Brindilla

bertolucci-brindilla1Verlagstext: Aufregung im Dorf des Kleinen Volkes! Über Nacht ist eine junge Frau aufgetaucht, hier, mitten im Wald! Ist sie eine Fee? Eine Hexe? Oder einfach ein Mädchen, das sich im Wald verirrt hat? Als sie aufwacht, kann sie sich an nichts erinnern. Nicht an ihren Namen und nicht daran, woher sie gekommen ist. Aber nach und nach erwachen Kräfte in ihr, die sie nicht vollständig kontrollieren kann, und sie begibt sich auf die Suche nach Antworten auf ihre Fragen. Selbst wenn sie dabei an Orte des Waldes vordringen muss, die niemand betreten darf. Ein magisches Abenteuer um eine junge Heldin auf der Suche nach ihrer Identität, ein träumerischer Zweiteiler, dessen liebevolle Zeichnungen zum Schwelgen einladen.

Schön gezeichnet ist es tatsächlich. Sehr weiche Formen und eine gefühlvolle Ton-in-Ton-Kolorierung lassen die kleine Heldin (bislang noch) recht kindlich wirken. Ihre geheimen, ganz und gar nicht kindlich wirkenden Kräfte brechen zwar ab und an durch, aber was sie damit anfangen soll, weiß sie noch nicht. Ganz zu schweigen davon, dass sie keine Kontrolle darüber hat.

Dafür gibt es einen hilfreichen Wolf, der ihr den Weg weist (und für sie kämpft), und ja: Er kann auch mit ihr reden. So entwickelt sich eine spannende Mischung aus Märchen und Fantasy, das nicht nur Brindilla (so heißt die junge Unbekannte), sondern auch den Leser zunächst noch im Unklaren darüber lässt, worum genau es geht. Aufklärung verspricht der zweite Band, der auch der Abschlussband ist, und erfreulicherweise bereits für Mai angekündigt ist. Band eins enthält zusätzliche Skizzen im Anhang.

Frédéric Brrémaud, Federico Bertolucci: Brindilla
96 Seiten, gebunden, 19,80 Euro, Splitter, ISBN: 978-3-96219-428-4
> Leseprobe

Der Report der Magd

nault-report-der-magdVerlagstext: Desfred ist Magd in Gilead, wo Frauen weder Beruf noch Freundschaften haben, ja nicht einmal lesen dürfen. Sie dient im Haus des Kommandanten. Dort hat sie nur eine Daseinsberechtigung: Einmal im Monat muss sie sich auf den Rücken legen und beten, dass der Kommandant sie schwängert. Denn in Zeiten zurückgehender Geburten besteht der Wert Desfreds und der anderen Mägde allein darin, dass sie fruchtbar sind. Aber Desfred hat die Zeiten vor Gilead erlebt, als sie eine unabhängige Frau war … Margaret Atwood selbst hat ihren Klassiker für diese Graphic Novel bearbeitet – und „Der Report der Magd“ gewinnt durch die Verdichtung des Textes und die kongenialen Zeichnungen Renée Naults noch einmal eine ganz eigene Dringlichkeit und Intensität.

Das ist ein ziemliches finsteres Album. Ein düsterer Science Fiction, eine hoffnungslose Dystopie, die nur den einen kleinen Nachteil hat, dass die Autorin sich am Ende um einen nachvollziehbaren Schluss herummogelt. Statt dessen lässt sie alles offen. Davon abgesehen beschreibt sie das isolierte Leben der Mägde erschreckend genau. Und wie immer in totalitären Gesellschaften regt sich zwar Widerstand, am Ende kann man aber niemandem trauen. Jedes falsche Wort kann Deportation oder Schlimmeres bedeuten. Ein Band, der auch dann wunderbar als Graphic Novel funktioniert, wenn man die Romanvorlage nicht kennt. Die Spannung wird durch die gekonnte Erzählstruktur extrem hoch gehalten.

Auch die Zeichnungen sind klasse. Rennée Nault weiß, wie man optische Akzente setzt. Abwechslungsreiche Layouts, farbige Trennung der Zeitebenen und in sich stimmige Kolorierungen – es wird nie langweilig. Ein starkes Album, das einem mühelos die gute Laune verdirbt.

Top 10 2019Rennée Nault, Margaret Atwood: Der Report der Magd
240 Seiten, gebunden, 25,- Euro, Berlin Verlag, ISBN 978-3-8270-1405-4

Bug

bilal-bug2Auf der Erde sind plötzlich auf unerklärliche Weise alle digitale Daten verschwunden, von den größten Servern bis zum kleinsten USB-Stick ist alles wie leergefegt. Die Folgen sind unermesslich. Nur ein Mann, ein Überlebender einer gescheiterten Mars-Mission, scheint alle verloren gegangenen Informationen zu haben – in seinem Gedächtnis! Nun sieht er sich mit seiner Familie einer gewaltigen Hetzjagd ausgesetzt, denn alle wollen an diese Daten … Das neue Album von Enki Bilal ist eine grandios gezeichnete und erschreckend aktuelle Zukunftsvision. Soweit der Verlagstext.

Grandios gezeichnet ist es, keine Frage. Ein typischer Bilal. Und die Grundidee der Geschichte – eine digitalisierte Welt ohne Zugriff auf die Daten – ist auch nicht schlecht. Aber was macht er daraus? Bislang wenig. Die Auswirkungen des digitalen Blackouts thematisiert Bilal eher am Rande. Hauptsächlich tischt er dem Leser eine Abenteuerstory im SF-Kostüm auf, die sich inhaltlich auf die üblichen Verwicklungen und Verfolgungsjagden beschränkt. Diverse (teilweise völlig abstruse) politische Zweckbündnisse und Mafiosi jagen den Überlebenden, weil in seinem Gedächtnis alle digitalen Verbindungen der Welt gespeichert sind.

Wie viele Bände es insgesamt werden, ist unklar. Von irgendwo her habe ich die Zahl drei im Kopf, aber bei Bilal weiß man nie. Die Zeichnungen der neuen Serie sind wieder klasse, und spannend ist die Geschichte auch. Inhaltlich hat sie bisher wenig zu bieten, ist aber im Gegensatz zu seiner in jeder Hinsicht langweiligen Animal’z-Trilogie endlich wieder lesenswert – nicht nur für Bilal-Fans.

Enki Bilal: Bug
bislang 2 Bände, 86 / 76 Seiten, gebunden, je 24,- Euro, Carlsen
ISBN 978-3-551-72127-3 (Bd.1)
> Leseprobe