Woyzeck

eikenroth-woyzeckDie schlechte Nachricht zuerst: Wer Büchners Dramenfragment Woyzeck nicht kennt, wird es schwer haben, sich in das Album reinzufinden. Die gute Nachricht: Wer es kennt, den erwartet eine interessante, teilweise eigenwillige Interpretation.

Verlagstext: Büchners nie vollendetes Drama wird hier neu interpretiert und zeitversetzt grafisch frei und moderner inszeniert. Der ohnmächtige Soldat Woyzeck verliert durch Missbrauch neben seiner Ehre und Gesundheit auch seine Partnerin, mit der er ein gemeinsames Kind hat. Krankheit und Eifersucht treiben ihn zur Verzweiflung. “Ein zeitloses Drama, dessen Thema immer wieder aktuell ist ” – so der Künstler A.E. Eikenroth über sein Werk.

Worum geht es? Wozeck hat ein uneheliches Kind mit Marie, die sich allerdings in einen Tambourmajor verguckt hat – was nicht gut ausgeht. Hinzu kommt, dass Woyzeck an Schizophrenie leidet, und von einem Arzt als Versuchsperson missbraucht wird. 1836 von Büchner geschrieben, wurde das Stück nie vollendet, weil Büchner im Februar 1837 an Typhus starb. Die Geschichte spielt Anfang des 19. Jahrhunderts. Eickenroth hat sie in seinem Album in die Weimarer Republik transportiert – lässt sie also 100 Jahre später spielen. Das passt nicht schlecht, denn verlogene Moral war auch in dieser Zeit sehr präsent.

Interessant sind die Zeichnungen. Schon in seinen bisherigen Alben Die Schönheit des Scheiterns und Hummel mit Wodka hat er sich viel Raum für seine Figuren genommen. In Woyzeck geht er noch weiter: Er verzichtet komplett auf eine Panelstruktur und hat die einzelnen Szenen ganzseitig ineinander verschachtelt. Sozusagen als, wie er schreibt, grafische Inszenierung, denn im Grunde ist das Ganze ja Theater. Das gibt ihm mehr gestalterische Möglichkeiten.

Das einzige, was nervt, ist die gelegentlich antiquiert wirkende Sprache. Ja, die Verwendung von Umgangssprache als Stilmittel ist beabsichtigt und typisch für Büchner. Das war damals in der Literatur völlig neu. Aber muss das heute noch sein?

Andreas Eickenroth, Georg Büchner: Woyzeck
64 Seiten, gebunden, 15,- Euro, Edition 52, ISBN 9783935229395
Vorzugsausgabe mit signiertem Druck 35,- Euro
> Leseprobe

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