Donjon Zenit 7 + Donjon Antipoden -10.000

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Es gibt Serien, die kauft man oft nur noch, weil man die Figuren mag, obwohl die Story selbst immer dünner wird. Den Machern fällt nicht mehr viel ein – aber wer ist schon in der Lage, sich Band für Band neue und originelle Geschichten auszudenken. Nein, auch Joann Sfar und Lewis Trondheim nicht, denn mit ihrem Donjon ist es bald ähnlich. Man freut sich auf neue Ausgaben, muss aber feststellen, dass längst nicht mehr alle Bände so unterhaltsam sind wie ihre Vorgänger. Dazu kommt, dass die beiden immer neue Nebenreihen eröffnen: Morgengrauen, Abenddämmerung, Parade, Monster, und inzwischen auch noch Antipoden.

Jetzt liegen zwei neue Alben vor. Zunächst aus der Reihe Donjon Zenit (Band 7: Jenseits der Mauern). Verlagstext: Der Donjon ist in die Hände von Guillaume de la Cour gefallen. Um ihn zurückzuerobern, gibt es einen einfachen Plan: Marvin, Isis und Herbert müssen Rotterpilze finden, die Fels zu Staub zerfallen lassen, um damit die derzeitigen Bewohner der Festung zu vertreiben. Hier gibt es also ein Wiedersehen mit Marvin, Isis und Herbert, was im Grunde ein klares Kaufargument für dieses Album ist. Zudem ist Marvin verliebt, und zwar in Prisunde. Allerdings bringt er es nicht fertig, ihr seine Liebe zu gestehen. Kann man lesen, gibt aber im Gegensatz zu vielen anderen Bänden der Reihe als Einzelband nichts her, ist also nur für Kenner der Serie interessant.

Boulet, Joann Sfar, Lewis Trondheim: Donjon 7 (Jenseits der Mauern)
48 Seiten, 13,- Euro, Reprodukt, ISBN 978-3-95640-229-6
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Die neue Nebenserie Antipoden startet mit dem Titel Die Armee des Schädels, der die Nummer -10.000 trägt. Der Verlag schreibt: Die fortdauernden Kriege zwischen Elfen und Orks hinterlassen nur wenige Überlebende. Allein auf dem Schlachtfeld trauert der Hund eines Orks um das Verschwinden seines Herrn. Aber die Verzweiflung ist von kurzer Dauer. Er trifft auf ein Tier, das dazu bestimmt ist, sein Feind zu sein: einen gut ausgebildeten Elfenhund mit Schleifchen im Fell und hängender Zunge. Um in der Wildnis zu überleben, müssen sich diese ungleichen Partner zusammenschließen…

Was passiert? Es gibt die üblichen Verfolgungsjagden und Gemetzel, und ja: Der Gegensatz zwischen dem grobschlächtigen Ork-Hund und der filigraneren Elfen-Version stellt einen schönen Kontrast dar. Wirklich witzig ist das aber nicht – die Geschichte kalauert so vor sich hin. Schön sind allerdings die Zeichnungen von Grégory Panaccione, der bereits Lupanos wunderbaren Ozean der Liebe bebildert hat. Schön ist auch, dass man dieses Album durchaus als in sich abgeschlossenen Einzelband lesen kann. Insgesamt entsteht aber der Eindruck, dass Sfar und Trondheim die wirklich guten Ideen für diese kultige Serien langsam ausgehen. Wäre schade, wenn es so bliebe. Da wäre weniger wirklich mehr.

Panaccione, Sfar, Trondheim: Donjon Antipoden (Die Armee des Schädels)
48 Seiten, 13,- Euro, Reprodukt, ISBN 978-3-95640-230-2
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Grönland Odyssee

tanquerelle-groenland-odysseLust auf ein paar wirklich gute Geschichten? Hier kommen sie. Verlagstext: Aus dem Eis Grönlands, in dem er 16 Jahre lang gelebt hat, erzählt Jørn Riel die köstlichen Geschichten einer Truppe fröhlicher Burschen, Jäger und Fallensteller, Drecksäcke oder Schriftsteller ohne Bleistift, um nur einige seiner Charaktere zu benennen. Sie alle eint die Sehnsucht nach dem im Packeis am meisten vermissten Wesen: einer Frau. „Ja was zum Teufel soll man machen, wenn das nächste leichte Mädchen Tausende von Kilometern weit weg ist?“ „Zuerst ziehst du die Hose aus, hab ich ihm gesagt, und dann rennst du gegen den Südostwind an, so gut du kannst. Danach ist wieder alles im Lot.“ So reihen sich die vom arktischen Wind getragenen verrückten Abenteuer und absurden Erfahrungen aneinander und werden zu wärmenden Geschichten die sogar Eisberge zum schmelzen bringen!

