Comic!-Jahrbuch 2017

icom-comicjahrbuch-2017Das neue Comic-Jahrbuch des Interessenverbands Comic (ICOM) ist da. Etwas dünner als gewohnt, weil einige Texte nicht rechtzeitig (oder gar nicht) fertig wurden – mit 224 Seiten und einer Fülle interessanter Beiträge liefert es aber nach wie vor jede Menge spannende Artikel und Interviews aus der Welt der bunten Bilder.

Neben dem üblichen Rückblick auf den diesjährigen Comicsalon in Erlangen und einem Ausblick auf den Comicmarkt in den Niederlanden, den USA und Japan gibt es anlässlich des zehnjährigen Jubiläums des Splitter-Verlags ein ausführliches Interview mit Horst Gotta. Geplaudert wird über die Anfänge und die aktuelle Entwicklung des Verlags, über Kriterien der Albenauswahl und vieles mehr.

Auch Annette Köhn vom Jaja-Verlag steht im Jahrbuch Rede und Antwort. Anlass ist die Verleihung des ICOM Sonderpreises 2016 für eine bemerkenswerte Comicpublikation, der diesmal nicht an eine Publikation, sondern an den Jaja-Verlag ging, weil dessen Publikationen eigentlich allesamt bemerkenswert sind. Beeindruckend an Jaja ist nicht zuletzt, dass keine Bank der Welt diesem kreativen und quirligen Unternehmen auch nur einen Cent Gründungskredit gegeben hätte, weil die Bücher zu keiner klar definierten Zielgruppe passen. Trotzdem ist Jaja jetzt fünf Jahre alt geworden.

Auch Joachim Brandenbergs eigenwillige und geniale Adaption von O. Henrys Tobin´s Palm als Tobisch, die den Preis als Bester Independent-Comic abgeräumt hat, ist bei Jaja erschienen. Mit Brandenberg gibt es ebenso ein Interview wie mit Jan Vismann, dessen Album Nomaden mit dem Newcommer-Preis ausgezeichnet wurde. Daneben berichtet Klaus Voormann darüber, wie sein Albumcover für die Beatles-LP Revolver entstand, Frank Plein interviewt den Cartoonisten Uli Stein, es gibt einen Nachruf auf Manfred Deix, und Kristina Gehrmann (Im Eisland) informiert über ihren Ratgeber Zeichnen als Beruf – Erfolgreich durchstarten mit Manga, Illustration und Comic. Das und mehr – im Jahrbuch stöbern lohnt sich.

Burkhard Ihme (Hrsg.): COMIC!-Jahrbuch 2017
264 Seiten, 15,25 Euro, ICOM, ISBN 978–3–88834-9478

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Auf den Spuren von Lucky Luke

lucky-lukeWeihnachten steht vor der Tür. Das merkt man nicht nur daran, dass im Supermarkt schon Marzipan und Schokosterne angeboten werden. Auch die Verlage rüsten fürs Weihnachtsgeschäft und legen teure Alben für den Weihnachtswunschzettel auf. In diesem Fall gibt es zum 70. Jubiläum von Lucky Lucke einen auf 2222 Exemplare limitierten (und nummerierten) Bildband für 70,- Euro, in dem die Fans des Cowboys, der schneller ziehen kann als sein Schatten, allerlei über Entstehungsgeschichte und Hintergründe der Reihe erfahren. Die überaus erfolgreiche Serie wurde in 29 Sprachen übersetzt. Mehr als 300 Millionen Bände wurden verkauft.

Zeichner Maurice de Bevere (1923 – 2001), alias Morris, hat in seinem Leben hauptsächlich Lucky Luke gezeichnet. Im Laufe der Zeit wechselten die Texter, aber die nach Garry Cooper entwickelte Kultfigur, die später die unvermeidliche Zigarette im Mundwinkel gegen einen Grashalm tauschen musste, damit es keinen Ärger mit Jugendschutzgesetzen gibt, bekam erst durch Asterix-Texter René Goscinny ihren unverwechselbaren Charakter.

Im vorliegenden Bildband, der mit allerlei – teilweise unveröffentlichten – Skizzen ausgestattet ist, wird nicht nur der zeichnerische Werdegang von Morris vorgestellt. Auch die technischen Aspekte der Albenproduktion von der Farbgebung bis zum Lettering werden beschrieben. Natürlich kommen auch die typischen Figuren wie Jolly Jumper, Rantanplan, Ming Li Foo und die Daltons nicht zu kurz. Dazu werden unbekannte Hobbys von Morris vorgestellt. So war er ein begeisterter Spielzeugerfinder und hat seine Figuren nicht selten aus Holz nachgebaut. Eine Bibliografie aller von Morris gezeichneten Lucky Luke-Comics und ihre deutsche Veröffentlichung bei Egmont runden den Band ab.

Auf den Spuren von Lucky Luke
312 Seiten, gebunden, limitiert, 70,- Euro, ECC, ISBN: 978-3-7704-3938-6

Comic!-Jahrbuch 2016

icom-comicjahrbuch-2016Der Interessenverband Comic (ICOM) legt sein aktuelles Jahrbuch vor. Schwerpunkt ist diesmal Comic und Musik. Diverse Autoren gehen der Frage nach: Was hat das visuelle mit dem akustischen Medium zu tun? Inwiefern ergänzen oder inspirieren sie sich? Kann man Töne visualisieren, und wenn ja, wie? Auf 46 Seiten listen Stefan Svik und Herausgeber Burkhard Ihme Comicalben auf, die sich auf irgend eine Weise mit Musik beschäftigen. Kaum zu glauben, wie viele da zusammenkommen.

Im Anschluss gibt es Interviews, z. B. mit Sebastian Krüger, der vor allem durch seine genialen Rolling Stones-Karikaturen bekannt geworden ist, mit Horst Berner, der sich die Mühe gemacht hat, alle Comics zusammenzutragen, die sich mit den Beatles beschäftigen, mit Reinhard Kleist, der eine Johnny Cash-Biografie gezeichnet hat, und Ulli Lust verrät, ob sie beim zeichnen Musik hört.

Schön zu lesen ist auch der Seyfried-Artikel von Achim Schnurrer, ebenso sein Porträt des im vorigen Jahr verstorben Gründers der Edition Kunst der Comics, Hörb Schröppel. Daneben gibt es wieder Rück- (Comicfestival München) und Ausblicke (Comic Cons Dortmund und Stuttgart), sowie Überblicke über die aktuelle Comicszene in England, Holland und Italien.

Natürlich dürfen auch die diesjährigen ICOM-Preisträger nicht fehlen. Dazu gibt es u.a. Interviews mit Maximilian Hillerzeder, Tim Gaedke und Paulina Stulin, deren The Right Here Right Now Thing den Preis für Herausragendes Szenario gewonnen hat. Wie immer also jede Menge Lesefutter für Comic-Interessierte. Eine komplette Inhaltsübersicht gibt es auf der ICOM-Website. Dort kann man die Artikel auch testweise anlesen.

Burkhard Ihme (Hrsg.): COMIC!-Jahrbuch 2016
264 Seiten, EUR 15,25, ISBN 978–3–88834-946-1
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