Goldjunge

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Noch ein Album zum 250. Todestag von Ludwig van Beethoven. Verlangstext: Schon beim Klang seines Namens entsteht eine Melodie im Ohr. Aber kommt man wirklich als Genie zur Welt? Wer war dieser Mensch, bevor er zu einem der größten Komponisten aller Zeiten wurde? Diesen Fragen widmet sich Mikael Ross in „Goldjunge“. Aus einfachsten Verhältnissen stammend, war bei seiner Geburt 1770 vom späteren Werdegang wenig zu erahnen. Der junge Ludwig musste seinen Weg erst finden, der ihn aus den engen familiären Verhältnissen heraus, bis ins kaiserliche Wien führte. Erst dort fanden sein Können und seine Kunst Anerkennung.

Ross, dessen geniales Album Der Umfall in diesem Jahr unter anderem mit dem Max und Moritz-Preis ausgezeichnet wurde, dienten die Erinnerungen eines Kindheitsfreundes von Beethoven als Grundlage für diese Erzählung. Der kleine Ludwig, gerade mal schlappe sieben Jahre jung, aber zum Leidwesen seines Vaters bereits ein Virtuose am Klavier, muss sich gegen allerlei elterliche und andersartige Widerstände zunächst von seiner Geburtsstadt Bonn nach Wien durchschlagen, bevor er seine eigene Musik spielen kann. Denn Mozart und Haydn tun zwar so, als wollten sie ihm helfen, sind aber, wie Beethovens Vater, nur daran interessiert, dass der Junge ordentliche Musik spielt – was auch immer das sein mag. Hauptsache keine Eigenkompositionen. Ross bastelt aus den Wirren dieser Jugend eine flotte, gelegentlich tragikomische Geschichte und setzt das 18. Jahrhundert auch optisch schön ins Bild. Überhaupt lohnt dieses Album schon allein seiner Zeichnungen wegen, die an eine Mischung aus Blain und Sfar erinnern (aber eigenen Charakter haben).

Nach Peer Meters Beethoven und Moritz Stetters Mythos Beethoven liegt damit bereits das dritte Album zu Beethovens Todestag vor. Während Ross sich auf die Jugendjahre beschränkt, beschreibt Stetter die Wirkung des Meisters auf sein Publikum anhand von Aufzeichnungen berühmter Zeitgenossen. Meter wiederum lässt an Beethovens Totenbett zahlreiche illustre Gestalten allerlei Anekdoten über dessen Leben zum Besten geben. So kann man aus einem Thema mehrere unterhaltsame Alben machen, wenn man sich nicht an dem typisch langweiligen Biografie-Stil abarbeitet, der normalerweise zu solchen Anlässen geboten wird. Da alle drei Album thematisch wie stilistisch unterschiedlich sind lässt sich die Frage, welches das Beste ist, nicht beantworten. Jedes ist auf seine Art klasse, sie ergänzen sich wunderbar (und kommen auch als Geschenk gut).

Top 10 2020  Mikael Ross: Goldjunge – Beethovens Jugendjahre
160 Seiten , gebunden, 25,- Euro, avant, ISBN 978-3-96445-041-8
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