Das kommunistische Manifest + El Che

rowson-kommun-manifestEs hat sich mittlerweile eingebürgert, dass an historischen Jahrestagen nicht nur Bücher, sondern auch Comics zum Ereignis erscheinen – natürlich unter dem Label Graphic Novel, denn es geht ja um ein wichtiges Ereignis. Knesebeck hat sich anlässlich des 200. Geburtstags von Karl Marx dazu entschieden, Das Kommunistische Manifest (eine Marx-Biografie haben sie schon im Programm) und eine Biografie von Che Guevara zu verlegen (die ebenfalls angekündigte Orwell-Biografie wurde auf Februar verschoben).

Der Verlag schreibt: Das im Jahr 1848 von Karl Marx und Friedrich Engels verfasste Manifest der Kommunistischen Partei ist eine machtvolle Kritik am Kapitalismus, eine prägnante Einführung in die Ideen des Kommunismus und die klarste Darstellung seiner Ziele. Viel von dem, was Marx und Engels vorschlugen, bestimmt auch heute noch politische und wirtschaftliche Debatten. Es überrascht nicht, dass das Kommunistische Manifest das am zweithäufigsten verkaufte Buch aller Zeiten ist, nur übertroffen von der Bibel. Der Guardian-Cartoonist Martin Rowson hat es nun zum 200. Geburtstag von Karl Marx modern und lebhaft als Graphic Novel adaptiert.

Ja, hat er. Modern und lebhaft stimmt. Das Gute daran: Die Zeichnungen sind ziemlich schräg. Das Schlechte daran: Einige Bilder wirken austauschbar, ohne direkten Zusammenhang zum Text. Rowson arbeitet hauptsächlich mit ganz- und doppelseitigen Illustrationen, über die er den Originaltext des Manifests legt. Erst gegen Ende wird es etwas lebendiger. Mehr ein Album für Freunde abgefahrener Grafik, aber auch ein schöner Anlass, mal wieder im Kommunistischen Manifest zu blättern.

Martin Rowson: Das kommunistische Manifest
80 Seiten, gebunden, 20,- Euro, Knesebeck, ISBN 978-3-95728-207-1
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cattaneo-el-cheVerlagstext: Ernesto Rafael Guevara de la Serna, der eigentlich Arzt werden sollte, lernt bei einer Motorrad-Reise durch Südamerika die Armut kennen und Menschen ohne Chancen auf Bildung oder Wohlstand. Empört will er die Zustände ändern und ruft zum Aufstand auf. An der Seite seines Freundes Fidel Castro landet er auf Kuba und befreit die Insel von der Diktatur. Die Legende „Che Guevara“ ist geboren. Nach Konflikten mit Castro zieht er in den Kongo und nach Bolivien, um seine Revolution zu verbreiten. Schlecht ausgerüstet, schlecht bewaffnet aber glühend vor Überzeugung beginnt hier sein letzter Kampf gegen die Ungerechtigkeit.

Im Grunde ist diese Geschichte gut angelegt: kein Revolutionskitsch, kein billiger Heldenmythos, sondern klar an der Sache erzählt. Ein Problem ist: Orte und Zeiten wechseln sehr sprunghaft. Die Frage ist, ob jemand, der Ches Biografie bislang nicht kannte, sich in diesem Durcheinander zurechtfindet. Auch die Gründe, weshalb Guevara sich in der Welt herumtreibt, obwohl er auf Cuba gebraucht würde, und welche politischen Differenzen zwischen ihm und Castro die Ursache dafür waren, werden nicht herausgearbeitet. So bleibt vieles an der Oberfläche, und die schwachen Zeichnungen laden auch nicht gerade zur Lektüre ein. Allerdings: Wenn man einmal angefangen hat, liest es sich spannend und flüssig runter.

Stefano Cattaneo, Giuliano Ramella: El Che
Che Guevara – Die Comic-Biografie
128 Seiten, gebunden, 22,- Euro, Knesebeck, ISBN 978-3-95728-221-7
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Jan Karski

bonaccorso-ja-karskiEs gibt Dinge, die will man nicht wissen. Einfach deshalb, weil man sich, wenn man sie wüsste, dazu verhalten müsste. Was nicht nur der eigenen Bequemlichkeit zuwider laufen, sondern auch unangenehme Konsequenzen haben könnte. Die Geschichte von Jan Karski jedenfalls wollte niemand hören. Churchill nicht, und Roosevelt auch nicht. Und als Karski sie ihnen trotzdem erzählte, wollten sie ihm nicht glauben. Sie waren nicht die einzigen. Auch nachdem nach Kriegsende sämtliche Beweise vorlagen, wollten die Deutschen nicht glauben, dass Volk und Führer sechs Millionen Juden ermordet hatten. Es gibt Leute, die bestreiten das heute noch.

