Will Eisner – Graphic Novel Godfather

Ein – noch dazu zweifacher! – Eisner-Preisträger schreibt über Eisner. Verlagstext: Kaum jemand hat den Comic so sehr geprägt wie der amerikanische Autor und Zeichner Will Eisner! Fast 70 Jahre lang arbeitete er in dem Medium, von seinen Anfängen während des Comic-Hefte-Booms Ende der 1930er Jahre, bis zu seinem eigenen stilprägenden Charakter „The Spirit“, der von 1940–1952 als Zeitungsbeilage erschien und die Grenzen des Erzählens mit Bildern immer wieder neu auslotete. Filmische Schnitte, ungewöhnliche Perspektiven, überraschende Seitenkompositionen, nie gesehene Verbindungen von Text und Bild – mit „The Spirit“ wandte sich Eisner vornehmlich an ein erwachsenes Publikum und verfolgte literarische Ambitionen… Mit Ein Vertrag mit Gott legt er 1978 seine erste Graphic Novel vor und begründet damit ein neues literarisches Genre. Es folgen knapp zwanzig weitere Titel, darunter die autobiografisch inspirierten Werke The Dreamer und Zum Herzen des Sturms sowie 2005, kurz vor seinem Tod, Das Komplott – Die wahre Geschichte der Protokolle der Weisen von Zion in der er die Entstehung dieser antisemitischen Fälschung zum Thema macht. Eisner erhielt zahlreiche internationale Preise…

Das ist schon spannend: Kunsthistoriker Alexander Braun, der in den vergangenen Jahren diverse Ausstellungen rund um das Thema Comic in die Kunsthallen gebracht hat – u.a. Winsor McCays Little Nemo und Pioniere des Comic – schreibt jetzt über Will Eisner. Den nach dem Godfather of Graphic Novel benannten Preis hat er selber bereits zweimal erhalten (für seine Arbeit an den Gesamtausgaben von Krazy Kat und Little Nemo). In dem jetzt erschienenen, fast 400 Seiten dicken Buch, das mit zahlreichen – oft ganzseitigen, auch vierfarbigen – Illustrationen angereichert ist, gibt er einen umfangreichen Überblick über Leben und Werk des Zeichners, der immer wieder das Leben und Überleben in den weniger noblen Vierteln New Yorks auf die Seiten gebracht hat. Das Buch dient als Begleitband einer Ausstellung, die noch bis Ende Juni im Dortmunder schauraum zu sehen ist (und 2022 während des Comicsalons in Erlangen).

Braun liefert hier nicht nur einen Überblick über den Lebensweg Eisners, sondern kümmert sich vor allem um dessen Werk und seine Entstehung. Angefangen vom Spirit, der für Eisner – mit Unterbrechungen – über Jahrzehnte ein riesiger Comicspielplatz war, auf dem er seine grafischen Experimente durchführen und so dem Medium – das in den 1930er Jahren in der öffentlichen Meinung knapp vor der Prostitution residierte, also so ziemlich das Hinterletzte war, mit dem man sich beschäftigen konnte – immer neue Aspekte abgewann. Die Ergebnisse seiner Experimentierfreudigkeit sind bekannt – einige Titel sind oben aufgezählt.

Am interessantesten in Brauns Ausführungen finde ich die Art, wie er Leben und Werk zusammenbringt. Eisner unterhielt sich gerne über Themen rund um das Medium Comic – über sein Privatleben wussten die meisten wenig bis nichts. So war lange nicht klar, dass Eisner in der Titelstory von Ein Vertrag mit Gott auch den Tod seiner Tochter verarbeitete, von der die meisten seiner Freunde nicht einmal wussten, dass sie existiert hatte. Die persönlichen Hintergründe, die Braun aus Eisners Geschichten herausarbeitet, eröffnen neue Sichtweisen auf den Inhalt vieler Alben. Und natürlich macht dieses Buch Laune, das ein oder andere davon wieder in die Hand zu nehmen, denn eins ist mal klar: Eisners Comics gehören auch 15 Jahre nach seinem Tod zum Besten, was dieses Medium zu bieten hat.

Alexander Braun: Will Eisner – Graphic Novel Godfahrer
384 Seiten, gebunden, 39,- Euro, avant, ISBN 978-3-96445-050-0
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