Buffalo Runner

oger-buffalo-runnerDas traditionelle Cover dieses Albums lässt eine konventionelle Westernstory vermuten, aber das täuscht. Was Oger hier vorlegt ist eine komprimierte Abhandlung über die Geschichte des Westens, versinnbildlicht in Gestalt eines alten Bisonjägers, der sein Leben vor seinem Auge vorbeiziehen lässt, während er in einer kleinen Hütte auf die Angriffe von Indianern und Desperados wartet.

In einem Interview im Anhang dieses Bandes erklärt Oger, der hierzulande vor allem durch die Fantasy-Reihe Gorn bekannt wurde und später tolle Szenarien für Patrick Prugne geschrieben hat (Canoe Bay, Die Herberge am Ende der Welt) weshalb er dieses Album gezeichnet hat: Ich wollte mit dem klassischen Image des Westernhelden aufräumen, das sich durch bestimmte Filme in unserer Vorstellung festgesetzt hatte… Wenn man sich eingehender mit der Geschichte des 19. Jahrhunderts in den USA befasst, wird deutlich, dass die Mehrzahl derer, die in den Westen aufbrachen, Immigranten waren: Deutsche, Skandinavier, Iren in großer Zahl, auch ein paar Franzosen. Die Habenichtse des alten Europas machten sich auf den Weg und versuchten dort ihr Glück, weil ihnen keine andere Wahl blieb… Im Grunde ist die Eroberung des Westens eine Geschichte armer Leute… Man könnte durchaus eine Parallele ziehen zu den afrikanischen Migranten von heute, die nach Europa strömen, sie handeln aus dem gleichen Antrieb.

So lässt er seine Hauptfigur Edmund Fisher verschiedene Stadien durchleben, anhand derer er die Situation und das Leben der damaligen Einwanderer beschreibt: Cowboy, Südstaatensoldat, Bisonjäger, Farmer, Fährtenleser für die Armee und, als Fisher älter und erfahrener ist, Aufseher auf einer Ranch. Eine spannende – und gewalttätige – Lebensgeschichte, die andere Akzente setzt als klassische US-Western. Dazu kommen wunderschöne Aquarellzeichnungen, die die unterschiedlichen Charaktere treffend herausarbeiten und die weiten Landschaften toll in Szene setzen. Auch Kleidung, Häuser, Waffen und andere Details wurden gezeichnet, wie sie damals waren. Grafisch beeindruckend, und nicht nur für Westernfans empfehlenswert.

Tiburce Oger: Buffalo Runner
88 Seiten, gebunden, 18,80 Euro, Splitter ISBN 978-3-95839-224-3
> Leseprobe

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