Martin Eden

samana-martin-edenNach etlichen Verfilmungen, unter anderem mit Glenn Ford in der Titelrolle (1942), gibt es den 1909 erschienenen, teilweise autobiografischen Roman von Jack London jetzt auch als Graphic Novel. Und man muss sagen, die ist wirklich gelungen.

London erzählt die Geschichte eines jungen Mannes (Martin) aus einfachen Verhältnissen, der durch Zufall eine Frau (Ruth) aus der bürgerlichen Gesellschaft kennenlernt. Martin hat ihrem Bruder bei einer Kneipenschlägerei beigestanden. Als er zu ihnen zum Essen eingeladen wird, entdeckt er die vielen Bücher, die die Familie im Wohnzimmer stehen hat und ist fasziniert von der Vielfalt der Literatur. Martin fühlt sich davon sofort angesprochen. Er vergräbt sich in der städtischen Bibliothek, um sich weiterzubilden. Denn neben der Literatur hat er sich an diesem Abend auch in Ruth verliebt – und ein unbewusstes Gefühl sagt ihm, dass der Weg zu ihr, der einem simplen Arbeiter in der Regel versperrt ist, vor allem über Literatur und Bildung führt.

Schließlich fängt Martin selbst an zu schrieben. Er will sich nicht mehr als Seemann oder Arbeiter verdingen – er will für Zeitungen arbeiten und davon leben können. Doch alle Arbeiten, die er an Verlage und Redaktionen schickt, werden mit schöner Regelmäßigkeit abgelehnt. Ob das seine sich langsam entwickelnde Beziehung zu Ruth überstehen wird?

London thematisiert hier den Standesunterschied zwischen unterschiedlichen gesellschaftlichen Klassen, der gegen Ende des 19. Jahrhunderts noch um einige Grade unüberbrückbarer war als heute. Denis Lapière hat den Roman mit sehr viel Feingefühl adaptiert, und die Pariser Zeichnerin Aude Samama präsentiert ihre Bilder in einem, wie der Verlag es nennt, malerisch-expressionistischen Stil, der viel Raum für die Augen lässt. Man kann das Album als gesellschaftskritische Story, aber auch als reine Liebesgeschichte lesen. Beides kommt prima.

Aude Samama, Denis Lapière, Jack London: Martin Eden
176 Seiten, gebunden, 22,- Euro, Knesebeck, ISBN 978-3-95728-049-7

Advertisements

Ein Gedanke zu “Martin Eden

  1. „Martin Eden“ ist sicherlich einer der besten Romane Jack Londons, einer der besten Romane der Weltliteratur (Bitte lesen ! 🙂 und sicherlich auch einer der besten Entwicklungsromane.

    Es war damals durchaus üblich, dass Autoren Anregungen zu Romanen und Erzählungen von Journalisten und anderen Schreibern kauften, die selbst zwar durchaus gute Ideen hatten, aber nicht genug Talent besaßen. Auch Jack London machte hiervon Gebrauch, trotz seines abenteuerlichen Lebens, das an ebensolchen Geschichten bekanntlich nicht gerade arm war, aber nach der Lektüre einiger Sachbücher über Jack London, kann ich durchaus bestätigen, dass ein überwiegender Teil des „Martin Eden“ erschütternd authentisch ist.

    Es gibt eine italienische Verfilmung aus dem Jahr 1979, die fälschlicherweise (obwohl eine Koproduktion mit dem ZDF) häufig den sogenannten ZDF-Vierteilern zugerechnet wird und entgegen der allwissenden 😉 Wikipedia „nur“ eine Laufzeit von 240 Minuten hat. Obwohl das Ende der Geschichte in dieser Verfilmung teilweise verfälscht wurde und trotz der schlechten Bildqualität, ist sie durchaus ansehenswert.

    Obwohl nicht nur Griechenland eine Finanzkrise hat, werde ich wohl nicht umhinkommen, mir dieses Buch zuzulegen. 🙂

Kommentieren?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s