Karski (1914 – 2000), gelernter Jurist und Diplomat, war ein polnischer Offizier zur Zeit des Zweiten Weltkriegs. Während des Kriegs wurde er gefangen genommen, konnte fliehen und schloss sich der Widerstandsbewegung an. Die schleuste ihn illegal in das Warschauer Ghetto ein, damit er sich ein eigenes Bild von den Lebensbedingungen machen konnte. Später auch in das Vernichtungslager Bełzec. Sein Auftrag: das, was er mit eigenen Augen gesehen hatte, den Leitern der Anti-Hitler-Koalition in London und Washington mitzuteilen, um sie dazu zu bewegen, den Vernichtungsfeldzug gegen die Juden zu stoppen.

In diesem Band erzählen Lelio Bonaccorso und Marco Rizzo die Geschichte von Karski, der oft gefangen genommen und gefoltert wurde, aber immer einen Ausweg fand. 1992 wurde er, der nach dem Krieg Bücher über seine Erlebnisse schrieb, in die Liste der Gerechten unter den Völkern aufgenommen und zum Ehrenbürger Israels ernannt. 1985 wurden seine Erlebnisse in dem Film Shoah dokumentiert. Das vorliegende Album bringt die historischen Hintergründe lebendig und spannend rüber.

Lelio Bonaccorso, Marco Rizzo: Jan Karski – Zeuge der Shoah
160 Seiten, gebunden, 24,- Euro, Bahoe Books, ISBN 978-3-903022-75-1
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Made in Germany: Ein Massaker im Kongo

marto-MassakerImKongoDas Correctiv-Kollektiv ist ein Recherche­zentrum in Berlin, das unabhängigen und werbe­freien Journalismus liefern will. Um ihre Arbeit und ihre Rechercheergebnisse verständlicher zu machen, publizieren sie ihre Reportagen gelegentlich als Graphic Novel. Ein Beispiel ist die Recherche über die Dortmunder Neonazi-Szene (Weiße Wölfe). Im Grunde ein guter Ansatz, denn Künstler wie Delisle, Zerocalcare, Satouff und andere haben auf diese Weise informative und grafisch anspruchsvolle Alben abgeliefert.

Correctiv will das nicht wirklich gelingen. Ihre Comics sind – von Der Beeinflussungsapparat einmal abgesehen, aber den haben sie nicht selbst geschrieben – mehr ein Art illustrierte Bebilderung redaktioneller Texte. Das haut grafisch nicht vom Hocker und man hat oft das Gefühl, als Sachbuch wäre der Inhalt besser rübergekommen. Beispielsweise in dem Album Chancen im Netz, in dem sie darüber informieren, wie man Menschen via Social Media und mit Crowdfunding-Projekten politisch organisieren kann. Den Text hätte man auf 2 A4-Seiten zusammenfassen können, so dünn ist er, und die grauen Illustrationen sind todlangweilig. Dafür 15,- Euro zu verlangen, ist schon happig – vor allem, weil man zur Umsetzung der – durchaus interessanten – Vorschläge erstens jede Menge Personal braucht, das zweitens auch von irgendwem bezahlt werden muss. Der praktische Nutzen für den einzelnen Leser hält sich da in Grenzen.

Das Kongo-Album ist informativer, die Zeichnungen sind bunter, aber sie interagieren nicht mit dem Text – sie wirken mehr wie schmückendes Beiwerk ohne große Aussagekraft. Inhaltlich geht es darum, dass ehemalige Kolonialstaaten wie Deutschland nach wie vor ein Auge darauf haben, was in ihren Ex-Kolonien passiert und – wie die Kirche – die eigenen Interessen vor Ort nach wie vor zu wahren wissen. Da kann man den Organisatoren von Massenmorden auch mal rasch und unbürokratisch Asyl gewähren, wie Ignace Murwanashyaka, dem politischen Führer der FDLR, die bei den Massakern zwischen Huti und Tutsi kräftig mitgemischt hat. Murwanashyakader hat die politischen Aktivitäten seiner Organisation lange von Deutschland aus gelenkt.

Die Art und Weise, wie die Europäer Konflikte in Afrika schüren, wird gut herausgearbeitet. So gab es früher im Grunde keinen Unterschied zwischen Huti und Tutsi. Unterschiedliche Ethnien sind sie nicht – die Unterschiede wurden von den Kolonialherren herbeigeredet, um eine Teilung des Landes herbeiführen und die Menschen besser kontrollieren zu können. Nicht ganz uninformativ also, dieses Album – aber ich glaube, es wäre besser, wenn Collektiv sich von dem Medium Comic verabschieden und sich auf das konzentrieren würde, was sie wirklich können: guten Journalismus. Die gute Absicht ist zwar überall erkennbar – als Comic sind ihre Bücher aber einfach nur langweilig.

El Marto, Frederik Richter: Made in Germany – Ein Massaker im Kongo
112 Seiten, gebunden, 15,- Euro, Correctiv, ISBN 9783981740080
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