Im Spiegelsaal + Celestia

Ein Album über weibliche Eitelkeiten und darüber, wie sie entstehen und wer sie macht. Verlagstext: Bereits 2003 schrieb die Philosophin Susan Bordo, dass wir in einem „Imperium der Bilder“ leben. In den letzten Jahren wurde diese Theorie mehr und mehr zur Realität: Eine iPhone-Kamera in jeder Hand, und dank der weit verbreiteten Social-Media-Nutzung ertrinken wir in einer Flut der Bilder… Wie hat sich unser Schönheitsempfinden dadurch verändert? Diese Frage wird in fünf Essays, die sich dem Thema jeweils aus einer anderen Perspektive nähern, untersucht. Die Schwedin Liv Strömquist ist ein Phänomen. Ihre augenzwinkernden, minutiös recherchierten Sachcomics gehören zu den meist verkauften Graphic Novels weltweit.

Und auch diese – erstmals farbige! – wird sich gut verkaufen. Wie immer legt die schwedische Soziologin und Feministin den Finger in die Wunde und erläutert haarklein, wie sich Schönheitsbewusstsein im Laufe der Jahrhunderte entwickelt hat, wie man sich im Streben danach seinen eigenen Feind anzüchtet, wozu es heute dient und wie es vermarktet wird: Eine ganze Phalanx von Industriezweigen trug dazu bei, die Sexualisierung von Frauen und, später, von Männern, voranzutreiben… Die Sexualität war zu dem Projekt geworden, sich mit Hilfe eines breiten Konsumwarensortiments zu inszenieren, indem man ganz viele Sachen kauft. Und den Kram danach auf Instagram postet.

Interessant sind die Beispiele berühmter Vorbilder, wie das der österreichischen Kaiserin Sissi, die alles dafür tat, um das Bild, das sie der Außenwelt von ihrer Schönheit vermitteln wollte, zu kultivieren. Beginnen tut Strömquist aber mit der Influencerin Kylie Jenner und fragt, wie und weshalb solche Wesen zu einem Vorbild werden. Ein Album, das sich ebenso unterhaltsam und informativ liest wie ihre bisherigen (z.B. Der Urspung der Welt oder Ich fühl´s nicht).

Top 10 2021  Liv Strömquist: Im Spiegelsaal
Übersetzung aus dem Schwedischen von Katharina Erben
168 Seiten, 20,- Euro, avant, ISBN 978-3-96445-062-3
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Tolle Bilder, schwache Story. Der Verlag schreibt über das neue Album von Fior: Die „große Invasion“ kam vom Meer und bewegte sich entlang der Küste nach Norden. Viele sind geflohen, einige haben auf einer Inselstadt Zuflucht gesucht, die vor über tausend Jahren auf dem Wasser erbaut wurde. Sie heißt Celestia. Vom Festland abgeschnitten, ist sie zu einem seltsamen Ghetto geworden, einer Heimat für Kriminelle und Außenseiter, aber auch der Zufluchtsort für eine Gruppe junger Telepathen. Zwei von ihnen, Dora und Pierrot, fliehen von der Insel und entdecken auf dem Festland eine Welt, in der Erwachsene sich als Hüter der „alten Welt“ verstehen und eine neue Generation von Kindern die Gesellschaft zu einer neuen Menschlichkeit führen soll. Celestia ist eine SF-Geschichte, eine Reflexion über die Zukunft der Menschheit, über ihre mögliche Entwicklung als Spezies und über die kommenden Herausforderungen, denen sie sich stellen muss in mehr oder weniger naher Zukunft.

Weshalb dieses Album eine Reflexion über die Zukunft der Menschheit… und kommende Herausforderungen sein soll erschließt sich nicht wirklich. Fior erklärt weder, was für eine große Invasion da stattgefunden haben, noch, weshalb die Zukunft der Menschheit in Telepathie liegen soll. Statt dessen präsentiert er eine assoziativ erzählte, ziemlich zusammengehirnt wirkende Story, die alles und nichts bedeuten kann und ziemlich in der Luft hängt. Das ist furchtbar schade, denn die Zeichnungen sind einfach wieder super: Die Figuren, ihre Bewegungen, die Umhänge, die Explosion, die Farben…

Und obwohl ich mich vorab sehr auf das neue Album von Fior gefreut habe, geht es mir damit wie mit den neuen Alben von Baru und Prado – wie immer klasse gezeichnet, aber was für eine Story! Von der Comic-Star Jeff Lemire (Essex Country, Descender…) im Gegensatz zu mir sagt: „Celestia ist eine Offenbarung und eines der besten Bücher, die ich dieses Jahr gelesen habe.“ Tja – am Ende müsst ihr das dann für euch selber entscheiden.

Manuele Fior: Celestia
Übersetzung aus dem Italienischen von Myriam Alfano
272 Seiten, gebunden, 29,- Euro, avant, ISBN 978-3-96445-057-9
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