Verdad

canottiere-verdad„Verdad“ ist spanisch und heißt „Wahrheit“. Verdad heißt auch die Hauptperson in diesem Buch – eine junge Frau, die am spanischen Bürgerkrieg teilnimmt. Und damit beginnt auch dieses Album – mit einer Szene aus dem spanischen Bürgerkrieg. Verdad hat eine Spezialaufgabe bekommen, die nicht leicht zu lösen ist und zu Komplikationen führt. In Rückblenden erfährt der Leser, dass Verdad ohne Eltern bei ihrer Großmutter aufgewachsen ist, die über Verdads Mutter nur abwertend gesprochen hat.

Verdads Mutter hatte sich damals der Kommune am Monte Verità in der Schweiz angeschlossen. Die war zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein beliebter Treffpunkt für Politfreaks, Künstler, Esoteriker und sonstige Menschen, die ein anderes Leben ausprobieren wollten. Ohne Kommerz, ohne Leistungsdruck, ohne Hierarchien. Manche gingen so weit, das sie sogar auf Kleidung verzichteten – selbst im Winter. Man konnte dort so ziemlich alle Leute treffen, die in intellektuellen Kreisen bekannt waren – von dem Anarchisten Bakunin über den Psychoanalytiker Otto Groß bis zu dem esoterisch angehauchten Schriftsteller Hermann Hesse. Verdad ist fasziniert von den Berichten über diese Kommune. Die Idee einer herrschaftsfreien Welt gefällt ihr gut – und genau das ist es, worum es im spanischen Bürgerkrieg geht.

In dem Album wechselt die Geschichte mehrmals die Zeitebenen. Wer sich gerne geradlinig durch eine Story führen lässt, ist hier nicht unbedingt an der richtigen Adresse. Ein bisschen mitdenken muss man schon. Das allerdings lohnt, denn die hellen Zeichnungen sind sehenswert. Vor allem die flirrenden Farben und die Übergänge in der Kolorierung, die gut zu der assoziativen Erzählweise passen, kommen prima.

Es ist ein sehr eigener Stil, den Lorena Canottiere hier präsentiert. In Italien zählt sie zu den profiliertesten Illustratorinnen und Comiczeichnerinnen. Verdad wurde vom renommierten italienischen Comic-Magazin Fumetto Logica unter die zehn besten Neuerscheinungen des Jahres 2016 gewählt. Leider hat der Verlag – bislang zumindest – keine Leseprobe online gestellt.

Lorena Canottiere: Verdad
160 Seiten, gebunden, 22,- Euro, Bahoe Books, ISBN 978-3-903022-71-3

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EXO + SHI

scoffoni-exo1Aus dem Verlagstext: Die Suche nach erdähnlichen Planeten außerhalb unseres Sonnensystems hat Hochkonjunktur. Einige tausend hat man schon gefunden, euphorische Astronomen rechnen mit Hunderte Milliarden solcher Exoplaneten allein in unserer Galaxie. Aber gibt es unter ihnen auch solche, die bewohnbar sind, und wenn ja, wie kommt man dort im Zweifelsfall hin? Während sich in »Exo« die Experten noch gebannt mit der Frage beschäftigen, mehren sich die Anzeichen, dass man das Weltall nicht folgenlos ausspäht.

Das merken die zwei Mitglieder einer Raumstation, die seit Jahren um die Erde kreist, ziemlich schnell: Das Teil, das da aus der Tiefe des Alls auf sie zurast, ist zwar klein, aber kein Asteroid. Und auch nicht gewillt, in irgend einer Weise auszuweichen. Es fliegt mitten durch die Raumstation durch und prallt auf die Erde. Die Frage, woher es kommt, beschäftigt die Wissenschaftler. Also wird ein Team ins All geschickt, um das herauszufinden. Die Zeichnungen in dieser als Dreiteiler angekündigten Reihe sind recht konventionell, die Story ist aber so spannend aufgebaut, dass man neugierig auf die Fortsetzung wird.

