Der letzte Ansturm

tardi-der-letzte-ansturmTardi und der Erste Weltkrieg: Kein anderer hat so viele Alben über diese Gemetzel gezeichnet wie der Franzose: Elender Krieg, Soldat Varlot, StalagIIB, Grabenkrieg – und jetzt wieder ein Comic zu dem Thema.

In Der letzte Ansturm wird keine Geschichte erzählt, die einen Anfang und ein Ende oder überhaupt irgendeine Handlung hätte. Tardi lässt einen Sanitätssoldaten zwischen den Toten, Verwundeten und Sterbenden umherirren, lässt ihn durch Bombentrichter, Gräben, Schlamm, zerschossene Ruinen und dutzendfach von Granaten umgepflügte Landschaften waten. Er hängt seinen Gedanken nach. Über die vielen Afrikaner aus den Kolonien, die von der französischen Regierung als Kanonenfutter an der Front verheizt werden. Über Industriebosse in Deutschland und Frankreich, die sich an den Waffen und dem Giftgas eine goldene Nase verdienen: Dass kein Ende des Krieges abzusehen war, hatte auch damit zu tun, dass es noch große Mengen von Gas und Material gab, die man nicht umsonst hergestellt hatte. Das macht streckenweise richtig wütend – vor allem, wenn man überlegt, das wir inzwischen auch hierzulande wieder soweit sind, Krieg als legitimes Mittel der Außenpolitik anzusehen.

Tardis Szenen sind düster, die Bilder bieten wenig Abwechslung, sind aber, wie immer bei ihm, stark gezeichnet und bringen den Volk- und Vaterlands-Irr-Sinn erschreckend klar rüber. Beigelegt ist eine CD mit Antikriegsliedern. Auch, wenn sie nicht schlecht klingt – ohne wäre auch okay gewesen.

Dominique Granges Version von „Petits Morts du Mois d’Août“. Die Zeichnungen sind Illustration des Textes und stammen nicht aus dem Album.

Jacques Tardi, Dominique Grange: Der letzte Ansturm
112 Seiten, gebunden, 32,- Euro, Edition Moderne, ISBN 978-3-03731-158-5
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Der Fährmann

hermann-der-faehrmannDie Comicproduktion von Hermann Huppen ist enorm. Neben Fortsetzungen seiner Serien wie Jeremiah publiziert er immer wieder Einzelbände (Old Pa Anderson). Auch Der Fährmann ist ein Einzelband – von Hermann gezeichnet, und von seinem Sohn Yves geschrieben.

In diesem Album dreht sich alles um den Wunsch nach einem sorgenfreien Leben: Keine Probleme, kein Stress wegen der Kohle, alles prima und im grünen Bereich. Kein Wunder, dass Sam, als er diesen Zettel mit der Karte und dem Geld bei dem Toten findet, sofort hellwach ist. Denn auf der Karte wird nichts Geringeres beschrieben als der Weg zum Paradies, und alles, was er und Samantha dafür tun müssen, ist in diese Stadt zu gehen, am vereinbarten Ort auf den angegebenen Kontakt zu warten, und schon kann man sich zurücklehnen und das Leben genießen.

Natürlich kommt es anders, als Sam denkt. Wovon Samantha, nebenbei, ohnehin überzeugt war. Was ihr dann aber nichts mehr nutzt. Dekor und Figuren erinnern sehr an die Welt von Jeremiah.

Hermann, Yves H.: Der Fährmann
56 Seiten, gebunden, 14,95 Euro, Erko, ISBN 9789089821072

PS: Bei Erko ist auch das Hermann-Album Abominable neu aufgelegt worden (14,95 Euro), das bereits 1989 von Carlsen in der Reihe Die großen Abenteuer-Comics unter dem Namen Schattenwelten publiziert worden ist. Eine Sammlung schauriger Geschichten, die von Erko auf besserem Papier, in HC und zudem mit fünf statt, wie bei Carlsen, mit vier Geschichten aufgelegt wurde.

Die schwarzen Moore

bec-schwarze-mooreLa Peur (Die Angst) heißt eine von zwei Contes fantastiques, die Guy de Maupassant in den 1880er Jahren geschrieben hat. Die Geschichte steht in der Tradition unheimlicher Erzählungen, in denen vor allem psychologische Elemente überwiegen. Etwa in der Art, wie sie E.T.A Hoffmann, Gautier, H.P. Lovecraft oder E.A. Poe geschrieben haben. Das Grauen muss nicht realer Natur sein – in der Regel wird es durch die Einbildung verursacht, dass etwas Schreckliches passieren könnte, und gerade diese Ungewissheit treibt die Fantasie immer tiefer in die finstersten Abgründe menschlicher Ängste.

In dieser Adaption geht es um den Fotografen Antoine, der in der weiten Hochebene von Aubrac viele fantastische Motive für seine neue Fotoserie findet. Die karge Landschaft, die düsteren Moore und die aufsteigenden Nebel zaubern wunderbar geheimnisvolle Atmosphären. Leider wird es dabei immer später, und auf der Suche nach einem Nachtlager gerät er auf einen alten, abgelegenen Hof, der von dem mürrischen Baptist und dessen Tochter bewohnt wird. Baptist hat keinen Bock auf Besucher, und seine Tochter überwacht er aus seltsamen Gründen wie ein Kettenhund. Von denen hat er übrigens zwei, und mit ihnen ist nicht zu spaßen.

Im Laufe der Nacht nimmt das Unheil dann seinen Lauf, denn vor vielen Jahren hat Baptiste genau in dieser Nacht etwas getan, das dazu führt, das vor der von Baptiste fest verriegelten Haustür Geräusche laut werden, die – aber das wird hier nicht verraten. Die Story ist nicht kompliziert aufgebaut, der Leser kann sich schnell einen Reim auf Geschehnisse und Ausgang der Story machen. Die düsteren Zeichnungen transportieren sie aber sehr treffend.

Christophe Bec: Die schwarzen Moore
64 Seiten, gebunden, 15,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-427-8
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