Eigentlich erscheint dieses Album zur völlig falschen Jahreszeit. Herbst und Winter hätten besser zu einem Album gepasst, in dem sich alles um Eisberge, Eisbären, kauzige alte Männer und um Geschichten dreht, die man sich in langen dunklen Polarnächten in einsam gelegenen Hütten beim Schein der Petroleumlampe erzählt. Und von denen man nie weiß, was davon Wahrheit, und was erfunden ist. Oder was anders wahrgenommen wurde, als es war. Wie die Sache mit Emma – eine Frau, die von den vereinsamten Männern heiß begehrt wird.

Andere dagegen begnügen sich mit einem Huhn als Gesellschaft – es ist ja sonst niemand da, mit dem man quatschen kann. Hahn Alexander hat darüber hinaus den Vorteil, dass er nicht zum Widerspruch neigt. Als einer der Männer stirbt setzen die anderen – jeder Einzelne ein Original – ein feucht-fröhliches Begräbnis an, bei dem der Verstorbene verloren geht. Und dann sind da noch jede Menge andere Geschichten. Die schräge Mischung aus Fabulierkunst und absurden Situationen wird von Hervé Tanquerelle (Die falschen Gesichter, Professor Bell) in Zeichnungen gepackt, die die unterschiedlichen Charaktere treffend auf die Seiten bringen. Ein Album für Freunde wunderlicher, aber trotzdem lebensnaher Geschichten, ideal zum Schmökern an trüben Novemberabenden. (Kommt aber auch im Sommer gut.)

Hervé Tanquerelle, Gwen de Bonneval, Jørn Riel: Grönland Odyssee
384 SW-Seiten, gebunden, 39,- Euro, avant, ISBN 978-3-96445-024-1
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Amerika

crumb-amerikaVerlagstext: Robert Crumb, Altmeister des US-Underground-Comix, ist zurück! Diesmal mit einer bitterbösen Abrechnung mit dem amerikanischen Traum, die – obwohl zwischen 1965 und 1996 entstanden – aktueller nicht sein könnte. Selbstironisch und mit kritischer Wucht seziert er in „Amerika“ die rassistischen und reaktionären Reflexe einer kranken Gesellschaft, deren Alltag gezeichnet ist von einem pervertierten Konsumwahn und dem unstillbaren Willen zur Macht. Vom Leiden des kleinen Mannes im Korsett der Nine-to-Five-Jobhölle über schwadronierende Vorstadtfaschisten bis hin zum zweifelhaften Einfluss profitgieriger Immobilienmagnate am Beispiel Donald Trumps – pointiert zeigt Robert Crumb die Abgründe der westlichen Moderne und geizt nicht mit bissigen Zuspitzungen und provokanten Stereotypen.

Mit guter PR kann man so ziemlich alles verkaufen, selbst alte Sachen, die man noch irgendwo auf dem Speicher gefunden hat. Von einer bitterbösen Abrechnung mit dem amerikanischen Traum, wie Reprodukt schreibt, kann hier wirklich keine Rede sein. Schon gar nicht von einer, die aktueller nicht sein könnte. Wer sich auf eine aktuelle Auseinandersetzung mit der gegenwärtigen US-Politik freut, kann sich das Album sparen. Es enthält hauptsächlich alte Geschichten. Sie reflektieren typische amerikanische Verhaltensweisen, aber neu sind sie nicht. Für Crumb-Fans und Sammler wieder ein Album aus der sehr schön editierten Crumb-Reihe von Reprodukt, für alle anderen weniger interessant.

Robert Crumb: Amerika
96 SW-Seiten, gebunden, 29,- Euro, Reprodukt, ISBN 978-3-95640-175-6
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