Adele Blanc-Sec

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Adele, Tardis Heldin aus der Belle Époque, ist wieder da: Paris 1911. Die Metropole wird von einem Urzeit-Ungeheuer heimgesucht, dessen Existenz wissenschaftlich unmöglich ist: einem Pterodaktylus. Während sich Inspektor Caponi um die Aufklärung der Sache bemüht, setzt Adele das Auftauchen des Vogels für ihre eigenen Zwecke ein… Die spektakulären Fälle der gern bierernsten und – meistens – hochgeschlossenen Ermittlerin, die gar keine ist, sondern Verfasserin von Schundromanen, inmitten von Plüsch und Pracht der Belle Epoque in einer neuen Gesamtausgabe – mit neuem Vorwort von Volker Hamann (Alfonz). (Verlagstext)

Die Adele-Serie bringt eine Mischung aus Fantasy und Absurdität, Krimi und Fortsetzungsroman. Die Art von Fortsetzungsroman, in dem die Handlung immer verwickelter wird, und an deren Ende jemand eine mehr oder weniger glaubhafte Auflösung präsentiert, die ziemlich an den Haaren herbeigezogen klingt. Taugt nicht mal für einen Schundroman, viel zu kompliziert. Keiner würde das verstehen, lässt Tardi eine seiner Figuren selbstironisch lästern. Auf allzu viel Logik sollte man sich also nicht einstellen. Auf starke Bilder, jede Menge originelle Typen und Spaß an einer schrägen Story, die selbst der Autor nicht allzu ernst nimmt, schon.

Die bislang neunbändige Reihe entstand in den 1970er Jahren, wurde teilweise bei Carlsen und später komplett, wie alle anderen Werke von Tardi, in der Edition Moderne publiziert, die allerdings einen Band fünf in die Reihe schmuggelte, der mit der Serie nichts zu tun hatte. Da Adele als Fortsetzungsserie konzipiert war, war sie offiziell nie fertig. Tardi publizierte, wie Volker Hamann in seinem gut recherchierten Vorwort schreibt, immer wieder mal ein Album – neben seinen Krimi-Adaptionen von Malet, Manchette und Veran, und vor allem neben den zahlreichen Alben, in denen er sich mit dem Ersten Weltkrieg auseinander setzte. Die jetzt bei Schreiber & Leser erschienene Gesamtausgabe soll drei Bände mit je drei Alben umfassen (also die zehn in der Ed. Moderne erschienenen ohne Band fünf). Und natürlich gibt es die Hoffnung, dass der Meister die Reihe dann in einem großen Finale mit einem zehnten Band abschließt.

Ob sich die GA lohnt, wenn man die Einzelbände schon im Regal hat? Die Farben sind minimal heller, die Übersetzung ist neu und etwas flüssiger, aber insgesamt sind die Unterschiede gering. Wer die Reihe schon hat, muss selber entscheiden. Wer sie nicht kennt und schräge Geschichten und verzwickte Krimis vor stark gezeichnetem historischen Dekor mag: lohnt sich.

Jacques Tardi: Adele Blanc-Sec (GA Band 1)
Aus dem Französischen von Wiebke Besson
160 Seiten, gebunden, 29,80 Euro, Schreiber & Leser, ISBN 978-3-96582-078-4
> Leseprobe

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