Wilsberg

hartmann-wilsbergDer Verlag schreibt: Seit 1990 veröffentlicht Jürgen Kehrer sehr erfolgreich seine Krimis um den kauzigen Detektiv Wilsberg aus Münster. Mittlerweile ist der Antiquar und Hobby-Detektiv bundesweit bekannt. Das ZDF hat diese Figur für die gleichnamige Krimireihe mit großem Erfolg adaptiert. Der Zeichner Jörg Hartmann setzt nun eine eigene Version von Wilsberg im Comic dagegen, die nicht weniger lebendig und mit Sicherheit bildgewaltiger ist. Der zweite Band versammelt einige Kurzgeschichten um den beliebten Detektiv.

Ja, und dieser zweite Band (der erste erschien vor 5 Jahren und hieß In aller Freundschaft) besteht zwar aus Kurzgeschichten, vereint diese vier Kurzcomics aber in einer großen Klammer, in der es um die Frage geht, wer diesem kauzigen Charakter ans Leben will. Denn Wilsberg hat eine Morddrohung erhalten, und die lautet: Du bist tot, Wilsberg. Genieße deine letzten Stunden. Da stellt sich die Frage, ob das ein Scherz ist, oder ob ihn wirklich jemand umbringen will. Also geht er auf der Suche nach möglichen Attentätern in Gedanken seine letzten Fälle noch einmal durch.

Ich kenne weder den Roman, noch die Verfilmung, kann also nicht vergleichen, was näher am Original ist. Im Comic kommt dieser Charakter jedenfalls überzeugend rüber und kann unabhängig von vergleichenden Vorlagen existieren. Das liegt daran, dass Hartmann einen unverwechselbaren, eigenen Strich hat, und damit zur Originalität der Figur die Originalität der Bilder kommt. Auch die knappe, auf den Punkt hin formulierte Sprache passt prima zu dem pragmatischen Privatdetektiv. Für Krimis-Fans, denen es mehr um einen originellen Plot als um Geballer geht.

Jörg Hartmann, Jürgen Kehrer: Wilsberg – Um Kopf und Kragen
112 Seiten, gebunden, 14,90 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-78949-5

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The Old Guard + Kill or be killed

fernandez-old-guard11Aus dem Verlagstext: »Highlander« meets »The Expendables«: Die Söldnerin Andy und ihr dreiköpfiges Team aus hartgesottenen Kämpfern nimmt nur die gefährlichsten Aufträge an, Missionen, an denen jeder andere scheitern würde. Denn der Trupp hat den entscheidenden Vorteil jahrhundertelanger Erfahrung aus allen Kriegen der Weltgeschichte – die »Old Guards« sind unsterblich. Dieser Umstand ist im Zeitalter der Handykamera jedoch zusehends schwieriger geheim zu halten und Andy ist ihre Unsterblickeit langsam, aber sicher leid. Greg Rucka (»Lazarus«, »Black Magick«), der Erfinder der modernen »Wonder Woman«, beweist mit »The Old Guard« wieder seine Meisterschaft darin, eine glaubhafte Heldin zu schreiben, die jeder Männerphantasie ins Gesicht lacht.

Soweit ist alles paletti. Aber warum, fragt man sich, verbringen Menschen, die teilweise seit Hunderten von Jahren leben und damit unendlich viel Erfahrung auf allen möglichen Gebieten haben, ihre Zeit hauptsächlich damit, andere Menschen zu ermorden? Fällt ihnen sonst nichts ein? Fällt Comic-Szenaristen sonst nichts ein? Nicht, dass dieses Album langweilig wäre oder sich schlecht lesen ließe. Es ist ganz im Gegenteil hochgradig spannend. Und klar, wenn man ein paar Dutzend Seiten mit den Hauptfiguren verbracht hat, werden sie einem auch sympathisch. Wer gerne fetzige Action-Comics mag ist hier an der richtigen Adresse. Aber allzu geistreich ist es nicht, und aus wie vielen Bänden die Reihe am Ende bestehen wird, ist bislang unklar.

Leandro Fernández, Greg Rucka: The Old Guard Bd. 1: Erstes Gefecht
184 Seiten, gebunden, 24,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-038-5
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phillips-kill-or-be-killedÄhnliches gilt für dieses Album. Verlagstext: Die Frage ist einfach: Wärst du bereit, jemanden zu töten, um weiter leben zu können? Für den 28-jährigen Dylan ist sie zur Realität geworden. Nach einem Suizidversuch aus Liebeskummer ist er – ohne es zu wollen – einen dämonischen Pakt eingegangen und muss jeden Monat einen Mord begehen, sonst ist es sein eigenes Ende. Der einzige Lichtblick ist, dass er seine Opfer selbst auswählen darf. Darum knöpft Dylan sich nur Menschen vor, die es seiner Meinung nach wirklich verdient haben. Aber schon sein zweites Ziel, ein von der russischen Mafia betriebenes Bordell, stellt ihn vor unvorhergesehene Schwierigkeiten… Comic-Starautor Ed Brubaker erschafft eine realistische Story über Selbstjustiz und ihre Folgen auf das Leben eines desillusionierten jungen Mannes, dessen Welt in einen Abgrund verwandelt wird.

