Maertens

hillerzeder-maertensMal wieder Lust auf eine schräge Geschichte? Dann seid ihr hier richtig. Der Verlag schreibt: Maertens hat einen Job im Burgerladen, was ihm eigentlich reicht, so karrieremäßig. In seiner Freizeit löst er die Rätsel in den Krimiheftchen, liest und guckt (im Fernsehen) Krimis und hat schon bei einigen Rätselgewinnspielen gewonnen. Das macht ihn zu keinem Meisterdetektiv, doch als eben solcher wird er von einem wunderlichen kleinen Herren angeheuert, der ihn in aller Höflichkeit, aber auch Beharrlichkeit dazu bringt, sich seines Falls anzunehmen. Der Held sträubt sich, aber wird vom kriminologischen Fieber erfasst.

Ja, ein Krimi – aber keiner von der öden Sorte. Und keiner von der gewöhnlichen Sorte. Was Hillerzeder, dessen Arbeiten regelmäßig in der Comicanthologie JAZAM! zu sehen sind, hier abliefert, ist nicht nur grafisch originell. Mit frischem Strich bevölkert er sein Figurenkabinett mit allerlei ungewöhnlichen Gestalten. Für Überraschungen ist gesorgt.

Maertens ist weder ein Muskelprotz, noch ein intellektueller Überflieger. Manches geht schief, und einige voreilige Schlüsse werden gezogen. Was dazu führt, dass ihn in regelmäßigen Abständen die große Lustlosigkeit überfällt, und er glaubt, in seiner Burgerbude eher am rechten Platz zu sein. Aber die Neugier nagt und nagt…

Man kann Story und Zeichnungen entfernt mit den Arbeiten von Uli Oesterle vergleichen. Beide liefern angenehm schräge und fantasievolle Geschichten. Wer Lust auf eine Story abseits des Üblichen hat bekommt hier ein Album, das man auch als Satire auf Krimis lesen kann.

Maximilian Hillerzeder: Maertens
160 Seiten, 18,- Euro, jaja, ISBN 978-3-946642-33-6
> Leseprobe

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Kopfsachen

oesterle-kopfsachenEs gibt Köpfe, in denen möchte man nicht stecken. Wenn man seine Geschichten liest, gehört der von Oesterle definitiv dazu. Es sind ziemlich makabere und schräge Stories. Und obwohl man sie nicht gerne im eigenen Kopf hätte, macht es tierisch Spaß, sie zu lesen, denn der in München lebende Zeichner ist einer der originellsten seiner Zunft. Kopfsachen ist ein Sammelband seiner bisherigen Arbeiten. Als da wären: Schläfenlappenfantasien, Forever, Die süßen Erinnerungen des Otto Mallorca, Vier Minuten sechsundvierzig, Der Unsichtbare, Gib, Kopfschmerzen und das kultige Frass.

Neu ist eine kleine Geschichte um Hector Umbra – den Mann mit übersinnlichen Fähigkeiten. Oesterle hatte bereits 2003 ein Album mit Umbra als Hauptfigur gezeichnet. Der erste Teil erschien in der Edition 52, die Gesamtausgabe später bei Carlsen. In der in Kopfsachen publizierten 16seitigen Geschichte Getrennte Wege soll Umbra einer Frau helfen, die unter multipler Persönlichkeit leidet. Wir ahnen, dass das nicht gut ausgehen kann.

Auch, wenn man die ein oder andere Geschichte bereits aus anderen Publikationen kennt – es war eine gute Idee, sie in schönem Hardcover zusammenzufassen. Das haben sie verdient. Wer abgedrehte Stories mag – ähnlich denen von Foerster oder Thomas Ott – sollte zugreifen. Osterle erhielt 2016 den Comicpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung für sein Projekt Vatermilch, das demnächst ebenfalls bei Carlsen erscheinen soll.

Uli Oesterle: Kopfsachen – Acht grafische Erzählungen
176 Seiten, gebunden,  16,99 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-73429-7

Horrifiying Delights + Düstere Stories

suchanek-horrifying-delightsLust auf makabere Geschichten mit finsterem Ausgang? Dann kanns ja losgehen: In den drei in diesem Album versammelten Erzählungen kommt vieles anders als erhofft. In Der Morgen des furchtbaren Glücks geht es um Sex mit Aliens. Der ist verboten, und die Konföderiertenpolizei wacht darüber, dass diese Vorschrift eingehalten wird. Das ist für einen Arzt und seine Geliebte ein Problem, denn einer von beiden ist nicht von dieser Welt. Natürlich gibt es Möglichkeiten, die angedrohten Strafen zu umgehen – aber ob das wirklich die Lösung bringt? Um das schnelle (und große) Geld geht es in Die Millionen-Dollar-Idee. Da gibt es allerdings Probleme mit einem ausrangierten Computer, der eigene Vorstellungen von der Weiterentwicklung der Dinge hat. Und in Ende gut, alles gut zeigt sich, dass Teleportation zu unerwarteten Situationen führen kann.

Die Zeichnungen sind sehr plastisch (siehe Cover – Leseproben hat der Verlag leider nicht online gestellt) und erinnern ein bisschen an US-Stil. Die originellen Geschichten sind für Fans schräger Stories auf jeden Fall empfehlenswert.

Michal Suchánek, Ondrej Neff: Horrifying Delights
112 Seiten, gebunden, 24,95 Euro, Erko, ISBN 9789089821140

font-duestere-storiesAuch in diesem Album geht es, wie der Name schon sagt, um düstere Geschichten. Den Anfang macht eine Reihe von Zwei- und Vierseitern, die inhaltlich stark an die Schwarzen Gedanken von Franquin erinnern. Das ist schwarzer Humor in Vollendung, teilweise richtiggehend gemein in der Grundidee und stark gezeichnet.

Im zweiten Teil des Albums beschäftigen sich unter anderem Sergio Bleda, Klaus Janson, Martin Lodewijk und Manuel G. Quintana in ausführlichen Textbeiträgen mit der Arbeit von Alfonso Font, und davon hat(te) er jede Menge: John Rohner, Carmen Bond, John Sinclair und Barcelona im Morgengrauen sind Reihen von ihm. Einige davon werden mit ein, zwei Seiten als Appetithäppchen vorgestellt.

Nun ist es sicher nicht falsch, das Werk dieses hierzulande eher weniger bekannten Künstlers etwas umfangreicher vorzustellen. Allerdings wirkt die Auswahl ein bisschen willkürlich, und eine übersichtliche Chronologie hätte diesem Teil des Albums gut getan. Das wirkt wenig durchdacht. Die düsteren Stories im ersten Teil (56 Seiten) kommen da besser und haben auch grafisch einiges zu bieten.

Alfonso Font: Düstere Stories
96 Seiten, gebunden, 24,95 Euro, Erko, ISBN 9789089821102

Update 26.8.17: Von Font ist bei Erko inzwischen auch der Abenteuercomic Blume einer Neuen Welt erschienen, in dem spanische Eroberer in Amerika gegen Eingeborenenstämme kämpfen müssen (14.95 Euro).