Irokesen

prugne-irokesenAus dem Verlagstext: Der neue Prugne: Nach einer wahren Begebenheit. Um 1600 ist es den Franzosen endlich gelungen, erstmals in Nordamerika dauerhaft Fuß zu fassen. Dem rauen Klima und der schlechten Versorgungslage zum Trotz, lassen sie sich im Bereich des heutigen Kanada nieder, um das zu gründen, was einmal »Neu-Frankreich« werden soll. Vor allem Samuel de Champlain, Forscher und Abenteurer, ist im Namen der Krone treibende Kraft bei diesen Kolonialisierungsversuchen. Nach dem Abstecher auf den Montmartre wendet Prugne sich nun wieder der Neuen Welt zu, und nachdem er bereits in »Frenchman« und »Pawnee« einen bedrückenden Abgesang auf das französische Abenteuer in Amerika vorgelegt hat, widmet er sich nun dessen Anfängen.

Ja, das tut er, und wie gewohnt tut er das in wunderhübschen Bildern und Landschaftszeichnungen. So gesehen also ein typischer Prugne, auf dessen Erscheinen man sich lange im Voraus freut. Leider hinkt die Qualität der Story der der Zeichnungen um einiges hinterher. Waren in Canoe Bay, Frenchman oder der Herberge am Ende der Welt nicht nur tolle Bilder, sondern auch jede Menge Spannung garantiert, konnte schon in Pawnee und den Straßenkindern von Montmarte von echter Spannung keine Rede mehr sein. Und auch die Geschichte dieses Albums plätschert eher gemächlich vor sich hin. Man hat das Gefühl, aus einigen seiner Figuren hätte er mehr machen können.

Natürlich kann man Irokesen trotzdem lesen. Vor allem der Bilder wegen (wie immer gibt es auch einen Anhang mit vielen Skizzen). Aber vielleicht sollte sich Prugne mal wieder mit einem guten Szenaristen zusammentun. In Canoe Bay hat das mit Tiburce Oger ja gut geklappt.

Patrick Prugne: Irokesen
104 Seiten, gebunden, 22,80 Euro, Splitter ISBN 978-3-95839-542-8
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Ulysses 1781

hérenguel-ulyssesMal wieder eine Abenteuer-Geschichte von Xavier Dorison (Long John Silver, Undertaker), diesmal gezeichnet von Eric Hérenguel (Silbermond über Providence) – wobei es hier noch etwas düsterer zugeht als in Silbermond. Die Story läuft über zwei Bände, die inzwischen beide erschienen sind, und ist in sich abgeschlossen. Man bekommt also eine sehr kompakte Geschichte und muss nicht auf die Fortsetzungen warten.

Warten muss allerdings Lady McHendricks, und zwar auf ihren Mann, seines Zeichens Captain im amerikanischen Unabhängigkeitskrieg anno 1781, und als solcher damit beschäftigt, die Feinde niederzumetzeln. Das sind in dem Fall die Engländer. Ein paar versprengte Truppen von ihnen haben sich aber ausgerechnet McHendricks´ Dorf ausgesucht, um vor ihrem Abgang die Bevölkerung noch ein bisschen tyrannisieren zu können. Da ist es dumm, dass der Captain gerade anderswo beschäftigt ist.

Als er davon erfährt und nachhause will, um seinem Dorf beistehen zu können, geräte er mit seinen Leuten in einen Hinterhalt der Indianer. Was nicht das Schlimmste ist. Das Schlimmste ist ein Wesen namens One-Eye – ziemlich groß und noch dazu eine Art Sohn der Götter. Der hat seine eigenen Vorstellungen vom Gang der Dinge. Insgesamt enthält die Geschichte nichts, was man nicht auch anderswo schon ähnlich gelesen hätte, aber sie wird spannend erzählt und ist mit so ziemlich allen Elementen gespickt, die eine flotte Abenteuerstory braucht. Auch die Zeichnungen sind besser als der Durchschnitt.

Eric Hérenguel, Xavier Dorison: Ulysses 1781 (Band 1 + 2)
je 56 Seiten, gebunden, 14,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-250-2
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Durango

swolfs-durango17 Traditionelle Western sind meist langweilig. Viel Macho, viele Schurken, viel Geballer, wenig Hirn, edle Rächer, und am Ende reitet John Wayne dem Sonnenuntergang entgegen. Gelegentlich gibt es differenziertere Handlungen, wie beispielsweise in Buddy Longway oder Cartland, aber die Variationsmöglichkeiten sind begrenzt. Wo ein Krimi – der im Prinzip auch einem immergleichen Schema folgt – noch mit aktuellen Themen angereichert werden kann, ist das bei Western schwer möglich. Trotzdem liest man sie gelegentlich ganz gerne.

Eine Serie, bei der es auch keinen Zweifel daran gibt, wer am Ende den Colt zurück in den Halfter steckt, während die anderen Akteure ein Fall für den Leichenbestatter sind, ist Durango. Yves Swolfs (Der Prinz der Nacht) hat die Reihe in den 1980er Jahren ins Leben gerufen, und liefert bis heute regelmäßig Nachschub. Dabei orientiert er sich nicht an US-Filmen, sondern an den Italo-Western von Sergio Leone und Corbucci. Da geht es eine Spur rauer zu, was dem Charakter des lakonischen Durango – natürlich ein Revolverheld – nur zugute kommt.

Swolfs geht aber noch weiter. Er orientiert sich nicht nur an den Filmen der Italiener – er klaut ihnen auch das Personal. Bereits im ersten Band der Reihe hat er die Rolle des Oberfieslings mit Klaus Kinski besetzt, während im aktuellen Band 17 Henry Fonda als Kopf einer Gangsterbande so finster aus der Wäsche guckt wie in Spiel mir das Lied vom Tod.

Der Splitter-Verlag hat sich der Reihe jetzt angenommen. Neben dem aktuellen Band 17 ist für Januar der erste Band einer Gesamtausgabe angekündigt, die die ersten drei Alben der Serie enthalten soll. Die sind noch von Swolfs persönlich gezeichnet, was mir einen Tick besser gefällt als die Zeichnungen von Iko mit der Kolorierung von Stéphane Paitera im vorliegenden Album. Sie kommen dem Original aber ziemlich nahe.

Iko, Yves Swolfs: Durango 17: Jessie
48 Seiten, gebunden, 14,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-459-9
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Update 14.12.16: Der erste Band der Gesamtausgabe ist da. Wie immer bei Splitter solide produziert. Unüblich für Splitter ist dagegen, dass der Band keinerlei Bonusmaterial enthält. Das liegt wiederum nicht am Verlag, sondern an den Lizenzgebern. Für die weiteren Ausgaben will Splitter versuchen, doch noch das ein oder Kleinod dazupacken zu können.

Yves Swolfs: Durango (GA 1)
144 Seiten, gebunden, Splitter, 29,80 Euro, ISBN 978-3-95839-454-4
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Update 1.7.17: Band 2 der GA ist da – in gleicher Ausstattung und gleicher Qualität. Er enthält die Bände Amos, Wilde Sierra und Das Schicksal des Desperados.