Ob das tatsächlich eine realistische Story über Selbstjustiz wird, muss sich erst zeigen. Der Anfang ist jedenfalls alles andere als realistisch: Ein Dämon verlangt, dass Dylan jeden Monat jemanden töten muss, sonst stirbt er selbst. Na und? Auf die Idee, dann eben mit dem Dämon zusammen zum Teufel zu gehen und lieber selbst zu sterben als andere zu meucheln (das wäre doch mal cool! und neu!! und originell!!!), lässt Dylan sich auf das Spiel ein, und sucht anschließend seitenlang nach einer – am Ende doch nur schäbig klingenden – Legitimation. Auch hier wird die Geschichte zunächst nur angerissen. Die Anzahl der Folgebände ist unklar.

Aber auch hier gilt: Wenn man die Larmoyanz der Hauptperson ertragen kann ist es eine spannende Story. Gezeichnet sind beide Alben in typisch US-amerikanischem Stil, und das sehr fetzig und dynamisch. Inhaltlich scheint, soweit man das nach den ersten Bänden beurteilen kann, The old Guard allerdings mehr Potenzial zu haben als Kill or be killed.

Sean Phillips, Elizabeth Breitweiser, Ed Brubaker: Kill or be Killed (Bd. 1)
128 Seiten, gebunden, 19,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-033-0
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EXO + SHI

scoffoni-exo1Aus dem Verlagstext: Die Suche nach erdähnlichen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems hat Hochkonjunktur. Einige tausend hat man schon gefunden, euphorische Astronomen rechnen mit Hunderte Milliarden solcher Exoplaneten allein in unserer Galaxie. Aber gibt es unter ihnen auch solche, die bewohnbar sind, und wenn ja, wie kommt man dort im Zweifelsfall hin? Während sich in »Exo« die Experten noch gebannt mit der Frage beschäftigen, mehren sich die Anzeichen, dass man das Weltall nicht folgenlos ausspäht.

Das merken die zwei Mitglieder einer Raumstation, die seit Jahren um die Erde kreist, ziemlich schnell: Das Teil, das da aus der Tiefe des Alls auf sie zurast, ist zwar klein, aber kein Asteroid. Und auch nicht gewillt, in irgend einer Weise auszuweichen. Es fliegt mitten durch die Raumstation durch und prallt auf die Erde. Die Frage, woher es kommt, beschäftigt die Wissenschaftler. Also wird ein Team ins All geschickt, um das herauszufinden. Die Zeichnungen in dieser als Dreiteiler angekündigten Reihe sind recht konventionell, die Story ist aber so spannend aufgebaut, dass man neugierig auf die Fortsetzung wird.

Philippe Scoffoni, Jerry Frissen: EXO Bd. 1 – Darwin II
48 Seiten, gebunden, 14,80 Euro, Splitter, ISBN: 978-3-95839-565-7
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homs-shi1Verlagstext: Zwei junge Frauen durchwühlen des Nachts ein Beet im Crystal Palace während der ersten großen Weltausstellung, und was sie dort ausgraben, ist schrecklich: ein totes Baby. Der zynische Beweis, wie einflussreiche Kreise im London von 1851 mit allem umgehen, was stört. Und diese beiden Frauen fallen gewissen Herren zunehmend zur Last. Also versucht man, auch sie kurzerhand zu »entsorgen«. Ein tödlicher Fehler, denn damit ist der Keim für eine mörderische Rache gesät, die sich nicht nur gegen die skrupellosen Männer von einst richtet, sondern gegen die Haltung dahinter, eine ganze Kaste, ein Empire, das es gewohnt ist, über Leichen zu gehen – bis heute. Eine packende Erzählung, die im mysteriösen Zeichen des »Shi« vor allem eins demonstriert: Die Rache ist weiblich.

Diese Reihe ist als Vierteiler konzipiert. Auch sie ist spannend geschrieben, und sie enthält schöne Ideen. Zum Beispiel die Eingangsszene, in der ein Waffenfabrikant im eigenen Garten Opfer der von seiner Firma hergestellten Tretminen wird. Was aber vor allem fasziniert, sind die Bilder von Homs (Orbital – Aufzeichnungen, Millenium-Trilogie), die je nach der Zeitebene, in der die Story spielt, unterschiedlich koloriert sind. Oft Ton in Ton, was den unterschiedlichen Handlungssträngen ein kompaktes Aussehen gibt. Vor allem die Szenen, die im viktorianischen England spielen, hat er mit viel Atmosphäre auf die Seiten gebracht. Absolut sehenswert.

Homs, Zidrou: SHI Bd. 1 – Am Anfang war die Wut…
56 Seiten, 14,80 Euro, gebunden, Splitter, ISBN: 978-3-95839-525-1
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