Eine außergewöhnliche Reise

camboni-eine-aussergewoehnliche-reiseWenn man einmal davon absieht, dass das Cover in einem – für meinen Geschmack – grottenhässlichen Rot gestaltet wurde, und wenn man weiterhin davon absieht, dass die Hauptpersonen – zwei Kinder – eher reden, denken und handeln wie Erwachsene, wenn man von diesen beiden Punkten absieht, dann ist dieses Album wirklich klasse. Filippi, der schon die zwei bei Ehapa erschienenen Fantasy-Bände Das Buch von Jack und Das Buch von Sam geschrieben hat, erzählt hier die Geschichte von Noemie und Emilien. Die beiden technikbegeisterten Cousins lieben ihre Unabhängigkeit und beschäftigen sich in ihrer Freizeit mit allerlei ungewöhnlichen Experimenten. Sie leben seit Jahren in einem Internat, denn ihre Eltern haben zwar viel Geld, aber keine Zeit. Allerdings ist das Leben im Internat nicht unangenehm – sie wohnen in einem ziemlich abgefahrenen Baumhaus.

Als sie nach sieben Jahren auf den elterlichen Gutshof zurückkehren, ist der Vater von Emilien verschwunden. Schnell wird klar, dass er entführt wurde. Wahrscheinlich von Konstrukteuren, die ebenso wie er an dem demnächst stattfindenden Jules Verne-Wettbewerb teilnehmen wollen. Emiliens Vater hat dafür ein Gefährt konstruiert, das fliegen, fahren und schwimmen kann. Die Konkurrenz befürchtet wohl, dass er damit den ersten Preis gewinnen könnte.

Um Emiliens Vater zu finden, begeben sich die Kids auf eine abenteuerliche Reise. Die Geschichte spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts, und so tummeln sich auch allerlei Spione auf den Seiten, denn es herrscht Krieg in Europa, und an moderner Technik sind alle interessiert. Was hier an ungewöhnlichen  Fortbewegungsmitteln, unterseeischen Tunnelsystemen und gigantischen Killerrobotern zu sehen ist, zeigt, dass es den Machern dieses Albums an Fantasie nicht mangelt. Die Zeichnungen von Camboni sind sehr detailfreudig, und die farbenfrohe Kolorierung von Yvan gibt der Geschichte einen hellen, warmen Anstrich. Jules Verne goes Steampunk – eine originelle Idee, deren Umsetzung sich sehen lassen kann.

Silvio Camboni, Denis-Pierre Filippi: Eine außergewöhnliche Reise
152 Seiten, gebunden, 29,95 Euro, Toonfish, ISBN 978-3-95839-900-6
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Schmetterlingsnetzwerk

Es gibt Tage, da hat man einfach Pech. Als Mücke und Eustache vom Untergrund-Kartell Schmetterlingsnetzwerk bei Baron Guillaume Bernard de Harcourd einbrechen, finden sie im Tresor nur ein paar kleine Scheine, eine Filmrolle und ein Notizbuch. Ärgerlich – wo es doch hieß, der Baron sei einer der reichsten Männer der Gegend.

Die Mühe scheint sich also nicht gelohnt zu haben. Bis Mücke sich die Filmrolle ansieht. Anscheinend wurden Frauen zu SM-Spielen geladen und dabei ermordet. Irgendjemand hat es gefilmt. Und anscheinend sind bekannte Persönlichkeiten darin verwickelt. Also machen sich Mücke und Eustache auf den Weg zum BOA. Das BOA ist eine Mischung aus Club und Bordell, in dessen Hinterzimmer Eustache die Filmvorführungen der SM-Streifen vermutet. Und richtig: Vor geladenen Gästen werden echte Splatterfilme gezeigt. Die Leichen am Schluss des Films sind echt. Als Mücke und Eustache versuchen, die Filmemacher zu erpressen, geraten sie selber auf die Abschussliste.

Es ist ein konventioneller Krimi, den die Autoren hier abliefern. Allerdings ist er spannend erzählt, und die Zeichnungen zeigen eigenen, durchaus originellen Stil. Das Ambiente dieses Steampunk-Albums erinnert an das 19. Jahrhundert. Cécil zaubert hier streckenweise starke Bilder auf die Seiten – manche erinnern ein bisschen an Boucq. Eine Trilogie für Freunde von Krimi- und Abenteuerserien, und natürlich für Steampunk-Fans, die sich – vor allem wegen dem Artwork – von der Masse sonstiger Krimiserien klar abhebt. Die ersten zwei Bände gab es 2001 und 2003 bei Arboris. Bei Splitter liegt die Trilogie jetzt komplett vor.

Cécil, Éric Corbeyran: Schmetterlingsnetzwerk
je 48 Seiten, gebunden, 13,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-86869-286-0 (Bd. 1)
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