Bloody Mary

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Kristina Gehrmann gibt in ihrem neuen Album einen Einblick in das Leben von Mary Tudor (1516 bis 1558). Verlagstext: Mary Tudor war Tochter von Heinrich VIII. und Katharina von Aragon. Bei ihrem Amtsantritt war das Land in desolatem Zustand und Mary war sich sicher, das der Grund die Abkehr vom wahren Glauben, nämlich dem Katholischen, sei. Entsprechend energisch setzte sie sich für die Rekatholisierung ein, aber schnell wurde aus der Lichtgestalt Mary „die Blutige“. Kristina Gehrman schildert das Leben Mary I. von deren Kindheit an, den Druck und die Einschränkungen, mit denen sie aufwuchs. Und auch die furchtlose Frau, die mit allen Mitteln für das kämpfte, was sie als Gerechtigkeit empfand. Dank akribischer Recherche und mit feinem Strich vermittelt Gehrmann einen Blick auf den Menschen Mary Tudor.

Es klingt immer ein bisschen nach Relativierung, wenn versucht wird, Herrscher als Menschen darzustellen: Ja, sie hat Hunderte auf dem Scheiterhaufen verbrennen lassen, aber sie war immer freundlich zur Dienerschaft. Glücklicherweise reduziert Gehrmann ihre Geschichte nicht auf Rosamunde Pilcher-Niveau. Dass sie gut recherchieren kann, hat sie schon mit ihrer Eisland-Trilogie und der Adaption von Upton Sinclais Schlachthof-Roman Der Dschungel bewiesen. So hat sie auch hier viele Hintergrundinformationen zusammengetragen. Politische Intrigen, Sicherung von Herrschafts-Dynastien und natürlich wieder mal die Religion (Katholiken gegen Reformer) – all diese Dinge bilden den Hintergrund, vor dem das Leben von Mary Tudor spielt.

Das allein macht aber noch keine gute Graphic Novel – man könne es auch in Wikipedia nachlesen. Was dieses Album wirklich gut macht, sind die Zeichnungen. Bislang hat Gehrmann Schwarzweiß bevorzugt – mit dem Ergebnis, dass ihre Bilder ziemlich leer wirkten. Die Darstellung von Mensch und Umwelt war immer stimmig, doch es fehlte die Atmosphäre. In diesem Album arbeitet sie erstmals mit Farbe (und beschreibt im Anhang – erfreulich kurz – mit welcher Technik), und das macht einen riesigen Unterschied. Die Kolorierung ist wirklich klasse. Sie leuchtet die einzelnen Szenen dieses Bandes super aus.

Ein bisschen schade ist die Aufteilung: Die arme verstoßene Mary als Opfer dürfen wir über 250 Seiten bedauern – die Zeit, in der sie vom Opfer zur Königin und damit selbst zur Täterin wird handelt Gehrmann auf 70 Seiten ab. Da lugt die Pilcher doch ab und zu um die Ecke. Davon abgesehen ist Bloody Mary sicher das bislang beste Album von Gehrmann und für alle, die sich für historische Stoffe interessieren, empfehlenswert.

Kristina Gehrmann: Bloody Mary – Die Geschichte der Mary Tudor
336 Seiten, gebunden, 28,- Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-79349-2

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