Ich bezahle für Sex

Chester Brown reflektiert in diesem Album seine Besuche bei Prostituierten. Eines Tages macht seine langjährige Freundin mit ihm Schluss, weil sie sich in einen anderen verliebt hat. Das findet er zu seiner eigenen Überraschung gar nicht schlimm. Er genießt es, mit ihr weiterhin befreundet zu sein, aber keinen Beziehungsstress mehr zu haben. Doch eins fehlt ihm auf Dauer – der Sex.

Irgendwann kommt er auf die Idee, eine Prostituierte anzurufen. Es bleibt nicht bei dem einen Mal. Manche sieht er öfter, von anderen hat er schnell genug. Und immer wieder diskutiert er mit seinen Freunden darüber. Die stehen seinem Freiertum kritisch gegenüber. Er versucht zu erklären und zu legitimieren – und wohl auch für sich selbst rauszufinden, was okay ist und was nicht. Aber während seine frühen Arbeiten wie Ed the Happy Clown, die Playboy-Stories oder Fuck viel Gefühl und Emotion transportierten, bleibt hier alles nüchtern, sachlich und distanziert. Man sieht die Gesichter der Frauen in keiner einzigen Szene, und auch sein eigener Gesichtsausdruck bleibt konsequent statisch. Emotionen kommen hier nur noch verbalisiert vor.

Dabei hat man immer das Gefühl, dass er mit seinen Argumentationsketten nicht den Leser, sondern vor allem sich selbst überzeugen will. Das zeigt sich auch daran, dass das Buch zwei Vorworte (eins von ihm, eins von Crumb) und sage und schreibe 90 Seiten Anhang hat, in dem er sich mit Argumenten der Prostitutionskritiker auseinandersetzt (Käuflichkeit, Gewalt, Selbstachtung…).

Es ist kein durchweg schlechtes Album. Aber es ist wenig unterhaltend und kommt an die Intensität seiner früheren Arbeiten nicht ran. Die Zeichnungen sind winzig und bieten wenig Abwechslung. Und als Diskussionsgrundlage über das Thema Prostitution, beziehungsweise – und darum geht es ihm im Grunde – darüber, wie man Sex ohne Eifersucht und Besitzanspruch leben kann, bleibt es zu sehr an der Oberfläche. Es scheint, als hätte Brown dieses Album mehr für sich selbst, als für andere gemacht.

Chester Brown: Ich bezahle für Sex
336 Seiten, schwarzweiß, gebunden, 22,95 Euro, Walde + Graf,
ISBN 978-3-03774-045-3