Durango

swolfs-durango17 Traditionelle Western sind meist langweilig. Viel Macho, viele Schurken, viel Geballer, wenig Hirn, edle Rächer, und am Ende reitet John Wayne dem Sonnenuntergang entgegen. Gelegentlich gibt es differenziertere Handlungen, wie beispielsweise in Buddy Longway oder Cartland, aber die Variationsmöglichkeiten sind begrenzt. Wo ein Krimi – der im Prinzip auch einem immergleichen Schema folgt – noch mit aktuellen Themen angereichert werden kann, ist das bei Western schwer möglich. Trotzdem liest man sie gelegentlich ganz gerne.

Eine Serie, bei der es auch keinen Zweifel daran gibt, wer am Ende den Colt zurück in den Halfter steckt, während die anderen Akteure ein Fall für den Leichenbestatter sind, ist Durango. Yves Swolfs (Der Prinz der Nacht) hat die Reihe in den 1980er Jahren ins Leben gerufen, und liefert bis heute regelmäßig Nachschub. Dabei orientiert er sich nicht an US-Filmen, sondern an den Italo-Western von Sergio Leone und Corbucci. Da geht es eine Spur rauer zu, was dem Charakter des lakonischen Durango – natürlich ein Revolverheld – nur zugute kommt.

Swolfs geht aber noch weiter. Er orientiert sich nicht nur an den Filmen der Italiener – er klaut ihnen auch das Personal. Bereits im ersten Band der Reihe hat er die Rolle des Oberfieslings mit Klaus Kinski besetzt, während im aktuellen Band 17 Henry Fonda als Kopf einer Gangsterbande so finster aus der Wäsche guckt wie in Spiel mir das Lied vom Tod.

Der Splitter-Verlag hat sich der Reihe jetzt angenommen. Neben dem aktuellen Band 17 ist für Januar der erste Band einer Gesamtausgabe angekündigt, die die ersten drei Alben der Serie enthalten soll. Die sind noch von Swolfs persönlich gezeichnet, was mir einen Tick besser gefällt als die Zeichnungen von Iko mit der Kolorierung von Stéphane Paitera im vorliegenden Album. Sie kommen dem Original aber ziemlich nahe.

Iko, Yves Swolfs: Durango 17: Jessie
48 Seiten, gebunden, 14,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-459-9
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Update 14.12.16: Der erste Band der Gesamtausgabe ist da. Wie immer bei Splitter solide produziert. Unüblich für Splitter ist dagegen, dass der Band keinerlei Bonusmaterial enthält. Das liegt wiederum nicht am Verlag, sondern an den Lizenzgebern. Für die weiteren Ausgaben will Splitter versuchen, doch noch das ein oder Kleinod dazupacken zu können.

Yves Swolfs: Durango (GA 1)
144 Seiten, gebunden, Splitter, 29,80 Euro, ISBN 978-3-95839-454-4
> Leseprobe

Update 1.7.17: Band 2 der GA ist da – in gleicher Ausstattung und gleicher Qualität. Er enthält die Bände Amos, Wilde Sierra und Das Schicksal des Desperados.

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