Rapport W

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Der Insiderbericht eines Widerstandskämpfers, der sich freiwillig als Häftling nach Auschwitz deportieren ließ. Verlagstext: Im Herbst 1940 ist eine Gruppe Männer, eingepfercht in einem Güterwaggon, auf dem Weg ins Konzentrationslager Auschwitz. Unter ihnen ist Tomasz Serafinski alias Witold Pilecki, ein Hauptmann der Geheimen Polnischen Armee. Seine Mission: ein Netzwerk von Widerstandskämpfern innerhalb des Lagers aufzubauen. Eine Aufgabe, die sich als äußerst heikel erweist, zu groß sind die Verstörung und die Angst der Gefangenen ob der Bestialität ihrer Wärter… Basierend auf dem authentischen »Rapport W«, den Berichten des einzigen bekannten Menschen, der freiwillig als Häftling ins KZ Auschwitz ging, erschafft Gaétan Nocq mit dieser Graphic Novel ein Werk im Spannungsfeld zwischen der Sanftheit seiner filigranen Zeichenkunst und der unfassbaren Brutalität des Dargestellten. Der Band wird durch einen umfangreichen Anhang zum historischen »Rapport Pilecki« ergänzt.

In seinem Report W, der auch als Buch vorliegt (Freiwillig nach Auschwitz) ließ Witold Pilecki Informationen über das Innenleben des Konzentrationslagers nach draußen schmuggeln. Pilecki bleibt darin im Ton pragmatisch, kühl und sachlich. Er beobachtet, aber er wertet nicht. Er lässt die Dinge für sich selbst sprechen. Diesen fast emotionslosen Tonfall hat Nocq bei seiner Adaption übernommen.

Auschwitz war am Anfang als Lager für polnische Gefangene gedacht. Pileckis Plan war, im Lager ein Widerstands-Netzwerk aufzubauen und damit einen Aufstand anzuzetteln, der von Widerstandsgruppen von außerhalb unterstützt werden sollte. Er versuchte deshalb, innerhalb des Lagers strategisch wichtige Positionen mit von ihm für das Netzwerk angeworbenen Leuten zu besetzen. Zum Beispiel auf der Krankenstation. Wer dort Zugang hatte, konnte kranke Mithäftlinge unabhängig von regulären Aufnahmeritualen versorgen. Auch die Schreinerei und andere Stationen waren von Bedeutung.

Man bekommt mit diesem Album einen Eindruck davon, dass Solidarität und Widerstand selbst im KZ möglich war. Und wie elend kompliziert und umständlich das organisiert werden musste. Nicht zuletzt mussten von den Nazis ermordete Mitglieder des Netzwerks immer öfter ersetzt werden. Und das unter permanenter Lebensgefahr. Doch trotz der grausigen Umstände gibt es kaum Spannung in dem Album. Pilecki hat seinen Rapport als reinen Bericht verfasst, und Nocq versucht glücklicherweise nicht, da ein Räuber und Gendarm-Spiel draus zu machen. Es kommt alles sehr nüchtern rüber – was den Leser umso fassungsloser vor manch geschildertem Ereigniss stehen lässt. Die Geschichte wird grafisch sehr eigenwillig, aber hochwertig umgesetzt, der ausführliche Anhang gibt einen zusätzlichen historischen Rahmen.

Gaétan Nocq: Rapport W – Freiwillig als Häftling in Auschwitz
Übersetzung von Marcel LeComte
264 Seiten gebunden, 35,- Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-134-4
> Leseprobe

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