Die große Odaliske

vives-odaliskeWas würde man tun, wenn die Freundin gerade per SMS Schluss macht, gleichzeitig aber ein Freund in einem streng bewachten Museum dabei ist, ein schweineteures Gemälde zu klauen, während man selber den Job hat, ihm den Rückweg zu sichern? Als Carole mit dem Bild an den Wachen und Hunden vorbei muss, und von ihrer Freundin Alex, die draußen im Fluchtwagen wartet, verlangt, dass sie wenigstens hupt, um die Typen abzulenken, ist genau das passiert. Alex telefoniert mit ihrem Lover, um ihre Beziehung zu kitten, und so muss sich Carole den Weg alleine freikämpfen.

Nachdem der Diebstahl gerade nochmal gut gegangen und das gestohlene Gemälde verkauft ist, wollen die beiden Die große Odaliske von Ingres aus dem Louvre klauen. Das ist zu zweit unmöglich, und so holen sie die Motorradakrobatin Sam mit ins Boot. Die Aktion, die sie danach planen, würde jedem James Bond-Film zur Ehre gereichen. James Bond-Filme sind allerdings unlogisch und übertrieben. Die Story dieses Albums ist es auch.

Dass das nicht weiter stört, liegt daran, dass die Autoren einen sehr schnell in ihre Geschichte hineinziehen. Denn originell sind die Ideen, die die drei Kunstdiebinnen entwickeln, allemal. Und rundum sympathisch – und eigenwillig – sind die Frauen auch. Bei allem, was sie tun, gehen sie mit einer erfrischenden Respektlosigkeit zu Werke.

Und dann sind da natürlich die Zeichnungen. Manche Kopfhaltung erinnert an die des Mädchens aus Vivès´ Album In meinen Augen, manche Körperdrehung an die von Polina. Insgesamt sind es atmosphärisch dichte, wunderschön kolorierte Bilder mit viel mehr Details in den Hintergründen, als man es aus den Soloalben von Viès gewohnt ist. Filigrane Zeichenkunst trifft auf rasante Actionstory – so könnte man dieses Album zusammenfassen. Ein trotz aller inhaltlicher Übertreibung starker Comic, der viel Spaß macht.

Update 21.6.2013: Dirk Rehm von Reprodukt schreibt: „Die Zeichnungen sind nicht von Bastien Vivès, sondern von Ruppert & Mulot. Bastien Vivès hat an der Entwicklung der Geschichte mitgearbeitet, sein Anteil an den Zeichnungen beschränkt sich auf die Augen, Nasen und Münder der Figuren.“

Ruppert & Mulot, Bastien Vivès: Die große Odaliske
128 Seiten, 20,- Euro, Reprodukt, ISBN 978-3-943143-43-0
> Leseprobe

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