Überleben in Dachau + Antifa

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Es gibt Bilder, die sagen tatsächlich mehr als 1000 Worte. Dass man sich seine Zigarette an einem Stück runtergebrannter Glut anzündet, kommt vor. Wenn der Raucher aber ein KZ-Häftling ist und die Glut aus den Knochenresten der soeben im Krematorium verbrannten Leichen besteht, zeigt das, welchen Grad an Abstumpfung Menschen erreichen, die täglich aufs Neue sadistisch gequält und entwürdigt werden.

Verlagstext: Dies ist das Zeugnis von Guy-Pierre Gautier, dem Großvater des Zeichners, einem Überlebenden von Dachau. Als 16-jähriger übernahm er 1941 erste Aufgaben in der Résistance, 1943 trat er der Brigade «Liberté» der FTP (Francs-tireurs et partisans) von La Rochelle bei, wo er an Sabotageaktionen und der Aufklärungsarbeit teilnimmt. Doch die Tapferkeit ging mit Nachlässigkeit einher: Nach der Verhaftung der Gruppe begannen die Schwierigkeiten mit Verhören durch die Gestapo und einer Meuterei im Gefängnis von Eysses samt Schießereien. Doch der wahrhaftige Alptraum begann erst mit der Höllenfahrt in Viehwagons nach Dachau.

Was Guy-Pierre Gautier hier zu erzählen hat, ist spannend von der ersten bis zur letzten Seite. Und gegen Ende ziemlich grauenhaft. Aber Gautier hatte auch Glück. Er hat Dachau überlebt. Und er hat mit Tiburce Oger einen Enkel, der in der Lage ist, diese Erlebnisse in ausdrucksfähige Bilder umzusetzen. Oger, der als Szenarist für Abenteueralben wie Canoe Bay und als Zeichner von Fantasy- und Western-Comics wie Buffalo Runner bekannt ist, liefert hier gewohnt packende Zeichnungen ab. Ein Album, das, von kleineren erzählerischen Ungenauigkeiten abgesehen, Text und Bild in gleich hoher Qualität zusammenbringt. Und nicht nur das Elend der Konzentrationslager schildert, sondern auch einen authentischen Einblick in die zwar mühsame, aber oft auch wirkungsvolle Arbeit der Résistance gibt. Eines der besten Alben zum Thema Faschismus / Holocaust.

Top 10 2020  Tiburce Oger, Guy-Pierre Gautier: Überleben in Dachau
86 Seiten, gebunden, 19,-, Bahoe, ISBN 978-3-903290-20-4
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Ebenfalls neu bei Bahoe: Eine Geschichte der Antifa. Verlagstext: Der Faschismus ist eine relativ neue politische Ideologie, aber in seiner 100-jährigen Geschichte wurden die größten Gräueltaten gegen die Menschheit verübt. Seine giftigen Wurzeln haben sich in jeder Region der Welt ausgebreitet, von den Anfängen nach dem Ersten Weltkrieg in Italien, über Nazi-Deutschland, Franco-Spanien und den KKK in Amerika. Heute, ermutigt durch den amerikanischen Präsidenten und diverse «Rechtspopulisten» von Europa bis Asien, lebt der Faschismus erneut etwas auf. Gleichzeitig haben AntifaschistInnen im Laufe der Geschichte und auch gegenwärtig wieder bewiesen, dass der Geist des Widerstands lebendig, aktiv und notwendig ist.
Gord Hill dokumentiert kraftvolle Momente des Widerstands und der Konfrontation aus den Blickwinkeln der ProtagonistInnen. So vermittelt er ein starkes Gefühl der Entschlossenheit und einen globalen Blick auf das Problem. Mit einem Vorwort von Mark Bray, Autor von „Antifa: The Anti-fascist Handbook“.

Dieses Vorwort ist im Grunde das Beste an dem ganzen Album. Bray geht in seiner Analyse wirklich in die Tiefe. Der Comic tut das nicht. Was Hill hier liefert, ist eine Aneinanderreihung geschichtlicher Ereignisse rund um das Thema „Faschismus“ und „antifaschistische Aktionen“ der vergangenen 100 Jahre. Das ist nicht uninformativ (und in seiner Zusammenfassung wohl auch einzigartig – von Moussolini bis Mölln, von Spanien bis Ku-Klux-Klan, Alt-Right und weiter reicht die Palette), aber ein Comic ist das nicht. Seine Texte legt Hill über Bilder, deren Motive sich alle paar Seiten wiederholen, weil es eben alle paar Seiten um die gleichen Dinge geht, nur in einer anderen Zeit an einem anderen Ort. Interaktion zwischen den Bildern gibt es nicht – sie dienen lediglich als bunter Hintergrund. Als Sachbuch wäre das sicher besser gekommen.

Gord Hill: Antifa – Hundert Jahre Widerstand
116 Seiten, gebunden, 17,- Euro, bahoe, ISBN 978-3-903290-27-3
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