Dept. H – Unter Druck

kindt-dept-h-unter-druckVerlagstext: 6 Meilen unter der Wasseroberfläche befindet sich die Forschungsstation Dept. H, auf der Mia den Mord an ihrem Vater, einem der besten Wissenschaftler der Welt, aufklären muss. Bald stellt sie fest, dass sich hier unten alle verdächtig verhalten. Mia kannte einige der Anwesenden schon, als sie ein Kind war. Jemand sabotiert Dept. H, um Spuren zu verwischen. Oder stecken andere Gründe hinter Explosionen, beschädigten Taucheranzügen und versagenden Lebenserhaltungssystemen?

Es ist wirklich wie verhext: Kaum ist Mia mit dem Auftrag, den Tod ihres Vaters aufzuklären, in der Forschungsstation auf dem Meeresboden angekommen, passiert dort unten ein Unglück nach dem anderen. Die Situation wird immer lebensbedrohlicher, weil Funk und Sicherheitssysteme plötzlich ausfallen. Ist das noch Zufall, oder möchte jemand Mias Arbeit behindern? Und wem kann sie da unten noch trauen?

Hinstorff, der Verlag für maritime Literatur, hat die ersten sechs Ausgaben dieser, wie sie es nennen, Untersee-Science-Fiction-Mystery-Geschichte in einem Band zusammengefasst. Jeff Lemire (Der Unterwasser-Schweißer, Geistergeschichten, Descender) bezeichnet die Reihe als die beste Art von Science Fiction, die beste Art von Mystery und die beste Art von Comics. Ob man sich diesem Urteil anschließen kann, lässt sich nach dem ersten Band noch nicht sagen. Spannend ist er allemal, die Zeichnungen kommen dagegen etwas klobig daher. Insgesamt sind in den USA bislang vier Bände erschienen. Der zweite Band wird bei Hinstorff bereits für den deutschen Markt vborbereitet.

Matt Kindt : DEPT. H – Unter Druck
176 Seiten, 20,- Euro, Hinstorff, ISBN 9783356022247

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James Bond Classics: Casino Royale

calero-james-bond-casino-royaleVerlagstext: Im französischen Royale-les-Eaux hat Bond den Auftrag, den rücksichtslosen SMERSch-Agenten Le Chiffre auszuschalten, indem er ihn am Baccarat-Tisch ruiniert. Unterstützt wird er dabei von der so schönen wie undurchsichtigen Vesper Lynd und Felix Leiter, seinem Kollegen von der CIA. Aber der Plan geht nicht auf und so entwickelt sich eine halsbrecherische Jagd, bei der 007 alles aufs Spiel setzen muss. Nach 6 exklusiv für den Comic geschriebenen Stories über den Agenten mit der Lizenz zum Töten ist »Casino Royale« die erste Comic-Bearbeitung des Romans von Ian Fleming seit über 20 Jahren. Autor Van Jensen (»Green Lantern«) und Zeichner Dennis Calero (»X-Factor«) orientieren sich eng an der literarischen Vorlage und so kommen Leser in den Genuss des authentischen Bond wie sein Schöpfer ihn ersann.

Etwas abseits der bislang bei Splitter publizierten Bond-Reihe bringt der Verlag dieses Album als „Classic Story“ auf den Markt. Ins Kino schaffte es Casino Royale  als 21. Bond-Film erst 2006, der Roman wurde von Ian Fleming allerdings bereits 1951 geschrieben – es war der erste Bond-Roman überhaupt. Vielleicht ist das der Grund, dass er noch nicht mit dieser Reihe absurder und unglaubwürdiger Technik überladen war, die spätere Bond-Romane – und vor allem ihre Verfilmungen – auszeichnete.

Im Grunde spielt unser staatlich lizenzierter Killer hier nur eine gepflegte Runde Baccara im Casino, und dann gibt es noch ein bisschen Action hintendran. Das klingt nach wenig, wird aber sehr überzeugend in Szene gesetzt, und die Spannung hält bis zur letzten Seite. Das Schöne daran ist, dass – bei aller Action – das detektivische Element im Vordergrund steht. Die Grafik wirkt bei flüchtigem Blättern etwas blutleer, gewinnt aber beim Lesen beträchtlich. Sie entwickelt einen sehr eigenen, etwas zurückhaltenden Stil und ergibt mit der Story zusammen ein in sich geschlossenes, rundum stimmiges Bild. Ein schönes Album für alle Bond-Fans.

Dennis Calero, Ian Fleming, Van Jensen: James Bond Classics: Casino Royale
176 Seiten, gebunden, 24,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-164-1
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Am liebsten mag ich Monster

ferris-am-liebsten-mag-ich-monsterDie zehnjährige Karen Reyes führt ein ganz besonderes Tagebuch: Neben ihren Alltagsbeobachtungen zeichnet sie Monster aus Trash-Horrorfilmen und alten Pulp-Magazinen. So bewältigt sie ihren Alltag in den USA der 1960er-Jahre und sammelt Spuren und Hinweise, die zur Aufklärung des Mordes an ihrer Nachbarin Anka Silverberg beitragen sollen. Emil Ferris verarbeitet in Am liebsten mag ich Monster ihre eigene Vorliebe für Horror-B-Movies und Grusel- Groschenhefte und bettet dies in eine Geschichte ein, die die sozialen Spannungen im Chicago der 1960er Jahre mit einer Geschichte des Erwachsenwerdens verknüpft. Soweit der Verlagstext.

Ferris verarbeitet aber nicht nur die sozialen Spannungen der 1960er Jahre in Chicago. Auch die Entwicklung in Deutschland – von den 1920er Jahren bis hin zum Faschismus – wird hier thematisiert, denn die Tote, deren Mörder Karen sucht, hat dort gelebt. Judenverfolgung, Kindesmissbrauch, Leichen – die Story ist ziemlich heftig, denn nach und nach ahnt der Leser, dass die Monster, um die es geht, nicht die sind, die einem nachts in einer dunklen Kellerecke auflauern. Es geht um die Monster in den Menschen. Karen: Die Sache mit dem Erwachsenwerden ist die: Aus Kinderaugen scheinen die Erwachsenen frei zu sein. Dabei sind viele von ihnen Gefangene. Von wem? In neun von zehn Fällen von ihren Geistern…

Präsentiert wird die Story mit wuchtigen Bildern in unterschiedlichen Techniken. Einflüsse von Robert Crumb sind unübersehbar, aber Ferris setzt auch eigene Akzente. Die Layoutstruktur ähnelt der in Vanna Vincis wunderbarem Band über Frida Kahlo, und wie Vinci integriert auch Ferris jede Menge klassische Gemälde in ihre Geschichte. Frédéric Bazille, Claude Monet, George Inness, Gustave Dore, Harald Sohlberg und viele andere sind dabei.

Die US-Amerikanerin liefert damit einen fiesen Höllentrip auf leisen Sohlen, und einen echten Schmöker dazu, denn hier gibt es ewig viel zu sehen und zu lesen. Nur die blaue Notizbuchstruktur nervt. Die hätte man auch hinter, statt vor die Zeichnungen legen können. Der zweite Band soll in den USA im Herbst erscheinen.

Emil Ferris: Am liebsten mag ich Monster
420 Seiten, 39,- Euro, Panini, ISBN 9783741608087
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