Ein Tag, der damit anfängt, dass man sich auf der Toilette aus Versehen auf die Schuhe pinkelt, kann nicht gut enden. Das weiß auch Hervé, ein junger Büroangestellter, der gern die Blonde am Nebentisch anbaggern würde, aber nicht weiß, wie. Und auch die schöne Chloé, mit der er verbandelt ist, hat heute keine Zeit, weil sie zur Theaterprobe muss. No sex today.
Noch schlimmer wird es am nächsten Tag. Auf dem Weg zum Büro wird Hervé ständig von Leuten angequatscht, die er nie gesehen hat. Und die ihm erzählen, dass er gerne vier Stück Zucker in seinen Tee nimmt. Was stimmt. Zu allem Überfluss ruft ihn auch noch seine esoterisch angehauchte Mutter an: Halt mich nicht für verrückt, sagt sie, aber wir sind geistig miteinander verbunden. Ich sehe das, was du siehst, Hervé. Meine meditativen Gebete haben uns vereint. Und tatsächlich: Sie sieht, dass vor ihm eine Frau mit einem Hund an der Leine die Straße überquert.
Leider nicht nur sie. Alle Menschen auf der Welt können plötzlich sehen, was Hervé sieht. Und hören, was er hört. Und fühlen, was er fühlt. In dem Zustand ist an Sex nicht zu denken. Und an vieles andere auch nicht. Denn plötzlich wollen alle seine Fähigkeit für ihre Zwecke einspannen, und dadurch wird sein Leben zur Hölle.
Lewis Trondheim hat sich da eine Geschichte ausgedacht, die jede Menge Situationskomik bietet. Eine Burleske, die von Bonhomme (Esteban) in klare, eingängige Bilder umgesetzt wurde. Unterhaltsam, originell und flott zu lesen. Macht Laune, dieses Album.
Matthieu Bonhomme, Lewis Trondheim: Omni-Visibilis
160 Seiten, zweifarbig, gebunden, 20,- Euro, Salleck, ISBN 978-3-89908-416-0
Gibrat gibt zu, dass die Frauen in seinen Comics sich ähnlich sehen. Und dass sein Kollege Juillard, als er Jeanne in dem Album Von Dieben und Denunzianten sah, Jeanne mit Cécile aus
Was ist das für ein Gefühl, aus einem sicheren Versteck heraus, seine eigene Beerdigung zu beobachten? Julien jedenfalls gefällt es gut. Denn eigentlich müsste er jetzt – wir schreiben das Jahr 1944, und Frankreich ist von deutschen Truppen besetzt – in Hitlers Fabriken für den Endsieg des 1000jährigen Reiches schuften. Er war auch schon auf dem Weg dorthin, konnte aber aus dem Zug fliehen, in dem er nach Deutschland gebracht werden sollte. Ein zweifaches Glück, weil der Zug kurze Zeit später bombardiert wurde. Wäre Julien nicht geflohen, wäre er jetzt wirklich tot. Der arme Teufel, der dort unten ins Grab gelegt wird, ist ein Dieb, der ihm im Zug die Papiere geklaut hat und dessen Leiche, wegen der Papiere, für die von Julien gehalten wurde.
Jean-Pierre Gibrat: Der Aufschub
Mit
Wölfel von Ulf wird als Baby in einem Wald gefunden, der als Zuflucht von Untoten gilt. Das Kind ist eine Mischung aus Mensch und Vampir, erträgt aber das Tageslicht. Der Bürgermeister des Ortes adoptiert es und zieht Wölfel zusammen mit seinem Sohn Clodwig groß. Als die beiden älter werden, führen sie Gruppen von Vampirjägern an. Wölfel ist beliebt, aber natürlich gibt es Neider. Wie seinen Bruder Clodwig. Und als dann ein renommierter Vampirforscher die These aufstellt, dass Zwielicht-Vampire – also solche, die das Tageslicht ertragen können – genauso gefährlich sind wie die anderen, bekommt Wölfel Probleme.