Die Chroniken von Yria

schmidt-chroniken-von-yria1Der Verlag schreibt: »Myre« ist der Crowdfunding-Erfolg der Berliner Autorin und Zeichnerin Claudya Schmidt, vielleicht besser bekannt als Alector Fencer, eine auf sechs Teile angelegte Fantasy-Saga voller liebevoll gestalteter Charaktere und in atemberaubenden Bildern. Nachdem ihr Comicprojekt auf Indiegogo hervorragende Resonanz erfahren hat und der erste Band im Eigenverlag auf Englisch erschien, bringt Splitter »Myre« jetzt ins Deutsche. Ein Comic made in Germany, wie es ihn bisher noch nicht gegeben hat!

Die Zeichnungen sind in der Tat sehenswert. Dynamisch, stilvoll, und trotz aller Energie irgendwie weich und soft – und das in einer rundum gefühlvollen Kolorierung. Natürlich kommen die anthropomorphen Furrys dieser Reihe auch ein bisschen disneymäßig daher, streckenweise ist alles sehr sauber und glatt, trotzdem sind es rundum einzigartige Bilder, die der Leser hier vorgesetzt bekommt.

Worum geht es? Nun, wenn es die Beschreibung auf der Rückseite des Albums nicht gäbe würde man nicht darauf kommen, denn der erste Band beschränkt sich – von ein paar Schlägereien am Rande abgesehen – darauf, dass Myre, unsere weibliche Heldin, Benzin für ihr Feuerzeug sucht. Ein Feuerzeug in einem Fantasy? Tja… Aber dann soll sie ein Päckchen mit unbekanntem Inhalt transportieren, und damit beginnt eine gefährliche Reise durch eine mysteriöse Welt, die in Band 2 eigentlich erst richtig losgeht und insgesamt 6 Bände umfassen soll. Über die Story lässt sich also bislang wenig sagen, die Zeichnungen machen allerdings Lust auf mehr.

Claudya Schmidt, Matt W. Davis: Myre – Die Chroniken von Yria
96 Seiten, HC, 19,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-105-4
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Machen ist wie Wollen, nur krasser

krayl-machen-ist-wie-wollenVerlagstext: Endlich hat Karl es geschafft: Er trifft sich auf ein Date mit Anna, seinem großen Schwarm. Jetzt muss er bloß noch was draus machen. Er könnte ja einfach mal . . . wobei . . . was, wenn . . . vielleicht sollte er besser . . . aber dann . . .
Karl ist ein Meister des Kopfkinos, in Echt wartet er lieber ab. Als er jedoch erfährt, dass seine Anna auf HipHop-Michi aus der Zehnten steht, entschließt sich Karl auch in der realen Welt aktiv zu werden. Und zwar krass.
Drumherum ist natürlich noch der Alltag eines Teenagers zu bewältigen mit Schule und Praktikum, Kumpel, Freunde, Alkohol.
In seiner zweiten Veröffentlichung bei Jaja entführt uns Valentin Krayl zurück in die Nuller Jahre und zeigt, dass er auch eine umfangreiche Story mit Charme und Witz spannungsreich erzählen kann. Und seinen Stil gefunden hat, sympathisch skizzenhaft und angenehm leicht koloriert.

Wohl wahr. Das Artwork kommt genauso luftig-leicht und fluffig daher, wie Krayl (Weltenbummler) die Geschichte erzählt. Er beschriebt eine Situation, die jeder kennt: Man ist verknallt – aber wie kommt man an das Objekt seiner Sehnsucht heran? Wie kann man seine Liebe zeigen? Soll man sie überhaupt zeigen? Und vor allem: Wie kann man Konkurrenten aus dem Feld schlagen?

Karls Strategie dürfte auch jeder kennen: Man hat zunächst rasend verwegene Ideen – geht dann aber doch lieber auf Nummer sicher. So entwickelt Karl ständig neue Pläne, muss aber feststellen, dass sich deren Umsetzung als komplizierter erweist, als gedacht. Amüsante Situationen, liebevoll karikiert, aber doch wie aus dem richtigen Leben. Macht Spaß zu lesen.

Valentin Krayl: Machen ist wie Wollen, nur krasser
128 Seiten, 16,- Euro, Jaja, ISBN 978-3-946642-36-7
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Mühsam

bachmann-muehsamJa, dieses Album hätte Erich Mühsam gefallen. Er hätte mit Sicherheit Spaß dran gehabt, sich in Bildern wiederzufinden, die vom ersten bis zum letzten Strich an die Zeichnungen von Sfar erinnern und der Geschichte dadurch genau die leicht schräge und skurrile Atmosphäre verleihen, in der er gelebt hat. Verlagstext: Der junge Lübecker Poet und Anarchist Erich Mühsam (1878-1934) wird im Sommer 1910 von seinen besorgten Brüdern auf Kur in die Schweiz geschickt. Er findet sich dort in einem bürgerlichen und an seinen Talenten uninteressierten Umfeld wieder. Das Dichten fällt ihm schwer und sein Werben um eine hübsche Mitpatientin ist weitgehend erfolglos. Ständig plagen ihn Sexualität und Geldsorgen, während er darauf hofft, dass zumindest die bei ihm bestellten Chansontexte bezahlt werden.

Was Bachmann hier vorlegt, ist eine kleine Episode aus Mühsams Leben, die sich an den Tagebuchtexten des 1934 im KZ Oranienburg ermordeten Freigeistes orientieren. Die – sehr realistisch wirkenden – Dialoge stammen von Bachmann, der Erzähltext ist O-Ton Mühsam. Bachmann hat sich aus den umfangreichen Tagesbuchaufzeichnungen die Zeit in Château-d’OEx ausgesucht. Da war Mühsam 32 Jahre alt – ein vom bürgerlichen Literaturbetrieb nicht anerkannter Autor. Er schreibt Texte, schickt sie rum und kann sich mit den Ablehnungen die Wohnung tapezieren. Gelegentlich werden zwar welche angenommen, aber die Kohle dafür kommt nicht rüber, wie sie sollte.

Für mein Gefühl trifft Bachmann Charakter, Situation und Atmosphäre sehr genau. Fans von Erich Mühsam werden ihre Freude daran haben. Wer Mühsam nicht kennt, kann das Album auch als Comic über ein typisches Bohemeleben lesen. Und bekommt dadurch vielleicht Lust, sich näher mit diesem Menschen zu beschäftigen, der – mit Oskar Maria Graf, Lion Feuchtwanger, Heinrich Mann und anderen Künstlern der damaligen Zeit befreundet – einer der interessantesten Literaten und Anarchisten der 1920er und -30er Jahre Deutschlands war.

PS: Erich Mühsams Tagebücher werden im Verbrecher-Verlag publiziert. Man kann sie auch kostenlos online lesen.

Jan Bachmann: Mühsam – Anarchist in Anführungszeichen
96 Seiten, 19,- Euro, Edition Moderne, ISBN 978-3-03731-172-1
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