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Das verlorene Land

rosinski-das-verlorene-landDie vierteilige Fantasy-Serie Das verlorene Land erschien hierzulande zwischen 1994 und 2000 bei Ehapa. Neben der kultigen Thorgal-Reihe gehört Das verlorene Land zu den schönsten europäischen Fantasy-Serien – das Gespann Rosinski (Zeichnungen) und Dufaux (Szenario) garantiert für Qualität. Nachdem Splitter den Folgezyklus Ritter des verlorenen Landes bereits veröffentlicht hat, bringt der Verlag hier die vier bei Ehapa erschienenen Bände der Hauptreihe als Gesamtausgabe.

Worum geht es? Wie meist bei Fantasyalben geht es um Macht und Intrigen, eine vaterlose Prinzessin und einen finsteren Magier, Thronräuber und dunkle Ritter, und ein kleines, pfiffiges Fabelwesen, das dem von ihm genervten Koch immer wieder aus der Pfanne springt. Hauptfigur ist die jugendliche Sioban, Erbin der Krone von Sudenne. Natürlich gibt es auch den Schurken, in dem Fall Lord Blackmore, der die Macht gerne an sich reißen würde. Wozu er Siobans Mutter ehelicht – sehr zum Missfallen der Tochter, die Blackmore loswerden will.

Das alles ist im Prinzip austauschbare Fantasy-Kost, aber die Geschichte wird – obwohl auch hier viel gekämpft wird – nicht nur auf blutige Gemetzel reduziert, sondern enthält auch erzählerische und humoristische Elemente. Wirklich klasse sind die Zeichnungen von Rosinski und die sehr menschlichen Charaktere der Figuren, wodurch sich die Serie vom Heroik-Pomp vieler anderer Fantasy-Reihen unterscheidet. Dadurch ist diese Geschichte auch dann schön zu lesen, wenn man weniger auf Fantasy-, als auf Abenteuer-Serien steht.

Grzegorz Rosinski, Jean Dufaux: Das verlorene Land (Gesamtausgabe)
264 Seiten, gebunden, 44,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-86869-723-0
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bechdel-mutterNach dem Comic Fun Home, in dem sie sich mit ihren Vater auseinander gesetzt hat, nimmt die lesbische Zeichnerin Alison Bechdel in diesem Album ihr Verhältnis zu ihrer Mutter unter die Lupe. Ich kann dieses Buch nicht schreiben, wenn ich meine Mutter nicht aus dem Kopf kriege, erzählt sie ihrer Therapeutin. Aber ich kriege sie nur aus dem Kopf, wenn ich dieses Buch schreibe.

Wobei sie mit schreiben auch zeichnen meint, und gerade ihre Zeichnungen haben mir schon immer gefallen. Das ist auch in diesem Comic so. Ihr reichen wenige Striche, als Farbe schwarz und weiß, kombiniert mit Graustufen und einer Schmuckfarbe, die eine Art bräunliches Rot darstellt – ebenfalls in verschiedenen Schattierungen. Der Strich ist präzise, und der Ausdruck ihrer Figuren stimmt meist auf den Punkt genau.

Die Story dagegen ist weniger klar. Bechdel sucht in ihrer Psyche nach Bezügen zu ihrer Mutter, und so nehmen in diesem Album Erinnerungen und Gespräche mit ihren wechselnden Therapeutinnen großen Raum ein. Dazu kommt die Auseinandersetzung mit den Schriften von Sigmund Freud, CG Jung und Donald Winnicott, einem der wichtigsten Vertreter der Objektbeziehungstheorie, den Bechdel gerne als Mutter gehabt hätte. An dessen Theorien (So etwas wie ein Baby gibt es gar nicht) arbeitet sie sich ebenso ab wie an den Memoiren von Virginia Woolf.

Ich fand dieses endlose Gewühle in ihr selbst auf Dauer ermüdend. Wer aber an Reflektionen über Träume, Projektionen, Verdrängung und Identitätsstörungen in Zusammenhang mit einer Mutter-Tochter-Beziehung Gefallen findet, wird viele Anregungen darin finden.

