Aber ich lebe

Ein Album über vier Kinder, die den Holocaust überlebt haben. Und darüber, wie sie das geschafft haben: Emmie Arbel überlebte als kleines Mädchen die Konzentrationslager Ravensbrück und Bergen-Belsen. David Schaffer entkam dem Genozid in Transnistrien, weil er sich nicht an die Regeln hielt. Die Brüder Nico und Rolf Kamp versteckten sich in den Niederlanden dreizehn Mal vor ihren Mördern. Zusammen mit den Überlebenden haben drei international bekannte Zeichner:innen deren Geschichten in Graphic Novels erzählt, die unvergesslich vor Augen führen, was der Holocaust für Kinder bedeutete – und nicht nur für sie. (Verlagstext)

Dieses Album ist wirklich klasse. Barbara Yelin, Miriam Libicki und Gilad Seliktar erzählen drei Geschichten. Bei allen geht es um Strategien, mit denen Kinder versucht haben, den Holocaust zu überleben. Und um Eltern, Widerstandskämpfer oder einfach mutige Menschen, die dabei geholfen haben. Dreimal das gleiche Thema, und doch drei individuell unterschiedliche Geschichten.

Dazu haben die Zeichnerinnen mit den (heute natürlich erwachsenen) Kindern von damals gesprochen. So bekommt der Leser keine Fantasieprodukte, sondern den O-Ton der Betroffenen – und damit rundum authentische Erzählungen. Grafisch verwenden Yelin, Libicki und Seliktar jeweils ihren eigenen Stil, was die Geschichten auch optisch voneinander abhebt und das Album abwechslungsreich macht.

Von den 176 Seiten bestehen 130 aus den drei Comics. Selbst geschriebene Biografien der Interviewten und Informationen über historische Hintergründe ergänzen das Album. Das ist durchaus interessant, macht den Band aber teuer. Vielleicht wäre da weniger mehr gewesen. Jugendliche sind die Hauptzielgruppe dieses Albums.

Was nervt, ist der Satz von James E. Young als Werbung auf der Rückseite: Die stärksten Graphic Novels über den Holocaust seit Art Spiegelmans Maus. Da fragt man sich: Was liest Young sonst so? Mickey Mouse? Alleine auf Comickunst findet man Rezensionen von über 40 Alben, die den Holocaust (oft auch aus Kindersicht) erschreckend authentisch beschreiben. Man braucht nur die Kategorie Faschismus / 3. Reich anzuklicken. Klar, Werbung muss sein. Aber solch hohle Werbesprüche tragen maßgeblich zur Sinnentleerung von Sprache bei.

Für die meisten Jugendlichen wird das Album zu teuer sein. Was einer der Gründe dafür ist, dass es in jede Schulbibliothek gehört. Für Schulen gibt es außerdem auf der Website der Herausgeber jede Menge ergänzendes Unterrichtsmaterial (Texte, Videos, Interviews, etc.) – bislang allerdings nur auf Englisch.

Barbara Yelin, Miriam Libicki, Gilad Seliktar: Aber ich lebe
Aus dem Englischen von Rita Seuß
176 Seiten, gebunden, 25,- Euro, C.H.Beck, ISBN 978-3-406-79045-4
> Leseprobe

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