Grönland Odyssee

tanquerelle-groenland-odysseLust auf ein paar wirklich gute Geschichten? Hier kommen sie. Verlagstext: Aus dem Eis Grönlands, in dem er 16 Jahre lang gelebt hat, erzählt Jørn Riel die köstlichen Geschichten einer Truppe fröhlicher Burschen, Jäger und Fallensteller, Drecksäcke oder Schriftsteller ohne Bleistift, um nur einige seiner Charaktere zu benennen. Sie alle eint die Sehnsucht nach dem im Packeis am meisten vermissten Wesen: einer Frau. „Ja was zum Teufel soll man machen, wenn das nächste leichte Mädchen Tausende von Kilometern weit weg ist?“ „Zuerst ziehst du die Hose aus, hab ich ihm gesagt, und dann rennst du gegen den Südostwind an, so gut du kannst. Danach ist wieder alles im Lot.“ So reihen sich die vom arktischen Wind getragenen verrückten Abenteuer und absurden Erfahrungen aneinander und werden zu wärmenden Geschichten die sogar Eisberge zum schmelzen bringen!

Eigentlich erscheint dieses Album zur völlig falschen Jahreszeit. Herbst und Winter hätten besser zu einem Album gepasst, in dem sich alles um Eisberge, Eisbären, kauzige alte Männer und um Geschichten dreht, die man sich in langen dunklen Polarnächten in einsam gelegenen Hütten beim Schein der Petroleumlampe erzählt. Und von denen man nie weiß, was davon Wahrheit, und was erfunden ist. Oder was anders wahrgenommen wurde, als es war. Wie die Sache mit Emma – eine Frau, die von den vereinsamten Männern heiß begehrt wird.

Andere dagegen begnügen sich mit einem Huhn als Gesellschaft – es ist ja sonst niemand da, mit dem man quatschen kann. Hahn Alexander hat darüber hinaus den Vorteil, dass er nicht zum Widerspruch neigt. Als einer der Männer stirbt setzen die anderen – jeder Einzelne ein Original – ein feucht-fröhliches Begräbnis an, bei dem der Verstorbene verloren geht. Und dann sind da noch jede Menge andere Geschichten. Die schräge Mischung aus Fabulierkunst und absurden Situationen wird von Hervé Tanquerelle (Die falschen Gesichter, Professor Bell) in Zeichnungen gepackt, die die unterschiedlichen Charaktere treffend auf die Seiten bringen. Ein Album für Freunde wunderlicher, aber trotzdem lebensnaher Geschichten, ideal zum Schmökern an trüben Novemberabenden. (Kommt aber auch im Sommer gut.)

Hervé Tanquerelle, Gwen de Bonneval, Jørn Riel: Grönland Odyssee
384 SW-Seiten, gebunden, 39,- Euro, avant, ISBN 978-3-96445-024-1
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Stell dich nicht an, Mann!

koenig-stell-dich-nicht-an-mannVerlagstext: Ralf König jammert über das Altwerden: auf hohem Niveau und höchst unterhaltsam. Schon der griechische Philosoph Perplex wusste: Altern bedeutet für Männer 1. Dick werden 2. Träge werden 3. Jammern. Ralf König, Spezialist für die Midlife Crisis, hat diese zeitlose philosophische Lehre mit neuem Leben gefüllt: mit Dramoletten zu Themen wie Libidoschwäche und ernsten Vater-Sohn-Gesprächen, mit fein gereimten Vergänglichkeitsversen und mit einer großen Comicgeschichte aus dem alten Griechenland, in der attraktive Fischer und berückend-gefährliche Sirenen die Hauptrollen spielen. Soviel kann schon verraten werden: Die Jugend kehrt nicht zurück.

Nee, das tut sie nicht. Und das ist das wirklich Schlimme an diesem kleinformatigen Büchlein: Es ist alles wahr! Na, jedenfalls fast alles. Wer also männlich und um die 50 ist sollte zur Lektüre eine Packung Taschentücher oder ein starkes alkoholisches Getränk bereithalten – oder beides. Denn eins ist klar: Es wird nicht besser im Alter. Da kann König noch so schöne Reime schmieden.

Dieses Büchlein macht womöglich / das Unerträgliche erträglich:
Wer unter Wechseljahren leidet, / doch Arzt und Psychologen meidet,
wer um die 50 ist und alt, / der findet hier womöglich bald
ein wenig Rat und Trost und Halt!

Rat und Trost? Bei der Realitätsnähe? Aber was die jüngeren Leser angeht: Viel Spaß. Man glaubt ja nie, dass man selbst alt wird. Bis man es ist. Und dieses kleine Werk, das kein reiner Comic ist, sondern auch unterhaltsame Komödien (als Theaterstück) und gewohnt schräge Verse des Meisters beinhaltet, ist zwar, obwohl es um das gleiche Thema geht, nicht ganz so schön wie Herbst in der Hose, aber im Gegensatz zu seinem Stehaufmännchen wieder pointiert und lesenswert. Voll aus dem Leben eben.

Ralf König: Stell dich nicht an, Mann!
Ein Seufz- und Jammerbuch für die besten Jahre
124 Seiten, gebunden 15,- Euro, Carlsen, ISBN 9783499000164

Calypso

cosey-calypsoVerlagstext: Als Gus, ein über 60jähriger Bauarbeiter, behauptet, die verstorbene Georgia Gould, Star des legendären Films Calypso und Sexsymbol vergangener Tage, sehr gut gekannt zu haben, wird er von seinen Kollegen ausgelacht. Allerdings stellt es sich heraus, dass die schöne Georgia noch gar nicht von dieser Welt gegangen ist. Der alternde Filmstar bekämpft seine Abhängigkeiten in der luxuriösen und verschwiegenen Klinik Edelweiß, die über dem Genfersee liegt. Dort macht Georgia Gus und seinem Kollegen Pepe ein unerwartetes Angebot…

Also eins muss man Cosey lassen: Der Mann hat die Ruhe weg. Selbst wenn seine Figuren in knifflige Situationen geraten, kommt keine Hektik auf. Die Spannung bleibt trotzdem. Dazu kommt, dass er Genres so locker durcheinander schmeißt, als würde er mit Federn jonglieren. In diesem Fall mischt er einen raffinierten Krimi mit einer zärtlichen Lovestory. Beides kann er prima, und selbst wenn eine Geschichte tragisch endet, bleibt das Gefühl, dass alles richtig und gut ist, wie es ist. Das hat er unter anderem in seinem Album Ein Haus von Frank L. Wright gezeigt.

Auch in Calypso ist keine Eile. Das würde angesichts des fortgeschrittenen Alters der Protagonisten auch nicht passen. Ein Wiedersehen nach Jahrzehnten der Trennung, eine originelle Idee, um die Rente aufzubessern, ein überraschendes Ende und eine unerwartete Fortsetzung – alles da, um eine gute Geschichte zu erzählen. Einziges (kleines) Manko: Die Zeichnungen sind durchgehend schwarzweiß. Das ist an sich nicht schlecht, aber Cosey bringt in Farbe einfach dichtere Atmosphären auf die Seiten.

Cosey: Calypso
104 SW-Seiten, gebunden, 20,- Euro, Salleck, ISBN 978-3-89908-693-5
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