Kraa

Irgendwo im Nirgendwo zwischen Alaska und Sibirien leben ein paar Indianer in einem abgelegenen Tal. Ansonsten ist die Landschaft unberührt. Das ändert sich, als Rohstoffvorkommen entdeckt werden. Um die zu erschließen braucht man keine Indianer, sondern Minen, Städte und Staudämme. Die einen müssen also weg, alles andere muss her.

Was die Wahl der Mittel angeht, sind die Vertreter der Zivilisation unterschiedlicher Meinung. Die einen glauben an Gesetze, andere an Gewehre. Letztere setzen sich durch. Sie haben die Rechnung ohne Yuma gemacht. Das Kind eines Schamanen ist telepathisch mit einem Adler verbunden. Als eine Gruppe von Weißen ein Massaker unter den Indianern anrichtet, beginnen sie, ihr Tal zu verteidigen. Und erledigen das ziemlich gnadenlos.

Nachdem seine Canardo-Alben zunehmend an Originalität verlieren, legt Sokal hier eine rundum starke Trilogie vor, die inzwischen komplett erschienen ist. Überzeugende Charaktere, tolle Landschaften und viel, viel Raum für die Bilder. In den Hintergründen mal ein Hauch Bilal, mal auch Loisel, hauptsächlich erinnern Gesichter und Mimik aber an die Figuren aus Canardo. Eine Serie mit viel Atmosphäre – spannend zu lesen, wunderschön bebildert, und obwohl es hier um Schamanismus und damit auch ein bisschen um Mystik geht, ist die Reihe weit entfernt von jeglichem Esoterik-Geschwurbel. Hier ist alles sehr geerdet. Wer Indianer-, Abenteuergeschichten oder einfach nur Comics mit einer klasse erzählten Story mag, sollte hier mal reinsehen.

Benoît Sokal: Kraa
je Band  64 -96 Seiten, gebunden, 14,80 – 19,80 Euro, Splitter,
ISBN 978-3-86869-209-9 (Band 1)
> Leseprobe (Band 1)

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Cartland

blanc-dumont-cartlandWestern-Comics gibt es viele. Zu den Klassikern des Genres, wie Jerry Spring, Blueberry oder Comanche, gehört auch die in den 1970er Jahren entstandene Reihe Jonathan Cartland. Im Unterschied zu anderen Serien zeichnet sie sich vor allem durch eine realistische Betrachtung des Verhältnisses der Siedler zu den Indianern aus. Cartland ist ein Trapper, der seinen Lebensunterhalt durch Fallenstellen verdient und mit einer Sioux-Indianerin verheiratet ist (die allerdings bald ermordet wird).

Das hier so genau auf Tradition und Riten der Indianer eingegangen werden kann, liegt daran, dass Zeichner Michel Blanc-Dumont ein Pferdenarr war, und die Besitzer des Ladens, in dem er sich mit Reitutensilien eindeckte, mit Kleidung und Gebrauchsgegenständen der nordamerikanischen Indianer handelten. Sie importierten die Sachen aus den USA und belieferten die heimische Filmindustrie mit Requisiten. Lawrence Harlé, die Frau des Besitzers, hatte sich intensiv mit indianischer Kultur beschäftigt. Sie übernahm es, die Szenarien für Blanc-Dumont zu schreiben.

Diese Informationen (und viele mehr) kann man dem Anhang entnehmen, mit dem Splitter diesen ersten Integral der Reihe ausgestattet hat. Das Album enthält vier der insgesamt zehn Cartland-Bände, ist in gewohnt solider Splitter-Qualität produziert und mit umfangreichen Zusatzseiten ausgestattet worden. Ein Prachtband für Western-Fans. Der zweite Band folgt im Oktober, der dritte und abschließende ist für Februar/April 2014 geplant.

Michel Blanc-Dumont, Lawrence Harlé: Cartland (Integral 1)
208 Seiten, gebunden, 36,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-86869-508-3
> Leseprobe

Im Bann der Hexer

Wenn man sich die Website von Florian Biege ansieht, entdeckt man Illustrationen, die irgendwo im konventionellen Fantasy-Bereich angesiedelt sind. Es mag bei Auftragsarbeiten auch den Vorgaben des Auftraggebers geschuldet sein – das Gefühl von Originalität und Eigenständigkeit will nicht recht aufkommen. Umso erstaunlicher ist das Artwork dieses Albums, das einen wirklich vom Hocker haut. Wer bisher der Meinung war, computerentwickelte Grafik sei seelenlos, wird hier eines Besseren belehrt. Was Biege da in Photoshop mit seiner graustufigen Maltechnik mit strukturierten Pinseln an Atmosphäre rüber bringt, ist einfach nur geil. Von der Art her vielleicht am besten mit Cromwells Der letzte Mohikaner vergleichbar, obwohl Im Bann der Hexer durchgehend schwarzweiß gezeichnet ist.

Auch hier dreht es sich um Indianer. Alexander Berger erzählt eine Sage der Irokesen. Über einem ihrer Dörfer liegt ein Fluch. Die Menschen sind apathisch, leben lustlos vor sich hin und irgendwie aneinander vorbei. Jeder Schwung, jede Freude, jede Begeisterung fehlt. Zudem liegt Hiawatha, einer ihrer wichtigsten Krieger, im Sterben. Nur die Hexer können helfen. Doch die fordern als Gegenleistung das Leben von Hiawathas Schwester. Ein spannendes, und vor allem superstark gezeichnetes, atmosphärisch dichtes Album, an dem man sich schwer satt sehen kann. Bitte mehr davon.

Florian Biege, Alexander Berger: Im Bann der Hexer
64 Seiten, gebunden, sw, 13,99 Euro, Ehapa, ISBN 978-3-7704-3486-2
> Leseprobe