Philippe Scoffoni, Jerry Frissen: EXO Bd. 1 – Darwin II
48 Seiten, gebunden, 14,80 Euro, Splitter, ISBN: 978-3-95839-565-7
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homs-shi1Verlagstext: Zwei junge Frauen durchwühlen des Nachts ein Beet im Crystal Palace während der ersten großen Weltausstellung, und was sie dort ausgraben, ist schrecklich: ein totes Baby. Der zynische Beweis, wie einflussreiche Kreise im London von 1851 mit allem umgehen, was stört. Und diese beiden Frauen fallen gewissen Herren zunehmend zur Last. Also versucht man, auch sie kurzerhand zu »entsorgen«. Ein tödlicher Fehler, denn damit ist der Keim für eine mörderische Rache gesät, die sich nicht nur gegen die skrupellosen Männer von einst richtet, sondern gegen die Haltung dahinter, eine ganze Kaste, ein Empire, das es gewohnt ist, über Leichen zu gehen – bis heute. Eine packende Erzählung, die im mysteriösen Zeichen des »Shi« vor allem eins demonstriert: Die Rache ist weiblich.

Diese Reihe ist als Vierteiler konzipiert. Auch sie ist spannend geschrieben, und sie enthält schöne Ideen. Zum Beispiel die Eingangsszene, in der ein Waffenfabrikant im eigenen Garten Opfer der von seiner Firma hergestellten Tretminen wird. Was aber vor allem fasziniert, sind die Bilder von Homs (Orbital – Aufzeichnungen, Millenium-Trilogie), die je nach der Zeitebene, in der die Story spielt, unterschiedlich koloriert sind. Oft Ton in Ton, was den unterschiedlichen Handlungssträngen ein kompaktes Aussehen gibt. Vor allem die Szenen, die im viktorianischen England spielen, hat er mit viel Atmosphäre auf die Seiten gebracht. Absolut sehenswert.

Homs, Zidrou: SHI Bd. 1 – Am Anfang war die Wut…
56 Seiten, 14,80 Euro, gebunden, Splitter, ISBN: 978-3-95839-525-1
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Manara (Werkausgabe 17)

manara-17In die Alben von Manara schaut man immer gerne rein, denn der Italiener gehört zu den besten Zeichnern Europas. Leider gehört er nicht zu den besten Textern und füllt seine diesbezügliche Einfallslosigkeit gerne mit lasziven und halbnackten Frauen. Die sind schön anzusehen, keine Frage, passen aber nicht immer zur Story und nerven, wenn sie sich in jedem, aber auch wirklich jedem Album von ihm auf den Seiten räkeln.

Der aktuelle Band 17 der Werkausgabe enthält zwei Comics: Der goldene Esel und Pandoras Augen. Die Geschichte mit dem Esel ist eine Adaption des gleichnamigen Romans von Apuleius aus dem zweiten Jahrhundert. Ein junger Mann wird in einen Esel verwandelt und erleidet bis zur Rückverwandlung schwere Schicksalsschläge. Mag sein, dass die Geschichte damals spannend und interessant war, heute wirkt sie – es gibt einfach zu viele ähnliche Mythen und Sagen – altbacken und hölzern. Die Erzähltechnik von Manara macht sie nicht dynamischer.

Pandoras Augen kommt da schon besser. Im Grunde ist es ein spannender Krimi mit einer einfallsreichen Handlung und überraschenden Wendungen. Eine junge Französin – die Geschichte spielt in der Gegenwart – wird entführt und nach Kurdistan verschleppt. Ein Massenmörder, der angeblich ihr echter Vater ist, ist schwer krank und möchte sie vor seinem Tod noch einmal sehen. Alles okay – aber warum muss auch diese Frau lediglich mit einem luftig-leichten Sommerkleidchen, das ihr gerade mal über den Po reicht, bekleidet, durch die staubigen Straßen eines moslemischen Landes geschleppt werden? Das ist einfach unrealistisch und öde – und passt mal wieder überhaupt nicht zur Story. Das ist keine Kunst, das ist Kitsch.

Was die Zeichnungen angeht: Pandoras Augen wirkt etwas trist, Der goldene Esel dagegen ist wieder üppig bebildert, und die ganze Dekadenz der damaligen Zeit kommt gut rüber. Das kann er ja. Man kann dieses Album also lesen, weil es ein Manara ist, weil die Zeichnungen im Goldenen Esel klasse sind, weil Pandoras Augen viel Spannung bietet – aber mal ein etwas realistischeres Frauenbild wäre eine echte Erlösung.

Milo Manara: Werkausgabe 17 – Der goldene Esel + Pandoras Auge
132 Seiten, gebunden, 29,99 Euro, Panini, ISBN 9783741604560