Blue Note

bourgouin-blue-noteMan kann unterhaltsame Fantasy-Comics zeichnen, spannende Western schreiben, sexy Erotikalben auflegen, aber am Ende geht doch nichts über eine gute Geschichte. Eine gute Geschichte ist genreübergreifend – man kann sie überall finden. Die besten sind die, die kein Genre nötig haben, weil sie aus sich selbst heraus wirken. Blue Note – Die letzten Stunden der Prohibition ist so eine Geschichte.

USA, 1933. Im angesagtesten Club einer Großstadt bereitet man sich auf das Ende der Prohibition vor. In einem Monat soll das Alkoholverbot aufgehoben werden. Schade, denn Club-Besitzer Vincenzo hat gut vom Schmuggel gelebt. Er hat Politiker bestochen, Polizisten und Staatsanwälte geschmiert und ist zu einem der einflussreichsten Männer der Stadt geworden. Mit dem Ende des Alkoholverbots wird sich das ändern. Dann kann jeder eine Kneipe aufmachen, und Vincenzo wird nicht mehr gebraucht.

Zur gleichen Zeit versucht der ehemalige Profiboxer Jack Doyle sein Comeback. Eigentlich hat er keine Lust, aber im Hintergrund ziehen Gestalten die Fäden, die es nicht witzig finden, wenn man ihnen die Geschäfte vermasselt. Dann ist da noch Ray Jameson, ein junger Bluesmusiker, der in Vincenzos Club Karriere machen will. Doch die Konkurrenz ist nicht zimperlich und schreckt auch vor gebrochenen Fingern nicht zurück. All das vermischen Mariolle und Bourgouin zu einer Story, die viel quirlige, jazzige 30er Jahre-Atmosphäre transportiert.

Das I-Tüpfelchen setzt Bourgouin mit seinen Zeichnungen. Blues und Jazz leben von Improvisation. Gute Zeichnungen auch. Bourgouin hat es wunderbar drauf, auf einer Seite zwischen klar akzentuierten Bildern seine Stifte plötzlich wild über die Panels jammen zu lassen und damit sprühendes Leben in die Bude zu bringen. Das war schon in seinem genialen Album Codex Angélique so, und ist in Blue Note nicht anders. Möglicherweise nicht jedermanns Geschmack, aber wer schwarze Krimis aus dieser Zeit mag, wird dieses Album lieben. Stark und echt wie ein guter Blues, und rundum erstklassig gezeichnet. Bitte mehr von diesem Zeichner.

Mickaël Bourgouin, Mathieu Mariolle: Blue Note
144 Seiten, gebunden, 24,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-95839-134-5
> Leseprobe

Advertisements

Blackjack

Schon mit seiner Huck-Finn-Adaption O’Boys hat Cuzor gezeigt, dass er ein Händchen für soziale Themen und historische Stoffe hat. In seiner neuen Serie Blackjack, die auf vier Bände angelegt ist, versetzt er den Leser in die 30er Jahre des vorigen Jahrhunderts. Die Wirtschaftskrise ist auf dem Höhepunkt, die Inflation steigt mit der Arbeitslosigkeit um die Wette, Jobs sind ebenso Mangelware wie Alkohol, in den Staaten ist die Prohibition in Kraft, und Al Capone verdient sich mit geschmuggeltem Selbstgebrannten eine goldene Nase.

Dummerweise ist gerade das Finanzamt hinter ihm her. Steuerhinterziehung heißt die Anklage. Deshalb bunkert Capone sicherheitshalber vier Millionen Dollar bei seinem Freund Toto Moreno. Da wären sie auch gut aufgehoben – gäbe es nicht eine Straßenkindergang,  die ihm dabei in Quere kommt. Unfreiwillig natürlich – denn wer will sich schon mit Al Capone anlegen. Sehr schnell müssen Alfonso, Laura, Vitto, Kröte und Peanuts sehen, wie sie die Mafiatypen aus Brooklyn los werden, die ihnen auf den Fersen sind.

Die Bilder von Cuzor erinnern an den Stil von Loisel. Bereits die erste Seite ist identisch mit der heranzoomenden Kamerafahrt auf Seite eins von Loisels Peter Pan. Es ist aber nicht nur ein stark gezeichneter, spannender Krimi, den Cuzor hier abliefert. Auch der soziale Hintergrund seiner Figuren bleibt immer präsent. Eine Serie, die ein bisschen an die Atmosphäre in Sergio Leones Filmklassiker Es war einmal in Amerika erinnert und die vier Bände umfassen soll.

Update 28.6.2012: Band 4 ist da – die Serie damit abgeschlossen. Cuzor hält das Niveau des ersten Bandes und schafft es tatsächlich, die Atmosphäre von Loisels Peter Pan und Leones Es war einmal in Amerika harmonisch miteinander zu verbinden. Eine gut gezeichnete, spannende, und streckenweise amüsante Gangster-Ballade, die sich süffig lesen lässt.

Steve Cuzor: Blackjack
48 Seiten, gebunden, 13,80 Euro, Splitter, ISBN  978-3-86869-248-8 (Band 1)
> Leseprobe (Band 1)