Die Stadt der träumenden Bücher

biege-stadt-der-traeumenden-buecherWalter Moers ist ein Comiczeichner, der auch Bücher schreibt. Sein fantastischer Abenteuerroman Die Stadt der träumenden Bücher wurde in diverse Sprachen übersetzt und liegt jetzt auch als Comicadaption vor. Darin entwickeln die Bücher ein Eigenleben. Man darf ihnen nicht trauen – manche von ihnen sind sogar tödlich. Doch der junge Dichter Hildegunst von Mythenmetz macht sich auf die Suche nach dem Verfasser eines geheimnisvollen Manuskripts. Er möchte den Autor in den dunklen unterirdischen Labyrinthen der Stadt finden, wo sich viele Bücher versteckt halten, begegnet dort aber vor allem vielen unheimlichen Gestalten.

Nach Skizzen von Moers hat Florian Biege die Geschichte in wahrhaft opulente Bilder umgesetzt. Manchmal etwas zu glatt, manches schön bis zum Kitsch, dann wieder atmosphärisch dichte Doppelseiten, auf denen es viel zu entdecken gibt. Biege hat schon in seinem Schwarzweiß-Album Im Bann der Hexer gezeigt, dass er Akzente mit Licht setzten kann. Hier kommt noch Farbe dazu, und auch da hat er ein sicheres Händchen für augenstreichelnde Kolorierungen.

Inhaltlich ein – allen darin vorkommenden Monstern zum Trotz – eher harmloses, aber originell erzähltes, liebevoll gemachtes und schön bebildertes Gruselabenteuer. Band 1 (88 Comicseiten, der Rest ist erläuternder Anhang) ist gerade erschienen, der abschließende Band 2 ist für Januar angekündigt.

Florian Biege, Walter Moers: Die Stadt der träumenden Bücher 1
112 Seiten, gebunden, 25,- Euro, Knaus, ISBN: 978-3-8135-0501-6

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Magritte

campi-magritteDer Untertitel des Albums verrät es schon: Dies ist keine Biografie. Und es ist auch keine. Zumindest keine konventionelle. Trotzdem erfährt man in diesem Album einiges über Leben und Arbeit des belgischen Surrealisten (1898 – 1967). Und zwar deshalb, weil sich der kleine Angestellte Charles Singullier auf dem Flohmarkt einen Hut kauft. Eine Melone, genauer gesagt. Stolz trägt er sie auf dem Kopf spazieren. Ein bisschen extravagant kommt er sich dabei zwar vor. Aber warum nicht! Schließlich steht morgen seine Beförderung an. Da kann man sich schon ein bisschen was gönnen.

Dumm nur, dass er den Hut zuhause nicht mehr vom Kopf bekommt. Jedenfalls so lange nicht, bis er eine geheime Mission erfüllt hat. Als du Magrittes Hut aufgesetzt hast, belehrt ihn plötzlich ein Gesicht an der Wohnzimmerwand, hast du seine Welt betreten. Und jetzt, ergänzt eine nackte Schöne, die wie aus dem Nichts heraus in seiner Wohnung erscheint, musst du auch seine Geheimnisse ergründen.

Das ist leichter gesagt, als getan. Charles begegnet seltsamen Menschen, die sich zu allem Überfluss gelegentlich auch noch verwandeln. In dieser Welt scheint nichts zu sein, was es zu sein vorgibt. Und so beginnt eine spannende, originelle und fantasievolle Reise durch die Gedankenwelt von Magritte – von Thomas Campi ganz im Stil des Meisters umgesetzt.

Thomas Campi, Vincent Zabus: Magritte – Dies ist keine Biografie
64 Seiten, gebunden, 17,99 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-76168-2

Kopfsachen

oesterle-kopfsachenEs gibt Köpfe, in denen möchte man nicht stecken. Wenn man seine Geschichten liest, gehört der von Oesterle definitiv dazu. Es sind ziemlich makabere und schräge Stories. Und obwohl man sie nicht gerne im eigenen Kopf hätte, macht es tierisch Spaß, sie zu lesen, denn der in München lebende Zeichner ist einer der originellsten seiner Zunft. Kopfsachen ist ein Sammelband seiner bisherigen Arbeiten. Als da wären: Schläfenlappenfantasien, Forever, Die süßen Erinnerungen des Otto Mallorca, Vier Minuten sechsundvierzig, Der Unsichtbare, Gib, Kopfschmerzen und das kultige Frass.

Neu ist eine kleine Geschichte um Hector Umbra – den Mann mit übersinnlichen Fähigkeiten. Oesterle hatte bereits 2003 ein Album mit Umbra als Hauptfigur gezeichnet. Der erste Teil erschien in der Edition 52, die Gesamtausgabe später bei Carlsen. In der in Kopfsachen publizierten 16seitigen Geschichte Getrennte Wege soll Umbra einer Frau helfen, die unter multipler Persönlichkeit leidet. Wir ahnen, dass das nicht gut ausgehen kann.

Auch, wenn man die ein oder andere Geschichte bereits aus anderen Publikationen kennt – es war eine gute Idee, sie in schönem Hardcover zusammenzufassen. Das haben sie verdient. Wer abgedrehte Stories mag – ähnlich denen von Foerster oder Thomas Ott – sollte zugreifen. Osterle erhielt 2016 den Comicpreis der Berthold-Leibinger-Stiftung für sein Projekt Vatermilch, das demnächst ebenfalls bei Carlsen erscheinen soll.

Uli Oesterle: Kopfsachen – Acht grafische Erzählungen
176 Seiten, gebunden,  16,99 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-73429-7