Reise zum Kerguelen-Archipel

Emmanuel Lepage ist ein klasse Zeichner. Was mir an seinen Alben wie Muchacho oder Oh diese Mädchen weniger gefallen hat, war das Kleinklein der Panels. Man hatte immer das Gefühl, seine Bilder haben nicht den Raum, den sie brauchen, um wirken zu können. In diesem Band ist das anders. Der ist nicht in Book-, sondern in Albenformat erschienen. Da ist Platz für großformatige Motive. Außerdem arbeitet Lepage zwar mit der konventionellen Comic-Panelstruktur. Er unterbricht sie hier aber immer wieder.

Die Story an sich wird in Schwarzweiß erzählt. Die Rückblenden, mit denen er historische Hintergründe einbindet, sind durchgehend in warmen Brauntönen gezeichnet. Dazu kommen vierfarbige Aquarelle, die als Einzelansichten in die Geschichte montiert wurden: Gesichter, Landschaften, Stimmungen. Wenn man den Band flüchtig durchblättert, wirkt das fahrig und wahllos. Wenn man den Band durchliest, fügt sich eins ganz wunderbar zum anderen. Da wird oft schon das Layout einer Seite zum Genuss. Und Motive, die es wert waren, in Szene gesetzt zu werden, gab es auf seiner Reise genug.

Lepage hat sich den Wunsch erfüllt, die französischen Antarktisgebiete an Bord eines Forschungsschiffes zu bereisen. Vier Wochen war er mit einem Team von Forschern und Wissenschaftlern unterwegs, machte Station auf Pinguin- und Robbeninseln, mühte sich gegen Seekrankheit und eiskalte Stürme. Die Teams mussten die weit verstreuten Posten auf den abgelegenen Inseln am Ende der Welt mit Nahrung, Treibstoff und Technik versorgen. Ein schwieriger und sehr wetterabhängiger Job – nicht selten lebensgefährlich.

Lepage setzt die Impressionen seiner Reise in großartige Bilder um. Und hat einiges zu erzählen. Ein Album, das durch seine ausgetüftelte grafische Struktur eine sehr eigene Poesie entwickelt. Wunderschön.

Top 10 2012

Emmanuel Lepage: Reise zum Kerguelen-Archipel
160 Seiten, gebunden, 29,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-86869-492-5
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Hier ein kleines Video, das die Leute von Comics & Graphics gemacht haben.