Black Magick

scott-black-magick1Na, das ist doch mal eine interessante Idee: Eine Polizistin, die gleichzeitig eine Hexe ist. Und mit Magie umgehen kann. Wovon ihre Polizeikollegen allerdings nichts wissen – was in manchen Situationen zu Missverständnissen führt.

Anscheinend gibt es aber jemanden, der von Rowan Blacks Doppelleben Kenntnis hat. Und es nicht gut mit ihr meint. Zum Beispiel ein Mann namens Rowan White. Die Namensähnlichkeit ist verblüffend, aber niemand hat je von ihm gehört. White stürmt einen Hamburgershop und verlangt Black im Austausch für die vier Geiseln, die er genommen hat. Black geht auf den Tausch ein. Ein Fehler, denn Black hat den ganzen Laden mit Benzin übergossen und sein Feuerzeug mitgebracht. Er weiß, dass man Hexen nur auf eine Art töten kann: Man muss sie verbrennen.

Eisner Award-Träger Greg Rucka legt hier eine Mischung aus Krimi und Mystery vor, die zunächst ein paar Seiten braucht, um Tempo aufzunehmen. Aber irgendwann ist man mittendrin im Geschehen und möchte wissen, weshalb White es ausgerechnet auf Black abgesehen hat, was es mit dieser Wasserleiche auf sich hat, die schon seit Wochen im Fluss treibt, und ob Blacks Freundin – ebenfalls mit magischen Fähigkeiten ausgestattet – Black helfen kann. Eins ist schnell klar: Was hier passiert, hat mit Ereignissen zu tun, die sich vor Hunderten von Jahren zugetragen haben müssen.

Die australische Zeichnerin Nicola Scott packt die Geschichte mit weichen Strichen in warme Brauntöne und legt nur dann flirrende Farben darüber, wenn Magie im Spiel ist. Das liest sich sehr angenehm. Einziger Nachteil: Die Reihe ist als Fortsetzungsgeschichte konzipiert, und niemand weiß, wie viele Bände es insgesamt geben wird.

Nicola Scott, Greg Rucka: Black Magick – Band 1: Das Erwachen
136 Seiten, gebunden, 19,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-478-0
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Der Fährmann

hermann-der-faehrmannDie Comicproduktion von Hermann Huppen ist enorm. Neben Fortsetzungen seiner Serien wie Jeremiah publiziert er immer wieder Einzelbände (Old Pa Anderson). Auch Der Fährmann ist ein Einzelband – von Hermann gezeichnet, und von seinem Sohn Yves geschrieben.

In diesem Album dreht sich alles um den Wunsch nach einem sorgenfreien Leben: Keine Probleme, kein Stress wegen der Kohle, alles prima und im grünen Bereich. Kein Wunder, dass Sam, als er diesen Zettel mit der Karte und dem Geld bei dem Toten findet, sofort hellwach ist. Denn auf der Karte wird nichts Geringeres beschrieben als der Weg zum Paradies, und alles, was er und Samantha dafür tun müssen, ist in diese Stadt zu gehen, am vereinbarten Ort auf den angegebenen Kontakt zu warten, und schon kann man sich zurücklehnen und das Leben genießen.

Natürlich kommt es anders, als Sam denkt. Wovon Samantha, nebenbei, ohnehin überzeugt war. Was ihr dann aber nichts mehr nutzt. Dekor und Figuren erinnern sehr an die Welt von Jeremiah.

Hermann, Yves H.: Der Fährmann
56 Seiten, gebunden, 14,95 Euro, Erko, ISBN 9789089821072

PS: Bei Erko ist auch das Hermann-Album Abominable neu aufgelegt worden (14,95 Euro), das bereits 1989 von Carlsen in der Reihe Die großen Abenteuer-Comics unter dem Namen Schattenwelten publiziert worden ist. Eine Sammlung schauriger Geschichten, die von Erko auf besserem Papier, in HC und zudem mit fünf statt, wie bei Carlsen, mit vier Geschichten aufgelegt wurde.

Tomboy

jef-tomboyWenn die Story nicht immer so bescheuert wäre! Dann wäre es wirklich großes Kino, was Jef hier wieder abliefert. Aber müssen Ballerstorys immer doof sein? Haben die Hauptfiguren so oft einen aufs Hirn bekommen, dass das sogar auf ihre Schöpfer abgefärbt hat? Dabei sind solche Geschichten ohnehin reduziert genug: Auftragskiller wird schwer aufgemischt, Killer schwört finstere Rache, Killer ballert sich über vermutete Handlanger zum Auftraggeber durch, Showdown, Abspann. Es ist die immergleiche Geschichte – nur die Variationen unterscheiden sich. Das kann man machen, das kann auch gut werden, aber in diesem Fall summieren sich die unlogischen Handlungsweisen, und wenn der Bad Boy am Ende sogar noch zum Schutzengel missbrauchter Frauen mutiert, ist auch der letzte Rest Glaubwürdigkeit dahin.

Matz und Jef haben bereits mit Querschläger ein Drehbuch von Walter Hill (Driver, Getaway, The Warriers, Chatos Land) als Comic adaptiert. Ähnliches Thema, aber nicht ganz so krude, und eine rundum geniale grafische Umsetzung. Die Grafik überzeugt auch diesmal mit ihren herrlich coolen Bildern, die einen sofort in die typische Film-Noir-Atmosphäre der alten Hollywoodstreifen reinziehen. Der pure Genuss. Und wirklich grottenschade, wenn so viel grafisches Talent in so einer krampfhaft konstruierten Story untergeht. Wer sich daran allerdings nicht stört und einfach nur einen coolen Streifen sehen will: zugreifen. Von den Zeichnungen kommt man so schnell nicht los. Die spielen in einer eigenen Liga.

Jef, Walter Hill, Matz: Tomboy
128 Seiten, gebunden, 24,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-414-8
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