EXO + SHI

scoffoni-exo1Aus dem Verlagstext: Die Suche nach erdähnlichen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems hat Hochkonjunktur. Einige tausend hat man schon gefunden, euphorische Astronomen rechnen mit Hunderte Milliarden solcher Exoplaneten allein in unserer Galaxie. Aber gibt es unter ihnen auch solche, die bewohnbar sind, und wenn ja, wie kommt man dort im Zweifelsfall hin? Während sich in »Exo« die Experten noch gebannt mit der Frage beschäftigen, mehren sich die Anzeichen, dass man das Weltall nicht folgenlos ausspäht.

Das merken die zwei Mitglieder einer Raumstation, die seit Jahren um die Erde kreist, ziemlich schnell: Das Teil, das da aus der Tiefe des Alls auf sie zurast, ist zwar klein, aber kein Asteroid. Und auch nicht gewillt, in irgend einer Weise auszuweichen. Es fliegt mitten durch die Raumstation durch und prallt auf die Erde. Die Frage, woher es kommt, beschäftigt die Wissenschaftler. Also wird ein Team ins All geschickt, um das herauszufinden. Die Zeichnungen in dieser als Dreiteiler angekündigten Reihe sind recht konventionell, die Story ist aber so spannend aufgebaut, dass man neugierig auf die Fortsetzung wird.

Philippe Scoffoni, Jerry Frissen: EXO Bd. 1 – Darwin II
48 Seiten, gebunden, 14,80 Euro, Splitter, ISBN: 978-3-95839-565-7
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homs-shi1Verlagstext: Zwei junge Frauen durchwühlen des Nachts ein Beet im Crystal Palace während der ersten großen Weltausstellung, und was sie dort ausgraben, ist schrecklich: ein totes Baby. Der zynische Beweis, wie einflussreiche Kreise im London von 1851 mit allem umgehen, was stört. Und diese beiden Frauen fallen gewissen Herren zunehmend zur Last. Also versucht man, auch sie kurzerhand zu »entsorgen«. Ein tödlicher Fehler, denn damit ist der Keim für eine mörderische Rache gesät, die sich nicht nur gegen die skrupellosen Männer von einst richtet, sondern gegen die Haltung dahinter, eine ganze Kaste, ein Empire, das es gewohnt ist, über Leichen zu gehen – bis heute. Eine packende Erzählung, die im mysteriösen Zeichen des »Shi« vor allem eins demonstriert: Die Rache ist weiblich.

Diese Reihe ist als Vierteiler konzipiert. Auch sie ist spannend geschrieben, und sie enthält schöne Ideen. Zum Beispiel die Eingangsszene, in der ein Waffenfabrikant im eigenen Garten Opfer der von seiner Firma hergestellten Tretminen wird. Was aber vor allem fasziniert, sind die Bilder von Homs (Orbital – Aufzeichnungen, Millenium-Trilogie), die je nach der Zeitebene, in der die Story spielt, unterschiedlich koloriert sind. Oft Ton in Ton, was den unterschiedlichen Handlungssträngen ein kompaktes Aussehen gibt. Vor allem die Szenen, die im viktorianischen England spielen, hat er mit viel Atmosphäre auf die Seiten gebracht. Absolut sehenswert.

Homs, Zidrou: SHI Bd. 1 – Am Anfang war die Wut…
56 Seiten, 14,80 Euro, gebunden, Splitter, ISBN: 978-3-95839-525-1
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Kameraden

goust-kameradenAuf so eine Story muss man erst mal kommen: Josef Stalin und Zarentochter Anastasia in einer Schmonzette im Stil von Doktor Schiwago – und das als Krimi vor dem Hintergrund des zu Ende gehenden Ersten Weltkriegs und der beginnenden Russischen Revolution.

Offiziell wurde die russische Zarenfamilie 1918 von den Bolschewiki erschossen. Benoît Abtey und Jean-Baptiste Dusséaux nehmen für ihre Geschichte eine andere Ausgangssituation: Die Familie kann entkommen und flieht durch halb Europa. Europa ist inzwischen kriegsmüde, in manchen Ländern beginnen die Truppen zu meutern und sich Aufständischen anzuschließen – was die Lage noch unübersichtlicher macht.

Der junge russische Gardesoldat Wolodja hat sich währenddessen in eine Frau verliebt, deren echten Namen er nicht kennt. Es ist die Zarentochter Anastasia, die Wolodjas Liebe erwidert. In den Wirren der Revolution verlieren sie sich immer wieder aus den Augen, doch Josef Stalin, dem die wahre Identität der Frau bekannt ist, nutzt die Liebe der beiden für eine finstere Intrige.

