Der Augensammler + Contrapaso

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Zwei rasante neue Krimis bei Splitter. Fangen wir mit Sebastian Fitzeks Augensammler an, den Frank Schmolke in seiner gewohnten Art als Graphic Novel adaptiert hat. Verlagstext: Er tötet deine Frau, er entführt dein Kind, er stellt dir ein Ultimatum. Und erfüllst du es nicht, erweitert er seine grausige Sammlung: Der Serienmörder, den die Boulevardzeitungen den »Augensammler« nennen, hält Berlin in Atem. Die blinde Physiotherapeutin Alina Gregoriev und der abgehalfterte Ex-Polizist Alexander Zorbach sind die einzigen, die eine brauchbare Fährte haben. Und Zorbach steckt bereits tiefer in der Sache, als ihm lieb ist…

Schon Schmolkes Alben Freaks und Trabanten waren fetzig gezeichnet. In dieser Adaption legt er noch eine Schippe drauf. Es jagt den Leser auf der Suche nach dem Frauenmörder über die Seiten, bringt durch das Layout viel Tempo in seine Bilder und sorgt mit einer düsteren Kolorierung für die treffende Atmosphäre. Wenn bei ihm der Fahrstuhl nach unten fährt möchte man mit Sicherheit nicht einsteigen, weil man weiß, dass da nichts Gutes wartet.

Was mich an seinen Alben bislang gestört hat war die meist unnötige Übertreibung der Story. Auch in dieser Geschichte von Fitzek wirkt der Plot am Ende ziemlich konstruiert. Zeichnerisch ist Der Augensammler allerdings mit Sicherheit Schmolkes bisher bestes Album, noch dazu in einem sehr wertig produzierten Band, dessen Vorzugsausgabe (immerhin 1.000 Exemplare) bereits jetzt als verlagsvergriffen gemeldet wird. Wer sich eventuelle Rückläufer sichern möchte, sollte schnell reagieren.

Frank Schmolke, Sebastian Fitzek: Der Augensammler
200 Seiten, gebunden, 35,- Euro, Splitter, ISBN 978-3-96792-177-9
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Auch in Contrapaso geht es um Frauen und verschwundene Kinder. Madrid, Februar 1956. Emilio Sanz ist ein hartgesottener Journalist alter Schule. Selbst die bestialischen Frauenmorde, welche die spanische Hauptstadt seit langem in Atem halten, können ihn nicht erschüttern. Was ihn erschüttert, ist die brutale Zensur der Presse unter dem Franco-Regime, eine Zensur, die er auch mit Ironie, Subversion und Whiskey nicht mehr ertragen kann… Der smarte Léon Lenoir ist trotz seiner Jugend bereits ein bekannter Reporter. Familiäre Gründe führen ihn aus Frankreich zurück in seine alte Heimat Spanien, wo er mit dem Veteranen Sanz zusammenarbeiten soll. Gemeinsam macht sich das ungleiche Duo daran, die Mordserie zu untersuchen. Sie merken jedoch schnell, dass Menschenleben in einem absolutistischen Polizeistaat nicht viel wert sind…

Teresa Valero erzählt in ihrem Album eine erfundene Geschichte. Dabei geht es nicht allgemein um Kinder. Die Kinder der einen bekleckern sich zwar während des Studiums gerne mit revolutionären Sprüchen, machen aber später bei Papa in der Firma Karriere und keine Probleme mehr. Es sind die Kinder der anderen, die mir Kopfschmerzen bereiten, erklärt der vernehmende Polizist Léon, bevor er ihn mit dem Kopf gegen die Wand knallt. Und dann sind da noch die Experimente, die man hinter verschlossenen Türen in angeblichen Heilanstalten mit Frauen anstellt.

Valero lockt den Leser in ihrer komplex aufgebauten Story auf einige falsche Fährten und mischt das Leben im faschistischen Nachkriegsspanien mit einem Thriller, der an Spannung nichts zu wünschen übrig lässt. Dabei sind ihre Zeichnungen so klasse (und Details wie Häuser, Inneneinrichtung, usw. exakt recherchiert), dass man sich fragt, weshalb bislang keine weiteren Alben von ihr in deutscher Übersetzung vorliegen. Aber das kann ja noch werden…

Teresa Valero: Contrapaso – Die Kinder der Anderen
Übersetzung Harald Sachse
152 Seiten, gebunden, 25,- Euro, Splitter, ISBN 978-3-96792-173-1
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