Hexenblut

loetzerich-hexenblutWas soll man tun, wenn bei der Geburt nicht eindeutig bestimmt werden kann, welches Geschlecht das Neugeborene hat? Meist löst ein Skalpell das Problem. So erging es auch Suskas. Als er zur Welt kommt, rätselt die Krankenschwester eine Weile, und trägt als Geschlecht nach genauerem Hinsehen Junge ein. Doch ganz sicher ist sie nicht, weshalb sie am nächsten Tag den Arzt zu Rate zieht. Der entfernt eine seiner Meinung nach irritierende Fehlbildung zwischen den Beinen des Säuglings kurzerhand mit einem Schnitt, und der Junge wird in der Krankenakte zum Mädchen.

Das Kind wächst auf und fühlt sich scheiße. Die Mädchenrolle behagt ihm nicht. Beim Spielen mit den Jungen haben die Mädchen immer die Loser-Rolle, beim Pinkeln wird der Hintern nass und der Testosteronspiegel ist zu hoch. Mit Beginn der Pubertät sucht Suskas Hilfe bei Experten: Kann man mir nicht einfach den Penis und die Hoden von einem verunglückten Motorradfahrer transplantieren? lautet die naive Frage. Das funktioniert natürlich nicht, und auch ansonsten ist die Sache kompliziert. Es gibt Vorschriften für solche Fälle, und nach denen geht vor dem 18. Lebensjahr erst mal nix. Auch danach müssen zahlreiche Gesetze beachtet werden, bevor man sein Geschlecht ändern lassen darf. Von den biologischen Problemen ganz abgesehen.

Suskas Lötzerich, der seinen starken Erstling Punkrock Heartland unter dem Pseudonym Andi Lirium veröffentlicht hat, erzählt hier seine eigene Geschichte – und mogelt sich ein bisschen um seine wahren Motive herum. Nach dem ersten Sex als Mädchen: Toll! Mein erstes Mal! Kein Orgasmus und total wund zwischen den Beinen! Also darauf kann ich verzichten!!! Das ist wahrscheinlich ein Gefühl, das die meisten Mädchen nach dem ersten Sex haben – ohne danach gleich an Geschlechtsumwandlung zu denken. Ein bisschen mehr muss es also sein, das Suskas drängt, aber das lässt er nicht raus und bleibt, statt tiefer zu gehen, lieber cool an der Oberfläche. Naja – er ist halt ein Junge, und kein Mädchen. Trotzdem ist Hexenblut ein interessantes – und unterhaltsames – Album, das ein Problem thematisiert, von dem nicht wenige betroffen sind – im Schnitt eines von 4.500 Neugeborenen. Auch Suskas´rotzfrecher, punkiger Strich, mit dem er seinen Weg vom Mädchen zum Mann in dynamischen Bildern auf die Seiten wirft, ist wie schon in Punkrock Heartland absolut sehenswert.

Suskas Lötzerich: Hexenblut
Print: 144 Seiten, schwarzweiß, 15,50 Euro, Luftschacht-Verlag,
ISBN 978-3-902844-40-8
E-Book: 7,99 Euro, ISBN 978-3-902844-71-2
> Leseprobe

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Ein Gedanke zu “Hexenblut

  1. Das hört sich wirklich interessant an. Ich hätte nicht gedacht das so viele Neugeborene davon betroffen sind, das muss wirklich schwer für alle Beteiligten sein mit der Sache um zu gehen, für die Eltern und Ärzte die eine Entscheidung treffen müssen aber vor allem für das Kind selber.

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