Venezianische Affären

warnaut-venezianische-affaerenÉric Warnauts und Guy Raives konnten schon immer spannende Geschichten erzählen. Meist haben sie dazu ihre Story in historische Zusammenhänge eingebettet und das Ergebnis mit exotischen Dekors angereichert. Die zerbrochene Zeit, Congo 40, Tropenhitze oder Zeitenwende sind Beispiele dafür.

Auch die Venezianischen Affären folgen diesem Muster. Wir befinden uns im 18. Jahrhundert. Venedig ist wirtschaftlich nicht mehr die Macht, die es einmal war, hat aber die Fähigkeit zu Vergnügen und üppigen Festen nicht verloren. Dazu kommt die Doppelmoral des Adels, bei dem heimliche (manchmal auch ganz offen ausgelebte) Affären an der Tagesordnung sind. Das wiederum führt zu Eifersüchteleien, und die können durchaus tödlich enden. Das Ergebnis wird, wenn es sich bei dem Opfer um eine Person niederen Standes handelt, diskret beseitigt. Probleme entstehen erst, wenn das Opfer der besseren Gesellschaft angehört.

So gesehen ist die ermordete Frau, die Capitan Grande präsentiert wird, zwar kein schöner Anblick. Aber erst, als es sich bei der nächsten Toten um eine Dame der Gesellschaft handelt, wird es kompliziert. Personelle Zusammenhänge zwischen den Opfern scheint es nicht zu geben. Allein die Art und Weise, wie sie zugerichtet wurden, legt einen Serientäter nahe.

Warnauts und Raives führen den Leser lange in die Irre, was die Handlung äußerst spannend macht. Vor allem aber lassen sie ihre Geschichte in düsteren Gängen, feuchten Kerkern und noblen Palästen der Lagunenstadt spielen, und die geheimnisvollen Masken, hinter denen versteckt dunkle Gestalten durch finstere Hauseingänge huschen, ergänzen dieses Dekor auf wunderbare Weise. Und dann ist da noch die schwarze Sklavin, die Voodo-Geister beschwört und damit noch einen Schuss Magie in die Handlung bringt. Das garantiert beste Unterhaltung auf 150 Seiten und macht Spaß zu lesen. Panini hat die ersten drei Bände der Reihe, die eine abgeschlossene Geschichte ergeben, in diesem Album zusammengefasst.

Éric Warnauts, Guy Raives: Venezianische Affären
160 Seiten, gebunden, 29,- Euro, Panini, ISBN 9783-3-7416-1288-6

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Dept. H – Unter Druck

kindt-dept-h-unter-druckVerlagstext: 6 Meilen unter der Wasseroberfläche befindet sich die Forschungsstation Dept. H, auf der Mia den Mord an ihrem Vater, einem der besten Wissenschaftler der Welt, aufklären muss. Bald stellt sie fest, dass sich hier unten alle verdächtig verhalten. Mia kannte einige der Anwesenden schon, als sie ein Kind war. Jemand sabotiert Dept. H, um Spuren zu verwischen. Oder stecken andere Gründe hinter Explosionen, beschädigten Taucheranzügen und versagenden Lebenserhaltungssystemen?

Es ist wirklich wie verhext: Kaum ist Mia mit dem Auftrag, den Tod ihres Vaters aufzuklären, in der Forschungsstation auf dem Meeresboden angekommen, passiert dort unten ein Unglück nach dem anderen. Die Situation wird immer lebensbedrohlicher, weil Funk und Sicherheitssysteme plötzlich ausfallen. Ist das noch Zufall, oder möchte jemand Mias Arbeit behindern? Und wem kann sie da unten noch trauen?

Hinstorff, der Verlag für maritime Literatur, hat die ersten sechs Ausgaben dieser, wie sie es nennen, Untersee-Science-Fiction-Mystery-Geschichte in einem Band zusammengefasst. Jeff Lemire (Der Unterwasser-Schweißer, Geistergeschichten, Descender) bezeichnet die Reihe als die beste Art von Science Fiction, die beste Art von Mystery und die beste Art von Comics. Ob man sich diesem Urteil anschließen kann, lässt sich nach dem ersten Band noch nicht sagen. Spannend ist er allemal, die Zeichnungen kommen dagegen etwas klobig daher. Insgesamt sind in den USA bislang vier Bände erschienen. Der zweite Band wird bei Hinstorff bereits für den deutschen Markt vborbereitet.

Matt Kindt : DEPT. H – Unter Druck
176 Seiten, 20,- Euro, Hinstorff, ISBN 9783356022247

James Bond Classics: Casino Royale

calero-james-bond-casino-royaleVerlagstext: Im französischen Royale-les-Eaux hat Bond den Auftrag, den rücksichtslosen SMERSch-Agenten Le Chiffre auszuschalten, indem er ihn am Baccarat-Tisch ruiniert. Unterstützt wird er dabei von der so schönen wie undurchsichtigen Vesper Lynd und Felix Leiter, seinem Kollegen von der CIA. Aber der Plan geht nicht auf und so entwickelt sich eine halsbrecherische Jagd, bei der 007 alles aufs Spiel setzen muss. Nach 6 exklusiv für den Comic geschriebenen Stories über den Agenten mit der Lizenz zum Töten ist »Casino Royale« die erste Comic-Bearbeitung des Romans von Ian Fleming seit über 20 Jahren. Autor Van Jensen (»Green Lantern«) und Zeichner Dennis Calero (»X-Factor«) orientieren sich eng an der literarischen Vorlage und so kommen Leser in den Genuss des authentischen Bond wie sein Schöpfer ihn ersann.

Etwas abseits der bislang bei Splitter publizierten Bond-Reihe bringt der Verlag dieses Album als „Classic Story“ auf den Markt. Ins Kino schaffte es Casino Royale  als 21. Bond-Film erst 2006, der Roman wurde von Ian Fleming allerdings bereits 1951 geschrieben – es war der erste Bond-Roman überhaupt. Vielleicht ist das der Grund, dass er noch nicht mit dieser Reihe absurder und unglaubwürdiger Technik überladen war, die spätere Bond-Romane – und vor allem ihre Verfilmungen – auszeichnete.

Im Grunde spielt unser staatlich lizenzierter Killer hier nur eine gepflegte Runde Baccara im Casino, und dann gibt es noch ein bisschen Action hintendran. Das klingt nach wenig, wird aber sehr überzeugend in Szene gesetzt, und die Spannung hält bis zur letzten Seite. Das Schöne daran ist, dass – bei aller Action – das detektivische Element im Vordergrund steht. Die Grafik wirkt bei flüchtigem Blättern etwas blutleer, gewinnt aber beim Lesen beträchtlich. Sie entwickelt einen sehr eigenen, etwas zurückhaltenden Stil und ergibt mit der Story zusammen ein in sich geschlossenes, rundum stimmiges Bild. Ein schönes Album für alle Bond-Fans.

Dennis Calero, Ian Fleming, Van Jensen: James Bond Classics: Casino Royale
176 Seiten, gebunden, 24,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-164-1
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