Die drei Leben der Hannah Arendt

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Hannah Arendt: streitbare Jahrhundertdenkerin, zu früh, zu wütend, auf so einschüchternde Weise klug, zu jüdisch, nicht jüdisch genug. 1933 floh sie aus Nazi-Deutschland ins Exil, über Tschechien, Italien und die Schweiz zunächst nach Paris. Später dann in die USA. Von dort aus avancierte sie zu einer der großen Ikonen unserer Zeit. ›Die drei Leben der Hannah Arendt skizziert rasant und liebevoll ihren Lebensweg. So weit der Verlagstext.

Das erste, was fasziniert, wenn man dieses Album aufschlägt, sind die Zeichnungen. Sie wirken mehr flüchtig hingescribbelt, als akkurat per Linie gezogen, und das macht sie ungeheuer lebendig. Der US-Amerikaner Ken Krimstein, dessen Cartoons u.a. im New Yorker und Punch erscheinen, beschränkt sich dabei komplett auf Schwarzweiß. Nur die Arendt kleidet er konsequent in Grün – was ihr ausgezeichnet steht. Auch mit Hintergründen hat er es nicht so. Wenn doch, verlieren sie sich meist irgendwo im Nirgendwo. Das kommt alles in allem echt klasse.

Das Album bietet keine typische Biografie von A bis Z. Krimstein schreibt dazu im Nachwort: Mein Ziel war, die Entstehung von Hannah Arendts Ideen durch die Konfrontation ihrer starken Persönlichkeit mit den tumultartigen Ereignissen ihres Lebens sichtbar zu machen. Für die Darstellung ihrer Lebensgeschichte folgte ich der historischen Chronologie, verwob diese mit den Menschen, die sie kannte, und konzentrierte mich auf die Herausforderungen, denen sie sich stellen musste.

Von denen es nicht wenige gab – nicht zuletzt ihr seltsames Verhältnis zu Martin Heidegger. Durch diese Herangehensweise ist es allerdings mehr ein Band für Leser geworden, die mit der Geschichte Arendts halbwegs vertraut sind, und deren Leben mal aus dieser Perspektive sehen möchten. Das ist gut gemacht, und auch an Spannung mangelt es nicht. Für Langeweile hat Arendt einfach in der falschen Zeit gelebt (und die falsche Religion gehabt). Manches wird ein bisschen kurz abgehandelt. Zum Beispiel die Auseinandersetzung über den Eichmann-Prozess und die Banalität des Bösen. Aber das kann ja auch dazu anregen, Arendt mal wieder im Original zu lesen.

Top 10 2019  Ken Krimstein: Die drei Leben der Hannah Arendt
244 Seiten, 16,90 Euro, dtv, ISBN 978-3-423-28208-6
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