Alison Bechdel: Wer ist hier die Mutter?
290 Seiten, gebunden, 22,99 Euro, KiWi, ISBN: 978-3-462-04618-2
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Süße Versuchung

grelin-suesse-versuchungAlso eins muss man Jim (alias Téhy) lassen: Ideen hat er. Vor allem, wenn es um unterhaltsame Geschichten rund um das Thema Beziehungen geht. In dem Album Sonnenfinsternis legt er drei Pärchen in einem leeren Haus in der Provinz ab, um zu sehen, welche erotischen Verwicklungen sich daraus ergeben. In Die Einladung lotet er die Grenzen einer Männerfreundschaft aus, und in Eine Nacht in Rom dreht sich alles um ein unmoralisches Angebot. Auch seinem neuen Album liegt eine originelle Idee zugrunde: Wie wäre es, wenn man sich als Frau einfach 20 Jahre Karriereplackerei spart und sich gleich ins gemachte Nest legt?

Das geht so: Calistra jobbt als Studentin nebenher als Babysitter für ein gut verdienendes Ehepaar. Entsprechend luxuriös ist deren 160 qm große Wohnung eingerichtet. Als Calistras Freundin Anna Calistra in dem Appartement besucht, hat Anna eine Idee: Wie wäre es, den 40jährigen Ehemann zu verführen, ihn zur Scheidung zu überreden und den Platz seiner Ehefrau einzunehmen? Schließlich ist die Ehefrau nicht mehr die jüngste, und da wird der Mann doch irgendwann Lust auf knackigen Nachschub haben. Oder?

Wie in seinen anderen Alben arbeitet Jim auch hier mit einem neuen Zeichner. Diesmal hat er sich Grelin ausgesucht, dessen Strich Jim im Nachwort als frisch und elegant bezeichnet, seine Frauenbilder als sexy, jung, stark und trotzdem unnahbar. Kann man so sehen. Auf den ersten Blick wirken die Zeichnungen zwar etwas leer und entfernt mangamäßig, aber sie passen gut zur Geschichte und sind in sich durchaus stimmig. Flott geschrieben, flott gezeichnet und très français.

Grelin, Jim: Süße Versuchung
160 Seiten, gebunden, 22,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-86869-756-8
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wrightson-creepyNach Creepy präsentiert Richard Corben legt Splitter jetzt dieses Album vor, das alle von Bernie Wrightson in den Magazinen Creepy und Eerie veröffentlichten Comics und Cover in einer Gesamtausgabe zusammenfasst. Wrightson ist hierzulande vor allem durch sein 1984 bei Carlsen erschienenes Kultalbum Freak Show, und natürlich durch seinen – mehrmals verfilmten – Klassiker Swamp Thing bekannt. Der Meister subtiler Horrorgeschichten ist wie kaum ein anderer in der Lage, dem Unheimlichen ein Gesicht zu geben.

Für alle, die ihn nicht kennen, könnte man ihn so charakterisieren: Wenn Edgar Allen Poe kein Schriftsteller, sondern Zeichner gewesen wäre, würde das Ergebnis ungefähr so aussehen wie die Comics von Bernie Wrightson. In Wrightsons Geschichten wimmelt es von Monstern, Mumien, Psychopathen, Nachtmahren und anderen Gestalten der Finsternis, die vor allem dann auftauchen, wenn man sich sicher fühlt. Auch subtile Psychospiele haben in seinen Stories Platz. Und als begnadeter Zeichner weiß der Preisträger des Eisner- und Harvey-Awards Schatten und Schraffuren in seinen düsteren Schwarzweiß-Bildern effektvoll einzusetzen.

