Deutsche Comicforschung 2018

sackmann-comicforschung-2018Der Verlag schreibt: Das Standardwerk zur Erforschung der Bild-Erzählung im deutschen Sprachraum. Diesmal unter anderem mit Beiträgen zu Franz Jüttner, zu den Comics der Grünen Post, zum Verlag Steinsberg (Der Papagei) und zu den Anfängen des Carlsen Verlags. In mehrjähriger Arbeit haben der Herausgeber Eckart Sackmann und seine Mitarbeiter ein wissenschaftliches Kompendium der deutschsprachigen Comicliteratur geschaffen, wie man es in dieser Anschaulichkeit in keinem anderen Land findet. Auf über 1800 Seiten mit rund 4000 zumeist farbigen Abbildungen bieten die bisher erschienenen 13 Bände umfassende Informationen über den deutschsprachigen Comic. Während des Münchener Comicfestivals Ende Mai 2017 erhielt die Reihe „Deutsche Comicforschung“ in der Kategorie „Beste Sekundärliteratur“ den PENG!-Preis zugesprochen.

Diesen Preis hat die Arbeit an den bisher erschienenen Bänden auch verdient. Die aktuelle Ausgabe bringt ebenfalls wieder viele informative Beiträge. Interessant sind neben der Geschichte über die Anfänge des Carlsen-Verlags die historischen Zusammenhänge, in die die Autoren die Arbeit der in ihren Artikeln vorgestellten Zeichner stellen. Dabei wird deutlich, dass auch Comics – oder Bildergeschichten allgemein – immer im Kontext der aktuellen politischen Entwicklung zu sehen sind. Auch die, die vorgeben, unpolitisch zu sein.

Die Reihe ist für den Herausgeber allerdings ein Minusgeschäft. Rund 40.000 Euro, rechnet Sackmann im einleitenden Beitrag der aktuellen Ausgabe vor, habe er im Laufe der Jahre reingesteckt, und das betrifft nur die finanzielle Seite – Arbeitszeit nicht mitgerechnet. Dabei ist er selbst inzwischen in einem Alter, in dem die bunten Bilder nicht mehr im Mittelpunkt stehen, wie er schreibt. Weshalb er sich aus dem Projekt zurückziehen und es in kompetente Hände übergeben möchte. Bewerbungen werden entgegen genommen. Derweil arbeitet das Team bereits an der nächsten Ausgabe.

Eckart Sackmann (Hg.): Deutsche Comicforschung 2018
144 Seiten, gebunden, 39,- Euro, comicplus+, ISBN 978-3-89474-299-7
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Comic!-Jahrbuch 2018

icom-comicjahrbuch-2018Das Comic!-Jahrbuch erscheint seit dem Jahr 2000, und wenn man sich die frisch ausgelieferte 2018-Ausgabe ansieht, muss man sagen, dass es nach wie vor zu den wichtigsten Publikationen rund um den Comicmarkt gehört. Hier liest man immer wieder Hintergrundberichte, Interviews, Reviews und Analysen, die man in dieser Kompaktheit (und Kompetenz) sonst nirgendwo findet.

Die aktuelle Ausgabe startet mit einem Gespräch mit Alexander Braun, der viele Comic-Ausstellungen (u.a. in der ehrwürdigen Bundeskunsthalle zu Bonn) organisiert hat. Er berichtet über Frust und Lust eines Kurators und über die Erfahrungen, die er mit den Ausstellungen gemacht hat. Vom Zauber der Comic-Originale berichten in einem weiteren Interview von Burkhard Ihme vier Sammler und ein Händler, Holger Vallinga blickt auf das Münchner Comicfestival zurück, Lilian Pithan schriebt über Comicreportagen, die sich mit dem Thema Migration beschäftigen, Andreas Alt durchforstet die wundersame Welt der Behördencomics, während Ralf Palandt über Comics aus der Neonazi-Szene informiert (und darüber, wie wenig sich die Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien für deren Inhalte interessiert).

Artikel über die aktuelle Lage auf dem holländischen, französischen, japanischen, italienischen und US-Comicmarkt fehlen ebenso wenig wie die Liste der diesjährigen ICOM-Preisträger, von denen viele in umfangreichen Interviews zu Wort kommen. Interessant ist auch das Gespräch, das Christian Muschweck mit Denis Kitchen über Underground-Comix, Zensur und das Recht am eigenen Werk geführt hat. Eine Übersicht von Heiner Lünstedt über aktuelle Trickfilme rundet den diesjährigen Band ab. Und natürlich gibt es viele, viele Artikel mehr, von denen einige, wie immer, auf der ICOM-Website angelesen werden können.

Burkhard Ihme (Hrsg.): COMIC!-Jahrbuch 2018
264 Seiten, 15,25 Euro, ICOM, ISBN 978–3–88834-948-5
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Deutsche Comicforschung 2017

sackmann-comicforschung-2017Alle Jahre wieder erscheint seit 2005 zum Jahresende ein neuer Band von Eckart Sackmanns Comicforschung. Diesmal unter anderem mit Artikeln über Rinaldo Rinaldini als Comic-Held, über die aus der Kaiserzeit stammende antisemitische Bildergeschichte Das Lied vom Levi und über Comics als Propagandamedium (Gaby, das Atommädchen und Die spannendste Geschichte unserer Zeit – ein Wahl-Comic aus der Zeit, als Adenauer sich Sorgen um seine Wiederwahl machen musste).

Daneben gibt es einen Rückblick auf den ersten Comic-Congress 1973 in Berlin – also lange vor Erlangen – und Rückblicke auf die Arbeiten von heute eher unbekannten Comicmachern wie Lothar Meggendorfer, Johannes Thiel, Gerhard Brinkmann und Kurt Ludwig Schmidt. Neben Sackmann sind Julian Auringer, Harald Kiehn, Dr. Helmut Kronthaler und Holger Vallingaals als Autoren vertreten.

Interessant ist auch der Artikel über die Publikationsgeschichte von Asterix. Wobei man hier eher von einem Leidensweg reden muss, denn die ersten in Deutschland publizierten Asterix-Abenteuer waren teilweise gekürzt, und was die Übersetzung angeht haben sie im Laufe der Jahre viele Änderungen über sich ergehen lassen müssen (von der geänderten Kolorierung und dem Lettering ganz zu schweigen). In diesem Artikel wird deutlich, wie sehr Kunst verwurstet und vermarktet wird, ohne auf die Ursprungsideen der Künstler Rücksicht zu nehmen.

Ergänzt wird der Band wie immer mit einer Vielzahl farbiger Abbildungen aus den besprochenen Frühwerken. Der Wahl-Comic aus der Adenauer-Zeit ist komplett abgedruckt. Wer sich für die gesellschaftliche, politische und ökonomische Geschichte von Comics in deutschen Landen interessiert, findet in dieser Reihe reichlich sauber und aufwändig recherchierten Lesestoff.

Eckart Sackmann (Hg.): Die Deutsche Comicforschung Band 13 (2017)
144 Seiten, gebunden, 39,- Euro, comicplus+, ISBN 978-3-89474-293-5
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