Wer Wind sät

Mal wieder ein schönes Album aus dem Hause Finix. Laurent Galandon erzählt die Geschichte einer Begegnung zwischen den Einwohnern einer Bergarbeitersiedlung im Norden Frankreichs und einer Truppe von Zigeunern zu Beginn des 20. Jahrhunderts.

Unter den Bergarbeitern rumort es, denn Gasexplosionen, marode Stützbalken, eingestürzte Gänge und Hungerlöhne sorgen für Unruhe. Den Grubenbesitzer interessiert das nicht – ihn interessiert lediglich sein Kontostand. Die Folge ist ein Streik.

Zur gleichen Zeit kommt eine Truppe Zigeuner in das Dorf. Ihre Pferde sind müde, und die Gruppe bittet den Bürgermeister um einen Platz zum Ausruhen. Der ist zwar dagegen – er glaubt, wie alle anderen im Dorf, dass die Zigeuner Unglück bringen – weist ihnen dann aber einen Platz neben einem alten Friedhof zu, den niemand beansprucht, weil es da spuken soll.

Die Konflikte zwischen den verschiedenen Gruppen sind damit vorprogrammiert. Als Brücke dienen Antonie, ein junger Bergarbeiter, und Kheshalya, eine junge Zigeunerin. Und dann ist da noch ein Geheimnis aus der Vergangenheit, von der sie am Ende alle eingeholt werden. Womit die Story neben sozialem Zündstoff und Romantik auch einen Touch Mystik bekommt.

Cyril Bonin (Fog, Quintett) bringt die Geschichte in gedeckten Braun- und Violetttönen zu Papier. Atmosphärisch wird die Tristesse des Bergarbeiterdorfes damit ebenso gut eingefangen wie das Leben der Zigeuner. Die Zeichnungen sind so ausdrucksstark, wie man das von Bonin gewohnt ist – vor allem die Gesichter.

Störend an den von Finix verlegten Alben ihrer Edition Solitaire ist lediglich ihre Aufgeblähtheit. Der Comic umfasst 56 Seiten. Weitere 24 Seiten (also mehr als ein Viertel des Albums) sind Anhang mit Informationen über die Künstler, den Bergbau und die Sitten der Roma. Das ist zwar sehr stylish layoutet und sieht edel aus, könnte man bei Bedarf aber auch anderswo nachlesen und macht das Album teuer. Man hat den Eindruck, Finix möchte diesen Alben damit das Flair einer kulturell hochwertigen Edition geben. Das ist ja okay. Aber kann man dann nicht einfach zwei Ausgaben publizieren: eine preiswertere 56seitige, und eine Luxusausgabe für diejenigen, die es unbedingt exklusiv haben möchten?

PS: Im Finix-Forum gab es interessante Diskussionen über diese Rezension und darüber, ob der Anhang des Albums Sinn macht und weshalb der Preis so ist, wie er ist. Wer sich dafür interessiert findet den Thread hier.

Cyril Bonin, Laurent Galandon: Wer Wind sät
80 Seiten, gebunden, 17,80 Euro, Finix, ISBN 978-3-941236-36-3
> Leseprobe

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