Das Album vereint sieben Geschichten aus Creepy, fünf aus Eerie (allesamt in Schwarzweiß) und jede Menge ganzseitige Coverillustrationen (in Farbe). Viele Geschichten wurden von Bruce Jones (der auch die Freak Show getextet hat) und Wrightson selbst geschrieben. Eine Adaption von Lovecrafts Cool Air ist ebenfalls mit von der Partie. Ein starker Sammelband, der nicht nur Fans von Bernie Wrightson, sondern allen Freunden von Horror- und Mysterygeschichten gefallen wird und zeichnerisch weit über dem Durchschnitt liegt.

Bernie Wrightson: Creepy präsentiert Bernie Wrightson
144 Seiten, gebunden, 22,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-86869-155-9
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seth-vom-glanz-der-alten-tageKanada ist ein Land mit großer Zeichner-Tradition – es gibt und gab dort jede Menge guter Cartoonisten. Seth entführt den Leser in den “Great Northern Brotherhood of Canadian Cartoonist-Club”, in dem allerlei Porträts und Arbeiten vergangener Künstler zu bewundern sind. Die Bilder an den Wänden, die grafischen Ornamente an den Treppen, die Verzierungen an der Decke, all diese liebevoll geschaffene Gestaltung der Räume wird samt den Feierlichkeiten und Ehrungen des Clubs detailgetreu vorgestellt – und ist doch nur Illusion. Denn diesen Club, mit dem ein Land seinen Zeichnern ein Denkmal setzt, gibt es in Wirklichkeit nicht. Seth nutzt ihn nur als Kulisse, um kanadische Zeichner des vergangenen Jahrhunderts vorzustellen.

Das wiederum macht er sehr geschickt. Man erfährt allerlei über verschrobene Einzelgänger wie Walter Hurd, der vor allem Funnys gezeichnet und Whisky getrunken hat, und über die Schöpfer von Figuren wie Kao-Kuk, Chopper, Fuddle and Duddle oder Jack-O. Seth stellt ihre Serien vor, beschreibt die Eigenheiten ihrer Arbeit und vergisst auch Raritäten nicht, wie den ältesten Comic des Landes aus dem Jahr 1760.

Ein Album über die Geschichte der kanadischen Comics also. Aber, und da wird es problematisch: Wer kennt kanadische Comics – wenn man mal von Chester Brown, Seth selbst und dem begnadeten Jeff Lemire absieht (die zudem, weil jünger, außer einer kurzen Notiz über Chester Brown, gar nicht darin vorkommen)? Ein schönes Album zwar – aber wenn man die vorgestellten Cartoonisten nicht kennt, wenig spannend. Von Seth sind bisher in der Edition 52 die Graphic Novels Eigentlich ist das Lebens schön, Clyde Fans und Wimbledon Green erschienen, die sich ebenfalls mit dem Thema Comic, Kunst und Künstler beschäftigen.

Seth: Vom Glanz der Alten Tage – Die Blütezeit des kanadischen Cartoons
136 Seiten, gebunden, 25,- Euro, Edition 52, ISBN 9783935229159
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Das versteckte Kind

lizano-das-versteckte-kindComics über den Holocaust sind längst keine Rarität mehr. Es gibt inzwischen jede Menge starke Alben zu diesem Thema – zuletzt Die zweite Generation. Auch Das versteckte Kind handelt davon. Der Unterschied zu ähnlichen Alben ist, dass der Holocaust hier aus Kindersicht geschildert wird.

Die kleine Dounia ist Französin. Sie lebt in Paris zur Zeit der deutschen Besatzung. Ihre Eltern sind Juden. Als die Deutschen fordern, dass alle Juden ab sofort einen gelben Stern zu tragen haben, überlegen Dounias Eltern, wie sie das ihrem Kind erklären sollen. Sie erfinden ein Spiel – das Sheriffspiel. Es ist ganz einfach: Der Davidstern wird zum Sheriffstern. Dounia findet das zwar nicht logisch, denn erstens ist das was für Jungen, und zweitens gibt es in Frankreich keine Sheriffs. Aber das stört sie nicht weiter, und so geht sie stolz mit ihrem Stern in die Schule – um zu erleben, dass die Lehrerin sie begründungslos in die letzte Reihe verbannt und im Unterricht nicht mehr drannimmt. Auch ihre Freunde schneiden sie. Als kurz darauf noch die Polizei an die Tür hämmert, um sie und ihre Eltern in ein Lager zu transportieren, gehen die Probleme erst richtig los.

