Freibad

Culture-Clash im Freibad: Paulina Stulin gibt in ihrem neuen Comic einen Vorgeschmack auf den gleichnamigen Film von Doris Dörrie: Es ist Sommer und sehr heiß im einzigen Frauenfreibad Deutschlands. Dort badet frau oben ohne, im Bikini, Badeanzug oder Burkini. Jede folgt dabei anderen Regeln. Das führt immer wieder zu Reibereien, die die überforderte Bademeisterin nicht so ganz im Griff hat. Als dann auch noch eine Gruppe komplett verhüllter Frauen das Frauenbad begeistert für sich entdeckt, fliegen buchstäblich die Fetzen: Wem gehört das Bad und wer bestimmt die Regeln? Wem gehört der weibliche Körper? Und wann ist denn überhaupt eine Frau eine Frau? Die Bademeisterin kündigt entnervt. Als dann aber als Nachfolge ausgerechnet ein Mann als Bademeister angestellt wird, eskaliert die Situation in unvorhersehbare Richtungen. (Verlagstext)

Ja, Leute, ab ins Wasser – und ab in dieses Album. Paulina Stulin, die mit ihrem autobiografischen Album Bei mir zuhause einen echten Knaller gelandet hat (inzwischen in vierter Auflage in den Läden), ist seit ihrem 17. Lebensjahr große Doris Dörrie-Anhängerin. Deshalb war sie ebenso überrascht wie erfreut, als Dörrie ihr anbot, parallel zu ihrer nächsten Komödie einen Comic zu zeichnen. Keine 1-zu-1-Adaption des Films, aber durchaus am Drehbuch entlang. Und so entstand dieses Album, in dem man einen Vorgeschmack auf den im September startenden Film bekommt (und ein paar Szenen sehen kann, die es nicht in die Endfassung des Films geschafft haben).

Worum geht es? Nun, es geht unter anderem um die Fragen, welche Bekleidung für einen Schwimmbadbesuch angemessen ist, ob die Bratwurst wirklich halāl – also für Musliminnen erlaubt – ist, ab wann frau die eher unproportionalen Pölsterchen am Körper verhüllen sollte und ob sie sich überhaupt noch sexy darstellen darf, wenn sie nicht mehr fruchtbar ist. Und natürlich um die – in dem Fall genderneutrale – Frage, wer da gerade wieder ins Wasser gekackt hat.

Das alles ist Dörrie (denn sie hat das Drehbuch geschrieben). Stulin, das sind die Farben, der Himmel, die Körper, die Mimik, die Bewegung, das Wasser, die Hitze und das, wofür Stulin auch unabhängig vom Comiczeichnen bekannt ist: fetzige Diskussionen. Die Zeichnungen entsprechen denen aus Bei mir zu Hause, der szenische Aufbau und das Tempo der Geschichte auch. Eine spritzige Komödie, in der muslimische und feministische Ansichten heftig aufeinander treffen (und sich teilweise gegenseitig ad absurdum führen), klasse adaptiert und ein, wie Stulin in einem Interview erklärt hat, Musterbeispiel dafür, dass emanzipatorische Inhalte nicht bieder daherkommen müssen. Erfrischend wie ein Schwimmbadbesuch.

Paulina Stulin, Doris Dörrie: Freibad
296 Seiten, gebunden, 29,- Euro, ISBN 978-3-948904-38-8
> Leseprobe

Kommentieren?

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s

Diese Seite verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden..