Das Problem mit den Frauen

fleming-das-problem-mit-den-frauenMan soll ja nicht alles glauben, was in der Zeitung steht. Rezensionen schon gar nicht. Aber die Worte, mit denen der Independent dieses Buch würdigt, muss man dick unterstreichen: Das perfekte Geschenk für jedermann und -frau, für alle Altersklassen und politischen Lager. Es wird wohl in der Humorecke zu finden sein – dabei gehört es mindestens auf den Schullehrplan! Und bevor sich jetzt einige angesichts des Wortes Schullehrplan angewidert abwenden, weil das nach schnöder Belehrung klingt: Es ist das unterhaltsamste, lustigste und gemeinste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Die pure Majestätsbeleidigung von Anfang bis Ende. Denn obwohl darin weibliche Schwächen vorgeführt werden, geht es in Wirklichkeit um Männer.

Die 1955 in London geborene Zeichnerin Jacky Fleming begibt sich hier auf die Suche nach berühmten Frauen der Geschichte – und muss schnell feststellen: Früher gab es keine Frauen, deshalb lernt ihr im Geschichtsunterricht auch nichts über sie. Es gab nur Männer, und ziemlich viele waren Genies. Dann gab es doch ein paar Frauen, aber die hatten sehr kleine Köpfe, weswegen sie zu nichts nütze waren, außer zu Handarbeit und Krocket. Weshalb war das so? Nun: Schon der Anblick der weiblichen Gestalt lehrt, dass das Weib weder zu großen geistigen, noch körperlichen Arbeiten bestimmt ist, analysierte der Philosoph Schopenhauer, und auch andere Geistesgrößen wie Darwin oder Kant gaben sich alle Mühe, die Unzulänglichkeit von Frauen in pseudowissenschaftlichen Formulierungen festzuklopfen.

Fleming führt sie süffisant vor, diese Genies der Menschheit, und am Ende bleibt eigentlich nur die Frage, wie die Frauen deren geballten Stumpfsinn über all die Jahrhunderte ertragen konnten. Lakonisch, treffend, knochentrocken – Flemings hundsgemeine Mischung aus Comic und Cartoon liefert auf so ziemlich jeder Seite einen Volltreffer.

Jacky Fleming: Das Problem mit den Frauen
128 Seiten, schwarzweiß, 12,- Euro, KiWi, ISBN: 978-3-462-05024-0
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Ich wär so gerne Ethnologin…

Margaux Motin, Illustratorin, Mitdreißigerin, Mutter und bekennende Schuhfetischistin, beschreibt (und zeichnet) in ihrem Blog Situationen aus ihrem Leben. Da ihre Figuren eine Art Kultstatus bekamen, bot es sich an, einen Comic daraus zu machen. Der liest sich ein bisschen, als wäre Claire Bretécher im 21. Jahrhundert angekommen. Auch bei Motin dreht sich viel um das Rollenverhalten von Männern und Frauen – Feminismus ist aber weniger Thema. Shopping, Beauty und Familienalltag stehen im Vordergrund. Und das bringt sie lebendig und selbstironisch rüber.

Okay, sagt sie sich in einer Szene, als sie im Laden die wunderbaren Schuhe in der Hand hält: Wenn Bob Marley mich in den nächsten 30 Sekunden anbaggert, dann ist das ein Zeichen, dass ich die nicht kaufen soll. Während ihre erste Frage als Ethnologin bei den Eskimos wäre: Gibt´s hier irgendwo einen Prada-Store? Und natürlich spielt das Thema Sex eine Rolle. In einer Szene ist sie weder Illustratorin, noch Ethnologin, sondern ein Teeny, das mit den Tieren sprechen kann. Sie sitzt Kaffee trinkend auf einem Baumstumpf im Wald, zu ihren Füßen kauern Gnus, Löwen, Schildkröten und andere Tiere, und sie fragt: Gut, die, die es nach dem Blasen schlucken, bitte mal die Pfote heben.

Man sieht – hier werden elementare Fragen des Lebens erörtert. Natürlich ist vieles Klischee und anderswo schon ähnlich abgehandelt worden. Aber die lebensfrohe und pfiffige Art, mit der Motin sich dabei selbst auf die Schippe nimmt, macht Laune. Und pointiert zeichnen kann sie auch. Das Album hat Carlsen im Rahmen seiner neu eingeführten Special-Ladies-Edition publiziert.

Update 25.5.2013: Leider arbeitet sie sich in dem neuen Album Die Kunst der Anpassung an ziemlich faden Gags ab. Schade drum.

Margaux Motin: Ich wär so gerne Ethnologin…
176 Seiten, 17,90 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-72507-3
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Zwei mal zwei

Die neun Monate einer Schwangerschaft wurden oft karikiert. Fressattacken, Hitzewellen, Schwangerschaftsgymnastik, Kotzanfälle, nervöse Ehemänner, die Frage, ob Hochzeit oder nicht, und wenn ja, wo und wie – darüber gibt es unzählige Cartoons. Was also sollte es darüber Neues, oder gar Originelles, zu sagen geben? Wahrscheinlich nichts. Und deshalb haben sich Charles Lewinsk und Andreas Gefe auch nicht die Mühe gemacht, das Rad neu zu erfinden. Sie sortieren die bekannten Situationen einfach neu.

Lisa und Roland sind Ende dreißig. Zeit für ein Kind, wenn man denn eins will, denn die biologische Uhr fängt langsam an zu ticken. Leider will es nicht klappen. Auch Miro und Marlen, beide Mitte zwanzig, haben Pech. Schon beim ihrem flüchtigen One-Night-Stand wird Marlen schwanger. Das war nicht geplant, und Miro spricht die Lösung zwar oft an, traut sich aber nicht, das Wort Abtreibung auch auszusprechen. Als es dann überraschend bei Lisa und Roland doch klappt, beginnt für beide Paare das übliche Programm – vom Gymnastikkurs bis zur Einrichtung des Kinderzimmers. Mit sehr unterschiedlichen Ergebnissen.

Die 48 Seiten dieses Albums wurden zunächst einzeln als Cartoon im Züritipp veröffentlicht. Interessant daran ist, dass die Geschichte sowohl als Sammlung von Cartoons, wie auch als zusammenhängendes Album funktioniert. Und obwohl viele Klischees bemüht werden, wirkt es nie platt. Eine humorvolle Geschichte über werdende Eltern, die sich locker liest und eingängig gezeichnet ist. Das ideale Geschenk für werdende Väter (ja, auch für Mütter).

Andreas Gefe, Charles Lewinsk: Zwei mal zwei
48 Seiten, gebunden, 19,80 Euro, Edition Moderne, ISBN 978-3-03731-084-7
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