Bleierne Hitze + Wieder unterwegs

baru-bleiernehitzeBaru-Fans können sich freuen – es sind gleich zwei neue Alben vom Chronisten des Underdog- und Outsider-Lebens erschienen. Das dynamischere Album ist Bleierne Hitze, das Baru nach einem Krimi von Jean Vautrin gezeichnet hat (1984 als Dog Day – Ein Mann rennt um sein Leben mit Lee Marvin verfilmt). In diesem, in den 1970er Jahren spielenden Thriller befindet sich der Gangster Cobb auf der Flucht, nachdem er mit Freunden einen Geldtransporter geknackt hat. Leider ging die Sache schief, und so sind ihm nicht nur die Bullen, sondern auch diejenigen seiner Freunde auf den Fersen, die den Überfall überlebt haben. Und das aus gutem Grund: Cobb hat die Beute mitgenommen.

Die verbuddelt er auf der Flucht in einem Maisfeld, aber der minderjährige Joachim, der auf einem dem Feld benachbarten Bauernhof lebt, beobachtet ihn dabei. Joachim spielt gerne Gangster. Er hält sich für einen berühmten Mafiosi und kann Wirklichkeit und Fiktion nicht recht unterscheiden. Auch andere Familienmitglieder sind schräg drauf.  Als sie den in ihre Scheune geflüchteten Cobb entdecken, reagieren sie unterschiedlich. Manche erhoffen sich Vorteile, wenn sie ihn nicht verraten. Als zwischen ihnen schließlich ein jahrelang unterdrückter Hass ausbricht, gerät die Situation vollends außer Kontrolle. Hier dient die Krimihandlung als Rahmen für eine bitterböse Sozialstudie.

Top 10 2013Baru, Jean Vautrin: Bleierne Hitze
110 Seiten, 20,- Euro, Edition 52, ISBN 978-3935229883
> Leseprobe
.

baru-wieder-unterwegsIn Wieder unterwegs geht Baru der Frage nach, was aus den Idealen der 1968er-Bewegung geworden ist. Hauptfigur André – die Baru selbst täuschend ähnlich sieht – war damals mit seiner Freundin Edith voll dabei. Sex and Drugs and Rock´n Roll, Politik, Militanz, die obligatorische Asienreise und was sonst noch so angesagt war in den Wirren der folgenden 1970er Jahre – all das haben sie mitgemacht. Ein Vierteljahrhundert später sind sie verheiratet und längst im bürgerlichen Leben angekommen – aber plötzlich ist Edith verschwunden. Niemand weiß, wohin. Hat sie das geregelte Leben nicht mehr ausgehalten?

André geht sie suchen. Diese Suche entwickelt sich zu einem munteren Roadtrip durch Stationen ihres früheren Lebens, bei dem plötzlich auch andere Verfolger auftauchen. Baru lässt die Geschichte mal von André, mal von Edith erzählen und wechselt mehrmals hin und her, wodurch die Geschichte ein bisschen zerfasert. Spannend ist sie trotzdem – und bleibt es bis zum verblüffenden Schluss. Eine Reise in die Vergangenheit mit humoristischen Elementen – wenn auch nicht so stringent erzählt wie Bleierne Hitze.

Zu den Zeichnungen von Baru muss man nichts mehr sagen. Sie sind karikativ überzogen und ausdrucksstark wie immer. Einfach ein Genuss, wie treffend er die verschiedenen Milieus in Bilder packt. Da hat jedes Gesicht eine Geschichte – und meist keine gute.

Baru: Wieder unterwegs
104 Seiten, 20,- Euro, Reprodukt, ISBN 978-3-943143-53-9
> Leseprobe

Advertisements

Kommentieren?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s