Glückskind

flix-glückskindJede Woche veröffentlicht Flix eine neue Folge des Comicstrips Glückskind in der FAZ. Herr Glück (alleinerziehend), seine Tochter Josi und ein dreibeiniger Waschbär namens Rocco sorgen darin für allerhand Turbulenzen. Dieser Band versammelt die ersten 90 Strips der Glückskind-Reihe.

Der Waschbär ist aber eigentlich nur mit Tochter Josi befreundet. Ihrem Vater ist er suspekt. Er mag das Tier nicht in der Wohnung, doch Josie schafft es immer wieder, den Vater zu überlisten. Daneben gibt es einen etwas verschrobenen Nachbarn und einen kleinen Jungen, der versucht, seine Katze dazu zu dressieren, Quantenbomben aus ihren Ohren abzufeuern, um die Weltherrschaft zu erringen. Bislang ohne Erfolg.

Nun sind Comics, die aus Kindersicht erzählt werden, meist recht putzig. Das ist in Delisles Ratgeber für schlechte Väter so, in Marzi oder Titeuf und ähnlichen Alben. Besonders komisch ist es, wenn die Kids Erwachsenenargumente übernehmen, um damit gegen elterliche Verbote zu argumentieren. Josi ist sehr gut darin. Außerdem trägt sie ihre Proteste gerne als selbst geschriebenes Lied vor, zu dem sie sich auf der Gitarre begleitet: Ein autokratisches System / hat leider immer das Problem, / dass es einfach niemand mag, / wenn einer brüllt: „Tu was ich sag!“ Womit sie dagegen protestiert, dass sie ihr Zimmer aufräumen soll. Auch das erfolglos. Eine liebevoll gezeichnete, humoristische Reihe, die sich zum Selberlesen ebenso eignet wie als immer passendes Geschenk für so ziemlich jede Gelegenheit.

Flix: Glückskind – Der Anfang einer wunderbaren Freundschaft
96 SW-Seiten, gebunden, 19,99 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-78386-8

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Das Problem mit den Frauen

fleming-das-problem-mit-den-frauenMan soll ja nicht alles glauben, was in der Zeitung steht. Rezensionen schon gar nicht. Aber die Worte, mit denen der Independent dieses Buch würdigt, muss man dick unterstreichen: Das perfekte Geschenk für jedermann und -frau, für alle Altersklassen und politischen Lager. Es wird wohl in der Humorecke zu finden sein – dabei gehört es mindestens auf den Schullehrplan! Und bevor sich jetzt einige angesichts des Wortes Schullehrplan angewidert abwenden, weil das nach schnöder Belehrung klingt: Es ist das unterhaltsamste, lustigste und gemeinste Buch, das ich seit langem gelesen habe. Die pure Majestätsbeleidigung von Anfang bis Ende. Denn obwohl darin weibliche Schwächen vorgeführt werden, geht es in Wirklichkeit um Männer.

Die 1955 in London geborene Zeichnerin Jacky Fleming begibt sich hier auf die Suche nach berühmten Frauen der Geschichte – und muss schnell feststellen: Früher gab es keine Frauen, deshalb lernt ihr im Geschichtsunterricht auch nichts über sie. Es gab nur Männer, und ziemlich viele waren Genies. Dann gab es doch ein paar Frauen, aber die hatten sehr kleine Köpfe, weswegen sie zu nichts nütze waren, außer zu Handarbeit und Krocket. Weshalb war das so? Nun: Schon der Anblick der weiblichen Gestalt lehrt, dass das Weib weder zu großen geistigen, noch körperlichen Arbeiten bestimmt ist, analysierte der Philosoph Schopenhauer, und auch andere Geistesgrößen wie Darwin oder Kant gaben sich alle Mühe, die Unzulänglichkeit von Frauen in pseudowissenschaftlichen Formulierungen festzuklopfen.

Fleming führt sie süffisant vor, diese Genies der Menschheit, und am Ende bleibt eigentlich nur die Frage, wie die Frauen deren geballten Stumpfsinn über all die Jahrhunderte ertragen konnten. Lakonisch, treffend, knochentrocken – Flemings hundsgemeine Mischung aus Comic und Cartoon liefert auf so ziemlich jeder Seite einen Volltreffer.

Top 10 2017Jacky Fleming: Das Problem mit den Frauen
128 Seiten, schwarzweiß, 12,- Euro, KiWi, ISBN: 978-3-462-05024-0
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Ich wär so gerne Ethnologin…

Margaux Motin, Illustratorin, Mitdreißigerin, Mutter und bekennende Schuhfetischistin, beschreibt (und zeichnet) in ihrem Blog Situationen aus ihrem Leben. Da ihre Figuren eine Art Kultstatus bekamen, bot es sich an, einen Comic daraus zu machen. Der liest sich ein bisschen, als wäre Claire Bretécher im 21. Jahrhundert angekommen. Auch bei Motin dreht sich viel um das Rollenverhalten von Männern und Frauen – Feminismus ist aber weniger Thema. Shopping, Beauty und Familienalltag stehen im Vordergrund. Und das bringt sie lebendig und selbstironisch rüber.

Okay, sagt sie sich in einer Szene, als sie im Laden die wunderbaren Schuhe in der Hand hält: Wenn Bob Marley mich in den nächsten 30 Sekunden anbaggert, dann ist das ein Zeichen, dass ich die nicht kaufen soll. Während ihre erste Frage als Ethnologin bei den Eskimos wäre: Gibt´s hier irgendwo einen Prada-Store? Und natürlich spielt das Thema Sex eine Rolle. In einer Szene ist sie weder Illustratorin, noch Ethnologin, sondern ein Teeny, das mit den Tieren sprechen kann. Sie sitzt Kaffee trinkend auf einem Baumstumpf im Wald, zu ihren Füßen kauern Gnus, Löwen, Schildkröten und andere Tiere, und sie fragt: Gut, die, die es nach dem Blasen schlucken, bitte mal die Pfote heben.

Man sieht – hier werden elementare Fragen des Lebens erörtert. Natürlich ist vieles Klischee und anderswo schon ähnlich abgehandelt worden. Aber die lebensfrohe und pfiffige Art, mit der Motin sich dabei selbst auf die Schippe nimmt, macht Laune. Und pointiert zeichnen kann sie auch. Das Album hat Carlsen im Rahmen seiner neu eingeführten Special-Ladies-Edition publiziert.

Update 25.5.2013: Leider arbeitet sie sich in dem neuen Album Die Kunst der Anpassung an ziemlich faden Gags ab. Schade drum.

Margaux Motin: Ich wär so gerne Ethnologin…
176 Seiten, 17,90 Euro, Carlsen, ISBN 978-3-551-72507-3
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