Die Geschichte wird aus der Sicht von Douia erzählt. Gerade diese Kindersicht bringt die demütigenden und oft auch erschütternden Szenen besser rüber als jede wissenschaftliche Abhandlung. Die Gefühlswelt von Dounia wird in jeder Situation nachfühlbar. Die Zeichnungen erinnern ein bisschen an Larcenet und bringen viel Ausdruck in die Mimik der Protagonisten. Eine klasse Idee, solch ein Album zu machen – viel lebendiger als die hölzerne Anne Frank-Adaption, die sich mit einem ähnlichen Thema beschäftigt.

Marc Lizano, Greg Salsedo, Loïc Dauvillier: Das versteckte Kind
84 Seiten, gebunden, 16,99 Euro, Panini, ISBN-13 978-3862017744
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Pawnee + Deadline

prugne-pawneeMit Pawnee legt Splitter eine Fortsetzung von Frenchman auf. Das Album spielt wie sein Vorgänger zur Zeit der Eroberung Amerikas, inmitten der Kriege zwischen Briten und Franzosen und dem Kampf beider gegen die Indianer. Während in Frenchman die zwei jungen Franzosen Alban und Louis durch die amerikanische Wildnis marschieren – Alban, weil er einen US-Bürger erschossen hat, um einem Schwarzen zu helfen, und Louis, weil er Alban sucht – ist in Pawnee Albans Schwester aus Frankreich gekommen, um beide zu suchen, weil sie seit Monaten nichts mehr von ihnen gehört hat.

Inhaltlich bietet das Album eine ähnliche Story wie Frenchman. Die Schwester muss sich mit geldgierigen Trappern und Indianern auf Kriegspfad rumschlagen, während Albain und Louis auch wieder unterwegs sind – ohne allerdings voneinander zu wissen. Die Geschichte ist nicht mehr ganz so spannend wie Frenchman, und während man Frenchman durchaus als eigenständiges Album lesen kann, macht Pawnee wenig Sinn, wenn man Frechman nicht kennt.

Die Bilder von Prugne stehen denen der Vorgängeralben allerdings in nichts nach. Viel Landschaft und viel Atmosphäre, die in den großformatigen Panels wunderschön zur Geltung kommt. Dazu eine sehr zarte, gefühlvolle Kolorierung – das kann sich sehen lassen.

Patrick Prugne: Pawnee
104 Seiten, gebunden, 22,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-86869-656-1
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rossi-deadlineAuch Deadline ist ein Western. Er spielt zur Zeit der Sezessionskriege. Nord gegen Süd, Menschenrechte gegen Sklaverei, und der junge Louis Paugham steht als Soldat genau an der Grenze. Die ist in dem Fall ein ausgetrocknetes Flussbett in Andersonville, Georgia. Auf der einen Seite die Armee der Südstaaten, auf der anderen ein Lager, in dem die Yankees unter erbärmlichen Bedingungen gefangengehalten werden. Sobald einer den Fluss überschreitet und zu fliehen versucht, soll er erschossen werden – so lautet der Befehl, den Louis bekommen hat. Aber da ist dieser eine Schwarze unter den Gefangenen, der ihn unentwegt voller Stolz ansieht. Und auf den Louis nicht schießen kann.

Laurent-Frédéric Bollée nimmt diesen Krieg als Kulisse für eine Geschichte über eine späte Rache und eine Abrechnung mit dem Ku-Klux-Klan, die nicht schlecht gemacht ist und spannend erzählt wird. Die Zeichnungen von Christian Rossi kommen eher konventionell daher, haben aber auch ihre starken Momente.

Christian Rossi, Laurent-Frédéric Bollée: Deadline
80 Seiten, gebunden, 17,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-86869-733-9
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