Die Windpferde

fournier-windpferdeDas ist ein Album für Zeiten, in denen die Sonne hoch steht und die Räume weit sind. Denn es spielt auch in einer solchen Gegend – irgendwo im indischen Himalaya. Wir schreiben das Jahr 1850, und die Rasselbande des Dorfes hat gerade den kleinen Katzi in den Fluss geworfen. Katzi ist taubstumm, deshalb Außenseiter unter den Kindern und das ideale Opfer für alle dummen Späße. In diesem Fall wäre der Kleine allerdings fast ertrunken, weshalb seine Eltern sich entschließen, ihn zu einem Onkel in ein abgelegenes Kloster zu schicken, damit er dort in Ruhe aufwachsen kann. Aber auch die beiden langsam erwachsenen Söhne machen Stress, denn sie interessieren sich für dieselbe Frau. Also entschließt sich einer der beiden, das Dorf zu verlassen, um sich bei der britischen Ostindien-Kompanie als Gurkha ausbilden zu lassen. Der Vater ist froh, dass der häusliche Streit damit beendet ist, kann sich aber nicht damit anfreunden, dass sein Sohn ausgerechnet der feindlichen Besatzungsarmee helfen will, das Land zu kolonialisieren.

Es ist eine eher leise Geschichte, die Lax (Ein Mann namens Cervantes) hier erzählt, und die er extra für Fournier geschrieben hat. Religion und Politik bilden den Hintergrund für eine Familientragödie, an die Fournier sich nur zögernd heran gewagt hat – war er doch mit Spirou und Fantasio bislang mehr im humoristischen Genre unterwegs. Nachdem er sich allerdings in das Thema reingeschafft und viel recherchiert hatte, wurde das anders. Er fängt Licht und Farbe der weiten und schneebedeckten Landschaften mit ihren abgelegenen Klöstern und Dörfern treffend ein. Atmosphärisch erinnert das ein wenig an die Arbeiten von Cosey, die sich oft um ähnliche Themen drehen und viel Ruhe ausstrahlen. Diese Ruhe ist auch das vorherrschende Element dieses Doppelalbums. Allen Gefahren zum Trotz, die durch Diebe und Soldaten an den Wegen lauern, kommt niemals Hektik auf. Wer ruhig und souverän erzählte Geschichten mag, liegt hier richtig.

Jean-Claude Fournier, Lax: Die Windpferde (Gesamtausgabe)
168 Seiten, HC, 29,80 Euro, Salleck, ISBN 978-3-89908-570-9
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Die Chroniken von Yria

schmidt-chroniken-von-yria1Der Verlag schreibt: »Myre« ist der Crowdfunding-Erfolg der Berliner Autorin und Zeichnerin Claudya Schmidt, vielleicht besser bekannt als Alector Fencer, eine auf sechs Teile angelegte Fantasy-Saga voller liebevoll gestalteter Charaktere und in atemberaubenden Bildern. Nachdem ihr Comicprojekt auf Indiegogo hervorragende Resonanz erfahren hat und der erste Band im Eigenverlag auf Englisch erschien, bringt Splitter »Myre« jetzt ins Deutsche. Ein Comic made in Germany, wie es ihn bisher noch nicht gegeben hat!

Die Zeichnungen sind in der Tat sehenswert. Dynamisch, stilvoll, und trotz aller Energie irgendwie weich und soft – und das in einer rundum gefühlvollen Kolorierung. Natürlich kommen die anthropomorphen Furrys dieser Reihe auch ein bisschen disneymäßig daher, streckenweise ist alles sehr sauber und glatt, trotzdem sind es rundum einzigartige Bilder, die der Leser hier vorgesetzt bekommt.

Worum geht es? Nun, wenn es die Beschreibung auf der Rückseite des Albums nicht gäbe würde man nicht darauf kommen, denn der erste Band beschränkt sich – von ein paar Schlägereien am Rande abgesehen – darauf, dass Myre, unsere weibliche Heldin, Benzin für ihr Feuerzeug sucht. Ein Feuerzeug in einem Fantasy? Tja… Aber dann soll sie ein Päckchen mit unbekanntem Inhalt transportieren, und damit beginnt eine gefährliche Reise durch eine mysteriöse Welt, die in Band 2 eigentlich erst richtig losgeht und insgesamt 6 Bände umfassen soll. Über die Story lässt sich also bislang wenig sagen, die Zeichnungen machen allerdings Lust auf mehr.

Claudya Schmidt, Matt W. Davis: Myre – Die Chroniken von Yria
96 Seiten, HC, 19,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-105-4
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Machen ist wie Wollen, nur krasser

krayl-machen-ist-wie-wollenVerlagstext: Endlich hat Karl es geschafft: Er trifft sich auf ein Date mit Anna, seinem großen Schwarm. Jetzt muss er bloß noch was draus machen. Er könnte ja einfach mal . . . wobei . . . was, wenn . . . vielleicht sollte er besser . . . aber dann . . .
Karl ist ein Meister des Kopfkinos, in Echt wartet er lieber ab. Als er jedoch erfährt, dass seine Anna auf HipHop-Michi aus der Zehnten steht, entschließt sich Karl auch in der realen Welt aktiv zu werden. Und zwar krass.
Drumherum ist natürlich noch der Alltag eines Teenagers zu bewältigen mit Schule und Praktikum, Kumpel, Freunde, Alkohol.
In seiner zweiten Veröffentlichung bei Jaja entführt uns Valentin Krayl zurück in die Nuller Jahre und zeigt, dass er auch eine umfangreiche Story mit Charme und Witz spannungsreich erzählen kann. Und seinen Stil gefunden hat, sympathisch skizzenhaft und angenehm leicht koloriert.

Wohl wahr. Das Artwork kommt genauso luftig-leicht und fluffig daher, wie Krayl (Weltenbummler) die Geschichte erzählt. Er beschriebt eine Situation, die jeder kennt: Man ist verknallt – aber wie kommt man an das Objekt seiner Sehnsucht heran? Wie kann man seine Liebe zeigen? Soll man sie überhaupt zeigen? Und vor allem: Wie kann man Konkurrenten aus dem Feld schlagen?

Karls Strategie dürfte auch jeder kennen: Man hat zunächst rasend verwegene Ideen – geht dann aber doch lieber auf Nummer sicher. So entwickelt Karl ständig neue Pläne, muss aber feststellen, dass sich deren Umsetzung als komplizierter erweist, als gedacht. Amüsante Situationen, liebevoll karikiert, aber doch wie aus dem richtigen Leben. Macht Spaß zu lesen.

Valentin Krayl: Machen ist wie Wollen, nur krasser
128 Seiten, 16,- Euro, Jaja, ISBN 978-3-946642-36-7
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