Trabanten

schmolke-trabantenIn diesem Album dreht sich alles um den Konflikt, einerseits nicht wieder in den Knast zu müssen, sich andererseits aber auch nicht von einer Schlägertruppe erwischen zu lassen, die etwas rächen will, für das man nicht verantwortlich ist. Und bei alledem aufzupassen, dass die Schlägertruppe, falls sie einen doch erwischt, nicht auch noch zum Killerkommando wird.

Das jedenfalls ist das Problem von Franz Huber, als er aus dem Knast entlassen wird, wo er wegen Körperverletzung gesessen hat. Denn als er mit seinen Kumpels Paul und Robert seine Freiheit feiert, muss Robert unbedingt bewiesen, was für ein cooler Typ er ist. Er balanciert nicht mehr ganz nüchtern in einem Hochhausrohbau über einen Verbindungsbalken im achtzehnten Stock – unter ihm nur gähnende Leere. Eine Nummer mit tödlichen Ausgang. Das findet Roberts Bruder – ein gewalttätiger Psychopath – gar nicht gut. Er weiß zwar nicht, unter welchen Umständen Robert zu Tode gekommen ist, aber er weiß, wer dabei war. Und die will er sich jetzt kaufen. Paul möchte zur Polizei gehen, um die Todesumstände von Robert aufzuklären und klarzustellen, dass er und Franz keine Schuld daran haben. Franz ist dagegen – er hat Angst, dann wieder in den Knast zu müssen.

Abgesehen davon, dass ich diese Ausgangssituation unlogisch finde – wer muss schon in den Knast, weil jemand bei einem Unfall ums Leben gekommen ist – legt Frank Schmolke hier ein starkes Album vor. Die Geschichte wird spannend erzählt, die Charaktere sind fein ausgearbeitet, und die Schwarzweiß-Bilder sind wirklich klasse. Schmolke zeichnet sehr großformatig – maximal vier Panels pro Seite – und das schwindende Selbstbewusstsein von Franz visualisiert Schmolke, indem er dessen Größe je nach dessen Seelenzustand variiert. Dazu gibt es Reminiszenzen an den US-Expressionisten Jackson Pollock, in dessen abstraktem Werk sich Franz schließlich vollständig verliert. Spannende Story und starke Bilder – wer Geschichten von Baru oder Beltrán mag, wird auch an diesem Album Gefallen finden.

Frank Schmolke: Trabanten
216 Seiten, schwarzweiß, 24,- Euro, Edition Moderne, ISBN 978-3-03731-110-3
> Leseprobe

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2 Gedanken zu “Trabanten

  1. Vielen Dank für die tolle Rezension!
    Bezüglich der Logik: Klar kann man, kurz nachdem man aus dem Knast raus ist, gleich wieder einfahren, wenn man in Verbindung mit einem erneuten Verbrechen steht. Die Panik von Franz wieder eingesperrt zu werden ist für mich wahrscheinlich. Ich habe es halt ein bisschen überspitzt, damit die Story mehr Zug bekommt.
    Trotzdem tolle Kritik! Danke noch mal!

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