L’état Morbide

Eine ziemlich abgefahrene Horrorgeschichte in schrägem Design – die Trilogie des belgischen Comiczeichners Daniel Hulet: Charles Haegeman besichtigt eine zu vermietende Wohnung in einem gutbürgerlichen Viertel von Brüssel. Das düstere Äußere des Gebäudes ist nur ein Vorbote für die unheimliche Hausmeisterin Madame Spiegel, die ihn darin erwartet, sowie die verschrobenen Mieter, denen er begegnet. In Charles‘ Augen bietet das Haus das perfekte Klima, um sein Comicprojekt – eine makabre Story in einer postapokalyptischen Welt – endlich zu beenden. Doch der Fund eines Tagebuchs, das einem früheren Bewohner gehörte, wirft ihn nachhaltig aus der Bahn und führt ihn auf den Weg in einen krankhaften Wahn, der in den Mauern dieses unseligen Ortes zu hausen scheint. (Verlagstext)

Daniel Hulet war ein belgischer Comiczeichner (1945 – 2011), der unterschiedliche Alben gemacht hat. Neben eher konventionellen Abenteuerreihen hat er u.a. mit den Trilogien Extra Muros und Immondys immer fantastischere Werke abgeliefert. Dazu gehört auch sein Dreiteiler L’état morbide, in dem er dem Irrsinn freie Bahn lässt. Man fragt sich beim Lesen unwillkürlich, wie er aus dieser Story, die von Seite zu Seite mysteriöser wird, jemals wieder logisch rauskommen will. Aber er schafft es am Ende tatsächlich. Zumindest halbwegs.

Noch schräger als die Story sind die Bilder. Seine diagonal-dreieckig angeordneten Panels bringen durch die permanente Perspektivverschiebung Unruhe auf die Seiten. Und dann die Zeichnungen: Verschwommen skizzierte Körper, abgetrennte Köpfe, sich auflösende Wesen, schräge Gestalten und alles in einem modrigen Grün, gerne auch mal in düsterem Rot oder Grau. Eine Atmosphäre, streckenweise surreal und morbide bis zum Ekel.

Es ist eine im Grunde ziemlich kranke Geschichte, die Hulet hier vorlegt, und sicher nicht jedermanns Geschmack. Trotzdem erfreulich, dass die drei Alben, die 1988 bei Feest erschienen sind, jetzt als Gesamtausgabe vorliegen, denn sie sind in ihrer Art einzigartig. Ergänzt von einem 16-seitigen Nachwort von Verleger Paul Herman über Leben und Werk von Hulet, das im Gegensatz zu vielen anderen Vor- und Nachworten in Comics rundum informativen Charakter hat.

Daniel Hulet: L’état Morbide (Gesamtausgabe)
Übersetzung von Klaus Jöken und Tanja Krämling
160 Seiten, gebunden, 39,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96792-366-7
> Leseprobe

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