Nada

cabanes-nadaVerlagstext: Eine sechsköpfige, linksextreme Terrorgruppe, die zu Beginn der 70er Jahre in Paris einen wagemutigen Plan fasst: Sie werden den amerikanischen Botschafter kidnappen. Während er ein einschlägiges Rotlicht-Etablissement besucht, schlagen sie zu. Und es läuft wie am Schnürchen. Doch die Probleme fangen damit erst an, denn sofort beginnt eine gnadenlose Jagd auf die »Anarchisten«. Und das bestenfalls brüchige Bündnis der sechs Aktivisten droht unter dem Druck zu zerbersten. Max Cabanes ist durch seinen unverwechselbaren, expressiven Stil in Frankreich ein echter Star der Comicszene und auch hierzulande schon seit seinen (leicht frivolen) Kindheits- und Jugenderinnerungen in »Herzklopfen« ein Begriff. »Nada«, seine dritte Adaption eines Werkes von Krimi-Romancier Jean-Patrick Manchette (1974 von Claude Chabrol auch schon verfilmt), ist ein neuerliches Beispiel für Cabanes‘ Kunstfertigkeit, nun endlich im angemessenen Großformat – ein packender Noir-Thriller, der seinesgleichen sucht.

Erfreulich, dass es ein Album von Cabanes mal wieder nach Deutschland geschafft hat. Der Mann kann ebenso gut erzählen wie zeichnen und hat seinen Stil seit Herzklopfen und Die Zeit der Halbstarken, die in den 1990er Jahren bei Carlsen erschienen sind, weiterentwickelt. Weniger glatt und figurativ wie in den genannten Bänden (und die waren schon klasse), zu einem mehr gescribbelten Strich mit viel Dynamik – so kommt Nada rüber. Und das passt.

Die Story lebt von den Widersprüchen, die durch die unterschiedlichen politischen Ansichten der Entführer entstehen, und von Kommissar Zufall, der ihrem Plan fett in die Suppe spuckt. Für Action ist gesorgt, Anleihen an die typischen französischen Noir-Filme gibt es reichlich, die Dialoge halten sich nicht mit Nebensächlichkeiten auf – ein fetziges und klasse gezeichnetes Album mit originellen Schluss. Das einzige, was nervt, sind die gelegentlich etwas hölzern wirkenden Erzähltexte.

Max Cabanes, Jean-Patrick Manchette, Doug Headline: Nada
192 Seiten, gebunden, 35,- Euro, Splitter, ISBN: 978-3-96219-296-9
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McCay

bramanti-maccayVerlagstext: Winsor McCay revolutionierte mit „Little Nemo“, der ab 1905 auf den Sonntagseiten des „New York Herald“ erschien, das Medium Comic. Der kleine Nemo erlebte in seinen Träumen nicht nur die fantasievollsten Abenteuer, sondern McCay experimentierte mit Farben, Formen, Erzählebenen und Seitenarchitektur wie kein anderer. Thierry Smolderen ergründete das spannende Leben McCays zunächst in einem fiktionalisierten Roman, während der Zeichner Jean-Philippe Bramanti an einem Projekt über „Little Nemo“ arbeitet. Als die beiden sich kennen lernten entstand „McCay“ in dem der Künstler und seine Figur zueinander finden. Im August 2019 würde der Zeichner seinen 150. Geburtstag feiern.

Dieses Album ist weder eine McCay-Biografie, noch eine von Fortsetzung der Litte Nemo-Geschichten. Es ist irgendwie beides zugleich und gleichzeitig keins von beidem. Smolderen hat dafür ein verrücktes Szenario zusammengebastelt: Wir treffen McCay in realen Stationen seines Lebens. Allerdings wird er immer wieder mit Traumwelten konfrontiert, in denen ein Serienmörder sein Unwesen treibt. In der 4. Dimension. Nicht in Einsteins Raumzeit, sondern in der 4. geometrischen Dimension. Das klingt kompliziert, und als McCay erstmals damit Bekanntschaft macht, hat er auch schnell genug davon.

Im Grunde will er nichts mehr davon wissen und beschäftigt sich jahrelang nicht mehr mit ihr. Doch dann passieren diese Morde. Der Mörder ist bekannt – durch ihn hat McCay die 4. Dimension kennengelernt. Und da er der einzige ist, der den Mörder stellen kann, muss er sich wohl oder übel wieder in sie hinein begeben. Eine raffiniert gestrickte Story, an der nicht nur Freunde von Litte Nemo Gefallen finden werden – obwohl man sie sicher besser versteht, wenn man Nemo kennt. Das Artwork ist echt stark, die Kolorierung super und der Band ist sehr wertig verarbeitet. Ein in jeder Hinsicht schönes Album.

Jean-Philippe Bramanti, Thierry Smolderen: McCay
224 Seiten, gebunden, 36,- Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-73364-1
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Venezianische Affären

warnaut-venezianische-affaerenÉric Warnauts und Guy Raives konnten schon immer spannende Geschichten erzählen. Meist haben sie dazu ihre Story in historische Zusammenhänge eingebettet und das Ergebnis mit exotischen Dekors angereichert. Die zerbrochene Zeit, Congo 40, Tropenhitze oder Zeitenwende sind Beispiele dafür.

Auch die Venezianischen Affären folgen diesem Muster. Wir befinden uns im 18. Jahrhundert. Venedig ist wirtschaftlich nicht mehr die Macht, die es einmal war, hat aber die Fähigkeit zu Vergnügen und üppigen Festen nicht verloren. Dazu kommt die Doppelmoral des Adels, bei dem heimliche (manchmal auch ganz offen ausgelebte) Affären an der Tagesordnung sind. Das wiederum führt zu Eifersüchteleien, und die können durchaus tödlich enden. Das Ergebnis wird, wenn es sich bei dem Opfer um eine Person niederen Standes handelt, diskret beseitigt. Probleme entstehen erst, wenn das Opfer der besseren Gesellschaft angehört.

So gesehen ist die ermordete Frau, die Capitan Grande präsentiert wird, zwar kein schöner Anblick. Aber erst, als es sich bei der nächsten Toten um eine Dame der Gesellschaft handelt, wird es kompliziert. Personelle Zusammenhänge zwischen den Opfern scheint es nicht zu geben. Allein die Art und Weise, wie sie zugerichtet wurden, legt einen Serientäter nahe.

Warnauts und Raives führen den Leser lange in die Irre, was die Handlung äußerst spannend macht. Vor allem aber lassen sie ihre Geschichte in düsteren Gängen, feuchten Kerkern und noblen Palästen der Lagunenstadt spielen, und die geheimnisvollen Masken, hinter denen versteckt dunkle Gestalten durch finstere Hauseingänge huschen, ergänzen dieses Dekor auf wunderbare Weise. Und dann ist da noch die schwarze Sklavin, die Voodo-Geister beschwört und damit noch einen Schuss Magie in die Handlung bringt. Das garantiert beste Unterhaltung auf 150 Seiten und macht Spaß zu lesen. Panini hat die ersten drei Bände der Reihe, die eine abgeschlossene Geschichte ergeben, in diesem Album zusammengefasst.

Éric Warnauts, Guy Raives: Venezianische Affären
160 Seiten, gebunden, 29,- Euro, Panini, ISBN 9783-3-7416-1288-6