 978-3-9819880-5-5

Die Kathedrale des Abgrunds + Haunter of Dreams

grenier-kathedrale-des-abgrunds1Zwei mal Fantasy aus dem Hause Splitter. Den Anfang macht der erste Band des Sechsteilers Die Kathedrale des Abgrunds. Verlagstext: Des ewigen Streits der Nordvölker mit denen des Südens überdrüssig, schlugen die Götter einst einen gigantischen Spalt in die Erde, um die Reiche voneinander zu trennen. Doch eines Tages wird ein Messias kommen und über dem Abgrund eine Kathedrale errichten. Die Reiche werden wieder vereint sein, und ein Zeitalter des Wohlstands wird beginnen. So lautet die Prophezeiung des Evangeliums von Ariathie, nach dem die Templerin Sinead seit Jahren sucht. Währenddessen reist der Meisterarchitekt Pier de la Vita nach Anselm, um seinen zahlungsunwilligen Auftraggeber, den Magier Ronfield, vor Gericht zu bringen, und das gefällt diesem gar nicht. Die Wege der Prophezeiung sind verschlungen, und so sind es auch die Schicksale ihrer Spielfiguren…

Was im Grunde nicht weiter erwähnenswert wäre, denn nach solchen Mustern sind die meisten Heroic-Fantasy-Serien gestrickt. Nur die entführte Prinzessin fehlt hier. Dafür ist mit Sinead ein äußerst wehrhaftes – und natürlich gut aussehendes – Exemplar des weiblichen Geschlechts mit von der Partie. Was hier aber wirklich gut kommt, sind die Zeichnungen. Eine wahrhaft edle Kolorierung sorgt für eine Optik, die anzusehen sich lohnt, und das Album liest sich spannend runter. Wer also auf Heroic-Fantasy steht: In diesem Band ist alles drin, was man braucht. Sechs Bände sollen es insgesamt werden.

Sébastien Grenier , Jean-Luc Istin: Die Kathedrale des Abgrunds Bd. 1
56 Seiten, gebunden, 15,- Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-393-5
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schmidt-haunter-of-dreamsWesentlich unblutiger, wenn auch nicht gewaltloser, kommt das neue Album aus der Reihe Legenden von Yria daher. Verlagstext: Die Welt von Yria lebt, und ihre Legenden werden ständig fortgeschrieben. Sie leben durch die Erzählungen ihrer Bewohner und in den Träumen ihrer Kinder… »Haunter of Dreams« ist eine Geschichte über die Wunder und die Gefahren der Träume, die uns durch unser Leben begleiten. Und es ist die Geschichte eines kleinen Jungen, der den Schatten seiner eigenen Angst überwinden muss, um das Licht auf der anderen Seite zu erreichen… »Die Legenden von Yria« erweitern die Fantasy-Welt von »Myre« um neue Abenteuer und Charaktere. Taucht tiefer ein in das visionäre Worldbuilding von Claudya Schmidt und Matt Davis und folgt einem tapferen Jungen auf seiner Reise durch ein Traumland in atemberaubenden Bildern.

Die Bilderwelt von Claudya Schmidt ist wahrhaft einzigartig. Es gibt nichts mit der Welt von Myre vergleichbares. Sanfte, in- und umeinander fließende Farben, die übergangslos Atmosphären von kuschelweich bis dämonisch entwickeln können. In diesem, in sich abgeschlossenen Album muss sich ein kleiner, zuckerwattesüßer Held mit allerlei Ungeheuern rumschlagen, bis er schließlich im sicheren Schoß seiner Mutter landet. Eine bunte Mischung aus Kitsch, Traum und Fantasy in unglaublich starken Farbkompositionen. Und alles ganz ohne Text. Mit einem Nachwort der Künstlerin.

Claudya Schmidt: Haunter of Dreams – Die Legenden von Yria
96 Seiten, gebunden, 19,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-425-3
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Nada

cabanes-nadaVerlagstext: Eine sechsköpfige, linksextreme Terrorgruppe, die zu Beginn der 70er Jahre in Paris einen wagemutigen Plan fasst: Sie werden den amerikanischen Botschafter kidnappen. Während er ein einschlägiges Rotlicht-Etablissement besucht, schlagen sie zu. Und es läuft wie am Schnürchen. Doch die Probleme fangen damit erst an, denn sofort beginnt eine gnadenlose Jagd auf die »Anarchisten«. Und das bestenfalls brüchige Bündnis der sechs Aktivisten droht unter dem Druck zu zerbersten. Max Cabanes ist durch seinen unverwechselbaren, expressiven Stil in Frankreich ein echter Star der Comicszene und auch hierzulande schon seit seinen (leicht frivolen) Kindheits- und Jugenderinnerungen in »Herzklopfen« ein Begriff. »Nada«, seine dritte Adaption eines Werkes von Krimi-Romancier Jean-Patrick Manchette (1974 von Claude Chabrol auch schon verfilmt), ist ein neuerliches Beispiel für Cabanes‘ Kunstfertigkeit, nun endlich im angemessenen Großformat – ein packender Noir-Thriller, der seinesgleichen sucht.

Erfreulich, dass es ein Album von Cabanes mal wieder nach Deutschland geschafft hat. Der Mann kann ebenso gut erzählen wie zeichnen und hat seinen Stil seit Herzklopfen und Die Zeit der Halbstarken, die in den 1990er Jahren bei Carlsen erschienen sind, weiterentwickelt. Weniger glatt und figurativ wie in den genannten Bänden (und die waren schon klasse), zu einem mehr gescribbelten Strich mit viel Dynamik – so kommt Nada rüber. Und das passt.

Die Story lebt von den Widersprüchen, die durch die unterschiedlichen politischen Ansichten der Entführer entstehen, und von Kommissar Zufall, der ihrem Plan fett in die Suppe spuckt. Für Action ist gesorgt, Anleihen an die typischen französischen Noir-Filme gibt es reichlich, die Dialoge halten sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf – ein fetziges und klasse gezeichnetes Album mit originellen Schluss. Das einzige, was nervt, sind die gelegentlich etwas hölzern wirkenden Erzähltexte.

Max Cabanes, Jean-Patrick Manchette, Doug Headline: Nada
192 Seiten, gebunden, 35,- Euro, Splitter, ISBN: 978-3-96219-296-9
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