Der große Indienschwindel

guarnido-indienschwindelVerlagstext: Er ist ein wenig vertrauenswürdiger, aber hochsympathischer Spitzbube, dieser Don Pablos aus Sevilla, der uns hier aus seinem wildbewegten Leben im Spanien des Goldenen Zeitalters erzählt – und in jenem Amerika, das man damals noch für Indien hielt. Mal versunken im Elend, mal überaus reich, mal verachtet und dann wieder verehrt, führen ihn seine unglaublichen Abenteuer aus der Gosse in Paläste, von den Gipfeln der Anden in die sumpfigen Niederungen des Amazonas und schließlich zu jenem mythischen Ort, wo alle Träume von der Neuen Welt zusammenlaufen: Eldorado! Ein wahrgewordener Traum für Comic-Liebhaber: Der Szenarist Alain Ayroles, gefeiert für »Garulfo« und »Mantel und Degen«, und der Zeichner Juanjo Guarnido, dessen »Blacksad« auf Anhieb zum modernen Klassiker wurde, haben sich zusammengetan, um ein neues, aufregendes Werk aus der Wiege zu heben. Ein raffiniertes Meisterstück der grafischen Erzählkunst.

Ja, das ist schon eine trickreiche Geschichte, die die beiden sich hier ausgedacht haben. Als Vorlage haben sie Quevedos 1626 erschienene Erzählung El Buscón oder Das Leben des Abenteurers Don Pablos von Segovia genommen. Diesem damals überaus erfolgreichen Schelmenroman in der Art des Don Quijote wollte Quevedo ursprünglich eine Fortsetzung angedeihen lassen, kam aber nicht dazu. Also nahmen sich Juanjo Guarnido und Alain Ayroles der Sache an und erfanden eine Geschichte, die durchaus der zweite Band des Romans sein könnte: Don Pablos, der Held der Geschichte, macht sich auf nach Amerika, um dort sein Glück – das heißt: vor allem Gold – zu finden. Am Ende seiner leidvollen Abenteuer findet er etwas anderes, aber nicht minder wertvolles.

Wie witzig – und spritzig – Ayroles Geschichten erzählen kann, hat er schon in seiner Reihe Mit Mantel und Degen bewiesen. Doch ganz so elegant kommt diese Story nicht daher. Manchmal zieht sie sich etwas und man fragt sich, weshalb er sie so zeitlich verschachtelt erzählt. Das hätte man auch linearer aufbauen können. Doch der letzte Teil mit seiner überraschenden Wende versöhnt mit der Mühe, den Irrungen des Abenteurers gefolgt zu sein. Und dass Guarnido geradezu prädestiniert dazu ist, solch eine Story in starke Bilder zu packen, hat er in seiner Blacksad-Reihe gezeigt. Eine gelungene Gaunerkomödie, die man auch als Satire auf gesellschaftliche Konventionen lesen kann. Ach ja, und: Chapeau für Coverbild und Covergestaltung.

Juanjo Guarnido, Alain Ayroles: Der große Indienschwindel
160 Seiten, gebunden, 35,- Euro, Splitter, ISBN 978-3-96219-360-7
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