Mademoiselle Baudelaire

Eine Graphic Novel vom Feinsten. Verlagstext: Nur wenigen Dichtern ist Ruhm vergönnt, wie Charles Baudelaire ihn genießt, und nur wenige Werke trotzen so beständig der Zeit wie seine »Blumen des Bösen«. Und doch wählt Yslaire nicht den Poeten, sondern seine Muse, um sein persönliches Opus Magnum zu erschaffen: jene Jeanne Duval, die Unsichtbare einer ganzen Epoche, die Frau, die Baudelaire am innigsten liebte und die er am tiefsten verdammte. Von dem Mann, der ihr verfallen war, mit zeitlosen Worten geschmeichelt, von vielen Zeitgenossen als »Schwarze Venus« verschrien, ist Duvals Schicksal bezeichnend für das einer starken Frau in einer frauenfeindlichen wie rassistischen Epoche. Und doch bildet diese Liebesgeschichte, bitter und sinnlich, zerstörerisch und aufgeklärt, den Kern von Yslaires Werk. Mit scharfen Linien, roher Sexualität und Poesie und dem Drang zum Absoluten stellt »Mademoiselle Baudelaire« das Hauptwerk eines gereiften Meisters der Neunten Kunst dar.

Ob es sein Hauptwerk ist, sei dahingestellt – aber dass Yslaire hier puren Genuss von der ersten bis zur letzten Seite abliefert, daran gibt es keinen Zweifel. Es stimmt einfach alles: das Szenario (klar strukturiert und super erzählt), die Bilder (eine traumhafte 19.Jahrhundert-Atmosphäre wie in Sambre), die Kolorierung (pure Streicheleinheiten für die Augen) und die Idee, die Geschichte von Jeanne erzählen zu lassen, statt einfach eine 08/15-Biografie runterzunudeln.

Yslaire gehört zu den stärksten Vertretern der neunten Kunst. Sein Sambre-Universum ist längst Kult (die Bände, die Carlsen nicht mehr publiziert hat, kann man bei Finix bekommen) und auch Der XX. Himmel war grafisch einfach nur erlesen. Dem steht diese Baudelaire-Biografie in nichts nach. Schon von den gelegentlich eingestreuten einzel- und doppelseitigen Bildkompositionen könnte man sich jede zweite als Poster an die Wand hängen. Einzig die Hintergrundfarbe der Dialogtexte ist zu hell und nervt gelegentlich.

Für alle, die sich für Baudelaire und/oder französische Literatur und Kultur interessieren ein must have. Für alle, die wissen wollen, wie man starke Biografien schreibt, auch. Und für die, die wissen wollen, was gute Comics sind, sowieso. Einfach traumhaft.

Top 10 2021  Yslaire: Mademoiselle Baudelaire
Übersetzung von Tanja Krämling
160 Seiten, gebunden, 39,80 Euro, Splitter, ISBN 978-3-96792-198-4
> Leseprobe

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