Eine ziemlich konstruiert wirkende Geschichte. Auch der Storyaufbau ist etwas sprunghaft. Die filigranen Zeichnungen von Mayalen Goust sind dagegen erste Sahne. Die düstere Atmosphäre des Covers täuscht. Meist wirken ihre Bilder hell und sind in fein aufeinander abgestuften Farbtönen koloriert. Ihr eleganter Strich passt wunderbar zu den handelnden Figuren. Bitte mehr von dieser Zeichnerin – aber wenn möglich in einer sinnigeren Story.

Mayalen Goust, Benoît Abtey, Jean-Baptiste Dusséaux: Kameraden
168 Seiten, gebunden, 24,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-556-5
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Malefosse + Agent Alpha

dermaut-malefosseIn Die Geschichte von Malefosse dreht sich alles um zwei deutsche Söldner, die in den Wirren der französischen Religionskriege Ende des 16. Jahrhunderts im Dienst der Hugenotten kämpfen. Die Reihe erschien in den 1980er Jahren – eine gute Zeit für Historiencomics. Ähnlich wie die Kultserie Die 7 Leben des Falken von Cothias und Juillard (Malefosse ist zeitlich etwas früher angesiedelt) erreichte sie aufgrund ihres historischen Bezugs vor allem in Frankreich hohe Auflagen, und die Leser warteten immer wieder gespannt auf die Fortsetzungen.

Der All-Verlag legt die Reihe jetzt in acht stabilen Hardcover-Gesamtausgaben auf. Eingebettet in die historischen Ereignisse der damaligen Zeit geht sie etwas über das reine Abenteuer-Genre hinaus. Der Geist der damaligen Zeit, das interne Gerangel um die Macht und die Beschreibung eines kontrastreichen und authentischen Frankreichs werden realistisch und brillant wiedergegeben, schreibt der Verlag.

Die Bilder hängen zwar in der klassischen Panel-Struktur fest. Interessant ist aber die Entwicklung der Zeichnungen, die von Band zu Band besser werden und, nachdem sie anfangs etwas grobschlächtig daherkommen, mehr und mehr an eine Mischung aus Juillard und Bourgeon erinnern. Band 1 der GA enthält die ersten drei Alben der Serie. Wer Mittelalter-Comics mag, liegt hier richtig.

Bardet, Brice Goepfert, Francois Dermaut: Die Wege von Malefosse (GA Bd. 1)
144 Seiten, gebunden, 28,- Euro, All-Verlag, ISBN 978-3-926970-96-1
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schigunow-agent-alphaWie der All-Verlag pflegt auch comicplus+ seit Jahren die Tradition der Abenteuercomics, die ein bisschen mehr als reine Action zu bieten haben. So sind auch die Geschichten um Agent Alpha vor einem politischen Hintergrund angesiedelt. Sie spielen zur Zeit der sich in Auflösung begriffenen Sowjetunion. Im neuen russischen Staat sind Devisen knapp, was Probleme beim Ankauf dringend benötigter Investitionsgüter macht. Also versucht die Regierung, ihre auf den Finanzmärkten schwachen Rubel auf andere Weise gegen harte Dollar einzutauschen.

Die Kunstsammlerin Assia Donkowa soll dabei helfen. Als sie im Pariser Louvre von einem jungen Mann gesprochen wird, ahnt sie nicht, dass der eigentlich auf sie angesetzt ist, um sie – aber vor allem ihren Mann – ausspionieren zu können. Die harmlose Plauderei über Monet und zeitgenössische Kunst endet kurze Zeit später in einem Fiasko: Bei einer Geldübergabe in einem Luxushotel kommt es zu einer wilden Schießerei, bei der scheinbar keine der beteiligten Parteien das bekommt, was sie sucht.

Nach Giacomo C., Zehn Gebote, Hopfen und Malz, Unterwegs und vielen anderen Reihen legt comicplus+ damit eine weitere seiner Serien in Hardcover auf – und zwar als „erste und einzige“ Auflage in einer auf 1000 Exemplare limitierten Edition. Vier Bände soll die GA insgesamt umfassen – Band 1 beinhaltet auch hier die ersten drei Alben der Serie. Eine ebenfalls in klassischem Panel-Stil gezeichnete Reihe für Krimi-Fans.

Juri Schigunow,Pascal Renard,Mythic: Agent Alpha (GA Bd. 1)
160 Seiten, gebunden, € 34,- Euro, comicplus+, ISBN 978-3-89474-297-3
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