Bella Ciao

Das Lied Bella Ciao wird meist als Partisanenlied bezeichnet. Es soll in den 1940er Jahren im Kampf gegen die faschistische Diktatur Mussolinis in Italien entstanden sein. Aber ist das wirklich der Ursprung dieses Stücks? Der Verlag schreibt: Wie ein roter Faden zieht sich das titelgebende Lied durch Barus neues Werk über die Schicksale italienischer Einwanderer in Frankreich vom Ende des 19.Jahrhunderts bis in die heutige Zeit. Die Eindrücke und Erzählungen der Protagonisten mischen sich mit der Familiengeschichte des Autors, dessen Vorfahren sich selbst einst im lothringischen Stahlrevier ansiedelten. Rückblickend schildert der Erzähler stimmungsbetont den Werdegang des Liedes und macht damit geschichtliche Ereignisse und ihre Einflüsse auf menschliche Schicksale verständlich. Sein neues Werk ist für Baru ein Versuch, eine brennende Frage unserer Zeit zu beantworten: Den Preis, den Ausländer zahlen müssen, um nicht mehr Ausländer zu sein und in die Gesellschaft integriert zu werden. Welchen Preis muss ein Fremder zahlen, um ein Teil der Gesellschaft zu werden, in die er einwandert? Und können wir überhaupt an der Universalität dieser Frage zweifeln?

Ein Comic von Baru ist in der Regel immer interessant. Das liegt daran, dass Baru sich mit den sozialen Spannungen beschäftigt, die in einer Gesellschaft aus den gegensätzlichen Interessen von Arbeitern und Unternehmern entstehen. Und mit den Gegensätzen, die zwischen einheimischen und fremden Arbeitern existieren. Wie er das u.a. in seinen Alben Die Sputnik-Jahre, Elende Helden, Schönes neues Jahr oder Bleierne Hitze gemacht hat.

Im jetzt erschienenen ersten Band der Trilogie Bella Ciao geht es nicht nur um die Entstehung des Liedes, sondern auch um Rassismus und Integration. Italiener oder Griechen, die im Laufe der Zeit nach Frankreich oder Deutschland eingewandert sind, sind inzwischen längst Teil unserer Gesellschaft. Aber wie war das, als sie herkamen? In Lothringen jedenfalls waren die Italiener nicht beliebt – die Einheimischen fürchteten, sie würden ihnen die Arbeitsplätze wegnehmen. Baru schildert die Kämpfe, die 1893 zwischen den Italienern und den Franzosen in Aiglies-Mortes stattfanden und entwickelt anhand der Entstehung des Liedes Bella Ciao die Geschichte der Einwanderer. Die Zeichnungen sind klasse wie immer, die Story fällt ein bisschen auseinander und hat bislang wenig Spannung. Kann aber in den Folgebänden besser werden.

Baru: Balle Ciao
136 Seiten, gebunden, 20,- Euro, Edition 52, ISBN 9783948755041
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